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Film und Medien NRW Ausgabe 4/2017 Film- und Kinokongress NRW Kinoprogrammpreis NRW Herbert Strate-Preis NRW digital Audiovisuelle Diversität Wim Wenders Stipendium Film Festival Cologne
Film und Medien NRW Ausgabe 4/2017 Film- und Kinokongress NRW Kinoprogrammpreis NRW Herbert Strate-Preis NRW digital Audiovisuelle Diversität Wim Wenders Stipendium Film Festival Cologne Rückschau und News Dreharbeiten, Kinostarts und Events Inhalt 4 Film- und Kinokongress NRW 6 Programm 6 Digitales Marketing für kleinere Kinos 8 Kino als Event 10 Digitalisierung erleichtert Barrierefreiheit 11 Leopold Grün im Interview 12 Hebert Strate-Preis für Peter Sundarp Ford Kultur Momente Liebe Leserinnen und Leser, 12 mit Kinoprogrammpreis NRW und dem Film- und Kinokongress NRW erreicht der Filmherbst NRW seine Halbzeit und seinen vorläufigen Höhepunkt. Wieder geht es um die Zukunft des Kinos, um Zielgruppen, um Publikumsbedürfnisse und innovative Marketingmethoden. Wir freuen uns auf den Input der Experten, vor allem aber auf den Austausch mit Kinobetreibern, Verleihern und Produzenten. Bei der Verleihung des Kinoprogrammpreis NRW können sich NRW- Kinobetreiber auf die begehrten Prämien freuen, und Peter Sundarp, einer der großen Filmverleiher Deutschlands, wird mit dem Herbert Strate- Preis ausgezeichnet. Er brachte die Filme von Charlie Chaplin, Loriot und Otto Waalkes ebenso ins Kino wie das komplette Werk Joseph Vilsmaiers und nicht zu vergessen die legendären Karl May-Verfilmungen. Im Werkstattgespräch wird er zu den Geheimnissen seines Erfolgs und zur Zukunft des Kinos befragt. Mit dem Film Festival Cologne legte dieser Filmherbst einen gelungenen Start hin. Starke Filme und Serien, glückliche Preisträger, internationale Stars und vor allem ein begeistertes Publikum. Mit dem European Series Day und der Initiative European Work in Progress (EWIP) konnten zudem wichtige inhaltliche Themen im Festival verankert werden. Aber das war erst der Anfang der Festivalsaison im ganzen Land: Noch bis Ende November treffen sich Kinobegeisterte bei den Festivals in Bochum, Düsseldorf, Duisburg, Köln und Lünen. In Düsseldorf und Köln kommen besonders die Kinder auf ihre Kosten. Einen starken Herbst erlebte auch das digitale NRW. Die digitale Wirtschaft NRW traf sich bei Summit und Award. Das Next Level Festival zum Thema Kunst, Games und digitale Spielekultur in Düsseldorf und die Kölner Forschungskonferenz Clash of Realities boten hochrangige Veranstaltungen, in der Schanzenstraße in Köln-Mülheim wurde der Mediencampus von ifs und Cologne Game Lab eröffnet. Unter dem Motto»Match me if you can«luden Mediennetzwerk und Filmstiftung NRW zur Feier des Tages erstmals zum medien übergrei - fenden Branchentreff ins E-Werk NRW digital 14 Next Level 2017 Festival for Games 15 Clash of Realities 16 Clonstudios in Neuss 17 Creative Europe Audiovisuelle Diversität 18 Das Frauenbild in Film und TV 19 Maria Furtwängler im Interview Nachwuchs 20 Hochschul-News 21 Campus-Einweihung 22 Wim Wenders Stipendium 24 Film Festival Cologne 26 Die Preisträger Andreas Dresen, Patrick Vollrath und Sönke Wortmann drehen,»babylon Berlin«läuft bei Sky, von»wishlist«geht die zweite Staffel online, und ins Kino kommen»jetzt.nicht«,»teheran Tabu«,»Hexe Lili rettet Weihnachten«und»Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft«und natürlich»aus dem Nichts«von Fatih Akin. Schon jetzt blicken wir erwartungsvoll ins neue Jahr und drücken gemeinsam mit den Hamburger Förderkollegen die Daumen für eine Oscar-Nominierung Faszination Künstlerportrait 29 European Series Day Dreharbeiten 30»Gundermann«Menschen und ihr Antrieb. Unbändige Energie, Kreativität und Leidenschaft faszinieren uns nicht nur wir unterstützen sie auch. Deshalb fördern wir Kunst- und Kulturprojekte in ganz Deutschland und bringen sie, entsprechend unserer Firmenphilosophie, eine Idee weiter. Nur noch wenige Wochen bis Jahresende. Da passt es gut, die Verleihung der Kurzfilm-Lolas in Köln zu begehen und die deutsche Gamesbranche bei der Verleihung des Deutschen Entwicklerpreises zu begrüßen. Ich wünsche allen Kreativen der Film-, Fernseh-, Games-, Online und Digitalbranche viel Energie und Erfolg in der Zielgerade und schon jetzt einen guten Jahresausklang »Der Traum vom Ozean«31 Dreharbeiten 33 News Ihre 36 Kinostarts Events Petra Müller Film und Medien NRW Das Magazin 4/2017 3 Das Kino, sein Programm und sein Publikum Film- und Kinokongress NRW Mehr Besucher, neue Zielgruppen, gezieltes Marketing: Diese Themen stehen im Mittelpunkt beim Film- und Kino kongress NRW, der am Dienstag, 14. November, im Kölnischen Kunstverein stattfindet. Unter dem Motto»Das Kino, sein Programm und sein Publikum«diskutieren Kinobetreiber, Verleiher und Produzenten aktuelle Themen zur Zukunft von Film und Kino. Dabei geht es um neue Zielgruppenkonzepte, digi tales Marketing sowie erfolgreiche Kommuni - kations- und Architektur - konzepte. Wie kann man Besucherdaten nutzen, um das richtige Publikum für einen Film zu erreichen oder an ein Kino zu binden? Und welche Möglichkeiten bieten sich, um neue Zielgruppen für das Kino zu begeistern? Der Kongress findet zum siebten Mal statt und wird von der Film- und Medienstiftung NRW in Kooperation mit dem Creative Europe Desk NRW, HDF Kino e.v., AG Kino, AG Verleih und Film- und Medienverband NRW veranstaltet. Volles Programm: NRW verfügt über die höchste Leinwanddichte in Deutschland, Fotos: Kinobetreiber und -betreiberinnen Film und Medien NRW Das Magazin 4/2017 5 Film- und Kinokongress NRW Programm Uhr Eröffnung Petra Müller, Film- und Medienstiftung NRW Thomas Negele, Foto: HDF Uhr Einführung: Das Kino, sein Programm und sein Publikum. Dr. Thomas Negele, HDF KINO Nutzerdaten gewinnen und gezielt auswerten Digitales Marketing fürs Kino Im digitalen Zeitalter, in dem sich die Kinos mit der Konkurrenz durch Plattformen wie Netflix oder Amazon messen müssen, spielt gezieltes Marketing eine immer größere Rolle. Zunehmend soll auch kleineren Häusern die Möglichkeit geboten werden, Nutzerdaten zu generieren und mit überschaubarem Aufwand auszuwerten. Dies ist ein zentrales Thema beim Film- und Kinokongress.»Im Optimalfall sollten die Kinos als Grundlage über Webseite, Online-Shop und -Newsletter verfügen, die wir im zweiten Schritt miteinander vernetzen, um die Werbung zu personalisieren«, führt sie aus.»ich rate davon ab, den Ticket-Shop voll und ganz an einen externen Anbieter auszugliedern. Denn dann sind die Kunden dessen Kunden und dementsprechend auch die wichtigen Daten nicht verfügbar.«in der Anfangsphase von Kinobytes stehe der -Newsletter im Vordergrund der Aktivitäten. Gemeinsam mit den interessierten Kinobetreibern wolle man diese Angebote optimieren und datentechnisch und mobil nutzbar machen.»50 Prozent der Newsletter werden auf einem mobilen Gerät gelesen«, erklärt die Marketing- und Kommunikationsstrategin. Sofern die Adressaten des Mailings der Nutzung ihrer Daten zustimmten, könnte die Ansprache der potenziellen Kinobesucher immer weiter individualisiert werden, erklärt Panetta.»Das muss man über einen längeren Zeitraum aufbauen, aber das ist in der analogen Welt nicht anders: Jemanden, der zum ersten Mal in ein Kino kommt, muss der Kinobetreiber auch erst noch kennenlernen.«social Media spielt unterdessen in Panettas Strategien eine untergeordnete Rolle. Dienste wie Facebook oder Twitter seien geeignet, um Aufmerksamkeit für einzelne Filme zu generieren, aber nicht unbedingt für die Kinos selbst.»viele Zuschauer nutzen regelmäßig Facebook. Mit Blockbustern wie,es, oder auch Filmen wie,wilde Maus oder,embrace Du bist schön bekommt man mitunter viele Likes, mit und ohne Werbe - budget. Facebook ist gut, um Reichweite und Aufmerksamkeit für Filme zu generieren, aber nicht, um diese Reichweite in Ticketverkäufe auf der Webseite des Kinos zu konvertieren«, kommentiert Panetta.»Bei einem Mailing kann man grob damit rechnen, dass von 100 Adressaten rund fünf auf die Webseite mit dem Spielplan und der Möglichkeit zur Ticket-Bestellung durchklicken. Bei Facebook braucht man schon eine Reichweite von Nutzern, um dieses Ergebnis zu erhalten.«jörg Laumann Petra Rockenfeller, Foto: privat Uhr Next Step Arthouse Was kommt nach den Babyboomern? Birgit Langebartels, Rheingold-Institut Petra Rockenfeller, AG Kino Blitzlicht Uhr Hands on Cinema. Kommunikations- und Architekturkonzepte für erfolgreiches Kino Studierende der FH Münster Roxana Panetta, Foto: Daniela Pfeil Leopold Grün, Foto: Susann Jehnichen Peter Sundarp, Foto: Central Film Verleih Uhr Digitales Marketing: Wie bringt man die Menschen ins Kino? York-Fabian Raabe, ViewYork Roxana Panetta, Panetta & Co.»Kinobytes«Blitzlicht Uhr European Work in Progress Cologne 2018: Wie geht es weiter? Leopold Grün, AG Verleih Uhr Werkstattgespräch Herbert Strate-Preisträger Peter Sundarp In Kooperation mit HDF KINO»Es ist nicht mehr selbstverständlich, nur aufgrund eines Films ins Kino zu gehen. Weil Netflix und andere Anbieter als gleichwertige Plattformen in Sachen hochwertiger Filmunterhaltung mit Neuheitswert wahrgenommen werden, müssen die Kinos ihre Marketing-Bemühungen für das Kinoerlebnis an sich verstärken«, sagt die Münchner Marketing- und Kommunikationsstrategin Roxana Panetta, die regelmäßig Kunden aus der Filmindustrie betreut und mit kinobytes.de ein neues Marketing-Tool für unabhängige Kinos entwickelt hat.»die Filmwerbung bleibt zu Recht die Aufgabe des Verleihs. Aus der Filmwerbung den Besuch des Kinos zu machen, ist heutzutage immer mehr die Aufgabe der Kinos selbst.«online-erweiterung des Kinogeschäfts Wichtig sei es für die Kinobetreiber, auch bei ihrer digitalen Präsentation großen Wert auf liebevolle Gestaltung zu legen.»es fällt den erfahrenen Kinobetreibern nicht schwer, eine einladende Atmosphäre im echten Foyer zu schaffen. In der digitalen Welt gelingt das oftmals nicht«, sagt Panetta. Auch die Online-Erweiterung des Kinogeschäfts durch Initiativen wie Kino on Demand könne durchaus einen Mehrwert bringen.»hier kann man von anderen Branchen lernen, die vor einer ähnlichen Herausforderung stehen, beispielsweise Restaurants, die Lieferservices wie Foodora nutzen. Kluge Gastronomen nutzen Bringdienste als Mischung aus Service-Gedanke und Werbekanal, unter anderem mit einer online stark eingeschränkten und häufig wechselnden Angebotsauswahl. Auch die Kinos können in dieser Hinsicht selbstbewusst handeln und konkrete Strategien verfolgen.«digitaler Newsletter Im Mittelpunkt aller Online-Aktivitäten im Bereich des Kino-Marketings steht allerdings die Auswertung und zielgerichtete Nutzung von Daten, die etwa durch Ticketing, Newsletter oder Webseiten gewonnen werden. Im Juni hat die Yorck-Kinogruppe zunächst für ihr neues Arthouse-Großkino Delphi Lux in Berlin eine Kooperation mit dem Filmtechnologie-Anbieter Vista Group angekündigt, die auch das Tool Movio zur Analyse von Film-Marketingdaten beinhaltet. Roxana Panetta bietet kleineren Kinos mit ihrer Plattform Kinobytes, die auf der - Marketing-Software Optivo basiert, einen niederschwelligeren Ansatz. In den teilnehmenden Häusern müsse kein umfangreiches System für die Datenanalyse implementiert werden. Schon die Nutzung eines digitalen Newsletters reiche für den Anfang aus, um Informationen für Kinobytes zu generieren, berichtet Panetta. Einer der Blockbuster, die sowohl in Arthouse- als auch in Multiplexkinos liefen:»guardians of the Galaxy 2«, Foto: Warner Film und Medien NRW Das Magazin 4/2017 7 Film- und Kinokongress NRW Margarete Papenhoff und Sebastian Riech im Interview Kino als Event Anlässlich des Film- und Kinokongress NRW und der Verleihung des Kinoprogrammpreis NRW sprachen wir mit zwei Vertretern der Branche über ihre Kinomarketingideen, Inhalte und Ziele. Margarete Papenhoff war mit ihrer Schwester Gabriele Rosslenbroich Inhaberin des»weltspiegel«- Kino in Mettmann. Sie betreiben das Kinocenter Ratingen. Sebastian Riech ist Prokurist der FSF GmbH & Co. KG, die den Ufa-Palast am Düsseldorfer Hauptbahnhof unterhält. Sebastian Riech, Margarete Papenhoff, Foto: Wilfried Meyer Erzählen Sie bitte etwas zur Historie Ihrer Kinos! Margarete Papenhoff: 1907 fand in Mettmann eine Sommerkirmes statt, bei der zum ersten Mal mit einem Kinematographen bewegte Bilder vorgeführt wurden. Mein Großvater vermietete dem Veranstalter dafür den Saal seines Schützenhofes. Weil nicht genügend Zuschauer kamen, konnte der Schausteller die Miete nicht bezahlen und ließ seinen Kinematographen als Pfand da und holte ihn nie wieder ab. Mein Großvater war sehr geschäftstüchtig und hat sich einige Monate später bemüht, an Filme zu kommen, die er mit dem Apparat vorführen konnte. Er hatte Erfolg damit, und so hat damals alles angefangen haben wir in Ratingen das»metropol«in Betrieb genommen und danach die»schauburg« haben wir das»königshof-theater«in Mettmann eröffnet, 1976 dann die beiden kleinen Kinos in Ratingen aufgemacht. Sebastian Riech: 1997 ist in der ehemaligen Paketpost in Düsseldorf der Ufa-Palast eröffnet worden. Mein Vater hatte ihn damals gebaut, als erstes Multiplexkino in Düsseldorf. Die Historie des Gebäudes bringt durch die Nähe zum Hauptbahnhof einige Besonderheiten mit sich, denn auch unser oberstes Foyer könnte heute noch einen Zug tragen. Und in unserem Keller gibt es eine Bunkeranlage. Welche Klientel möchten Sie mit Ihren Kinos ansprechen? S.R.: Natürlich sind wir mit einem Multiplexkino mit 13 Sälen sehr breit aufgestellt. In erster Linie spielen wir Mainstream, aber es gibt auch immer wieder Arthouse-Filme, die in unser Programm finden. Über Flyer-Auslagen, unsere Internetseite und Online- Werbung versuchen wir, in erster Linie ein junges Publikum zu erreichen. Ab zwölf Jahren aufwärts, nach oben sind da keine Grenzen gesetzt. Unser primäres Zielpublikum sind allerdings die Heavy User im Bereich der Jugendlichen bis jungen Erwachsenen. Durch unsere Anbindung zum Bahnhof haben wir aber auch ein sehr großes Familienpublikum. Das ist insgesamt ein sehr technikaffines Publikum, weswegen im Marketing unsere eigene Internetseite ganz klar im Vordergrund steht. Auch bei Facebook und Instagram sind wir sehr aktiv, weil das die Plattformen sind, die auch unsere Zuschauer regelmäßig nutzen. M.P.: Wir spielen vorwiegend Arthouse und haben ein eher älteres Publikum. Ergänzend haben wir aber auch ganz junge Besucher. Die Allerjüngsten kommen dann in Begleitung ihrer Großeltern zum Puppenteater. Zusätzlich spielen wir jeden Tag einen oder zwei Filme im Kinderkino. Wir publizieren jede Woche unsere eigenen Flyer, haben zusätzliche Handzettel für unser Senioren- und Frauenkino und unsere Liveveranstaltungen. Wir sind da insgesamt auch recht breit aufgestellt, weil wir auch unsere eigene Website betreiben und unser Stammpublikum auf Wunsch wöchentlich per über das Programm informieren. Darüber hinaus schalten wir regelmäßig Programmanzeigen in den Wochenblättern. Wird von Seiten der Filmverleiher noch so streng zwischen Arthouse- und Multiplexkino unterschieden? Oder müssen Sie manchmal regelrecht darum kämpfen, einen gewünschten Film zeigen zu können? S.R.: Mit der Digitalisierung hat eine technische Entwicklung stattgefunden, die den kompletten Filmmarkt für alle Vorstellungen und alle Bereiche freigegeben hat. Der Verleih verschickt nun keine Kopien mehr, sondern höchstens Festplatten, wenn ich mir den Film nicht sogar vom Verleih downloaden kann. Die Kosten haben sich hier für den Verleihmarkt enorm reduziert. Wenn Sie wollen, kann jeder Film zu jeder Zeit in jedem Kino gezeigt werden. Man muss auch im Kino nicht mehr zwischen den Vorstellungen die Filmrollen von einem Saal in den anderen tragen, sondern kann wesentlich effektiver Filmvorstellungen programmieren. So kann ich jetzt mehr Filme enger getaktet vorführen. Trotzdem hat der Verleih oftmals anhand seiner eigenen Marketingkampagne Vorstellungen, welche Filme wo gezeigt werden sollen, weswegen man nicht jeden Film bekommen kann, den man sich für sein Haus wünscht. M.P.: Ja, das ist richtig. Früher hat man drei Vorstellungen am Tag gefahren, heute können wir durch die Digitalisierung vier oder mehr spielen, je nachdem, wann man anfängt. Ich glaube auch, dass wir in dem Sinne gar keine Konkurrenten mehr sind. Die Leute suchen sich die Kinos aus, in denen sie sich wohl fühlen. Das kann auch von Film zu Film variieren, denn den neuen»star Wars«-Film schauen sich die meisten natürlich lieber in einem Multiplex-Kino an. Ältere Leute gehen wegen der Atmosphäre viel lieber in kleinere Kinos, in denen sie sich nicht von anderen Zuschauern mit großen Popcorn-Eimern belästigt fühlen. Kino ist ein Ort der Begegnung. Man trifft sich vor oder nach dem Film in der passenden Gastronomie. Wie wichtig ist Ihren Zuschauern dieser Faktor? S.R.: Die Erfahrung sagt, dass sich die Gastronomie nicht im selben Haus befinden darf. Die Gastronomie mit ins Kino einzubauen hat an ganz vielen Stellen nicht funktioniert. Es gibt Ausnahmen, aber auch bei Im Trend bei vielen Kinos: Live-Übertragungen aus den Opernhäusern der Welt, Foto: La Boheme, Metropolitan Opera uns im Haus war das nicht erfolgreich. Die Gastronomie sollte um das Kino herum sein. Da hat das Multiplex im Düsseldorfer Hafen einen Riesen-Standortvorteil gegenüber dem Ufa-Palast am Hauptbahnhof. Daraus ergibt sich auch eine andere Klientel, wir haben beispielsweise sehr viele türkische Zuschauer, die vorher noch einen Döner essen. Ich wünschte mir im direkten Umfeld auch die Möglichkeit für anspruchsvollere Gastronomie. M.P.: Das ist bei uns ein bisschen anders. Die Leute können bei uns ihren Kaffee trinken, einen Wein oder Sekt bekommen. Zudem sind wir direkt in der Innenstadt beheimatet, weswegen man bei uns im direkten Umfeld auch gut essen oder nach dem Film noch einen Wein trinken kann. Das ist eben vom Standort abhängig. S.R.: Ja, richtig. Unser Standort hat aber durchaus auch Vorteile. Wenn der Zuschauer vorher nur einen Döner oder einen Burger gegessen hat, dann ist er durchaus bereit, die große Portion Popcorn oder das große Getränk bei uns zu kaufen. Es gibt Aufschläge für 3D, für Überlänge, dann kauft man sich Getränke und etwas zu Essen ist ein Kinobesuch zu einem Luxus geworden, den man sich gönnen muss? M.P.: Ja, aber es ist ja alles teurer geworden. Ich muss klar sagen, dass ich als Kinobetreiber überhaupt nicht vom Eintrittspreis leben kann. Jeden Euro, den ich an einer Eintrittskarte verdiene, muss ich zur Hälfte oder mehr an den Verleih abgeben. Gleichzeitig habe ich für die technische Weiterentwicklung meines Kinos und deren Ausstattung riesige Investitionen zu tätigen. Dafür nehme ich einen Aufpreis, den sich der Verleih zur Hälfte mitnimmt, obwohl er sich an den Kosten nicht beteiligt hat! M.P.: Ja, das ist so. Wir stecken Geld in die Digitalisierung, in den Ausbau auf Dolby Atmos etc. Und wenn wir dafür einen oder zwei Euro Aufschlag verlangen, geht die Hälfte davon an den Verleih. S.R.: Deswegen kann man an den Kinokarten nichts verdienen. Das läuft bei uns über die Nebenumsätze, das Popcorn, die Nachos, die Softdrinks und das Bier. M.P.: Aber ich denke auch, dass diese Aufpreise durchaus gerechtfertigt sind. Es ist eben etwas Besonderes, wenn Sie die Geräusche von überall wahrnehmen können. Das sollte Ihnen dann auch etwas mehr wert sein. Wenn Sie ins Theater gehen, zahlen Sie vorne im Parkett auch mehr als hinten im Rang. Wir bieten im Kino auch die Live-Übertragungen aus der Royal Opera in London und von den Berliner Philharmonikern an. Wenn man bedenkt, dass die Karten vor Ort zwischen 120 und 180 Euro kosten, kann man für ca. 25 Euro bei uns im Kino die Aufführung aus ganz vielen Blickwinkeln, mit einem ganz tollen Ton erleben. Das ist meiner Meinung nach eine ganz wunderbare Alternative, die bei uns sehr gut angenommen wird. Welche Möglichkeiten nutzen Sie mit Events oder Sonderveranstaltungen, um das Besondere am Kino noch einmal hervorzuheben und sich vom reinen Filmeschauen abzugrenzen? M.P.: Wenn es sich anbietet, mit einem Film etwas Besonderes zu machen, dann tun wir das. Zuletzt beispielsweise mit»der Wein und der Wind«da haben wir mit den Zuschauern Weinverkostungen gemacht. Dafür muss man natürlich einen Partner finde
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