aufgeschlossen Schlüsselthema Verletzung und Vergebung Gemeindebrief für den Pfarrbereich Jerichow Foto: Dieter Schütz / pixelio.

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Foto: Dieter Schütz / pixelio.de aufgeschlossen Gemeindebrief für den Pfarrbereich Jerichow Schlüsselthema Verletzung und Vergebung Oktober/ November 2017 Hirtenwort Liebe Leserinnen und Leser! Die Bibel
Foto: Dieter Schütz / pixelio.de aufgeschlossen Gemeindebrief für den Pfarrbereich Jerichow Schlüsselthema Verletzung und Vergebung Oktober/ November 2017 Hirtenwort Liebe Leserinnen und Leser! Die Bibel kennt Geschichten von Verrat und Versöhnung zu Hauf. Eine der größten Familiengeschichten des Alten Testaments erzählt von Josef und seinen Brüdern: Eine Geschichte voller Verrat, Gewalt und Trauer, aber auch eine Geschichte der Liebe und Versöhnung. Hier die Kurzform: Josef ist Jakobs Lieblingssohn. Neidisch und zornig packen die Brüder Josef deshalb eines Tages, werfen ihn in einen Brunnen in der Wüste, und verkaufen ihn später sogar als Sklaven an eine Karawane. Dem Vater erzählen sie, dass Josef tot sei. Josef wird Sklave in Ägypten und dient sich empor. Doch eine Intrige bringt ihn ins Gefängnis. Dort macht er sich einen Ruf als Traumdeuter, der sogar dem Pharao zu Ohren kommt. Der Pharao glaubt seinen Deutungen und ernennt ihn zum zweitmächtigsten Mann des Staates, der den Bau von Vorratsspeichern vorantreibt. Als dann tatsächlich eine Hungersnot kommt, kommen Menschen von überall her, so auch Josefs Brüder. Sie erkennen ihren Bruder nicht und Josef gibt sich zunächst nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Er nutzt seine Macht aus, sie zu testen: Den jüngsten Bruder Benjamin sollen sie für Getreide opfern, doch die Geschwister weigern sich. Josef ist zufrieden, dass die Brüder nun füreinander einstehen und gibt sich zu erkennen. Jakob, der Vater, kommt auch nach Ägypten und alles scheint nun wieder im Lot zu sein. Man lebt zusammen, profitiert vom mächtigen Bruder, doch über die eigentliche Sache wird nicht gesprochen: Über die Schuld der Brüder, Josef verkauft zu haben. Erst nach dem Tod Jakobs bricht die Angst aus den Brüdern heraus, Josef könnte sich nun an ihnen rächen, jetzt, wo der geliebte Vater tot ist. Voller Angst gehen die Brüder zu Josef und bitten ihn um Verzeihung. Josef beginnt zu weinen und spricht zu ihnen: 2 Hirtenwort»Fürchtet Euch nicht! Stehe ich denn an Gottes Statt? Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen!«die Geschwister liegen sich schließlich in den Armen. Bis zu seinem Tod mit 110 Jahren sorgt Josef für alle Geschwister und ihre Familien. Das ist ein idealtypischer Ausgang. Oft genug ist das Eingestehen von Schuld und das Vergeben nicht so einfach wie bei Josef und seinen Brüdern. Wer tatsächlich um Entschuldigung bittet, muss immer damit rechnen, dass der andere nicht vergeben kann. Hier liegt das Geheimnis für den guten Ausgang der Familiensaga von Josef und seinen Brüdern: Indem Josef von sich absieht und Gott als Richter einsetzt, wird er frei, die Entschuldigung der Brüder anzunehmen. Die Versöhnung ist möglich, weil Josef nicht Recht zu haben braucht, sondern darauf vertraut, dass Gott Recht sprechen wird. Josef sieht sich in einem größeren Zusammenhang, schaut nicht nur auf sein Unglück und seinen Stolz, sondern verweist auf Gott, der es gut mit ihm meinte. Es wirkt, als stehe Josef über den Dingen und kann deshalb ehrlich den Brüdern die Hand reichen. Eine Versöhnung mit großen Folgen für die weitere Familiengeschichte und die Geschichte unseres Glaubens: Nicht vergessen, aber vergeben, um Versöhnung für beide Seiten zu ermöglichen. Ihre Pfarrerin Friederike Bracht Foto: Reinhard Sandbothe / pixelio.de 3 Zu Besuch bei den fleißigen Redekiner Frauen Ganz spontan und ohne viel Tam- Tam konnten die Redekiner eine handvoll Frauen ihrer Dorfgemeinschaft in Aktion erleben. Am Nachmittag des 30. Augusts 2017 haben sie sich auf dem Kirchgelände getroffen und beschlossen, dass hier was passieren muss! Der Weg rund um die viergliedrige Backsteinkirche war unpassierbar. Unter anderem versperrte eine große vom Sturm gebrochene Rose den Weg. Ruckzuck wurden allerlei Werkzeug, Leiter und Schubkarren herbeigeschafft und mit der Arbeit begonnen. Und so kam auch das weiße Kreuz an der Außenwand der Apsis der Kirche wieder zum Vorschein. Dieses Kreuz ist in früherer Zeit entweder zum Fotos: Marie-Luise Streubel 4 Zu Besuch bei den fleißigen Redekiner Frauen Besuch eines hohen Würdenträgers oder als Zeichen einer Grablegung angebracht worden. Sichtlich stolz auf den Erfolg ihrer Arbeit und voller Zufriedenheit umrunden die Frauen nun ihre Kirche und ihren Dorfmittelpunkt wieder. So macht Ehrenamt Spaß und wird lobend anerkannt! (sn) 5 Gemeinde (er)lebt die Jagdhornbläser der Jägerschaft Havelberg Fotos: Kerstin Heins Am um Uhr findet in der Klosterkirche Jerichow ein Konzert mit der Jagdhornbläsergruppe Jagdhornbläser der Jägerschaft Havelberg statt. Zu Ehren des Schutzpatrons Heiliger Hubertus werden Anfang November vielerorts Jägergottesdienste gefeiert. Achtet auf die Mitgeschöpfe und geht sorgsam mit den Gütern dieser Erde um. Das ist vereinfacht gesagt die Botschaft des heiligen Hubertus. Seit dem 11. Jahrhundert wird er in besonderer Weise als Schutzpatron der Jäger verehrt. Nach der Legende war Hubertus ein skrupelloser Geselle, der exzessiv der Jagd frönte, bis ihm eines Tages ein Hirsch mit leuchtendem Kreuz im Geweih erschien. Aus dem Jäger ohne Grenzen wurde fortan ein Heger und Bewahrer der Natur. 6 Gemeinde (er)lebt die Jagdhornbläser der Jägerschaft Havelberg Und so halten es viele Jäger heutzutage auch: ihre Aufgabe ist das Gleichgewicht der Natur immer wiederherzustellen. Sie sind diejenigen, die überfahrenes Wild von der Straße kratzen. Sie werden gerufen, wenn Wildschweinrotten Parkanlagen und Vorgärten umwühlen. Aber sie gehen eben auch ihrem Hobby nach. Ein besonderes Erlebnis wird also das Konzert mit liturgischen Stücken werden. Im Anschluss werden Schwedenfeuer den Vorplatz heimelig machen und zu Gesprächen wird einladen. Herzlich Willkommen! (sn) Kinder- und Jugendprogramm Fotos: sabine meyer / pixelio.de Christenlehre Wust mittwochs Uhr Klassen Uhr Klassen Uhr Klasse 6 Christenlehre Jerichow donnerstags Uhr Klassen Uhr Klassen 4-6 Konfirmanden 7. und 8. Klasse Gemeindehaus Jerichow bis Uhr mittwochs 04.10, 18.10, und Churchnight Stendal Junge Gemeinde freitags 30.10, 18:30 Uhr ab 18 Uhr nach Absprache 7 Oktober und November 