Barrierefreie Unterrichtsmaterialien. Filmheft. mit Materialien für die schulische und außerschulische Bildung

Please download to get full document.

View again

of 33
All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Categories
Published
Barrierefreie Unterrichtsmaterialien Filmheft mit Materialien für die schulische und außerschulische Bildung SIMPEL Deutschland 2017, 113 Minuten Kinostart: 09. November 2017 Regie: Markus Goller
Barrierefreie Unterrichtsmaterialien Filmheft mit Materialien für die schulische und außerschulische Bildung SIMPEL Deutschland 2017, 113 Minuten Kinostart: 09. November 2017 Regie: Markus Goller Drehbuch: Dirk Ahner und Markus Goller nach dem gleichnamigen Roman von Marie-Aude Murail Kamera: Ueli Steiger Szenenbild: Zazie Knepper Außenrequisite: Steffi Lehmkul Maskenbild: Kathi Kullack Kostümbild: Ramona Klinikowski Produzenten: Letterbox Filmproduktion GmbH Koproduktion mit: C-Films (Deutschland), Amalia Film und ZDF FSK: ab 6 Jahre Verleih: Universum Film GmbH Webseite: Darsteller*innen: David Kross (Simpel), Frederick Lau (Ben), Emilia Schüle (Aria), Devid Striesow (David), Axel Stein (Enzo), Anneke Kim Sarnau (Julia) u.a. Genre: Tragikomödie, Road-Movie, Literaturverfilmung Altersempfehlung: ab 12 Jahre Klassenstufen: 7. bis 10. Klasse Sprachfassungen: deutsche Originalfassung, barrierefreie Fassungen verfügbar Themen: Behinderung und Anderssein, Außenseiter, Respekt und Toleranz, Selbstbestimmung, Verantwortung, Pflege, Familie, Freundschaft, Rollen Fächer: Deutsch, Ethik, Pädagogik, Sozialkunde, Psychologie, fächerübergreifend zu Diversity, Französisch, Religion Schulkinovorführung: Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. VISION KINO nimmt den Film ab 2018 in das Programm der SchulKinoWochen. Inhalt des Filmheftes Die Filmhandlung... 4 Einführung für Lehrkräfte Zum Film... 5 Zum Filmheft... 6 Charakterisierungen der Hauptfiguren... 7 Didaktische Anmerkungen und Lösungsvorschläge zu einzelnen Arbeitsblättern Unterrichtsmaterial und Arbeitsanregungen Die Arbeitsanregungen sind zur Differenzierung gekennzeichnet (*leicht, **mittel, ***anspruchsvoll) Was passiert im Film? Handlungsebene und Figuren Einführung für jüngere Schüler*innen vor dem Kinobesuch - Antizipation von Figur und Handlung* und Beobachtungsaufträge zur Ausgabe vor dem Kinobesuch* Was passiert im Film? Sicherung der Handlung, Identifikation der Haupt- und Nebenfiguren und Schlüsselszenen* Wie ticken Ben und Simpel? Charakterisierungen der Hauptfiguren* *** Wie spricht Simpel? Sprachanalyse** Keine Nase, keine Vase Wer ist Monsieur Hasehase? Funktion und Symbolik des Stofftiers* *** Welche Rollen spielen die Nebenfiguren? Untersuchung von Aria, Enzo, Vater** Wie ist der Film gemacht? Aufbau und Ausgestaltung Was ist eine realistische Tragikomödie? Untersuchung der Genrekennzeichen* Welche Informationen bietet uns die Exposition?* Wie erzeugt man mit filmischen Mitteln eine Atmosphäre?* *** Wie kommt Simpel ins Bett? Wie kommt Simpel ins Heim? Ellipsen Entwicklung einer Szene als Storyboard** Die Verreise ein unfreiwilliges Helden-Roadmovie? Untersuchung von Genreaspekten** Das Ende happy? Entwicklung eines alternativen Schlusses** Worum geht es noch? Thematische Vertiefung Behinderung Was bedeutet das? Recherche und Diskussion** Separation, Integration, Inklusion Wie wollen wir miteinander leben und lernen?*** Jeder ist gefragt! Ideen zum szenischen Spiel* *** Welche verschiedenen Rollen spielst du in deinem Leben? Identität und Rolle* Die Filmhandlung Ben hat keinen festen Job, ist aber auch so völlig ausgelastet. Auf dem Hof der Familie am Deich pflegt er seine krebskranke Mutter und seinen 22-jährigen Bruder Barnabas, genannt Simpel, der geistig behindert ist und kognitiv auf dem Stand eines Dreijährigen. Ständig verursacht er kindliches Chaos oder läuft von zu Hause weg. Dieses Mal findet Ben Simpel kurz vor der einsetzenden Flut draußen im Watt, wo er zusammen mit seinem Stofftier und ständigen Begleiter Monsieur Hasehase spielt. Obwohl er zunächst wütend ist, erliegt Ben wie immer dem kindlich-fröhlichen Charme Simpels und tanzt mit ihm ausgelassen im Wattschlamm. Am Abend bekommt Simpel sein Lieblingsessen Erdbeeren, die er in seiner eigenen Sprache Quasilorten nennt. Als Ben seiner Mutter das Essen ans Bett bringen will, findet er sie tot vor. Auf der Beerdigung nimmt Simpel Abschied von seiner Mutter. Er verspricht, auf seinen jüngeren Bruder Ben aufzupassen und wünscht ihr eine gute Verreise. Wieder zuhause, überbringt der Dorfpolizist die Nachricht, dass Bens Antrag, Simpel alleine zu betreuen, abgelehnt worden ist. Der Vater der beiden, der seine Familie schon vor langer Zeit verlassen hat, habe sich dagegen ausgesprochen und nun soll Simpel in wenigen Tagen ins Heim gebracht werden. Eine Trennung ist für beide unvorstellbar, denn seit Ben denken kann, kümmert er sich um den hilfebedürftigen Simpel. Zunächst fügt sich Ben der Anordnung und setzt Simpel in den Polizeibus, mit dem er ins Heim gebracht werden soll. Als jener sich aber verzweifelt zur Wehr setzt, sieht Ben rot und kapert den Bus. Unversehens sind Ben und Simpel auf der Flucht. Simpel schlägt vor, ans Meer zu reisen, aber Ben möchte zu ihrem Vater, von dem Simpel glaubt, dass er auf Geschäftsverreise sei. Ben aber weiß, dass er in der nahen Großstadt lebt. Sie schlagen sich zu Fuß und per Anhalter durch, ein Stück nimmt sie ein LKW-Fahrer mit, der selbst einen behinderten Sohn hat. Mit der Medizinstudentin Aria und ihrem Kumpel, dem Sanitäter Enzo, gelangt das Brüderpaar schließlich bis nach Hamburg. Ben will zunächst allein mit dem Vater sprechen, den er viele Jahre nicht gesehen hat und sucht ihn in dem Autohaus auf, in dem dieser als Geschäftsführer arbeitet. Simpel lässt er solange an einer Bushaltestelle in der Nähe warten. Dort kommt Simpel mit der Prostituierten Chantal ins Gespräch. Sie nimmt ihn mit in die Animierbar, in der sie arbeitet. Unterdessen gibt sich Ben seinem Vater David zu erkennen. David scheint ehrlich erfreut, Ben wiederzusehen und lädt ihn ein, seine neue Familie kennenzulernen. Simpel spielt inzwischen in der Animierbar mit den Prostituierten Verstecken, wird aber schließlich vom Barbesitzer hinausgeworfen. Es kommt zu Handgreiflichkeiten und Ben und Simpel müssen erneut fliehen. Im Krankenhaus versorgt Aria Bens Wunde, und sie lässt die beiden Brüder in ihrer Wohnung übernachten. Am nächsten Tag trifft Ben nochmals seinen Vater und erfährt, dass dieser zwar Kontakt zu ihm gesucht habe, aber den behinderten Sohn verleugnet hat. Simpel, alleine in Arias Wohnung, spielt derweil Kochen und löst einen kleiner Wohnungsbrand aus, der vom Nachbarn glücklicherweise schnell gelöscht werden kann. Als Aria nach Hause kommt, findet sie einen völlig verstörten Simpel vor, und um ihn abzulenken, geht sie mit ihm auf einen Kinderspielplatz. Dort treffen sie auf Sarah und ihre Freunde. Die Jugendlichen leben in Haus Sonnengarten, einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, und feiern gerade Sarahs Geburtstag. Schnell freundet sich Simpel mit Sarah an und gemeinsam gehen alle noch auf einen Jahrmarkt, wo sie einen herrlichen Abend erleben. Zurück zu Hause macht Aria Ben schwere Vorwürfe: Er könne sich nicht alleine 24 Stunden am Tag um Simpel kümmern und solle seinen Bruder besser in einem Wohnheim unterbringen, wo er rund um die Uhr betreut werden könne. Darauf flieht Ben mit Simpel in die nächtliche Großstadt. Am nächsten Tag besucht Ben wieder seinen Vater. Die Familie feiert gerade den Geburtstag von Davids neuer Frau in großer Gesellschaft, nimmt sich aber trotzdem Zeit für Ben. David versucht Ben zu erklären, warum er Simpels Existenz geleugnet und seine Einweisung in ein Heim bewirkt hat. Ben soll etwas aus seinem Leben machen und sich nicht nur um den behinderten Bruder kümmern. Als Simpel, der eigentlich vor dem Haus des Vaters warten sollte, in die Geburtstagsgesellschaft hineinplatzt, verliert der Vater die Fassung und wirft Simpel gewaltsam aus dem Haus. Die Brüder stranden hungrig auf einem Bahnsteig. Ben ist von der Situation überfordert, er schreit Simpel wütend an und macht ihm Vorwürfe. Simpel steigt in seiner Verwirrung in eine kommende Bahn ein und fährt davon. Ben bereut seinen Wutausbruch sofort und begibt sich zusammen mit Aria und Enzo auf die Suche. Schließlich stellt die Polizei Simpel auf dem Dach eines Hochhauses, wo es zu einer dramatischen Situation kommt, als Monsieur Hasehase vom Dach fällt und Simpel hinterherzuspringen droht. In der Schlussszene sieht man Simpel im Haus Sonnengarten bleiben. Ben wird vom Dorfpolizisten abgeholt, das Ende bleibt offen. 4 EINFÜHRUNG FÜR LEHRKRÄFTE Zum Film Wie soll man mit Menschen umgehen, die anders, hilfebedürftig, behindert sind? Wo liegen die Grenzen von Verpflichtungen und Verantwortlichkeit? Wie können solche Schicksale human und liebevoll gemeistert werden? Der Film SIMPEL wirft Fragen auf, die alles andere als simpel sind. Er nimmt jugendliche wie erwachsene Zuschauer*innen mit auf eine filmische Reise, an deren Anfang ein schweres Schicksal und am Ende Loslösung, Neuanfang und Selbstbestimmung stehen. Das Thema ist ernst, jedoch wird der 22-jährige, geistig schwer behinderte Barnabas, genannt Simpel, so liebevoll, skurril und zärtlich gezeichnet, dass man sich als Kinozuschauer*in ausgesprochen amüsiert. Insofern sorgt SIMPEL bei aller Problematik für ein warmherziges Gefühl ein Feelgood-Movie im besten Sinne. Auf tragikomische Weise erzählt uns SIMPEL die Bandbreite von Fürsorge und Hilfsbereitschaft und was alles in sich kümmern steckt. Bestenfalls nimmt der Film uns Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderungen. Das liegt auch an den herausragenden schauspielerischen Leistungen von David Kross, der Simpel so überzeugend und glaubwürdig spielt, dass man als Zuschauer*in völlig vergisst, einen nichtbehinderten Schauspieler vor sich zu haben. der Wert von Freundschaft oder Familie, das füreinander Dasein, Verantwortung und Selbstbestimmung, die direkt in der Lebenswirklichkeit Heranwachsender verhaftet sind. Der Film bietet Ansatzpunkte für sowohl eine inhaltliche als auch filmanalytische Auseinandersetzung. Dabei stehen die ungleichen, aber für den Fortlauf der Filmhandlung gleichwertigen, Brüder klar im Vordergrund. Das Zentrum bildet der titelgebende Simpel mit seinem Stofftier Monsieur Hasehase. Allerdings ist es die Figur von Ben, die sich aktiv entscheiden und entwickeln muss. SIMPEL folgt einem linearen, konventionellen Aufbau. Ergänzend zu dem Material in diesem Heft bietet sich daher an, den Film als Beispiel zur Einführung von klassischen Dreiaktern zu betrachten, um Schüler*innen das dramaturgische Konzept von Exposition, Entwicklung und Auflösung nahezubringen. Insbesondere am Filmanfang findet sich eine dramatische Verdichtung, wodurch sich eine Untersuchung der Exposition lohnt. Dabei können mit einer vertiefenden Untersuchung von Wendepunkten filmsprachliche Fachbegriffe eingeführt und die Methode der Szenenanalyse mit den Schülerinnen und Schülern geübt werden. Folgende Szenen/Sequenzen bieten sich an: Wendepunkt I: Die Mutter stirbt, Ben erhält die Nachricht über die Einweisung Simpels. Wendepunkt II: Ben kapert den Bus, die Brüder hauen ab. Wendepunkt III: Die Brüder lernen Aria und Enzo kennen. Wendepunkt IV: Simpel löst einen Brand aus. Wendepunkt V: Simpel lernt Sarah aus dem Haus Sonnengarten kennen. Der erwachsene Mann und sein Stofftier: Das Gespann ist Nervensäge, Entertainer und Weiser zugleich. Mit einfach-direkten, aber verblüffend treffenden Kommentaren trifft Simpel den Kern der Dinge und benennt sie so, wie sie sind. Er hat die Fähigkeit, in andere zu blicken und ihre Probleme zu erkennen. Mit seiner kindlich-naiven, gutmütigen, fröhlich-lebendigen Art gewinnt Simpel die Herzen der Menschen um sich herum und bringt sie dazu, ihn zu unterstützen. Diese große Sympathie werden ihm ebenso Schüler*innen entgegenbringen. Hier kann die pädagogische Arbeit ansetzen, denn die anarchisch-spontanen, lustigen Einfälle und Launen werden die Jugendlichen ansprechen. Dabei bleibt das Thema Behinderung nicht im Vordergrund, es bleibt Raum für weitere Themen wie Wendepunkt VI: Der Vater schmeißt Simpel aus dem Haus. Wendepunkt VII: Ben macht Simpel Vorwürfe, Simpel haut ab. Wendepunkt VIII: Simpel droht vom Hochhausdach zu springen. Das Drehbuch basiert auf der gleichnamigen französischen Romanvorlage Simple (2004) von Marie-Aude Murail. Das Buch gewann zahlreiche Preise (u.a den Deutschen Jugendliteraturpreis) mit der Begründung, es verstehe auf unglaubliche Weise, ein in der Gesellschaft vernachlässigtes Thema auf humorvolle und zugleich ernstzunehmende Weise darzustellen. 5 EINFÜHRUNG FÜR LEHRKRÄFTE Zum Filmheft Das Material und die Arbeitsanregungen gliedern sich in drei große Bereiche: 1. Was passiert im Film? Handlungsebene und Figuren 2. Wie ist der Film gemacht? Aufbau und Ausgestaltung 3. Worum geht es noch? Thematische Vertiefung Dasselbe kann über den Film SIMPEL gesagt werden, denn er eröffnet eine Bandbreite an Wirkungen: Er ist warmherzig, komisch, lustig, traurig, tiefsinnig, ernst. Die facettenreiche Ausgestaltung kann zum Anlass genommen werden, über Kennzeichen von Tragikomödien und Genres zu sprechen. Der Film entfernt sich weit vom Buch, vor allem durch die Verlagerung des Settings (Hamburg statt Paris) und in der Figurenkonstellation (statt einer WG und vielen Nebenfiguren die Reduktion auf Aria und Enzo), weshalb SIMPEL gut als Film an sich und nicht nur als Literaturverfilmung untersucht werden kann. Der Film bietet sich als ein niederschwelliges Angebot für alle weiterführende Schulformen, nicht nur der Gymnasien, sondern insbesondere der Haupt- Sekundar- und Förderschulen an. Auffallend wenige Schulbücher beschäftigen sich mit dem Thema Behinderung, obwohl die Auseinandersetzung mit Diversity und Anderssein mittlerweile Eingang in die Lehrpläne gefunden hat. Diese Lücke kann SIMPEL füllen, der Film eignet sich fächerübergreifend als Einführung in z.b. Themen- oder Projektwochen zum Thema Behinderung und Inklusion. Hier sorgt der Film für Sichtbarkeit einer an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Personengruppe, hier setzt die schulische Arbeit mit dem Film an, denn die Figur Simpel kann als ein Individuum mit seinen spezifischen Stärken und Schwächen unter vielen betrachtet werden und nicht nur vor der Folie oder gar mit dem Stigma eines geistig schwer Behinderten. Dabei sind die Arbeitsanregungen zur Differenzierung gekennzeichnet (*leicht, **mittel, ***anspruchsvoll), um möglichst vielen Schüler*innen unterschiedlicher Jahrgangsstufen und Lernniveaus gerecht zu werden. Es finden sich methodisch abwechslungsreiche Aufgabenstellungen verschiedener Sozialformen, analytisch-theoretische Arbeitsanregungen neben kreativ-produktionsorientierten Aufgabentypen. Insgesamt bieten die Arbeitsblätter breite und ganz unterschiedliche Zugänge zum Film, die in einer Unterrichtseinheit behandelt, aber auch einzeln modulartig verwendet werden können. Für jüngere Lerngruppen gibt es eine vorbereitende Einführung in den Film. Allgemein hat sich bewährt, Beobachtungsaufträge vorweg zu geben, um das Verständnis zu fördern und die folgende tiefere Auseinandersetzung vorzuentlasten. Das Filmheft bietet ausführliche Charakterisierungen der Figuren Ben, Simpel, Aria und David, dem Vater der Brüder. Sie können den Lehrkräften als Erwartungshorizont für die folgenden Aufgaben zur Figuren- und Beziehungsanalyse dienen. Auch hier sind die Arbeitsanregungen bewusst steigernd für sehr heterogene Lernvoraussetzungen aufgebaut und auch unabhängig voneinander einsetzbar. Das Filmheft dient ferner zur Ergänzung der Unterrichtsmaterialien zur Romanvorlage, die es für die Schullektüre des Buches sowohl auf Deutsch als auch Französisch gibt. Wird das Buch im Unterricht gelesen, kann eine vergleichende Analyse vorgenommen werden, um die spezifisch filmsprachliche sowie die dramaturgische Umsetzung zu untersuchen. Wenn das Buch im Französischunterricht behandelt wird, bieten sich die dialogfreien Szenen an, um die Visualisierung der Figuren und Szenen zu analysieren, wie z.b. die Szene im Watt, auf dem Jahrmarkt oder dem Hochhaus. Um Schüler*innen zum Schreiben und Sprechen zu aktivieren, kann man sie anhand der Szenenbilder französische Dialoge schreiben und dann vortragen lassen. 6 EINFÜHRUNG FÜR LEHRKRÄFTE Charakterisierungen der Hauptfiguren Wenn Simpel von Ben alleine gelassen wird oder er wegläuft, gerät er in Gefahr, aber auch in Situationen, an denen er wächst: 1. mit Chantal in der Animierbar, 2. mit Aria nach dem Wohnungsbrand, 3. im Haus des Vaters, 4. in der Bahn/im Möbelhaus. SIMPEL Simpel ist 22 Jahre alt, groß, blond, schlank und von erwachsener Statur. Er leidet unter kleinen Muskelspasmen an den Händen, einer schleppenden, undeutlichen Aussprache und zieht manchmal ein Bein nach. Aufgrund eines Geburtsfehlers ist er geistig behindert, kognitiv befindet er sich auf dem Entwicklungsstand eines Dreijährigen. Gedanklich ist er verspielt und fantasievoll, er hegt einen kindlich-naiven religiösen Glauben ( Klauen macht, dass der Herr Jesus weint. ). Sein Idiolekt zeichnet sich durch einfachen Satzbau, Wiederholungen, unpassenden und übermäßigen Gebrauch bestimmter Artikel aus: z. B. Hast du den Mann?, anstatt hast du einen Mann?, und Neologismen, z.b. ponkeln für pinkeln, Quasilorten für Erdbeeren, seinem Lieblingsessen. Die Figur des Simpel ist alles andere als simpel. Simpel braucht Rituale (z.b. zum Einschlafen) und repetitive Abläufe, um sich sicher und wohl zu fühlen. In für ihn krisenhaften Situationen schlägt er sich immer wieder leicht an den Kopf. Veränderungen und fremde Umgebungen verunsichern ihn zunächst, hingegen mag er Überraschungen im Kontext von Spiel und Humor. Er vertraut seinem Bruder Ben blind und bedingungslos. Am Grab der Mutter gibt er das Versprechen, auf den jüngeren Ben aufzupassen, und nimmt diese selbst auferlegte Aufgabe ernst. Simpel begegnet fremden Menschen mit Offenheit und Gutmütigkeit. Der polnische LKW-Fahrer Franciszek charakterisiert seinen eigenen behinderten Sohn Oscar mit Immer lachen (...) und nur die Liebe - und trifft damit auch Simpels emotionale Grundhaltung, bei der das Herz wichtiger ist als der Verstand. Denn auf der einen Seite ist er eine Nervensäge, auf der anderen berührt er andere Menschen mit seiner Direktheit, er scheint geradezu in ihr Herz sehen zu können. Als er Aria unverblümt sagt, dass sie einsam ist, erscheint er wie ein weiser Narr. Bis auf den eigenen Vater reagieren die Menschen auf ihn freundlich und zugewandt bis hin zur aktiven Hilfsbereitschaft. Der Regisseur Markus Goller charakterisiert ihn als einen Mensch ohne Maske, ohne irgendwelche Filter, die wir ja alle haben, weil wir versuchen zu gefallen. Simpel ist einfach, wie er ist. Der lebt im Hier und Jetzt. Wie ein Kind, völlig frei, reagiert er auf das, was um ihn herum passiert.. Simpel weiß sich aber am Ende selbst zu helfen. Die Idee, sich in ein Bett in einem Möbelhaus zu legen, ist so clever wie einleuchtend, als er abends alleine und einsam nach einer Bahn-Odyssee in der Stadt strandet. Anscheinend freiwillig begibt er sich am Ende in die Obhut des Wohnheimes für Menschen mit Behinderungen und nimmt, Hand in Hand mit seiner neuen Freundin Sarah, Abschied vom Bruder. Er überlässt ihm in symbolischer Geste sogar seinen Begleiter Monsieur Hasehase als Schutzengel. MONSIEUR HASEHASE Keine Vase, keine Nase, es ist Monsieur Hasehase! Ohne diesen Stoffhasen kann Simpel nicht sein, er muss sogar aus dem Grab der Mutter geholt werden, in das er hineingeriet, als sich Simpel von ihr verabschiedet hat. Ansonsten lässt Simpel Monsieur Hasehase nicht aus der Hand und er ist das erste, was der Kinozuschauer von Simpel sieht. Dieses Stofftier hat viele Funktionen für Simpel: Er ist Spielkamerad, Unterhalter, Ansprechpartner, Kommunikationsmittel. Der Schauspieler David Kross sagt über den Hasen: Simpel drückt sich auch über Monsieur Hasehase aus, der ist so ein intuitives, dunkles Ich von Simpel. Wenn er verlegen ist, dann schickt er den gern mal vor, und wenn er böse ist, dann kann Hasehase auch mal,halt die Klappe! sagen. Er ist halt immer da und er gibt auch eine gewisse Sicherheit und dabei ist Hasehase auch so ein kleiner Anarchist... 7 EINFÜHRUNG FÜR LEHRK
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks