Die Schule des Denkens Martin Burkhardt

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Die Schule des Denkens Martin Burkhardt Eine philosophisch- theologische Propädeutik Heft 3: Theorie und Praxis Kreatives Denken Entscheidungsfindung Theoriekreislauf Reißverschluss Analyse Praxiskreislauf
Die Schule des Denkens Martin Burkhardt Eine philosophisch- theologische Propädeutik Heft 3: Theorie und Praxis Kreatives Denken Entscheidungsfindung Theoriekreislauf Reißverschluss Analyse Praxiskreislauf Intervention Daten Erfassung Umgebung Martin Burkhardt - Schule des Denken. Heft 3. Theorie und Praxis - Seite 1 Inhaltsverzeichnis Vorwort 3 Verzahnung von Theorie und Praxis 4 Datenerfassung 9 Analyse der Wirklichkeit 17 Der Theoriekreislauf 37 Reflexives Denken 46 Intuition und Kreativität 49 Entscheidungsfindung 62 Interventionen 78 Quellenverzeichnis 105 Martin Burkhardt - Schule des Denken. Heft 3. Theorie und Praxis - Seite 2 Vorwort Probekapitel. Das vorliegende dritte Heft der Schule des Denkens baut auf die Urfassung aus dem Jahre 2005 auf. Durch meine Erfahrung als Diakonischer Sekretär der Evang.-Luth. Kirche in Tansania haben sich jedoch viele neue praktische Aspekte ergeben, die das zunächst trockene Konzept belebt haben. Dabei habe ich große Teile dieses Heftes auch bereits in zwei Seminaren erprobt. Leider standen mir in Tansania nicht alle erforderlichen Bücher zur Verfügung, so dass das Heft vielleicht noch den einen oder anderen Mangel aufweist. Aufgrund der Materialfülle konnte ich nicht alle Konzepte und Techniken ausführlich erklären. Wer noch mehr wissen will, dem empfehle ich die Lektüre der von mir verwendeten Bücher. 1 Ich plane die noch recht allgemeinen Gedanken dieses Heftes in zwei weiteren Heften zu konkretisieren: 1. Schule des Lebens, Heft 2, wird sich mit der Frage beschäftigen, inwieweit die hier beschriebenen Techniken auf unser eigenes Leben anwendbar sind. 2. Im ersten Heft der geplanten Serie Schule der Reformation werde ich der Frage nachgehen, wie ein Gemeindepfarrer aus diesem Heft Nutzen ziehen kann. Wem dieses Heft zu theoretisch und zu wenig praktisch ist, der möge sich noch etwas gedulden. Mwika, Februar Im wesentlichen habe ich verwendet Ellebracht, Systemische Organisations- und Unternehmensberatung; Schlippe, Arist von, Lehrbuch der systemischen Beratung und Therapie. Martin Burkhardt - Schule des Denken. Heft 3. Theorie und Praxis - Seite 3 Verzahnung von Theorie und Praxis Das Reissverschlussprinzip 1. LEKTION Probekapitel In dieser Lektion führe ich im Überblick die wichtigsten Elemente ein, die unser Denken benötigt, um zwischen Theorie und Praxis zu vermitteln. Die einzelnen Elemente werden dann in den nachfolgenden Lektionen ausführlicher besprochen. Zur Einführung verweise ich außerdem auf die Lektionen 3 Denken und 4 Mensch des zweiten Heftes der Schule des Denkens. Kreatives Denken Entscheidungsfindung Theoriekreislauf Reißverschluss Analyse Praxiskreislauf Intervention Daten Erfassung Umgebung Martin Burkhardt - Schule des Denken. Heft 3. Theorie und Praxis - Seite 4 Der Theorie- und der Praxiskreislauf 2 Unser Denken besteht aus zwei miteinander verzahnten zyklischen Bewegungen 3 oder Kreisläufen. 1. Einerseits steht unser Denken in einem ständigen Austausch mit unserer Umgebung. Die Umgebung wirkt auf unser Denken ein. Wir nehmen mit unseren Sinnen ständig etwas wahr, wie Bilder, Töne, Gerüche, Geschmack usw., die uns dazu anregen, das Bild von der Wirklichkeit in unserem Verstand zu korrigieren und zu vervollständigen. 4 Dieser Vorgang kann als Wahrnehmung (Datenerfassung) und Analyse der Wirklichkeit bezeichnet werden. Auf der anderen Seite wirkt unser Verstand auf unsere Umgebung ein, indem er sie verändert (Intervention). Verstand und Umgebung können dabei als Systeme 5 verstanden werden, die aufeinander einwirken. Diese beiden Systeme bilden einen geschlossenen Kreislauf, den ich den Praxiskreislauf unseres Denkens nenne. 2. Innerhalb unseres Denkens gibt es jedoch noch einen weiteren Kreislauf, bei dem es nicht direkt zu einem Austausch mit unserer Umgebung kommt. Dabei führt unser Denken Operationen an dem Abbild der Wirklichkeit durch. Diese Operationen sind äußerst komplex, so dass wir jetzt noch nicht alle Aspekte besprechen können. Eine wesentliche Funktion dieser Operation ist es, mögliche reale Änderungen in der Wirklichkeit in Gedanken vorwegzunehmen und mögliche Folgen abzuschätzen. Die Summe all dieser nicht direkt mit der Wirklichkeit operierenden Verstandesfunktionen nenne ich den Theoriekreislauf des Denkens. Beispiel: Bau eines Holzhauses Um diese beiden Kreisläufe zu verdeutlichen, benütze ich nun als Beispiel den Bau eines Blockhauses. Unser Denken erstellt zunächst ein Bild des uns umgebenden Waldes, die Zahl und Art der Bäume, das Vorkommen anderer Pflanzen und Tiere, das Erfassen eines geeigneten Standortes für das Haus. Dieses Erfassen der Wirklichkeit ist Voraussetzung für 2 Vgl. zum Thema Regelkreisläufe: Campus für Christus, Handbuch für Leitungsaufgaben, S : Ziele Setzen, Planen, Entscheidungen treffen, Organisieren, Delegieren, Führen und Motivieren, Kontrollieren und Korrigieren. 3 Vgl. Schule des Denkens, Heft 1, Lektion 6. 4 Vgl. Schule des Denkens, Heft 1, Lektion 1. 5 Vgl. Schule des Denkens, Heft 1, Lektion 8. Martin Burkhardt - Schule des Denken. Heft 3. Theorie und Praxis - Seite 5 alle folgenden Handlungsschritte. Egal, ob ich mir einen Weg durch den Wald bahne oder nun daran gehe, einen Baum zu fällen, ohne die Wahrnehmung der Wirklichkeit bin ich blind und kann nicht handeln. Deswegen gehört die Wahrnehmung der Wirklichkeit notwendig mit zur Praxis dazu. Als nächster sichtbarer Schritt erfolgt der Eingriff in die Wirklichkeit oder die Intervention. Ich fälle geeignete Bäume und füge sie zu einem Blockhaus zusammen. Ich schaffe damit eine veränderte Wirklichkeit, die ich wiederum wahrnehmen kann. Damit aber beginnt der Kreislauf von neuem. Dieser einfache Kreislauf, der aus der Wahrnehmung der Wirklichkeit und dem Eingriff in die Wirklichkeit besteht, erklärt jedoch noch nicht alles. Wo habe ich z.b. die Idee her, ein Blockhaus zu bauen? Wo kommt die Technologie her, die Bäume zu fällen und zu bearbeiten? Wer diese Fragen übersieht, verkürzt unser Handeln auf ein reines Aktion - Reaktion Schema. Ich sehe einen Wald, also muss ich ein Blockhaus bauen. Tiere handeln so. Sie sehen ein mögliches Beutetier, also muss es gejagt werden. Wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir erklären, was in unserem Denken passiert zwischen der Wahrnehmung der Wirklichkeit und dem Eingriff in die Wirklichkeit. Hier kommt nun der zweite Kreislauf unseres Denkens, der Theoriekreislauf zum Zug. Einer unserer Vorfahren war mit folgendem Problem konfrontiert. In einer Höhle fand er Schutz vor Regen und Kälte. Er konnte diese Höhle aber auf seinen Wanderungen nicht mitnehmen. Also kam er auf die Idee, eine künstliche Höhle zu errichten. Die Idee des Hauses als künstliche Höhle war geboren. Anfangs wurde diese künstliche Höhle nur mit primitiven Materialien, mit Ästen und Zweigen realisiert. Mit der Zeit wurde aber die Technologie durch ständige Wiederholung des Theorie- und des Praxiskreislaufes verbessert und verfeinert, bis wir zum modernen Hausbau kommen. Was bei der Erfindung des Hauses passierte, ist äußerst komplex. Einerseits hat der Erfinder wohl immer wieder das Abbild der Höhle in seinem Denken manipuliert und mit seinem Bedürfnis nach einem Schutzraum in Beziehung gesetzt. Dieses wiederholte Manipulieren des Abbildes der Wirklichkeit kann zu Recht als eine zyklische Denkbewegung oder als ein Kreislauf bezeichnet werden. Allerdings reicht ein rein mechanisches Verständnis dieser Denkoperation noch nicht aus, um den Fortschritt zu erklären. Innerhalb dieser zyklischen Denkbewegung kommt es irgendwann einmal zu einem Phasensprung, in dem es uns plötzlich gelingt, eine neue Kombination im manipulierten Abbild unserer Wirklichkeit herzustellen, deren Verwirklichung sich als erfolgsversprechend erweist. Es kommt zu einer Er- Martin Burkhardt - Schule des Denken. Heft 3. Theorie und Praxis - Seite 6 leuchtung oder zu einem Aha -Erlebnis. Diese Fähigkeit unseres Denkens kann als Intuition bezeichnet werden. Im Beispiel war das die geniale Idee, die schützende Höhle selbst aus den zur Verfügung stehenden Materialen zu bauen. Auf das Aha -Erlebnis folgte dann eine Phase der Entscheidungsfindung. Der Erfinder sah, dass die Idee der künstlichen Höhle seinem Bedürfnis nach Schutz entsprach und er begann mit der Umsetzung. Verzahnung von Theorie und Praxis 6 Praxis kommt von Tun oder Handeln. 7 Ich möchte den Begriff hier erweitern und ihn als die Summe aller Interaktionen unseres Denkens mit der es umgebenden Wirklichkeit verstehen. Wie wir bereits gesehen haben, ergibt sich daraus ein geschlossener Kreislauf unseres Denkens, den ich als Praxiskreislauf bezeichne. Als Theorie 8 bezeichne ich dagegen alle Operationen unseres Denkens, die keine direkte Interaktion mit unserer Umwelt aufweisen. Diese Operationen bezeichne ich als Theoriekreislauf. Beide Kreisläufe sind miteinander verzahnt wie die Zähne eines Reißverschlusses. Es gibt keine Theorie ohne Praxis und keine Praxis ohne Theorie. Dies kann man als das Reißverschlussprinzip des Denkens bezeichnen. Allerdings ist zu beachten, dass dieses Prinzip nicht in allen Bereichen unseres Denkens im gleichem Maße gilt. Darauf werden wir im nächsten Heft der Schule des Denkens noch ausführlicher eingehen. Denken Theorie Praxis Theorie Am Beispiel des Holzhauses lässt sich diese Verzahnung gut veranschaulichen. Ohne die theoretische Leistung der Idee eines künstlichen Hauses hätte es diesen technischen Fortschritt nicht gegeben. Allerdings musste diese Idee auch in die Praxis umgesetzt werden, um ihre überragende Wirksamkeit zu erweisen und um weiter verbessert zu werden. Erst eine fast unendliche Kette von Theorie- und Theorie Theorie Praxiskreisläufen kann die Entwicklung bis zum modernen Wohnhaus erklären. Praxis Praxis 6 Vgl. zum Verhältnis von Theorie und Praxis Rössler, Grundriß der praktischen Theologie, S Vgl. Ehlen, Praxis. In: Brugger Philosophisches Wörterbuch. 8 Vgl. Brugger, Theorie. In: Brugger, Philosophisches Wörterbuch. Martin Burkhardt - Schule des Denken. Heft 3. Theorie und Praxis - Seite 7 Die Theorielücke im Praxiskreislauf Es ist aber leider so, dass wir in unserer Lebens- und Berufspraxis allzu oft auf theoretische Überlegungen verzichten. Wir werden mit einer bestimmten Situation konfrontiert und reagieren mit einer bestimmten stereotypen Verhaltensweise. Diese Schnellreaktion kann uns zwar vor manchem Schaden bewahren, aber sie ist letztlich nur Schadensbekämpfung und nicht Ursachenbekämpfung. Man könnte sie deshalb auch das Feuerwehrprinzip nennen. Es brennt, also lösche ich. Theorien ohne Praxisbezug Auf der anderen Seite entwickeln wir oft viele Theorien, scheuen uns aber, sie der Praxis auszusetzen. Wir bleiben dabei, von ihrer Verwirklichung zu träumen. Erst in der Praxis kann die kreative Energie von Theorien und Ideen freigesetzt werden. Es ist deshalb wichtig, Theorien möglichst schnell in der Praxis durch Pilotprojekte umzusetzen, um so ihre Wirksamkeit oder Unwirksamkeit zu erweisen. Durch diesen Praxisbezug erhält auch der Theoriekreislauf neue Nahrung. Die durch die Theorien veranlasste Manipulation der Wirklichkeit liefert jede Menge neue Erfahrungen und Daten, die uns helfen, unsere Theorien zu verfeinern und zu verbessern. Martin Burkhardt - Schule des Denken. Heft 3. Theorie und Praxis - Seite 8
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