2017 Gottesdienste - bei Bedarf in den Winterkirchen Sonntag, 01. Oktober 2017 Erntedank 14:30 Z-GD Wust mit Gemeindechor Sonntag, 08. Oktober Sonntag nach Trinitatis 10:15 Jerichow mit Taufe 14:30 Kleinwulkow Sonntag, 15. Oktober Sonntag nach Trinitatis 9:00 Fischbeck 10:15 Nielebock 14:30 Sydow Sonntag, 22. Oktober Sonntag nach Trinitatis 10:15 Jerichow (Gemeindehaus, Vikar Gordon Sethge) Sonntag, 29. Oktober Sonntag nach Trinitatis 10:15 Jerichow (Gemeindehaus, Friedel und Manfred Große) Dienstag, 31. Oktober 2017 Reformationstag 16:00 musikalische Andacht in der Klosterkirche Samstag, 04. November :00 musikalische Hubertusmesse in der Klosterkirche Sonntag, 05. November Sonntag nach Trinitatis 10:15 Jerichow (Gemeindehaus) 14:30 Kleinwulkow Sonntag, 12. November 2017 Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr 9:00 Scharteucke 10:15 Steinitz 14:30 Wust Sonntag, 19. November 2017 Volkstrauertag 10:15 Jerichow (Gemeindehaus) 14:00 Klietznick Sonntag, 26. November 2017 Ewigkeitssonntag 14:00 Kabelitz - mit Abkündigung der Verstorbenen des letzten Jahres. Es singt der Kirchenchor Jerichow Z-GD Zentralgottesdienst Pfarrerin Friederike Bracht: T: , Fax: 03 Vors. GKR Jerichow, Horst Mitten Gemeindepädagogin Annett Komorowski, Wust, T: Veranstaltungen Sonderveranstaltungen Am findet um Uhr der Erntedank-Gottesdienst für den ganzen Pfarrbereich in der Kirche in Wust mit dem Jerichower Kirchenchor statt. Am wird im Malzekeller im Kloster Jerichow im Rahmen eines kleinen Konzertes Prof. Dr. Scholz Von ehrlosen Haufen und gelehrten Männern - Gemeinden und ihren Pfarrern im Jerichower Land in der Reformationszeit berichten. Anlass ist natürlich das Reformationsjubiläum. In die spannenden Geschehnisse um den Niedergang des Klosters Jerichow im 16. Jahrhundert wird Rolf Naumann am , ebenfalls im Kloster Jerichow, einweihen. Am findet in der Jerichower Klosterkirche um 16:00 Uhr ein musikalische Reformationsandacht mit der Cappella Elbigensis unter der Leitung von Gero Wiest statt. Am wird es zum Martinsfest einen Umzug von der Jerichower Stadtkirche zur Klosterkirche geben. Dort wird das Martinsspiel aufgeführt und bei Tee und Stockbrot sind im Anschluss alle herzlich zum Abendausklang eingeladen. Am geht dann der Martinsumzug auch in Wust von der Kirche zum Sportplatz und zum fröhlichen Zusammensein. Beginn ist ebenfalls 17 Uhr, Wuster Kirche. Frau Dr. Claudia Glöckner läd am und am wieder ins Gemeindehaus zur Gong-Klang- Meditation ein. Beginn 17:30 Uhr, Eintritt ist frei und um eine Spende wird gebeten. Eine Voranmeldung ist nicht nötig, bitte bringen Sie sich Decken und Kissen mit, falls Sie liegen möchten. Es wird Herbst und wir beginnen wieder mit den Kino im Gemeindehaus . Am treffen wir Ziemlich beste Freunde und am besuchen wir den Club der toten Dichter . Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Beginn 19:30 Uhr, Gemeindehaus Jerichow , Mail: dorf, Jerichow, T: , Kantor Christoph Lehmann, Tangermünde, T: Regelmäßig aufgeschlossen Tägliche Andachten montags bis freitags 8:00 Uhr in der Klosterkirche Geschichtskreis Treff jeden ersten Donnerstag im Monat um 19:30 Uhr in der Kirche Briest. Kontakt: Mathias Kage, 0178/ Stadtkirchenkreis Jerichow und 09.11, um 17:00 Uhr im Gemeindehaus Jerichow Seniorenkreise Briest und :30 Uhr Jerichow und :30 Uhr Kirchenchorprobe montags um 19:30 Uhr im Gemeindehaus Jerichow Kontakt: Kantor Christoph Lehmann, /2916 Gospel-Chor 05.10, 19.10, 02.11, und um 19:30 Uhr im Gemeindehaus Jerichow. Interressierte sind immer willkommen. Probensamstag ist am im Gemeindehaus. Gottesdienstausschuß Jerichow nach Absprache, 18:00 Uhr, Gemeindehaus Jerichow Gemeindekirchenrat Jerichow :30 Uhr Gemeindehaus Jerichow Wulkow-Wust nach Absprache 19:30 Uhr Kirche Briest Bitte beachten Sie die Aushänge am Gemeindehaus und Pfarramt. 10 Lebenspunkte Wir gratulieren zum Geburtstag... im Oktober Annemarie Plautz 85. Jahre Ingrid Gärtner 75. Jahre Elli Reim 98. Jahre Karl-Friedrich Peters 65. Jahre Hans-Gerhard Stärke 80. Jahre Ulrich Wäscher 92. Jahre Siegfriede Mossier 91. Jahre Helmut Völzmann 65. Jahre Horst Rosner 80. Jahre Anita Günther 85. Jahre im November Ella Kaute 94. Jahre Margot Schäfer 93. Jahre Erna Sattelkau 94. Jahre Helga Stieger 70. Jahre Erika Wilke 75. Jahre Martha Stärke 80. Jahre Aus Platzgründen können wir hier nur Geburtstagskinder aufnehmen, die älter als 60 sind, einen Runden oder Halbrunden feiern, oder über 90 Jahr alt werden. Es gibt natürlich viel mehr Geburtstagskinder. Auch für Sie: Herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen für Ihr neues Lebensjahr! Pfarrerin Friederike Bracht richtet Ihnen allen von Herzen Glückwünsche aus. Bitte haben Sie Verständnis, wenn ihr es nicht immer möglich ist, Sie an Ihrem Ehrentag auch persönlich zu besuchen. Getraut wurden Annika und Christoph Liebsch am in Steinitz. Verstorben und christlich bestattet wurden Rudolf Ehrecke (* ) am und Edeltraut Ehrecke (* ) am in Klietznick. 11 Schlüssel-Thema Verletzung und Vergebung Auf einem Spielplatz: Kinder im Vorschulalter spielen im Sand, haben Schippe, Eimer und Sandformen. Plötzlich nimmt ein Kind dem anderen die Schippe weg. Das andere Kind protestiert und will sich die Schippe zurückholen. Es kommt zum handfesten Streit; beide rangeln, ziehen sich in den Haaren, auch kleine Schläge mit der Hand bleiben nicht aus. Schließlich gewinnt der Junge, der die Schippe weggenommen hat. Er läuft damit weg, der andere setzt sich wieder in den Sand und spielt weiter. In einem Ort: Zwei Grundstücke grenzen aneinander, die Besitzer kennen sich gut, helfen sich ab und zu und feiern auch mal miteinander. Aber den linken Nachbarn stört schon seit längerem der Nussbaum seines rechten Nachbarn, der an der Grundstücksgrenze steht. Jedes Jahr weht der Wind die Blätter zu ihm rüber, die von ihm entsorgt werden müssen. Ein paar Jahre lang hat sich der linke Nachbar noch humorvoll damit abgefunden, aber jetzt ist auch mal Schluss, das geht nicht mehr so weiter. Der Baum wird jedes Jahr größer und die Blattmenge auch. Alle Bitten und Aufforderungen an den rechten Nachbarn bringen scheinbar nichts. Irgendwann wird der Ton schärfer und die gute Nachbarschaft kippt ins Gegenteil. Man geht sich aus dem Weg und grüßt sich kaum noch. Eine Familie: Der Sohn der Familie hat Pläne, will eine Firma aufbauen und sich selbständig machen. Dazu braucht es Geld. Um den Kredit zu bekommen, bittet er die Eltern und Geschwister für ihn zu bürgen. Es läuft jedoch alles schief und die Familienmitglieder müssen nun für den Gescheiterten gerade stehen und kommen selbst in finanzielle Schwierigkeiten. Ein Ehepaar: Die beiden sind schon etliche Jahre verheiratet und haben Kinder, Haus und ein gesichertes Einkommen. Die Frau glaubt, dass die Beziehung glücklich ist, da erfährt sie vom Seitensprung ihres Mannes. Sie möchte nun die Trennung, er jedoch einen Neuanfang. Im Gerichtssaal: Der Mörder steht vor Gericht. Die Eltern des getöteten Mädchens sind ebenfalls anwesend. Leid und Schmerz über das erlittene Schicksal sind ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie wollen, dass der Täter Foto: Dieter Schütz / pixelio.de 12 Schlüssel-Thema Verletzung und Vergebung für sein Verbrechen hart bestraft wird. Soweit einige fiktive Begebenheiten aus unserer zivilisierten Welt, die sich so oder ähnlich überall zutragen könnten. In allen oben genannten Beispielen gibt es Täter und Opfer, den Wunsch nach Strafe und Vergeltung. Aber was ist mit der Vergebung? Spielt sie in unserer Zeit noch eine Rolle oder ist sie eine leere Worthülse geworden, die mit seiner alternativen Entsprechung Verzeihung durch Funk und Fernsehen wabert. Können wir vergeben? Die Begriffsklärung ist eindeutig. Wir vergeben jemanden, der Reue für begangenes Unrecht zeigt und wir vergeben einem Fremden seine Schuld. Viele Religionen sehen Vergebung als wichtigen Weg zur Konfliktlösung an, auch ist sie in den monotheistischen Religionen ein Teil der Beziehungen zwischen Gott und Mensch, da Gott als gerecht und vergebend charakterisiert wird. Im Vaterunser heißt es: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Als Christen sind wir angehalten, zu vergeben und damit das Evangelium im Kleinen zu praktizieren, denn das Vergeben untereinander ist ein Akt der Gnade, unabhängig davon, ob der andere die Vergebung verdient. Vergebung bedeutet nicht, die unrechte Tat zu vergessen, zu beschönigen oder den Menschen zu meiden, der sie begangen hat. Ebenso hat auch die Beendigung der Strafe und Aufhören negativer Gefühle (Hass, Zorn) nichts mit Vergebung zu tun. Aber wie schwer ist es, jemanden wirklich zu vergeben, aus innerer Überzeugung und mit dem Ergebnis, alle negativen und schädlichen Gefühle zu tilgen, die aus dem Erinnern an das erlittene Unrecht entstanden sind? Nicht Vergeben-Können oder Wollen birgt die Gefahr der emotionalen Verhärtung in sich mit der Folge psychischer und körperlicher Störungen. Das Vergeben kann ein kurzer Satz sein, jedoch ist es meistens ein Prozess. Ein Prozess, der damit beginnt, dass man seinen Willen zu vergeben, ausdrückt und der in einer Wiederherstellung des eigenen Wohlergehens 13 Schlüssel-Thema Verletzung und Vergebung und möglicherweise auch in der Wiederaufnahme der Beziehung endet (Enright, 2006). In der Bibel gibt es viele Beispiele für Vergebung. Jesus selbst hat sie praktiziert. Am Kreuz bat er um Vergebung für seine Peiniger und Feinde. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Lukas 23,34. Bei Matthäus finden wir folgendes Beispiel: Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig. Da er's nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und zu zahlen. Da fiel der Knecht nieder und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir's alles bezahlen. Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du schuldig bist! Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir's bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war. Als nun seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte. Da befahl ihn sein Herr zu sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder. Foto: jutta rotter / pixelio.de 14 Schlüssel-Thema Verletzung und Vergebung Zwei weitere Beispiele für Vergebung: 1.Jeremias Gotthelf (Schweizer Pfarrer und Schriftsteller) erzählt einmal von zwei Eheleuten in einem Berner Bauernhaus, die es nicht leicht miteinander hatten. Dennoch lebten sie glücklich. Was war das Geheimnis ihres Eheglücks? Mann und Frau beteten jeden Abend von ganzem Herzen miteinander das Vater unser mit der Bitte: vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldiger. Diese Vergebung, sagt Gotthelf, war wie ein tiefer See. In diesem wurde jeden Abend aller Groll, der sich den Tag über angesammelt hatte, versenkt. So kam es, dass die Sonne, wenn sie am andern Morgen Wiederaufstieg, den Schatten nicht mehr sah, der bei ihrem Untergang das Herz des ein oder anderen verdunkelt hatte. 2. Die Auschwitz-Überlebende Eva Mozes Kor war 2015 anwesend, als Oskar Gröning, ein einstiger SS-Angehöriger, vor Gericht kam. Am Rande des Prozesses, der in Lüneburg stattfand, ging sie nach vorn und umarmte den ehemaligen Angestellten des KZ Auschwitz. Der Glaube einer Auschwitz-Überlebenden an die Kraft des Verzeihens ist ungewöhnlich, auch polarisierend. Die 49 Nebenkläger im Prozess gegen Gröning, Angehörige von Opfern, reagierten empört In ihrem Buch Die Macht des Vergebens beschreibt Eva Mozes Kor wie sie die Kontrolle über ihr Leben wiedergewonnen hat, indem sie den Tätern vergab und ihnen so die Macht über sich nahm Den Tätern zu vergeben, bedeutet nicht, ihnen Straffreiheit zu wünschen, auch wenn sie sich keine Strafe denken kann, die hart genug wäre, und die den Überlebenden helfen würde, sich besser zu fühlen, wie sie schreibt. Sie hält es für wichtiger, dass die Täter bezeugen, was geschehen ist. Damit niemand den Holocaust leugnen kann. ( Quelle: 2017) Schauen wir nun noch einmal auf die Beispiele am Anfang des Artikels. Was meinen Sie, in welchem der beschriebenen Situationen fiel es der betroffenen Person oder den Personen leichter zu vergeben? (sst) 15 Ausblick ab Uhr findet im historischen Kreuzgang im Kloster Jerichow wieder der Adventsmarkt statt. Um Uhr bereichert der Jerichower Gospelchor den weihnachtlichen Markt mit festlichen Klängen. vom bis wird immer Do-So ab Uhr im Kloster Jerichow die Engelausstellung von Frau Elisabeth Scheffler zu sehen sein Adventsfeier des Pfarrbereiches im Bürgerhaus Adventsspiel in Steinitz um Uhr findet die Christnacht in der Jerichower Klosterkirche statt. Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de I m p r e s s u m Herausgeber: Öffnungszeiten: Gemeindebriefteam: Spendenkonto: Evangelisches Pfarramt Jerichow Lindenstraße 14, Jerichow Tel /256 dienstags und freitags, 9-13 Uhr Friederike Bracht (fb), Jörg Linstedt, Claudia Braunschweig (cb), Niklas Lucke (nl) Susanne Northe (sn), Sabine Stimming (sst) Layout Josefine
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