Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH 22/D

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Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH 22/D Anlässlich der Veranstaltung 60 Jahre ROKAL TT Modelleisenbahn im Niederrheinischen Freilichtmuseum Dorenburg in Grefrath hat Hans-Georg Heymanns, ein Enkel
Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH 22/D Anlässlich der Veranstaltung 60 Jahre ROKAL TT Modelleisenbahn im Niederrheinischen Freilichtmuseum Dorenburg in Grefrath hat Hans-Georg Heymanns, ein Enkel des Firmengründers der ROKAL GmbH, Robert Kahrmann, einen Vortrag über die Geschichte und die Produktion der ROKAL-Werke gehalten, der in dieser Dokumentation, mit Bildern ergänzt, wiedergegeben ist. Lobberland e.v Nettetal (http://lobberland.de) Auch wenn an anderer Stelle Gemeinden zusammengeschlossen und die Bezugsgruppen immer größer werden, glauben wir, dass es für das Wohlergehen der meisten Menschen gut ist, zu wissen, wo man hin gehört . Dies kann unserer Einschätzung nach am besten in kleinen, überschaubaren Einheiten geschehen. Eine Ortschaft wie Lobberich halten wir dazu geeignet. Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen (Goethe) Wir glauben, dass jedes Wissen um die Zusammenhänge um uns herum das Gefühl von Heimat stärkt. Wer das Gestern seiner Heimat kennt, versteht das Heute besser. Wer um seine Heimat weiß, bleibt gerne! Wir wollen daher das Wissen um die Heimatstadt breiter streuen. Best.-Nr , Preis 10,00 2 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Inhalt Seite Inhalt 3 Einleitung 4-5 Die Herkunft und die Anfänge von Robert Kahrmann 6-7 Der Produktionsbeginn in Lobberich 8-11 Die Produktion in den Kriegsjahren Der Neuanfang und die 1950er Jahre Die Hochkonjunktur und die 1960er Jahre Der Einfluss der Banken und der Zusammenbruch Aus dem Fabrikationsprogramm ROKAL Der Frankfurter Topf ROKAL Druckguss ROKAL Armaturen ROKAL Zierleisten und Nippes Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 3 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH Mit Beginn der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert entwickelte sich der kleine Ort Lobberich von einem ländlich geprägten niederrheinischen Dorf zu einer Industriegemeinde. Traditionell war die Textilherstellung im Rheinland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der vielen Webern ein karges Auskommen sicherte. In den Gewässern und Feuchtgebieten rund um Lobberich wurde Flachs angebaut, der dann zu Leinen verarbeitet wurde. Ab 1850 wurden in Lobberich mehrere Firmen gegründet, die mit vollmechanischen Webstühlen die industrielle Produktion einläuteten. Dies führte zu einem sprunghaften Anwachsen der Bevölkerung. Unternehmen wie Niedieck, de Ball und van der Upwich machten Lobberich weit über seine Grenzen hinaus bekannt und schufen Arbeitsplätze auch für Menschen aus umliegenden Dörfern und Gemeinden. Über Jahrzehnte profitierte Lobberich von der aufstrebenden Textilindustrie. Die Abhängigkeit von einem einzigen Industriezweig hatte aber auch seinen Preis, den man besonders in den Krisenjahren 1891/92 und Mitte der 1920er Jahre zu spüren bekam. So war es für Lobberich von großer Bedeutung, dass sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Metall verarbeitende Betriebe in der Gemeinde niederließen. Herausragend in ihrer Größe und der Bedeutung für den Ort und die Region war die Firma Robert Kahrmann & Co, die in den 1950er Jahren in ROKAL GmbH umbenannt wurde und sich zu einem der größten und wichtigsten Unternehmen am linken Niederrhein entwickelte. Die Geschichte der ROKAL GmbH, ausgehend von der ersten Eintragung im Handelsregister bis zum Konkurs 1974, wird in diesem Heft dargestellt. Robert Kahrmann, Acryl auf Leinwand, Lina Nolde Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Einleitung Werksansicht ROKAL Ende der 1950er Jahre Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 5 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH Die Herkunft und die Anfänge von Robert Kahrmann Der Balte Robert Kahrmann, wurde am 21. Mai 1887 in Libau geboren. Noch vor der Jahrhundertwende siedelte er nach Essen. Wann er nach Düsseldorf kam, ist unbekannt. Hier ließ er im Jahr 1914 mit 27 Jahren seine Firma Robert Kahrmann & Co ins Handelsregister eintragen. Er war fortan als freier Handelsvertreter für Metallwaren der Hedwigshütte Stettin, zu der auch die Mechanische Seidenweberei Viersen gehörte, tätig. Danach wurde er Unternehmer und Fabrikant eines kleinen Betriebes für Armaturen in Venlo in den Niederlanden. Die Familie folgte. Mit seiner Frau und den drei Töchtern wohnte er auf einem Gut bei Arcen in Holland. Im Jahre 1927 ergab sich für Robert Kahrmann die Möglichkeit, das Gut bei Arcen mit dem Haus Erlenbruch am Ingenhovenpark in Lobberich - das der Familie Niedieck gehörte (ebenfalls eine bekannte Lobbericher Industriellen-Familie - Niedieck-Brillant- Samt) - zu tauschen. Haus Erlenbruch, Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Die Herkunft und die Anfänge von Robert Kahrmann Wann und in welcher Form Robert Kahrmann sich von der Fertigung in Venlo trennte, ist leider nicht bekannt. Zur Silberhochzeit 1937 erhielt er einen Kerzenleuchter mit der Inschrift: Von Ihrer Gefolgschaft der NV Venlo Diese Tatsache lässt vermuten, dass zumindest bis zu diesem Zeitpunkt noch eine enge Zusammenarbeit oder Kapitalverflechtung bestand. Geschenk der NV Venlo Haus Erlenbruch Belegschaft Venlo, 1931 Werkzeugbau, 1929 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 7 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH Der Produktionsbeginn in Lobberich Der damalige Immobilientausch war sicherlich die Geburtsstunde der späteren Firma ROKAL in Lobberich. Wer es noch nicht weiß: ROKAL ist eine Wortzusammensetzung aus Robert Kahrmann Lobberich. ROKAL wurde ab 1952 als einheitliches Firmenlogo eingesetzt. Als Räumlichkeiten dienten die Ställe und Remisen des Hauses Erlenbruch, die genau gegenüber an der damaligen Bruchstrasse 12 lagen. Der Eintrag ins Handelsregister mit den Aktivitäten in Lobberich erfolgte 1927 allerdings noch unter der Firmenbezeichnung Robert Kahrmann. Danach begann in bescheidenem Umfang der Aufbau der Druckguss- und Armaturenfertigung. Weihnachtsfeier 1936 Ein Foto von 1936 zeigt eine der beliebten Weihnachtsfeiern bei ROKAL, wo in dieser Zeit etwa 40 Mitarbeiter beschäftigt waren. 8 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Der Produktionsbeginn in Lobberich Die kaufmännische Verwaltung befand sich damals im Obergeschoss der Gießerei. Sie bestand neben Robert Kahrmann nur aus einer Handvoll Mitarbeitern. In den 30er Jahren wurde die Fertigung für Armaturen, Stanzteile und Druckguss ständig ausgebaut und neu gegliedert Der Katalog aus dem Jahr 1937 belegt, dass man schon damals ein komplettes und umfangreiches Programm für Gas- und Sanitärarmaturen hatte. Wannenfüll- und Brausebatterie 1937 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 9 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH Für die Armaturenproduktion gab es alle Fertigungsbereiche von der Kokillengießerei bis zur Montage. Nach der Funktionskontrolle gelangten die Armaturen in die Packkammer, so die damalige Bezeichnung. Das Prüfen der Armaturen wurde auf der ersten Katalogseite, die von Herrn Robert Kahrmann signiert war, hervorgehoben. Damals war es zum Beispiel nicht selbstverständlich, dass alle Armaturen vernickelt und verchromt waren. Einige unter uns erinnern sich sicherlich noch daran, wie früher die Wasserhähne mit Sidol zum Glänzen gebracht wurden. Mit diesem Katalog ist belegt, dass sich der typische ROKAL- Gießer bereits 1937 im ovalen Firmenlogo befand. Er sollte bis 1952 Bestand haben. Erste Seite ROKA-Katalog 1937 ROKAL-Gießer 10 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Der Produktionsbeginn in Lobberich Die damalige Wortzusammensetzung ROKA aus Robert Kahrmann hat sich nicht durchgesetzt und war weitgehend unbekannt. Bemerkenswert ist noch, dass man bereits damals auf Spezialmaschinen hochpräzise Lagerbronze als Strangguss herstellte. Über Art und Umfang dieses Verfahrens gibt es aber keine weiteren Informationen. Lagerbronze- Strangguss 1937 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 11 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH Die Produktion in den Kriegsjahren Schon recht früh in den 1930er Jahren wurde die Firma in die Produktion von kriegswichtigen Gütern einbezogen. Unterlagen und Aussagen gibt es zu dieser Zeit leider nur sehr wenige, da alles streng geheim war und auch blieb. Die meisten Unterlagen wurden nach dem Krieg vernichtet. Gesichert ist, dass Zünder oder Zündergehäuse aus Druckguss gefertigt wurden und dass es Stanzteillieferungen an Ford gab. Eines der wenigen Dokumente aus der damaligen Zeit belegt eine Materialzuweisung für Stanzteile der Firma Ford aus Köln im Jahre Bemerkenswert ist, dass der amerikanische Konzernbetrieb Ford auch noch nach Kriegsbeginn seine Korrespondenz mit Heil Hitler unterzeichnete. Materialzuweisung Ford Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Die Produktion in den Kriegsjahren Ausschnitt aus der Materialzuweisung Ford 1939 Gemunkelt wird, dass man bei ROKAL auch einzelne Bauteile, z. B. Zünder für die V1-Rakete produziert hat. Es gab 25 Tote unter der Zivilbevölkerung, 10 Tote bei den Wehrmachtsangehörigen und erheblichen Sachschaden. Die Wucht des Einschlages war so groß, dass sogar die Turmuhr der neuen Kirche stehen blieb. Und natürlich gingen auch die Scheiben des Hauses Erlenbruch zu Bruch. V1 auf Startrampe (Quelle: Wikipedia) Es wäre eine Ironie des Schicksals, wenn die Bauteile, die man in Lobberich gefertigt hat, auch in der V1 verbaut wurden, die im Februar 1945 fehlgeleitet gegenüber dem Ingenhovenpark in die Häuserzeile der Hochstraße im Hotel Köster einschlug. Hochstraße nach dem V1-Einschlag 1945 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 13 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH 20 Personen auch noch 20 Zwangsarbeiterinnen aus Russland und Polen beschäftigt. Die russischen und polnischen Arbeitskräfte waren in einer eigens dafür erbauten Baracke untergebracht. Die Baracke wurde nach dem Krieg noch viele Jahre als technisches Büro, Kantine und Krankenstube genutzt. Ansicht der Hochstraße nach dem Treffer der V1 Durch dieses Ereignis wurde die Produktion aber nicht beeinträchtigt. Sie musste immer mehr in Richtung kriegswichtiger Güter ausgebaut werden. Bereits zu dieser Zeit bestand eine Zusammenarbeit mit Prof. Pierburg und Paul Schönfeld von der Deutschen Vergaser Gesellschaft DVG in Berlin und wurden mit Vergasergehäusen aus Druckguss. Da überall ein kriegsbedingter Arbeitskräftemangel bestand, hatte man neben einer Stammbelegschaft von Das Kriegsende war für Lobberich und den ROKAL- Betrieb recht unspektakulär und verlief relativ glimpflich. Die deutsche Wehrmacht zog zu Kriegsende ab, und die Amerikaner kamen. Insgesamt zählte man nach dem Krieg 279 Tote aus Lobberich, sowohl Soldaten als auch Zivilisten. Durch Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten wuchs die Bevölkerung von 1945 bis 1955 von etwa auf rund Arbeit fanden die Zuwanderer unter anderem bei der aufstrebenden ROKAL GmbH in Lobberich. 14 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Die Produktion in den Kriegsjahren ROKAL GUSS- UND ARMATURENWERK Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 15 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH Der Neuanfang und die 1950er Jahre Nach dem Ende des Krieges war der Mangel an allem dramatisch, die Nachfrage nach neuen Produkten in der Wiederaufbauphase war natürlich enorm. Mit dem ihm eigenen Spürsinn für Produkte und seiner sprichwörtlichen Durchsetzungskraft nutzte Robert Kahrmann diese einmalige Gelegenheit. Das ROKAL-Werk war nicht zerstört, und eine Demontage durch die Besatzungsmächte erfolgte auch nicht. Folglich konnte die Produktion der Armaturen in begrenztem Umfang starten. Mit viel Geschick und guten Beziehungen machte sich Robert Kahrmann daran, das nötige Produktionsmaterial zu beschaffen mit Erfolg! Schon im Januar 1946 beschäftigte das Werk 60 Personen. Vor allem die Produktion von Rasierapparaten aus verchromten Zinkdruckguss lief nach dem Kriegsende auf Hochtouren. Untertisch Waschtischbatterie 16 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Der Neuanfang und die 1950er Jahre In dieser Zeit trat auch Werner Grodde, einer der späteren Schwiegersöhne, in die Firma ein. Der Wiederaufbau der Armaturenfertigung gestaltete sich dagegen sehr viel schwieriger und verlief wesentlich langsamer. Der Maschinenpark im Werk war veraltet. Zudem entwickelte sich der Markt nur zögerlich. Aus diesem Grunde wurden auch Toilettendruckspüler in das Programm aufgenommen und eine spezielle Armaturenserie für Holland gefertigt. Ganz anders die Situation im Bereich der Vergaser. Robert Kahrmann wurde von der englischen Militärbehörde gefragt, ob die Möglichkeit der Vergaserfertigung für Volkswagen in Wolfsburg bestünde. Paul Schönefeld Mit Paul Schönfeld konnte er einen absoluten Vergaserspezialisten der ersten Stunde gewinnen, der 1946 von Berlin nach Lobberich kam und zügig startete Druckspüler Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 17 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH ROKAL ARMATURENWERK 18 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Der Neuanfang und die 1950er Jahre Jedoch waren die einschlägigen Patente für den Vergaser in den Händen von Professor Pierburg, der zu diesem Zeitpunkt noch in Kriegsgefangenschaft in der Tschechoslowakei. Über die Alliierten konnte seine Entlassung erreicht werden. Danach wurden die erforderlichen Produktionsunterlagen von der Deutschen Vergasergesellschaft in Berlin nach Lobberich geschafft. Die Patente wurden in Abstimmung mit den französischen Geschäftspartnern Solex in Paris auf den neuesten und international gültigen Stand gebracht. Herr Prof. Pierburg zog nach Lobberich um die Vergaserfertigung fortan zu dritt voranzutreiben. Robert Kahrmann hatte die Produktionskapazitäten Paul Schönfeld hatte die Produktions- und Entwicklungserfahrungen Prof. Pierburg war im Besitz der Patente und hatte die Kontakte zu den Automobilwerken So gelang es, noch vor der Währungsreform 1948, die ersten Lobbericher Vergaser an das Volkswagenwerk zu liefern. VW Vergaser VFIS Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 19 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH Allerdings währte die Harmonie nicht lange und Prof. Pierburg zog nach Neuss, wo er eine eigene Firma aufund die Vergaserentwicklung ausbaute. Pierburg lieferte nun die von ROKAL gefertigten Vergaser an die Automobilhersteller. ROKAL wurde im Vergaserbereich reiner Produzent ohne Entwicklung, Patente und Vertrieb, also eine verlängerte Werkbank von Pierburg. Doch Robert Kahrmann hatte da schon wieder neue Pläne: Ein gewisser Eugen Engelhardt nahm bereits im Mai 1946 mit ihm Kontakt auf und unterbreitete seine Pläne für eine Modellbahn. Die Geschichte der ROKAL Klein-Eisenbahn begann. Urmodell Baby Auf einer improvisierten Gleisanlage aus gebogenen Gardinenstangen führte er seine Lok vor. Sie bestand, aus: Konservendosenblech für den Anker Spurrädern aus Altmessing Getrieberädern aus einem Wecker Achsen aus Stricknadeln Lokomotivgehäuse aus Holz geschnitzt und mit Schuhwichse geschwärzt In jedem Mann steckt ein großes Kind und ein Lokomotivführer! Robert Kahrmann, obwohl er nur Töchter hatte, war von der Idee einer kleinen Modelleisenbahn so überzeugt, dass er ein Wagnis einging. Er entschied sich, eine Modelleisenbahn zu produzieren und die Entwicklungskosten bis zur Fertigungsreife mit allen Risiken zu tragen. Bis 1949 entwickelte Herr Engelhardt einen ersten Zug bestehend aus Lokomotive, Wagen, Gleisen, Wei- 20 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Der Neuanfang und die 1950er Jahre chen und Schalteinrichtungen. Um Platz zu sparen, wurde der TT-Maßstab gewählt. Die Idee: Eine komplette Modelleisenbahnanlage sollte auf einem Küchentisch Platz finden. Das Ergebnis: Die ROKAL-Modelleisenbahn wurde 1950 auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorgestellt. Nachdem die Modelleisenbahn ihre Entwicklungsphase hinter sich hatte und für breite Käuferschichten produziert werden konnte, trennten sich die Wege von Eugen Engelhard und Robert Kahrmann schon im Jahr 1950 wieder. Verkaufspackung 1001 Prof. Ludwig Ehrhard - Messebesuch in Nürnberg, 1957 Kurz darauf machte sich ROKAL weltweit einen Namen nicht unbedingt mit der Modelleisenbahn, sondern mit einer Luftbeimischdüse. Sie wurde bereits im Jahre 1936 von einem Griechen erfunden. Doch erst ROKAL ebnete den Weg für den Siegeszug des späteren Perlators. Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 21 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH Für die patentierte Weiterentwicklung erhält ROKAL 1952 die weltweite Lizenz. Ein cleverer Schachzug, der Werner Grodde zuzuschreiben ist. Er hatte das Produkt anlässlich einer Messe in Genf gesehen und ROKAL die Rechte gesichert. Werner Grodde Die Produktbezeichnung wurde das international eingetragene Warenzeichen Perlator und führte sehr schnell zu einem sehr hohen Bekanntheits-grad von ROKAL und entsprechend großer Nachfrage. Der Perlator ist heute ein Gattungsbegriff. Aufgrund der Luftbeimischung wurde der Wasserstrahl weicher und damit spritzfrei. Kein Armaturenhersteller konnte sich dieser Neuerung entziehen und jeder musste aufgrund der Patentsituation notgedrungen den Perlator bei ROKAL kaufen. Perlator-Werbung 22 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. 23 Die Unternehmensgeschichte der ROKAL GmbH Mitte der 50er Jahre konnte Robert Kahrmann Prof. Haas für ROKAL gewinnen. Prof. Haas, ein gebürtiger Lobbericher, der nach dem Krieg als Aluminiumpapst in seine Heimatgemeinde zurückkehrte, nahm außerdem einen Lehrauftrag an der technischen Universität in Aachen wahr. Bei ROKAL entstand unter seiner Leitung eine Abteilung für die Oberflächenbehandlung und Veredelung von Aluminium. Der Oberflächenschutz und das Glänzen erfolgten durch ein neuartiges Eloxalverfahren. Dieses Verfahren war die Voraussetzung für die spätere Zierleistenfertigung. Abfallprodukte dieses Fertigungsverfahrens sind Aluminium Trinkbecher, die noch heute im Einsatz sind und zu fast jedem Hausstand in Lobberich gehörten. Des Weiteren erfreute sich der Ascher in dem die Zigarette nicht nachqualmte großer Beliebtheit. Aluminium Ascher selbstlöschend (Foto: Fahsen) 24 Nur für den privaten Gebrauch. Eine Reproduktion auch in Teilen zur Weitergabe oder zum Verkauf ist nicht gestattet. Der Neuanfang und die 1950er Jahre Die geschilderten Entwicklungsarbeiten und die danach einsetzende Produktion und Programmerweiterung in den Abteilungen Vergaser Die Verwaltungs- und Produktionsfläche wurde entsprechend vergrößert. Das Backsteinverwaltungsgebäude und viele neue Hallen kamen hinzu. Armaturen Modelleisenbahn Zierleisten sorgte für eine explosionsartige Entwicklung in allen Bereichen.
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