BGI 826. BG-Information. Schutz gegen Absturz. Persönliche Absturzschutzausrüstung sachkundig auswählen, anwenden und prüfen.

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826 BGI 826 BG-Information Schutz gegen Absturz Persönliche Absturzschutzausrüstung sachkundig auswählen, anwenden und prüfen Juni 2013 Impressum Herausgeber Berufsgenossenschaft Holz und Metall Wilhelm-Theodor-Römheld
826 BGI 826 BG-Information Schutz gegen Absturz Persönliche Absturzschutzausrüstung sachkundig auswählen, anwenden und prüfen Juni 2013 Impressum Herausgeber Berufsgenossenschaft Holz und Metall Wilhelm-Theodor-Römheld Straße Mainz Telefon: Fax: Internet: Servicehotline bei Fragen zum Arbeitsschutz: Medien Online: Sachgebiet/Fachbereich: Holz und Metall Ausgabe: Juni 2013 Schutz gegen Absturz Persönliche Schutzausrüstungen sachkundig auswählen, anwenden und prüfen BGI 826 Inhaltsverzeichnis Vorwort Einführung, Allgemeines, Grundsätze Allgemeine Forderungen gegen Absturz an Arbeitsplätzen Grundsätzliches zu persönlichen Schutz ausrüstungen gegen Absturz (PSA ga) Allgemeines über den Umgang mit PSA gegen Absturz Kurzinformationen zum Einsatz von PSA gegen Absturz Auswahl und Einsatz von PSA gegen Absturz Auf das System kommt es an! Erst Gurten Kein System für alle Fälle, aber für jeden Fall ein System! Die Gefährdungsbeurteilung Gebrauchsanleitung, Betriebsanweisung und Unterweisung der Beschäftigten Prüfung der PSA gegen Absturz Sachkundigenprüfung Überwachung während des Gebrauchs durch die Benutzer Rettung und Erste Hilfe Spezielle Arbeitsverfahren und weitere Anwendungsgebiete Ausbildung und Schulung Herstellerverzeichnis Literatur- und Quellenverzeichnis (Vorschriften und Regeln) Gesetze und Verordnungen Unfallverhütungsvorschriften BG-Regeln (BGR), BG-Informationen (BGI) und BG-Grundsätze (BGG) DIN-EN-Normen Abbildungsverzeichnis Anhang Übersicht Gefährdungsermittlung und Risikobeurteilung Anhang Checkliste zur Gefährdungsermittlung vor Einsatz von PSA gegen Absturz (PSA ga)...50 Anhang Gefährdungsermittlung/Dokumentation Anhang Gebrauchsanleitung Auffanggurt...52 Anhang Muster einer Betriebsanweisung...56 Anhang Muster einer Prüfliste PSA gegen Absturz...57 Anhang Muster einer Karteikarte...58 Vorwort Absturzunfälle bilden einen besonderen Schwerpunkt des Unfallgeschehens im Bereich der gewerblichen Wirtschaft. Jährlich kommt es in Deutschland zu etwa 7000 schweren und zum Teil tödlichen Absturzunfällen. Abstürze führen meist zu schwersten Verletzungen. Diese Unfälle haben neben einer Beeinträchtigung von Körper und Seele der Verletzten (Trauma) häufig langwierige Heilungs- und Rehabilitationsmaßnahmen zur Folge. Ursachen für diese Art von Unfällen sind nicht selten fehlende oder unzureichende Absturzsicherungen. Die Verfasser danken für die zahlreichen Hinweise, die bei der Überarbeitung dieser Broschüre Berücksichtigung fanden. Diese Informationsschrift soll den Verantwortlichen praxisbezogene Ratschläge zu folgenden Schwerpunkten geben: Auswahl und Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) gegen Absturz sachgerechte Beurteilung der Gefährdungen Anwendung entsprechend der Gebrauchsanleitung Erstellung von Betriebsanweisungen erforderliche Maßnahmen nach Sturz in das Auffangsystem Unterweisungshilfe für die Vorgesetzten Mögliche Beschädigungen an Bestandteilen der PSA sowie Kriterien für deren Prüfung werden anschaulich aufgezeigt. 7 1. Einführung, Allgemeines, Grundsätze Um den Absturz von Personen an Arbeitsplätzen zu verhindern, müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden. 1.1 Allgemeine Forderungen gegen Absturz an Arbeitsplätzen Wann spricht man von Absturz? Wo kann es zu einem Absturz kommen? Absturzunfälle von hochgelegenen Arbeitsplätzen können z. B. vorkommen im Hochbau, bei der Stahlbaumontage, beim Rohrleitungsbau, beim Kessel- und Behälterbau, beim Verlegen von Profilblechen, bei der Heizungs- und Lüftungsmontage, beim Aufzugsbau, bei sonstigen Schlosser- und Instandhaltungsarbeiten sowie bei Demontage und Abbrucharbeiten Bild 1-1: H = senkrechter Höhenunterschied zwischen dem Arbeitsplatz A bzw. der Absturzkante und der Auftrefffläche F im absturz gefährdeten Bereich 8 Einführung, Allgemeines, Grundsätze Eine Absturzgefahr liegt vor, wenn der Höhenunterschied H zwischen der Absturzkante oder Standfläche A und der Aufprallfläche F größer ist als 1,0 m. Handelt es sich bei der Aufprallfläche F nicht um eine feste und ausreichend große und tragfähige Fläche, sondern um Stoffe, in denen man versinken kann, spielt der Höhenunterschied H keine Rolle (beträgt also 0 m), da sich die Gefährdung nicht aus dem Aufschlagen auf eine Fläche, sondern aus der Gefahr des Versinkens ergibt. Wo und wann müssen Sicherheitsmaßnahmen gegen Absturz von Personen ergriffen werden? Die folgende Abbildung verdeutlicht, ab welchen Absturzhöhen Sicherungsmaßnahmen auf Baustellen gem. der Unfallverhütungsvorschrift BGV C 22 Bauarbeiten zwingend vorgeschrieben sind. Unabhängig davon sollte im konkreten Fall immer eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Abstürze sind auch möglich in Gruben, Gräben und Schächten. Bild 1-2: Erforderliche Absturzsicherungen an Arbeitsplätzen und Verkehrswegen 1.2 Grundsätzliches zu persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz (PSA ga) Wann dürfen PSA gegen Absturz eingesetzt werden? An Arbeitsplätzen und Verkehrswegen, an denen Absturzgefährdung besteht, die durch kollektiv wirkende Maßnahmen (z.b. Einsatz von Gerüsten oder Hubarbeitsbühnen oder technische Maßnahmen wie die Verwendung von Seitenschutz, Fangnetzen oder Fanggerüsten) nicht beseitigt werden kann, darf Anseilschutz als individuelle Maßnahme eingesetzt werden. Beachte! Von allen denkbaren Maßnahmen zur Verhinderung eines Absturzes ist der Anseilschutz die schlechteste. Aber es ist eine wirksame Maßnahme. Keine Maßnahme ist auch keine Lösung. 9 Einführung, Allgemeines, Grundsätze Wer legt den Einsatz von PSA gegen Absturz fest? Die Unternehmer ermitteln durch eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen, welches Arbeitsverfahren die geringsten Gefährdungen mit sich bringt und welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind. Es ist stets die Schutzmaßnahme auszuwählen, welche die größte Schutzwirkung hat (Bild 1-3). Bild 1-3: Rangfolge der Maßnahmen Bei der Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz legt der Unternehmer oder der verantwortliche Vorgesetzte die Anschlageinrichtungen fest und gewährleistet durch Überwachung, dass der Anseilschutz bestimmungsgemäß benutzt wird. Beachte! Bei allen Einsatzzwecken ist die Gebrauchsanleitung/Betriebsanweisung zu beachten sowie eine Gefährdungsermittlung vor Benutzung durchzuführen. Bild 1-4: Übersicht Persönliche Absturzschutzausrüstung (nach EN 363) 10 Einführung, Allgemeines, Grundsätze Was versteht man unter Persönlicher Absturzschutzausrüstung? In der Normung (siehe auch Abschnitt 10.4) werden die Begriffe Persönliche Absturzschutzausrüstung, Auffangsysteme, Haltesysteme, Arbeitsplatzpositionierung usw. verwendet. Auch der Begriff Anseilschutz ist in der Praxis weit verbreitet und wird in den Unfallverhütungsvorschriften verwendet. Im Bild 1-4 auf Seite 10 ist eine Übersicht entsprechend EN 363 dargestellt. 1.3 Allgemeines über den Umgang mit PSA gegen Absturz Es sind die von den Herstellern gegebenen Hinweise in der Gebrauchsanleitung zu beachten. Die PSA ist bestimmungsgemäß zu benutzen und die Beschäftigten sollen pfleglich damit umgehen. Alle Bestandteile der Systeme dürfen keinen Einflüssen ausgesetzt sein, die den sicheren Zustand beeinträchtigen können. Systeme für seilunterstützten Zugang nehmen eine Sonderstellung ein. Diese Systeme werden in weiten Teilen in Anlehnung an den Bergsport eingesetzt. Ihr Einsatz bedarf einer besonders intensiven Ausbildung der Benutzer und erfordert ein hohes Maß an körperlicher Fitness. Ausrüstungen für seilunterstützten Zugang und zur Arbeitsplatzpositionierung müssen besonderen ergonomischen Anforderungen genügen, weil der Benutzer während des Einsatzes ständig durch das System gehalten wird. Um den Eindruck zu vermeiden, dass die Lektüre dieser Broschüre zum Einsatz von Systemen für seilunterstützten Zugang befähigt, werden diese Systeme hier nur am Rande behandelt. Rückhaltesysteme verhindern den Absturz dadurch, dass die Bewegungsfreiheit der Benutzer durch Anseilen so eingeschränkt wird, dass die Absturzkante nicht erreicht werden kann. Auch auf solche Systeme soll im Weiteren nicht näher eingegangen werden. Bild 1-6: Muster einer Gebrauchsanleitung (siehe Anhang 4) [Bornack] Bild 1-5: Seilunterstützter Zugang (Foto: Bornack) Solche Einflüsse sind z. B. Einwirkung von aggressiven Stoffen (Säuren, Laugen, Öle, Fette, Putzmittel, Lötwasser), Einwirkung von hohen Temperaturen (im Allgemeinen ab 60 C), z. B. infolge von Schweißarbeiten sowie Einwirkung von tiefen Temperaturen (im Allgemeinen ab 10 C). 11 Einführung, Allgemeines, Grundsätze Zum pfleglichen Umgang gehört aber auch, dass Auffanggurte, Verbindungsmittel u. a. Systembestandteile nicht zusammen mit Werkzeug/Material usw. aufbewahrt werden Beachte! Der missbräuchliche Einsatz von Systembestandteilen der PSA, z. B. als Anschlagmittel, ist strikt untersagt. Sind PSA gegen Absturz zu kennzeichnen? Bei einigen Ausrüstungen werden entsprechende Behältnisse mitgeliefert (Bild 1-9). Wie ist eine sachgerechte Pflege durchzuführen? Die Pflege der PSA gegen Absturz ist nach Angabe der Hersteller durchzuführen. Eine regelmäßige Reinigung mit geeigneten Reinigungsmitteln (z. B. spezielle Industriereiniger) erhöht die Gebrauchsdauer. PSA müssen mit der CE-Kennzeichnung versehen sein, die deutlich erkennbar und dauerhaft angebracht sein muss (Bild 1-7). Jeder lösbare Bestandteil der Auffangsysteme muss gut sichtbar, lesbar und dauerhaft gekennzeichnet sein. Diese Kennzeichnung enthält mindestens folgende Angaben: Name oder Zeichen des Herstellers/Lieferanten Typbezeichnung Herstellungsjahr Serien- oder Herstellernummer Hinweis auf die zutreffende DIN-EN-Norm ein Piktogramm, welches anzeigt,dass der Benutzer die Hinweise des Herstellers lesen muss Bild 1-7: Beispiel einer vollständigen Kennzeich nung von PSA gegen Absturz (Fa. Skylotec) Bild 1-8: Sachgemäße Lagerung und Aufbewahrung, Beispiel 1 Wie sind PSA gegen Absturz aufzubewahren? Die Gebrauchsanleitung der Hersteller enthält dazu die erforderlichen Hinweise,die unbedingt zu beachten sind. So sollen die Bestandteile der Schutzausrüstung aus Kunstfasern nicht unmittelbar der Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden und sind insgesamt vor Wärmequellen zu schützen. Die Lagerung soll hängend (Bild 1-8) in einem trockenen und nicht zu warmen Raum erfolgen. Eine Einwirkung aggressiver Stoffe (siehe auch Umgang mit PSA ) ist unbedingt zu vermeiden. Bild 1-9: Sachgemäße Lagerung und Aufbewahrung, Beispiel 2 [Foto: Sperian Fall Protection] 12 Einführung, Allgemeines, Grundsätze 1.4 Kurzinformationen zum Einsatz von PSA gegen Absturz Allgemeines Unterweisung Einsatz von PSA gegen Absturz Prüfung, Wartung, Instandhaltung Der missbräuchliche Einsatz von PSA gegen Absturz sowie deren Systembestandteilen, z. B. als Anschlagmittel, ist untersagt. Ein richtig ausgewähltes und funktionierendes Auffangsystem verhindert nicht den Absturz. Es lindert aber, wenn es richtig verwendet wird, die Folgen des Sturzes. Ist die Möglichkeit eines Absturzes nicht auszuschließen, sind immer Auffangsysteme einzusetzen. Grundlage dazu ist die konkrete Gefährdungsbeurteilung. Vor dem Einsatz sind die Inhalte der Benutzerinformationen der Hersteller, den Beschäftigten im Rahmen von besonderen Unterweisungen mit Übungen zu vermitteln. Die Wirksamkeit der bei der Unterweisung festgelegten Maßnahmen ist konsequent zu kontrollieren. Gebrauchsanleitung und Betriebsanweisung beachten. Falldämpfer bei Erfordernis einsetzen! Der Vorgesetzte legt die Anschlagpunkte fest, unterweist die Beschäftigten und kontrolliert die bestimmungsgemäße Benutzung (gemäß Gebrauchsanleitung) der PSA. Nur geprüfte PSA gegen Absturz verwenden (Herstellerzeichen/CE-Prüfzeichen). Jeder geprüfte und zugelassene Gurt ist der richtige wenn er an der richtigen Stelle zum richtigen Zweck eingesetzt wird. In Systemen dürfen nur aufeinander abgestimmte Teile verwendet werden. Füge nur zusammen, was zusammengehört. Bei nicht bestimmungsgemäßer Verwendung entfällt die Haftung des Herstellers. Vor jeder Benutzung der PSA gegen Absturz Sichtprüfung durchführen. Mindestens einmal jährlich und bei Bedarf PSA gegen Absturz durch Sachkundigen prüfen lassen. Beschädigte und durch Absturz beanspruchte PSA nicht benutzen, aussondern! Wartung der PSA gegen Absturz durch damit vertraute Personen. Geräte oder Teile von PSA gegen Absturz dürfen nur vom Hersteller oder von autorisierten Personen instand gesetzt werden. 13 Einführung, Allgemeines, Grundsätze Prüfung, Wartung, Instandhaltung Ablegereife: Verbindungsmittel: Auffanggurte: 4 bis 6 Jahre 6 bis 8 Jahre (Zeiträume gelten auch für nicht genutzte PSA gegen Absturz) nach Angaben durch den Hersteller Rettung und Erste Hilfe Die Rettungsmaßnahmen müssen durch geschulte Beschäftigte und geeignetes Gerät gewährleistet werden, wenn sie zum Erfolg führen sollen! Diese Maßnahmen sind bei Planungsbeginn zu beachten. Es ist wichtig, dass Ersthelfer mit der Person in Kontakt bleiben und diese auffordern, die Gliedmaßen zu bewegen. Nach erfolgter Rettung aus der Hängelage den Abgestürzten nicht flach lagern. Beim Eintreffen des Notarztes ist unbedingt auf den Umstand eines Absturzes hinzuweisen! In den nachfolgenden Abschnitten wird auf die einzelnen Punkte näher eingegangen! 14 2. Auswahl und Einsatz von PSA gegen Absturz Bei der Auswahl und dem Einsatz von PSA gegen Absturz werden Einzelteile oder Teilsysteme zu funktionsfähigen Systemen zusammengesetzt. Nur wenn alle Teile eines Systems aufeinander abgestimmt, an der richtigen Stelle eingebaut und voll funktionsfähig sind, bietet das gesamte System die vom Hersteller garantierte Sicherheit. Dies ist auch die Voraussetzung für die tätigkeits- und ortsbezogene Gefährdungsbeurteilung durch die Anwender. 2.1 Auf das System kommt es an! Alle Prüfungen, die durch anerkannte Prüfstellen vor dem Inverkehrbringen durchgeführt werden, beziehen sich auf die bestimmungsgemäße Verwendung. Alle Systeme dürfen nur so benutzt werden, wie der Hersteller es in der Gebrauchsanleitung beschrieben hat. Jede andere Form der Benutzung kann die Funktion des Systems negativ beeinflussen. Beachte! Sorgfalt ist oberstes Gebot. PSA gegenabsturz schützt vor schwersten Verletzungen, bleibenden Gesundheitsschäden oder dem Tod! Was versteht man unter einem Auffangsystem und welche Aufgaben hat es? Das Auffangsystem hindert die Benutzer nicht daran, Bereiche zu erreichen, wo Absturzgefahr besteht und verhindert auch nicht den freien Fall. Es ist ein persönliches Absturzschutzsystem, das die während des Auffangvorganges auf den Körper der Benutzer wirkende Fangstoßkraft begrenzt und besteht aus dem Auffanggurt und Einzelteilen, die eine Verbindung zum Anschlagpunkt schaffen. Die Aufgabe besteht darin, abstürzende Personen sicher aufzufangen, die Fallstrecke zu begrenzen und zu gewährleisten, dass die Benutzer nach dem Auffangvorgang vom System sicher gehalten werden. Beachte! Das Auffangsystem verhindert nicht den Absturz, sondern, bestimmungsgemäß eingesetzt, mildert es die Folgen des Absturzes! Das Auffangsystem muss so zusammen gestellt werden, dass verhindert wird, dass die Benutzer auf den Boden, eine bauliche Konstruktion oder ein Hindernis prallen. gegenseitig in ihrer Funktion negativ beeinflussen. Welchen Zweck erfüllt ein Rückhaltesystem? Rückhaltesysteme sind PSA, die aus einem Haltegurt und einem Verbindungsmittel bestehen und Personen daran hindern, in Bereiche zu gelangen, in denen das Risiko eines Absturzes besteht. Beachte! Ist die Möglichkeit eines Absturzes nicht auszuschließen, sind immer Auffangsysteme einzusetzen. 2.2 Erst Gurten Welcher Gurt für welchen Zweck? Die Hersteller von PSA gegen Absturz bieten eine große Anzahl verschiedener Auffanggurte und Haltegurte sowie Kombinationen aus beiden Gurten an. Beachte! Jeder geprüfte und zugelassene Gurt ist der richtige, wenn er an der richtigen Stelle zum richtigen Zweck eingesetzt wird. Ob ein Gurt z. B. besonderen ergonomischen Ansprüchen genügen muss und einen besonderen Tragekomfort bieten soll, ist abhängig davon, wie oft und wie lange der Gurt getragen wird. Weitere Gesichtspunkte bei der Auswahl des Gurtes können z. B. Umgebungsbedingungen, wie große Hitze oder aggressive Einwirkungen am Einsatzort, sein. Zusatzausstattungen, wie besondere Ösen (z. B. zusätzliche Fangösen, Steigschutzösen oder Trageösen für Taschen) sind sinnvoll, wenn die Art der Verwendung sie erforderlich machen (Bild 2-1 auf Seite 16) Es ist zu beachten, die einzelnen Bestandteile des Auffangsystems so aufeinander abzustimmen, dass sie sich nicht 15 Auswahl und Einsatz von PSA gegen Absturz Bild 2-1: Auffanggurt [Foto: Bornack] Auffanggurte können in Kleidungsstücke integriert sein. Das kann z. B. dann zweckmäßig sein, wenn der Gurt ständig und zwangsläufig mitgeführt werden muss (Bilder 2-2 und 2-3). Die farbliche Gestaltung der Gurte bleibt im Wesentlichen den Herstellern überlassen. Allerdings muss zur Erleichterung der Sichtprüfung das Nähgarn eine andere Farbe als das Gurtband haben. Bild 2-3: Auffang-/Rettungsgurt mit wasserdichter, öl- und fettbeständiger Hose und integrierten Sicherheitsstiefeln [Foto: M A S] Bild 2-2: Warnweste mit Auffanggurt [Foto: SpanSet] Bild 2-4: Kennzeichnung Auffangöse [Foto: Artex] 16 Auswahl und Einsatz von PSA gegen Absturz 2.3 Kein System für alle Fälle, aber für jeden Fall ein System! Wie funktionieren Auffangsysteme mit Falldämpfer und wann werden sie eingesetzt? Auffangsysteme mit Falldämpfer bestehen aus einem Auffanggurt, einem Falldämpfer und einem Verbindungsmittel, welches an einem Anschlagpunkt befestigt wird. Dem Falldämpfer kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Er hat die Aufgabe, die Fangstoßkraft (Bild 2-5) aufzunehmen und in Bremskraft umzuwandeln. Stoßkraft im Mittel bei 100 kg Fallgewicht [kn] ohne Falldämpfung mit Falldämpfung 0 0,5 1 1, Fallhöhe [m ] Bild 2-5: Darstellung der Fangstoßkraft Dies bewirkt, dass der Absturz abgebremst und durch den damit eingeleiteten Bremsweg das Verletzungsrisiko erheblich minimiert wird (Bild 2-6). Beachte! Je größer der Fallweg, desto länger der Bremsweg. Bild 2-6: Fallversuch mit Prüftorso Die Minimierung des Fangstoßes wird bei den Reibungsfalldämpfern oder auch Labyrinthfalldämpfern (Bilder 2-7 und 2-8 auf Seite 18) erreicht, indem das nicht tragende Seilende durch eine verengte Stelle in der Seilführung ( Labyrinth ) des Verbindungselementes gezogen wird. Im Anwendungsspektrum haben die Reibungsfalldämpfer an Bedeutung verloren. Es dominieren die Bandfalldämpfer oder neu entwickelte Energie absorbierende Dämpfungselemente. Bei den Bandfalldämpfern oder auch Aufreißfalldämpfern (Bild 2-9 auf Seite 18) wird die Webstelle, die das zusammengefaltete Gurtband zusammenhält, aufgerissen. Die Länge des Bremsweges, einschließlich der auftretenden Seildehnung, ist in beiden Fällen auf 1,75 m begrenzt. 17 Auswahl und Einsatz von PSA gegen Absturz Bild 2-7: Reibungsfalldämpfer mit Verbindungsmittel Bild 2-10: Y-Verbindungsmittel mit ingegriertem Bandfalldämpfer [Foto: Preising] Ein weiterer Bestandteil dieses Systems ist das Verbindungsmittel. Bei dem Verbindungsmittel (Bild 2-11 und Bild 2-12 auf Seite 19) in einem Auffangsystem mit Falldämpfer handelt es sich meist um ein Chemiefaserseil oder Gurtband, welches mit Verbindungselementen, z. B. Karabinerhaken, Ösen u. Ä., ausgestattet ist. Das Verbindungsmittel kann mit dem Falldämpfer und/oder Auffanggurt fest verbunden sein oder als einzelner Bestandteil vorliegen. Bild 2-8: Verbindungsmittel mit Labyrinth, Falldämpfergehäuse geschlossen und geöffnet Bild 2-11: Verbindungsmittel mit Reibungsfalldämpfer Die Länge des Verbindungsmittels darf einschließlich der Verbindungselemente und Falldämpfer 2,0 m nicht überschreiten. Das Verbindungsmittel ist nur an den dafür vorgesehenen Auffangösen am Auffanggurt zu befestigen. Bild 2-9: Bandfalldämpfer unbenutzt und beansprucht Für bestimmte Einsatzzwecke wurden 2-strängige Verbindungsmittel (auch Y-Verbindungsmittel genannt) entwickelt. 18 Auswahl und Einsatz von PSA gegen Absturz Bei der Auswahl des Anschlagpunktes mu
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