DER GRENZGÄNGER INFORMATIONEN AUS DEM BÖHMISCHEN ERZGEBIRGE. Ausgabe 60 Feber / März PDF

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DER GRENZGÄNGER INFORMATIONEN AUS DEM BÖHMISCHEN ERZGEBIRGE Ausgabe 60 Feber / März 2017 Altbergbaugebiet nördlich von Horní Blatná/Bergstadt Platten Foto: Ulrich Möckel Themen dieser Ausgabe: Feierliche
DER GRENZGÄNGER INFORMATIONEN AUS DEM BÖHMISCHEN ERZGEBIRGE Ausgabe 60 Feber / März 2017 Altbergbaugebiet nördlich von Horní Blatná/Bergstadt Platten Foto: Ulrich Möckel Themen dieser Ausgabe: Feierliche Buchvorstellung in Nejdek/Neudek Musik verstehen alle Gesundheit im Erzgebirge Weihnachtskonzert in der Kirche der 14 Nothelfer in Abertamy Zeitschrift Krušnohorský Herzgebirge Luft Ehrenfreid Zenker verstorben Jarolsav Zapletal verstorben Mei Arzgebarch, dir bleib ich gut (4) Überraschende neue Entdeckung zu Ignaz Sichelbarth, dem Maler, Missionar und Mandarin aus Neudek Der akademische Maler Franz Gruß Unternehmer und Visionär Zum 100. Geburtstag von Fred Wilfer Lehrpfade in der Neudeker Umgebung (3) Die Taubenfelsen-Wächter Von Eichendorffs wanderndem Musikanten zu Bob Dylans Knocking on Heaven s Door Grenzgänger Nr. 60 Feber / März 2017 Seite 1 Liebe Freunde des böhmischen Erzgebirges, das Jahr 2017 begann mit einem Bilderbuchwinter, wie wir ihn etliche Jahre nicht mehr hatten. Tiefe Temperaturen und ausreichend Schnee für die Wintersportfreunde lassen deren Herzen höherschlagen. Da es jedoch auch in niedrigeren Regionen schneite, ist man nicht zwingend darauf angewiesen, zum Wintersport in die Kammlagen des Erzgebirges oder anderer Gebirge zu fahren, es sei denn, man ist ein Freund der steilen Abfahrten. Im Dezember, als man noch auf den Kunstschnee dutzender energiefressender und lärmender Schneekanonen angewiesen war, um die Pisten für die Skifahrer zu präparieren, vernahm man aus dem Kurort Oberwiesenthal ein lautes Jammern. Man müsse viel mehr in die Infrastruktur des Skigebietes investieren, um mit den benachbarten Liften und Abfahrten am Klínovec/Keilberg und Plešivec/Plessberg mithalten zu können. Sicher, Wintersport im Erzgebirge gibt es schon viele Generationen, aber das Winterwetter der letzten Jahre unterliegt starken Schwankungen, die eine Tendenz zu weniger Naturschnee und kürzeren Schneezeiten aufzeigt. Seriöse Wissenschaftler befassen sich seit vielen Jahren damit und kommen zu dem Schluss, dass sich Skigebiete, die auf einer soliden wirtschaftlichen Basis stehen und sich somit selbst finanzieren, nur in Regionen oberhalb von 2000 bis 2500 m gebaut werden können. Wir hier im Erzgebirge erreichen an der höchsten Stelle gerade einmal 1244 m. Demnach werden Skigebiete im Erzgebirge künftig auf weitere Förderung angewiesen sein oder ehrenamtlich durch Vereine betrieben werden oder gar in Konkurs gehen und häßliche, vergammelnde Seilbahnen hinterlassen. Bereits beim Ausbau der Areale am Klínovec und Plešivec flossen Fördermittel, also Steuergelder, in schwindelerregenden Höhen. Man muss sich fragen, ob die Genehmigungsbehörden die wissenschaftlichen Gutachten aus Unkenntnis mißachteten oder bewußt ignorierten. In Nordwestböhmen gibt es derzeit Ermittlungen bezüglich der Fördergeldverwendung. Ob diese Projekte dabei mit eine Rolle spielen, was durchaus denkbar wäre, ist mir momentan nicht bekannt. Sicher ist aber, dass diese Förderung entgegen jeglicher Vernunft erfolgte und nun die sächsische Seite ebenfalls nach Steuergeldern schielt, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ist es aber Aufgabe des Steuerzahlers, den Freunden des Wintersports ihre Spielwiese zu finanzieren? Hoteliers, Pensionsbetreiber und Gastwirte werden dies aus ihrer heutigen Sicht vermutlich mit ja beantworten. Blicken wir aber einige Jahrzehnte zurück: In früheren Zeiten setzten sich diese Profiteure des Tourismus zusammen und berieten gemeinsam, wie man das Geschäft intensivieren könnte und finanzierten die damals gut durchdachten und wirtschaftlich kalkulierten Projekte gemeinsam. Schließlich war es ihr eigenes Geld, was sie dafür Der alljährliche, ökologisch bedenkliche Kampf um den Schnee Foto: Ulrich Möckel einsetzten. Die heutigen Förderungen sind teilweise Geschenke für eine entsprechende Klientel. Wer am lautesten jammert oder gute Beziehungen zu Politikern unterhält, hat die besten Chancen, gehört zu werden und aus dem Steuertopf etwas abzubekommen. Mancherorts werden schon Stimmen laut, die den Tourismus zur Pflichtaufgabe der Kommunen erheben wollen, was mehr als bedenklich ist. Die Tourismusbranche in Oberwiesenthal und auch in der osterzgebirgischen Region um Altenberg wäre sicher gut beraten, aufgrund von wirtschaftlichen Fehlern in benachbarten Regionen nicht in blinden Aktionismus zu verfallen, sondern der von der Natur vorgegebenen Tendenz in ihrer Ausrichtung langfristig Rechnung zu tragen, denn nichts ist alternativlos. Bleibt schlussendlich die Frage, ob Ski- und Snowboardabfahrten als Wintersportarten wirklich so gesundheitsfördernd sind, wenn die Rettungswagen von den Abfahrtspisten einen regelrechten Pendelverkehr zu den nächsten Krankenhäusern in Annaberg-Buchholz und Ostrov/Schlackenwerth fahren. Allein auf tschechischer Seite hatte die Bergwacht in der Region Klínovec und Plešivec im Jahr Einsätze zu verzeichnen. In diesem Jahr waren es bereits 161 (Stand 30.1.). Vielleicht wäre eine Korrektur in der Finanzierung des Gesundheitssystems eher angeraten, damit die Folgen dieser nicht ungefährlichen Sportarten nicht die Allgemeinheit zu tragen hat und dadurch vielleicht auch ein Umdenken einsetzt. Eine Skiausrüstung für 3000 Euro sagt nichts über das Können der Skifahrer aus, was aber manche irrtümlich glauben So wünsche ich Ihnen eine schöne Winterzeit in der herrlichen Natur beim Langlauf oder dem Gang mit Schneeschuhen über die unberührte Schneedecke. Ihr Ulrich Möckel Feierliche Buchvorstellung in Nejdek/Neudek Friedrich Linhart auf tschechisch Text: FM Der tschechische Verein Jde o Nejdek (JoN) Es geht dem Neudeker Felsen, Gedenktafeln für den Chronisten um Neudek hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Josef Pilz und den emigrierten Hochschullehrer Heinz Kurt Andenken an die deutsche Vergangenheit der Stadt Henisch und zuletzt die Aufstellung eines Gedenksteines Nejdek/Neudek zu bewahren und es der heutigen auf dem Nejdeker Friedhof für die bis 1946 dort beerdigten tschechischen Bevölkerung zu vermitteln. Deutschen. Dazu kamen auch Übersetzungen von Dazu gehörten bisher der Wiederaufbau des Neudeker Werken deutscher Neudeker Autoren in die tschechische Kreuzweges, die Aufstellung eines Denkmals zum Sprache und die Herausgabe derselben. Das erste Buch Andenken an Johann Wolfgang von Goethe gegenüber war die Geschichte der Stadt Neudek von der Gründung Grenzgänger Nr. 60 Feber / März 2017 Seite 2 Dipl.-Ing. Friedrich Linhart im Jahr 1340 bis 1923 von Josef Pilz Dějiny města Nejdku. Mirek Holeček, Mitglied des Vereins JoN, besorgte die Übersetzung. Darauf folgte das Buch Erster Tanz in Karlsbad, das Mirek Holeček diesmal vom amerikanischen Original First dance in Carlsbad von Heinz Kurt Henisch ins Tschechische übersetzte. Am 7. Dezember 2013, also vor genau 3 Jahren, folgte in der Nejdeker Bibliothek die feierliche Vorstellung der Übersetzung des Buches Wie s daheim einst war von Franz Achtner Jaké to bylo kdysi doma v Nejdku. Mirek Holeček hatte es hier bei der Übersetzung besonders schwer, weil im Buch viele neidekerische Dialektausdrücke standen, die er jedoch mit der Hilfe von Anita Donderer und Herbert Götz entschlüsseln und ins Tschechische übertragen konnte. Die Heimatgruppe Glück auf Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg e.v. war auf Einladung des Vereins JoN erstmals offiziell durch die Vorstandsmitglieder Josef Grimm, Herbert Götz und Anita Donderer zugegen. Am Samstag den 10. Dezember 2016 lud der Verein JoN zur feierlichen Vorstellung der nunmehr vierten Übersetzung eines deutschen Buches, der Autobiografie Friedrich Linhart Ein Mann aus Zwittau Friedrich Linhart Muž ze Svitav v Nejdku in die Nejdeker Stadtbibliothek. Wiederum hatte Mirek Holeček das Buch übersetzt. Aus Nejdek waren der Bürgermeister Lubomír Vítek und die Leiterin der Stadtbibliothek, seine Frau Jana Vítková, und etwa 50 Mitglieder des Vereins JoN und Nejdeker Bürgerinnen und Bürger gekommen. Prof. Dr. Peter Linhart, einer der drei Söhne von Friedrich Linhart, war aus Wiesbaden angereist. Von der Heimatgruppe Glück auf kamen aus Augsburg Anita Donderer und Herbert Ullmann. Josef Grimm mit Frau Ingrid hatten es nicht so weit. Sie kamen aus dem nahegelegenen Jáchymov/St. Joachimsthal, wo sie gerade eine Radon-Kur machten. Herbert Götz konnte wegen einer Vereinsverpflichtung in Augsburg nicht teilnehmen. Tschechische Ausgabe des Buches Pavel Andrš, Vorsitzender des Vereins JoN, begrüßte die Ehrengäste und Besucher. Deutsche Ausgabe des Buches (Context- Verlag Deutscher Hochschulverlag, Obertshausen 1995) z. Zt. vergriffen Professor Peter Linhart schilderte persönliche Eindrücke seines Vaters während dessen Dienstzeit in Neudek. Josef Grimm überbrachte die Grüße der Heimatgruppe Glück auf in tschechischer und deutscher Sprache und gab eine kurze Beschreibung des Lebensweges von Friedrich Linhart. Dieser wurde am in Zwittau in Mähren geboren und studierte von in Wien Land- und Forstwirtschaft. Um in der 1. Tschechoslowakischen Republik staatlicher Forstbeamter werden zu können, setzte er das Studium in Brünn fort und legte dort 1926 das tschechoslowakische Staatsexamen ab. Neben Deutsch sprach er auch fließend Tschechisch. Von leistete er seinen Wehrdienst in der tschechoslowakischen Armee und schied als Unterleutnant aus. Danach wurde er Forstbeamter auf Probe in der Slowakei. Nach dem Ministerialexamen in Prag wurde er tschechoslowakischer Forstbeamter auf Lebenszeit. Er diente loyal der 1. Tschechoslowakischen Republik. Nach dem Anschluß des Sudetenlandes an das Deutsche Reich wurde er in den deutschen Forstdienst übernommen und nach Neudek versetzt. Nach kurzer Zeit wurde er Leiter der Forstamtes Neudek. Dort nahm er tschechische Mitarbeiter vor dem teils rigorosen Vorgehen deutscher Beamter und Uniformträger in Schutz. Nach der Besetzung der sogenannten Resttschechei sollte er dorthin dienstlich versetzt werden. Er lehnte dies ab, da er Buchtaufe im Bibliothekssaal Foto: Ulrich Möckel Buchtaufe: v.l. Mirek Holeček, Prof. Dr. Peter Linhart, Pavel Andrš Foto: Ulrich Möckel Grenzgänger Nr. 60 Feber / März 2017 Seite 3 auch die Besetzung der Resttschechei durch das Deutsche Reich ablehnte. Als Folge dieser Ablehnung wurde er zur Strafe zur deutschen Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront versetzt. Nach seiner Entlassung aus der Wehrmacht wurde er in das sogenannte Ostministerium versetzt. So gut er konnte, schützte er untergebene polnische Mitarbeiter vor dem Zugriff der Gestapo und der SS. Friedrich Linhart war ein untadeliger Mensch. Seine Devise war Recht muß Recht bleiben. Er behandelte seine Untergebenen so, wie er selbst von ihnen in der umgekehrten Situation behandelt werden wollte. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges blieb ihm und seiner Familie die Vertreibung nicht erspart. Nach zunächst einfachen Diensten in Bayern brachte er es bis zum Präsidenten der Oberforstdirektion Regensburg. Er starb am Grimm betonte, dass er gerne für das Vorhaben des Vereins JoN eine befürwortende Stellungnahme an den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond zur Gewährung eines Zuschusses abgegeben habe. Es sei zu begrüßen, dass die tschechische Bevölkerung über das untadelige Verhalten von Friedrich Linhart erfahre. Darüber hinaus lobte er die seit Jahren bestehende freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Verein JoN und die guten Kontakte zur Stadtverwaltung des heutigen Nejdek. Die Aktionen des Vereins JoN, viele davon in Zusammenarbeit mit der Heimatgruppe Glück auf, sind ein Zeichen, dass wir uns auf einem guten Weg im Sinne einer deutsch-tschechischen Verständigung befinden. Den Reden schloß sich die traditionelle Taufe der tschechischen Ausgabe des Buches mit Honigwein an. Musik verstehen alle. von Dr. Christian Hoyer Aus dem Egerland vertrieben fanden die Schönbacher Geigenbauer in Bubenreuth ein neues Zuhause und verfünffachten die Zahl der Einwohner. Aus Böhmen kommt die Musik ist spätestens seit dem gleichnamigen Schlager zu einem gängigen Klischee geworden. Für die fränkische Gemeinde Bubenreuth wurde das geflügelte Wort in der Nachkriegszeit Realität. Durch den Zuzug von Musikinstrumentenbauern stieg der ländlich geprägte Ort zum Zentrum des europäischen Saiteninstrumentenbaus auf. Erfolgreiche Integrationsleistung Die zwischen Erlangen und Bamberg gelegene Gemeinde zählte 1939 genau 415 Einwohner. Nach der Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen in den Nachkriegsjahren 1945/1946 entschloss sich der Gemeinderat 1949 einstimmig dazu, weitere 2000 Musikinstrumentenbauer aus dem Sudetenland aufzunehmen. Eine Planstadt für eine ganze Berufsgruppe entstand innerhalb weniger Jahre auf Bubenreuther Gemarkung. In der Rückschau darf das Projekt als ein positives Beispiel für gelungene Integration gewertet werden, in seinen Dimensionen ist es sicher einmalig in Deutschland. Schönbacher Musikinstrumentenmacher war zu Beginn ein trauriges Beispiel dafür. Als eine Ansiedlung in Tennenlohe bei Erlangen scheiterte, nahm München 1947 das Heft in die Hand: Viele Schönbacher wurden in Waggons verfrachtet und ins oberbayerische Mittenwald abtransportiert. Dort noch weniger erwünscht, ging die Reise wenige Monate später zurück in den Landkreis Erlangen. Ein konkretes Ansiedlungsprojekt zerschlug sich erneut, nachdem sich die Bevölkerung einer Kreisgemeinde in einer Bürgerversammlung im Herbst 1949 eindeutig gegen das Vorhaben ausgesprochen hatte. Das Projekt einer zentralen Ansiedlung der Schönbacher Saiteninstrumenten-Industrie schien damit endgültig gescheitert zu sein. Doch Landrat Willi Hönekopp ließ nicht locker. Einen Monat nach der verheerenden Niederlage konnte die Grundsteinlegung für die Siedlung im Nachbarort Bubenreuth erfolgen. Die Bubenreuther Geigenbauersiedlung um 1951 Foto: Archiv Bubenreutheum Ausdauernder Landrat Zunächst stieß der Ansiedlungsplan allerdings auf zähen Widerstand. Gut aufgenommen fühlten sich die Sudetendeutschen bei ihrer Ankunft in Bayern selten. Latenter Fremdenhass und offenkundige Feindseligkeit Gitarrenproduktion in Bubenreuth um 1965 Foto: Archiv Bubenreutheum waren in der Bevölkerung verbreitet. Die Ansiedlung der Grenzgänger Nr. 60 Feber / März 2017 Seite 4 Know-how wandert nach Franken Noch heute ist die Einwohner-Gemeinde der Mittelpunkt eines einzigartigen Produktionsclusters: Die weltweit größte Instrumentenbau-Innung hat hier ihren Sitz. Die Breite des Sortiments ist enorm: Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässe gehen von hier aus in alle Kontinente; Gitarren und deren elektronisches Zubehör, aber auch Mandolinen, Lauten, Zithern oder Hackbretter gehören zur Produktpalette der Firmen der Musikregion rund um Bubenreuth. Frösche fu r die Streicher Bestandteile-Produzenten wie Wirbeldreher, Stegschnitzer oder Griffbrettmacher sind hochspezialisierte Firmen, die nicht nur die Bubenreuther Meistergeigen ausstatten, sondern ihrerseits Exportprodukte liefern, die von Geigenbauern weltweit benötigt werden. In einem Atemzug sind Kolophoniumgießer, Lackerzeuger und Tonholzhändler zu nennen. Für jedes nur denkbare Saiteninstrument liefert die Firma Pyramid die benötigten Saiten mit 165 Jahren ist sie einer der traditionsreichsten Erzeuger im Musikinstrumentenbau überhaupt. Für erstklassige Tonabnehmer zeichnet die Firma Shadow verantwortlich. Wegen seiner Einzelbauteile ist der Streichbogen ein Kunstwerk für sich und kommt von Anfang an recht international daher: Das Bogenhaar stammt aus der Mongolei, die Fernambuk-Stange aus Brasilien und der Ebenholzfrosch aus Afrika. Gebaut wird er von Spezialisten in Bubenreuth. Zenit, Umbruch und Konsolidierung Die Zahl der Mitgliedsbetriebe der Innung ist seit den 1970er-Jahren konstant. Und doch ist seitdem ein Strukturwandel zu verzeichnen. Allein Bubenreuth zählte Ende der 1950er-Jahre knapp 100 Betriebe im Musikinstrumentenbau, in denen weit über Arbeitskräfte Beschäftigung fanden. Damals wurden Etuis und Gitarren für den Massenmarkt gefertigt. Der Gitarrenboom machte Bubenreuth zum Mekka der Beat- Generation. So verwundert es kaum, dass im Ort in den 1960er-Jahren mehr als eine halbe Million Instrumente jährlich hergestellt wurden. Spätestens ab den 1970er- Jahren war der industriell orientierte Gitarrenbau den günstiger produzierenden Mitbewerbern, vor allem aus Fernost, nicht mehr gewachsen. Der Konkurs einiger Großunternehmen leitete die Talfahrt ein. Seit den späten 1990er-Jahren stabilisierte sich die Zahl der Betriebe in Bubenreuth bei etwa 25 Werkstätten mit ca. 120 Beschäftigten. Great Performance mit Werbebotschaftern des guten Tons: Elvis, John und Paul Hatte man Peter Kraus, Vico Torriani oder Jan & Kjeld als Endorser gewinnen können, ließ das auf einen guten Absatz hoffen. Auch der King of Rock n Roll war hier. Ein weiteres Beispiel sind die Rolling Stones, deren Konterfeis die Broschüren einer Gitarrenschmiede ab 1964 ganz offiziell zierten. Mit den Beatles gab es einen solchen Vertrag nicht. Und doch waren sie es, die den fränkischen Instrumenten zu Weltruhm verhalfen. Zur Legende on stage wurde der Beatles-Bass von Paul McCartney, der bis heute ein Verkaufsschlager geblieben ist. Musik und Integration Ein von Sir Paul handsignierter Beatles-Bass, eine in Kriegsgefangenschaft gebaute Violine oder das kleinste spielbare Miniatur-Quartett der Welt mehr als 200 Exponate werden in der Dauerausstellung Musik und Integration im Bubenreuther Rathaus gezeigt. Was hier geschah und wofür Bubenreuth noch heute steht: die Verbindung von Musik und Integration sie macht den Ort so einzigartig. Seit 2009 hat es sich daher der Museumsverein Bubenreutheum e.v. zur Aufgabe gemacht, dieses kulturhistorische Erbe zu bewahren. Er fungiert als Träger der Ausstellung und sieht diese als Ausgangspunkt für ein touristisch attraktives Musikerlebnismuseum und ein regional bedeutsames Kulturzentrum. Musik als Sprache aller Völker kann hier den idealen Tenor für ein Museumskonzept abgeben und integrativ das tägliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft fördern. Ein interessanter Termin in Bubenreuth: Konzert im Rahmen des Fränkischen Sommers und Tag der offenen Werkstätten. und Gesundheit im Erzgebirge Radonkur in St. Joachimsthal (Jáchymov) von Josef Grimm Wenn einer an einem Gebrechen leidet, dessen Besserung eine komplizierte Operation erfordert, dann greift er vorher lieber zu einem Naturheilverfahren. Bei Krankheiten des Bewegungsapparates wie bei Knochen, Gelenken, Knorpeln, Sehnen, Muskeln bietet sich eine Radonkur an. Solche Kuren gibt es vielerorts, der älteste und energiereichste Radonkurort ist jedoch St. Joachimsthal (heute Jáchymov) im Erzgebirge. Radon ist ein chemisch inertes Gas, das in unseren Breiten im Erzgebirge entspringt und das sich in unterirdischen Wasserquellen auflöst. Es ist ein Träger einer weichen radioaktiven Alpha-Strahlung. In unserem Körper wird dadurch eine Kette von physiologischen Reaktionen in Gang gesetzt. Der absorbierten Energie wird eine Regeneration der Knochen, Knorpel, Sehnen und Muskeln nachgesagt. Schmerzhafte und entzündliche Kurhotel Radium Palace Grenzgänger Nr. 60 Feber / März 2017 Seite 5 Beschwerden werden gelindert, der Erfolg soll über mehrere Monate anhalten. In St. Joachimsthal werden Radon-Bäder seit 1908 zur Heilung der genannten Beschwerden angewandt. Seine heutigen vier Quellen Curie, C1, Běhounek und Agricola haben den weltweit höchsten Radongehalt von 5 kbq/l bis 20 kbq/l (kilobecquerel/liter) mit einer Wassertemperatur von Grad Celsius. Sie werden gemischt und mittels einer Rohrleitung den einzelnen Kurbetrieben zugeführt. Wofür kann nun eine Radonkur im Einzelnen helfen? - Gelenk- und Rückgratarthrosen, - Bandscheibenerkrankungen, - Sehnen- und Meniskusverletzungen - rheumatische Erkrankungen, - Polyneuropathien u.s.w. Wie bei jedem Naturheilverfahren gehört ein gehöriges Maß an Vertrauen dazu. Wer allein der operativen und chemischen Medizin vertraut und Radonbäder als Scharlatanerie betrachtet, wird keinen Erfolg verspüren, weil er ihn gar nicht wahrhaben will. Die Summe der positiven Erfahrungen
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