Fachzertifikat Frühe Hilfen in der Frauenarztpraxis

Please download to get full document.

View again

of 6
All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Categories
Published
Fachzertifikat Frühe Hilfen in der Frauenarztpraxis Curriculum Erstellt von Dr. Sönke Siefert und Nicole Hellwig Unter der Mitarbeit von Wiebke Sahlbach, Raphaela Eckstein und Hannah Fischer (Stiftung
Fachzertifikat Frühe Hilfen in der Frauenarztpraxis Curriculum Erstellt von Dr. Sönke Siefert und Nicole Hellwig Unter der Mitarbeit von Wiebke Sahlbach, Raphaela Eckstein und Hannah Fischer (Stiftung SeeYou) Dateiname: BL-EXT Curriculum Fachzertifikat Frühe Hilfen in der Frauenarztpraxis (02-0) Seite: 1 von 6 1. Einleitung Die Notwendigkeit, Familien mit besonderen Belastungssituationen und geringen eigenen Ressourcen möglichst frühzeitig zu erkennen und ihnen verbindlich und passgenau Unterstützung aus dem Bereich der Frühen Hilfen zu vermitteln, ist ausreichend belegt. Nach der Evaluation des Forschungsprojekts Babylotse Hamburg bestätigen die aktuellen Forschungsergebnisse eindrücklich die Machbarkeit und Sinnhaftigkeit eines solchen Frühwarnsystems: Schon im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge gelingt durch empathische, wertschätzende und verbindliche Unterstützung die Überleitung in das Netz der Frühen Hilfen und andere soziale Sicherungssysteme. Eine Reihe von Gründen spricht für einen möglichst frühen Start von Hilfen bei jungen Familien: Je früher Hilfen einsetzen, desto größer und rascher ist der Erfolg. Manche Hilfen müssen bereits vor der Geburt beantragt werden. Die frühe Unterstützung führt möglicherweise zu einer stabileren Schwangerschaft und damit zu einer geringeren peripartalen Mortalität. Bei Empfehlung der Hilfen durch den vertrauten Gynäkologen besteht die Chance auf eine hilfreiche Übertragung der Vertrauensbasis von Arzt zu Babylotsen. Diese Einschätzung teilen so zeigt es die vorliegende Machbarkeitsstudie zur ambulanten Durchführung des Programms Babylotse in der Praxis des niedergelassenen Frauenarztes sowohl die befragten Gynäkologen als auch die Zielgruppe. Parallel zur Ausweitung des Programms Babylotse stationär soll das vorliegende Konzept die Arbeit der Babylotsen auch in möglichst vielen Frauenarztpraxen sicherstellen. Dazu wird die Kompetenz sowie der besonders vertrauensvolle Zugang durch die Medizinischen Fachangestellten sinnvoll in das Konzept der ambulanten Babylotsen eingebunden. 2. Wissenschaftliche Grundlage Im Rahmen der Studie Ambulanter Babylotse Hamburg; modellhafte Evaluation der Wirksamkeit eines Sozialen Frühwarnsystems im ambulanten Setting wurden in acht Frauenarztpraxen systematische Prozesse zur Identifizierung von Schwangeren mit einer erhöhten psychosozialen Belastung implementiert. Dabei zeigte sich ein hoher Anteil von teilweise über 40% der Frauen, die in einer Selbsteinschätzung psychosoziale Belastungen angaben. Im anschließenden klärenden Gespräch ( Clearing ) zeigte sich bei über 75% ein weiterer Unterstützungsbedarf. Knapp die Hälfte der Frauen erhielt eine Beratung zu psychosozialen Hilfen, knapp 30% benötigten weiterführende Unterstützung in Form von Vernetzung in das regionale Hilfesystem, teilweise mit Begleitung zu Hilfseinrichtungen, Hausbesuchen oder wiederholten Gesprächen. Es zeigte sich insgesamt ein überraschend hoher Bedarf an psychosozialer Beratung. Es konnte aber gleichfalls gezeigt werden, dass der Kontaktpunkt Frauenarztpraxis sich Dateiname: BL-EXT Curriculum Fachzertifikat Frühe Hilfen in der Frauenarztpraxis (02-0) Seite: 2 von 6 hervorragend eignet, um niedrigschwellig Schwangere ansprechen und für eine Annahme von Hilfen motivieren zu können. Die Evaluation hat im Wesentlichen folgende Aussagen belegt: 1. Die von den Babylotsen unterstützen Familien verfügen wie erwartet bei Kontaktaufnahme über eine deutlich schlechtere Selbstwirksamkeitserwartung, als die Familien, deren Anhaltsbogen keinen erweiterten Unterstützungsbedarf zeigt. Dies zeigt, dass die Babylotsen richtigen Familien von den Babylotsen ansprechen. 2. Diese Selbstwirksamkeitserwartung steigt im Laufe der Unterstützung durch die Babylotsen an. Damit erfüllt das Programm die gesetzten Hoffnungen, in dem es offensichtlich Familien in die Lage versetzt, sich auch zukünftig selbstständig Hilfe zu organisieren. 3. Als sehr hilfreich hat sich die wiederholte und langfristige Kontaktaufnahme erwiesen. So können bis zum ersten Geburtstag des Kindes neu auftretende Hilfebedarfe erkannt und gedeckt werden. 3. Aufgabenbereich der Medizinischen Fachangestellten In jeder Frauenarztpraxis soll ein mehrstufiges System der Ansprache von Schwangeren durch die Medizinischen Fachangestellten und Babylotsen der Stiftung SeeYou aufgebaut werden: Modul 1 - Screening: Alle Schwangeren erhalten zu drei Zeitpunkten (Früh-, Spätschwangerschaft, 6 8 Wochen nach Entbindung) in der Praxis einen Fragebogen zu psychosozialen Belastungen ( Wilhelm bzw. EPDS-Bogen nach der Geburt). Es handelt sich dabei um einen Anhaltsbogen für ein klärendes Gespräch, wie er bereits jetzt in den Arztpraxen erfolgreich verwendet wird. Die Fragen sind klar formuliert, der Fragebogen sowie die dazugehörigen Informationsmaterialien liegen derzeit in elf unterschiedlichen Sprachen vor. Die Medizinischen Fachangestellten motivieren die Patientinnen, den Fragenbogen auszufüllen und werten ihn anschließend aus. Modul 2 - Orientierendes Gespräch: Anschließend führen die Medizinischen Fachangestellten z. B. im Rahmen einer Untersuchung am Wehenschreiber oder vergleichbaren Situationen ein erstes orientierendes Gespräch mit der Patientin, bei der anhand des Auswertungsergebnisses des Fragebogens von einem Unterstützungsbedarf auszugehen ist. Hier werden die angegebenen Belastungen aus dem Wilhelm thematisiert und vertieft. Ziel dieses Gespräches ist eine vorläufige und orientierende Einschätzung, ob ein weiterer Klärungs- und Unterstützungsbedarf sichtbar ist. Andernfalls kann die Medizinische Fachangestellte mit dem in der Praxis vorliegenden Informationsmaterial über regionale Hilfeangebote aufklären und so auf das Anliegen der Patientin eingehen. Dateiname: BL-EXT Curriculum Fachzertifikat Frühe Hilfen in der Frauenarztpraxis (02-0) Seite: 3 von 6 Modul 3 - Fallkonferenz: In den Fällen, in denen durch dieses Vorgehen keine zufriedenstellende Situation erreichbar ist, nimmt die Medizinische Fachangestellte Kontakt zur Babylotsin im Rahmen von wöchentlichen Telefonkonferenzen auf. Hier werden alle unklaren Fälle besprochen und entschieden, ob über das stattgefundene Beratungsgespräch hinaus weitere Maßnahmen erforderlich sind. Danach tritt entweder die Babylotsin direkt in Kontakt mit der Patientin, oder die Medizinische Fachangestellte führt ein weiteres Gespräch oder der Fall gilt als abgeschlossen. 4. Ziel der Qualifizierung Die Teilnahme an dem Kurs soll Medizinische Fachangestellte in die Lage versetzen, niedrigschwellig und wertschätzend mit Patientinnen in Kontakt zu kommen und Bedarfe festzustellen, um diesen adäquat selbst abzuhelfen bzw. in Einzelfällen mit erhöhtem sozialpädagogischen Beratungsbedarf an die Babylotsen überzuleiten. Die Teilnehmer werden - sensibilisiert für die besondere körperliche und seelische Situation von Müttern in der Schwangerschaft und rund um die Geburt - informiert über das Gesundheits- und Sozialsystem, über Kinderschutz, Dokumentationshilfen. 5. Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen Eine abgeschlossene Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten oder der Abschluss einer vergleichbaren Ausbildung wird vorausgesetzt. 6. Kompetenzprofil Die Themen des Unterrichts orientieren sich an den fachlichen und persönlichen Kompetenzen, die die Medizinischen Fachangestellten haben sollten. Kompetenzen sind sowohl fachlich-sachliche Kenntnisse und Fertigkeiten wie auch persönliche Fähigkeiten. Nicht alle dieser Kompetenzen können in dieser Qualifizierung erworben werden, sondern einige werden von den Teilnehmern aus ihrer Ausbildung, aus Fort- oder Weiterbildungen, aus Berufs- oder Lebenserfahrung und als persönliche Fähigkeiten mitgebracht und auch nach Abschluss des Kurses durch Fortbildungen weiterentwickelt. I. Kommunikative Kompetenz (Gesprächsführung auf der Grundlage der Systemischen Haltung) Dateiname: BL-EXT Curriculum Fachzertifikat Frühe Hilfen in der Frauenarztpraxis (02-0) Seite: 4 von 6 II. III. IV. Grundgedanken über die Frühen Hilfen (Grundidee, Hauptakteure und Ziele der Frühen Hilfen) Netzwerkkompetenz (Casemanagement, Informationsgewinnung und -bewertung, Kontaktaufnahme und -pflege) Kenntnisse des Gesundheitssystems und des Sozialsystems (Überblick über die relevanten Vernetzungspartner und Arbeitskreise, Zusammenstellung von Infomaterial für die Praxen (inkl. Checkliste für Familien) V. Belastungen und Chancen für eine gute Kindesentwicklung (Risiken und Ressourcen, Warnsignale, Entwicklung eines Notfallplanes) VI. VII. Kenntnisse über Gesundheit und Krankheit der Mutter in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (Vermittlung von Kenntnissen über perinatale psychische Auffälligkeiten) Professionalisierung (Relevanz von Dokumentation, Vorstellung eines Doku- Leitfadens, Möglichkeiten und Grenzen der eigenen Arbeit) 7. Struktur der Qualifizierung Die Qualifizierung umfasst insgesamt 40 Unterrichtseinheiten, die sich zusammensetzen aus Unterricht im Plenum und selbstorganisiertem Lernen. Unterricht in Präsenz: 20 UE 1 Selbststudium: 20 UE 8. Leistungsnachweise Für die Zertifizierung sind folgende Leistungen nachzuweisen: I. Teilnahme an allen Kurselementen (bis zu 10 % Fehlzeiten) II. III. Kolloquium: Vorstellung eines Falls in einer mündlichen Präsentation im Plenum Die Teilnahme an den Kurselementen werden auf einem Formblatt dokumentiert. 1 1 UE = 45 Minuten Dateiname: BL-EXT Curriculum Fachzertifikat Frühe Hilfen in der Frauenarztpraxis (02-0) Seite: 5 von 6 9. Organisation der Qualifizierung Leitung: Dr. Sönke Siefert und Nicole Hellwig Durchführung SeeYou Familienorientierte Nachsorge Hamburg, Stiftung der Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift ggmbh, Liliencronstr. 130, Hamburg Referenten Die Referenten sind qualifiziert in ihren jeweiligen Berufsfeldern und erfahren und/oder qualifiziert in der Erwachsenenbildung. 10. Anhang (Kursplan) Dateiname: BL-EXT Curriculum Fachzertifikat Frühe Hilfen in der Frauenarztpraxis (02-0) Seite: 6 von 6
Similar documents
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks