Cannabis und Schadensminderung in Deutschland Cannabis and Harm Reduction in Germany

Please download to get full document.

View again

of 9
All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Categories
Published
Cannabis und Schadensminderung in Deutschland Cannabis and Harm Reduction in Germany Autoren Jakob Manthey 1, Heino Stöver 2, Hans-Günter Meyer-Thompson 3 Institute 1 Institut für Klinische Psychologie
Cannabis und Schadensminderung in Deutschland Cannabis and Harm Reduction in Germany Autoren Jakob Manthey 1, Heino Stöver 2, Hans-Günter Meyer-Thompson 3 Institute 1 Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Technische Universität Dresden, Dresden 2 Institut für Suchtforschung (ISFF), Frankfurt University of Applied Sciences, Frankfurt 3 Ambulanz Altona, Klinik für Abhängigkeitserkrankungen, ASKLEPIOS Hamburg Nord Ochsenzoll, Hamburg Schlüsselwörter Cannabis, Schadensminderung, Drogenpolitik Drogenaufklärung, Deutschland Key words Cannabis, harm reduction, drug policy, drug education, Germany Bibliografie DOI https://doi.org/ /s Online-Publikation: 2017 Suchttherapie Georg Thieme Verlag KG Stuttgart New York ISSN Korrespondenzadresse Dipl.-Psych. Jakob Manthey Chemnitzer Straße Dresden Zusammenfassung Aktuelle drogenpolitische Diskussionen über Cannabis drehen sich v. a. darum, wie diese Substanz in Zukunft rechtlich reguliert werden soll. Angesichts des anhaltend weit verbreiteten Konsums und der damit verbundenen Risiken, sollten jedoch mögliche Strategien zur Reduzierung der potenziellen Schäden für Konsumierende und die Gesellschaft bei der Gestaltung einer adäquaten Cannabispolitik berücksichtigt werden. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über verschiedene Möglichkeiten zur Reduzierung der Konsumrisiken und illustriert, inwieweit diese bereits in Deutschland implementiert sind. Es lassen sich sowohl individuelle als auch strukturelle Ansätze zur Reduzierung cannabisbezogener Risiken identifizieren. Individuelle Ansätze zielen durch die Vermittlung von Informationen darauf ab, dass Individuen durch eine risikoarme Konsumpraxis selbstständig die Risiken reduzieren und somit potenziell Schäden vermeiden. Strukturelle Ansätze dagegen sollen das Konsumumfeld so gestalten, dass der Konsum mit möglichst geringen negativen Folgen einhergeht. In Deutschland sind sowohl individuelle als auch strukturelle Ansätze zur Schadensminderung von Cannabiskonsum nicht in ausreichendem Maße umgesetzt. Mögliche Gründe für eine mangelhafte Implementierung werden diskutiert und Potenzial für die Anwendung von schadensmindernden Strategien für Cannabis identifiziert. Abstract Current discussions on drug policy commonly focus on the future of the legal regulation of cannabis. Given the ongoing and prevalent use of cannabis and use-related risks, an adequate cannabis policy should consider available strategies to avoid possible harms for users and the society. This work gives an overview on various approaches to reduce use-related risks and describes the extent to which they are already implemented in Germany. There are individual and structural approaches to reduce cannabis-related risks. Individual approaches promote information on safer use behaviors. Users following these advices can reduce risks and avoid potential harm. Structural approaches aim to alter the users environment to minimize adverse consequences of cannabis use. In Germany, the implementation of both individual and structural approaches is very limited. Possible reasons for insufficient implementation and the potential to apply harm reduction strategies are discussed. Einleitung Cannabis ist die mit Abstand am weitesten verbreitete illegale Droge in Deutschland, wobei ca. 4.5 % der erwachsenen Bevölkerung angeben, im letzten Jahr Cannabis konsumiert zu haben [1 3]. Der Cannabiskonsum ist in der Altersgruppe der (7,3 %) und (16,3 %) Jährigen am verbreitetsten. In diesen Altersgruppen befindet sich zudem ein bedeutender Anteil regelmäßig Konsumierender (mind. 10-mal im letzten Jahr: 2,6 %). Über die letzten 15 Jahre unterlagen sowohl die 12-Monats-Prävalenzraten als auch der Anteil regelmäßig Konsumierender unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ähnlichen Schwankungen [3]. Der Kon- sum von Cannabis ist sowohl mit vielfältigen Genussaspekten, als auch mit vielen negativen gesundheitlichen Auswirkungen assoziiert [4 6]. Die negativen gesellschaftlichen Folgen des Cannabiskonsums spiegeln sich u. a. in einer erhöhten Belastung für das Gesundheitssystem und für Angehörige wider [7] und resultieren in einer nicht zu vernachlässigenden gesamtgesellschaftlichen Belastung (Ergebnisse für Kanada: [8]). Vor diesem Hintergrund ist zu begrüßen, dass der Umgang mit Cannabis auch in Deutschland verstärkte Beachtung in der politischen und medialen Öffentlichkeit, aber auch in der fachlichen Diskussion findet (siehe z. B. Suchttherapie: Jahrgang 17, Ausgabe 2; SUCHT: Jahrgang 62, Ausgabe 1). Die Diskussion um die bestmögliche rechtliche Regulierung erfährt derzeit vermutlich die meiste Aufmerksamkeit (z. B. [9 11]), wobei positive Entwicklungen in anderen Feldern (z. B. in der Suchthilfe [12]) in dieser Diskussion oftmals untergehen. Im Rahmen der öffentlichen Diskussion wird sich wiederholt auf die Konsumprävalenz bezogen, welche neben üblicher Schwankungen [1, 13] auch durch den rechtlichen Status der Substanz beeinflusst werden kann [14 16]. Während die Unterbindung des Cannabiskonsums traditionell als Maßstab effektiver Drogenpolitik und Ziel jeglicher Präventionsmaßnahmen ausgegeben wurde, kann nach derzeitigen Erkenntnissen davon ausgegangen werden, dass die vollständige Eliminierung des Konsums kein realistisches Ziel darstellt. Diese Perspektive impliziert aber auch, dass die Risiken und negativen Folgen von Cannabiskonsum für Individuen und die Gesellschaft bestehen bleiben und dementsprechend bedacht werden müssen. Die Ausrichtung drogenpolitischer Strategien auf die Reduzierung der individuellen und gesellschaftlichen Belastung durch Cannabiskonsum wäre im Sinne eines Public Health Ansatzes [17]. Hierbei werden Strategien zur Verhinderung und Reduzierung des Konsums durch Prävention und Repression auch künftig eine zentrale Rolle spielen. Diese sind jedoch kaum geeignet, um spezifische Risiken, denen sich Konsumierende aussetzen, zu reduzieren. Für dieses Ziel bedarf es schadensmindernder oder Harm Reduction (nachfolgend: HR) Strategien [18], welche bereits eine der 4 Ebenen deutscher Drogenpolitik repräsentiert [1]. HR Strategien werden in Deutschland bereits für verschiedene andere illegale Substanzen erfolgreich angewendet [19], jedoch fehlt bislang ein expliziter Bezug auf Cannabiskonsum [20] über präventive Ansätze hinaus. Die vorliegende Arbeit soll daher mittels narrativem Review (1) den gegenwärtigen Forschungsstand zu Cannabis und HR beschreiben und (2) aufzeigen, in welchem Maß HR Prinzipien in Deutschland bereits umgesetzt sind und wo noch Defizite bestehen. Dafür wird das HR Konzept kurz eingeführt und es werden die negativen Folgen für Konsumierende und die Gesellschaft umrissen. Was ist Harm Reduction? Die Zielgruppe von HR Strategien umfasst alle Menschen, die sich bewusst für den fortgesetzten Konsum von einer oder mehrerer Substanz(en) entscheiden oder die aufgrund starker Abhängigkeit sich nicht in der Lage sehen, ihren Konsum einzustellen [18]. Eine breiter gefasste Definition umschließt alle Interventionen, Programme und Strategien, die auf die Reduzierung der gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Schäden für Individuen und die Gesellschaft durch Substanzkonsum ausgerichtet sind (frei übersetzt aus Seite 19: [21]). Damit kann HR sowohl als Ziel effektiver Drogenpolitik verstanden werden, als auch explizite Maßnahmen beschreiben, welche Prävention und Behandlung erweitern, jedoch nicht ersetzen sollen. Das oberste Ziel von HR Programmen ist die Reduzierung der mit dem Konsum verbunden individuellen und gesellschaftlichen Risiken. Für die Umsetzung dieses Ziels ist die Akzeptanz der individuellen Konsumentscheidung eine wichtige Voraussetzung. Harm Reduction umfasst Maßnahmen, die auf die Reduzierung von möglichen Schäden durch Substanzkonsum ausgerichtet sind. Während Maßnahmen zur Schadensminderung bereits in den 1920er Jahren entwickelt wurden, erlangte der HR Begriff erst in den 1980er Jahren eine gewissen Bekanntheit, als sich HIV-Infektionen unter Menschen mit injizierendem Heroinkonsum rasant ausbreitete, welche schließlich durch die Bereitstellung sauberer Spritzen eingedämmt werden konnte [22]. Bezüglich des Konsums von Heroin und anderer Opioide bestehen weitere HR Strategien, wie bspw. Substitutionsangebote [23] und Medikamente zur Reduzierung der Todesfälle durch Überdosierung [24 26]. Während HR traditionell v. a. in Bezug auf Risiken durch Opioidkonsum verstanden wurde, sind in den letzten Jahren auch Strategien zur Reduzierung der Risiken von Alkohol- [27], Tabak- [28] und Cannabiskonsum [29] entwickelt worden. Negative Folgen für Konsumierende und die Gesellschaft Da HR Strategien auf die Vermeidung und Reduzierung des potenziellen Schadens abzielen, ist die Kenntnis der cannabisbezogenen Risiken notwendig (für einen systematischen Überblick, siehe [4 6]). Diese sollen im Folgenden kurz dargestellt werden. Die wichtigste vermeidbare negative Auswirkung des Cannabiskonsums bezieht sich zweifelsohne auf die Entwicklung behandlungsbedürftiger Cannabiskonsumstörungen [30, 31]. Weitere Risiken des Cannabiskonsums können sich ergeben, wenn am Straßenverkehr unter akutem Cannabisrausch teilgenommen [32, 33] oder während der Schwangerschaft konsumiert wird [34]. Außerdem finden sich Hinweise für die negativen Auswirkungen des Cannabiskonsums auf die Entwicklung von Schizophrenie und anderer psychischer Probleme [35 37], auf die kognitive Entwicklung im Jugendalter [38, 39], auf die Atemwegsysteme [40, 41] sowie auf das kardiovaskuläre System [42]. Da für diese Problembereiche die kausale Rolle von Cannabiskonsum nicht abschließend geklärt ist, sollten diese Befunde vorsichtig interpretiert werden. Um Konsumierende vor möglichen Risiken zu schützen, sollten alle Hinweise auf negative Auswirkungen ernst genommen und möglichst in HR Ansätzen berücksichtigt werden. Dafür lassen sich aus der Forschung Praktiken und Kontextfaktoren des Cannabiskonsums identifizieren, die ausschlaggebend für die entsprechen- Tab. 1 Empfehlungen aus den Lower-Risk Cannabis Use Guidelines (LRCUG): A Comprehensive Update of Evidence and Recommendations [55]. 1 Abstinenz ist die beste Möglichkeit Risiken zu vermeiden. Ein fortgesetzter Konsum sollte berücksichtigen, dass die Risikowahrscheinlichkeit und ihr Schweregrad von individuellen Umständen, Konsummustern und der Qualität des konsumierten Produktes abhängen und dass Risiken zwischen Konsumierende und Konsumepisoden schwanken können. 2 Je später junge Menschen mit dem Konsum von Cannabis anfangen, desto geringer ist das Risiko für Einschränkungen in Gesundheit und Wohlergehen im weiteren Lebensverlauf. 3 Konsumierende sollten die Zusammensetzung der psychoaktiven Inhaltsstoffe von Cannabisprodukten kennen. Produkte mit geringen THC- Gehalt und hohem Verhältnis von Cannabidiol zu THC sollten bevorzugt konsumiert werden. 4 Der Konsum von Produkten mit synthetischen Cannabinoiden sollten vermieden werden. 5 Das Rauchen von Cannabis sollte vermieden und durch weniger schädliche Konsumtechniken wie oralem Konsum und Verdampfen ersetzt werden. Durch oralen Konsum besteht kein Risiko von Atemwegsschädigungen, jedoch können negative Folgen durch nicht-beabsichtigte Einnahme höherer Dosen entstehen, wenn das verzögerte Einsetzen der Wirkung nicht berücksichtigt wird. 6 Beim Rauchen von Cannabis sollte darauf verzichtet werden, den Rauch besonders tief einzuatmen oder ihn verlängert in der Lunge zu behalten. Des Weiteren ist auch der Druckausgleich mittels Ausatmen bei geschlossenen Nasen und Mundöffnungen (auch bekannt als Valsalva-Manöver ) nach dem Einatmen des Rauches zu vermeiden. 7 Häufiger Konsum (täglich oder fast-täglich) geht einher mit einem erhöhten Risiko für das Erleben gesundheitlicher und sozialer Folgen. Es sollte daher angestrebt werden, den eigenen Konsum und den von Freunden und Freundinnen auf wenige Gelegenheiten (z. B. nur an einem Tag pro Woche, nur am Wochenende) zu begrenzen. 8 Nach dem Konsum von Cannabis sollte mind. 6 Stunden vor dem Führen eines Fahrzeugs (Maschinen, Werkzeuge) gewartet werden. Eine längere Wartezeit kann jedoch bei bestimmten Konsumierenden und spezifischen Cannabisprodukten notwendig sein. Laut der gegenwärtigen Gesetzgebung sollten Konsumierende in Deutschland gänzlich auf das Führen eines Fahrzeuges verzichten. Des Weiteren besteht ein bedeutend höheres Unfallrisiko nach dem Mischkonsum von Cannabis und Alkohol, weshalb in dieser Situation das Führen eines Fahrzeugs grundsätzlich zu vermeiden ist. 9 Bei Personen mit einer eigenen Neigung zu Psychosen und Substanzkonsumstörungen, Personen bei denen Psychosen oder Substanzkonsumstörungen im ersten Verwandtschaftsgrad auftraten und bei Schwangeren bestehen erhöhte Risiken für negative Folgen von Cannabiskonsum. Diese Personengruppen sollten grundsätzlich kein Cannabis konsumieren. de Risikoexposition sind. Hierbei ist v. a. ein früher Erstkonsum zu nennen, welcher die kognitive Entwicklung im Jugendalter beeinträchtigt [38, 39] und das Risiko für Cannabiskonsumstörungen zu erhöhen scheint [43], wobei letzteres vermutlich auch mit der Frequenz des Konsums steigt [44]. Hinweise für Dosis-Wirkungsbeziehungen wurden außerdem für psychotische Symptome [37], Lungenkrebs [45], für Mortalität unter Personen mit Myokardinfarkt [46], für das Unfallrisiko [47], für kognitive Leistungen [48], als auch für Arbeitslosigkeit und Bedarf an Sozialhilfe [49] gefunden. Aus dem gegenwärtigen Stand der Forschung sind zudem bestimmte Risikogruppen identifizierbar, denen jeglicher Cannabiskonsum abzuraten ist. Dazu gehören Menschen mit einer genetischen Prädisposition für psychotische Störungen [36], mit koronaren Herzkrankheiten [42] sowie Schwangere [34]. Die negativen Folgen des Cannabiskonsums lassen sich weiterhin über ihre Prävalenz und Auswirkungen auf Funktionsniveau und Mortalität der Betroffenen als gesamtgesellschaftlicher Schaden quantifizieren. Leider beschränken sich entsprechende Schätzungen auf wenige Studien. Globale [50] und kanadische Schätzungen [8] zeigen, dass ein beträchtlicher Teil der cannabisbezogenen Krankheitslast auf Cannabiskonsumstörungen zurückzuführen ist. Verkehrsunfälle und Lungenkrebs führen zudem zu erhöhter Morbidität und Mortalität und sind damit nicht zu vernachlässigende Faktoren für die gesellschaftliche Belastung [8, 51]. Für Deutschland liegt zudem eine Schätzung der ökonomischen Belastung der hiesigen Krankenkassen durch Personen mit ICD-10 F12 Diagnosen vor [7], welche sich auf ca. 975 Mio. pro Jahr summiert. Aktueller Forschungsstand zu Cannabis und HR Potenzielle HR Strategien zur Reduzierung cannabisbezogener Schäden sind vielfältig. Im Folgenden werden bekannte Ansätze auf individueller und struktureller Ebene dargestellt. Individuelle Ansätze Individuelle Ansätze zielen mittels Informationen zum sicheren Umgang mit Cannabis auf die Verantwortung der Konsumierenden. Durch die Einhaltung sogenannter Safer Use Praktiken sollen so die Konsumrisiken gemindert werden. Während in verschiedenen Ländern offizielle Empfehlungen zur Einhaltung bestimmter Trinkmengen [52] sowie für den sicheren Umgang mit verschreibungspflichtigen Medikamenten [53] bestehen, mangelt es an Regeln für einen sicheren Cannabiskonsum. Die bislang umfangreichste Arbeit zu diesem Thema sind die Lower Risk Cannabis Use Guidelines (LRCUG [54, 55]), welche bekannte Risiken zusammenfasst und pragmatische Empfehlungen für Konsumierende ableitet ( Tab. 1). Die Empfehlungen der LRCUG decken sich weitgehend mit anderen Publikationen zu diesem Thema [56 58]. Im Vergleich zu Richtlinien risikoarmen Alkoholkonsums [59] ist der Bezug auf Konsumquantitäten in den Empfehlungen der LRCUG nicht enthalten. Dies lässt sich auf das Fehlen standardisierter Konsumeinheiten zurückführen, welche sowohl die Erforschung von Dosis-Wirkungsbeziehungen als auch die Vermittlung von Grenzwerten für Konsu- mierende erschwert. Erste Versuche, ein standardisiertes Maß zu entwickeln, könnte jedoch die Differenzierung riskanten Konsumverhaltens mittels Quantität und Frequenz in Zukunft ermöglichen [60 62]. Die Lower Risk Cannabis Use Guidelines zählen zu den individuellen HR Ansätzen sie enthalten 9 Empfehlungen, bei dessen Einhaltung die Risiken von Cannabiskonsum reduziert werden können. Die derzeitige Fassung der LRCUG kann außerdem um einige Punkte erweitert werden. Während Punkt 8 die Einhaltung von mind. 6 Stunden Pufferzeit zwischen Konsum und Fahrzeugführung angibt, sollte diese Zeit als absolutes Minimum betrachtet werden. Da die akute Beeinträchtigung durchaus länger anhalten kann, sollten Konsumierende mind. bis zum vollständigen Abklingen des Rausches, möglichst jedoch 24 Stunden warten. Zudem sollte die Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung von Konsumierenden berücksichtigt werden [38, 39], weshalb der Konsum während Lernphasen vermieden werden sollte. Weitere Empfehlungen für die Vermeidung von Risiken im Zusammenhang mit dem medizinischen Gebrauch von Cannabisprodukten gibt Grotenhermen [57]. In Übereinstimmung mit den LRCUG wird der orale Konsum empfohlen um die Belastung der Atemwege zu vermeiden. Konsumierende sollten sich an ihre individuell präferierte Dosis vorsichtig mit steigernden Dosen annähern, da das (akute) Risiko oralen Konsums v. a. in einer Überdosierung liegt. Für eine spätere Steigerung der gewünschten Wirkung bieten sich Inhalationstechniken an. Empfehlungen für inhalierenden Konsum beziehen sich unter anderem auf die Verwendung reiner Cannabisprodukte mit höherem Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) Gehalt, da mit steigendem Wirkstoffgehaltgehalt insgesamt weniger inhaliert werden muss und damit auch der Beikonsum schädlicher Verbrennungsprodukte wie Teer oder Kohlenmonoxid verringert werden kann. Da derzeit jedoch vermutet wird, dass der THC-Gehalt mit der Auftretenswahrscheinlichkeit psychotischer Symptome assoziiert ist [63, 64], ist eine gewisse Vorsicht gegenüber dieser Empfehlung angebracht. Weitere Empfehlungen für die Inhalation von Cannabisprodukten basieren auf dem Vergleich vom Teeranteil im Rauch; demnach ist das Rauchen durch Pfeifen dem mittels Joints vorzuziehen, letztere sind jedoch noch risikoärmer als die Verwendung von Wasserpfeifen. Verdampfer werden gemeinhin als schadensärmste Form der Cannabisinhalierung betrachtet [65 69], jedoch wird das Potenzial der Schadensminderung durch Verdampfen im Vergleich zum Rauchen eher als gering eingeschätzt [70]. Es wird auch davor gewarnt, dass mit der Verbreitung von Verdampfern der Konsum von Cannabis generell als risikoärmer wahrgenommen werden könnte, welches einen früheren Erstkonsum begünstigen und die Konsumprävalenz insgesamt erhöhen könnte [71]. Jedoch kann der gesamtgesellschaftliche Effekt dieser beiden entgegenlaufenden Effekte aufgrund mangelnder Studien bislang nicht bewertet werden [72]. Neben Risiken von singulärem Cannabiskonsum sollte besondere Vorsicht vor dem Mischkonsum mit anderen Substanzen bestehen. Da sich beim Konsum verschiedener psychoaktiver Substanzen Wirkungen überlagern und verstärken können, ist anzunehmen, dass das akute Risiko von Kontrollverlust durch die Kombination verschiedener Substanzen ansteigt. Damit verbunden sind wie in den LRCUG angeführt erhöhte Unfallrisiken [73] und andere riskante Verhaltensweisen wie ungeschützter Geschlechtsverkehr. Die Kombination von Cannabis mit anderen Substanzen sollte daher nur von erfahrenen Konsumierenden mit entsprechender Vorsicht praktiziert werden. Weiterhin sollte bei wahrgenommenem Kontrollverlust professionelle Hilfe aufgesucht werden. Für die Einschätzung eigener cannabisbezogener Probleme kann die Kenntnis diagnostischer Kriterien für Cannabiskonsumstörungen [30, 31] hilfreich sein. Um eigene Konsummuster zu systematisieren und das damit verbundene Risiko bestimmen zu können, können Konsumierende zudem auf kurze Fragebögen zurückgreifen [74], welche z. T. auch im Internet ausgefüllt werden können (für deutschsprachige Konsumierende, z. B. Die aufgeführten Empfehlungen zur Schaden
Similar documents
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks