GESAMTAUSGABE ÜBERLEGUNGEN XII-XV (SCHWARZE HEFTE ) HEIDEGGER MARTIN IV ABTEILUNG: HINWEISE UND AUFZEICHNUNC; EN BAND 96

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MARTIN HEIDEGGER GESAMTAUSGABE IV ABTEILUNG: HINWEISE UND AUFZEICHNUNC; EN BAND 96 ÜBERLEGUNGEN XII-XV (SCHWARZE HEFTE ) VITTORIO KLOSTERMAN N FRANKFURT AM MAIN MARTIN HEIDEGGER
MARTIN HEIDEGGER GESAMTAUSGABE IV ABTEILUNG: HINWEISE UND AUFZEICHNUNC; EN BAND 96 ÜBERLEGUNGEN XII-XV (SCHWARZE HEFTE ) VITTORIO KLOSTERMAN N FRANKFURT AM MAIN MARTIN HEIDEGGER ÜBERLEGUNGEN XII-XV (SCHWARZE HEFTE ) VITTORIO KLOSTERMANN FRANKFURT AM MAIN Ü berlegungen XII-XV herausgegeben von Peter Trawny Vittorio Klostermann ('J-mbH Frankfurt am Main 2111'1 Alle Hechte vorbehalten, insbesondere die des Nachdrucks u11ci der Üh1 rs g. Ohne Genehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, dieses Werk odl'r 'l il1 in einem photomechanischen oder sonstigen Reproduktio11sverfal1r1 11 orlr r unter Verwendung elektronischer Systeme zu verarbeiten, zu vcrvirlf'iil1igr'l1 unrl zu verbreiten. Satz: Mirjam Loch, Frankfurt arn Main Druck: Wilhelm & Adam, Heusenstamm T-'larnbmg, (;('r111a11y ISBN l.11 Gedruckt auf Alster Werkdruck der Firma Geese, alterungsbeständig 1sono6 und PEFC-zertifiziert kt - Pri11te l iti INHALT ÜBERLEGUNGEN XII 1 ÜBERLEGUNGEN XIII ÜBERLEGUNGEN XIV ÜBERLEGUNGEN XV Nachwort des Herausgebers ÜBERLEGUNGEN XII Jeden, auf eine Entscheidung zu denkenden Denker lwwq. L u 11 l verzehrt die Sorge um eine Not, die zur historischen Lcbc11szeit les Denkers noch gar nicht gespürt werden kann. Der C ra l lcs echten - Entscheidung mitvorbereitenden - Verstehens der ( ;ccla11- ken solcher Denker bemißt sich nach dem Vermögen z11 r11 notwendigen Vorausdenken in die befremdlichen Zumut u n gen, lie von dem in ihrem Wort Ungesagten ausstrahlen. Je wesentlicher die zu erdenkende Entscheidung ist, umso ferner rückt der Denker einer historischen Erklärbarkeit aus dem Ü berlieferten, desto größer wird die Gefahr für ihn, höchstens als Ausnahme zu gelten. Das aber ist die verfänglichste Form, in der Entscheidendes in das Gewöhnliche, d. h. schon Entschiedene, abgedrängt wird. Solche Niederschlagung des Entscheidungshaften entspringt keineswegs der Trägheit des Menschen, sondern bringt die Machthaberschaft des Seienden als solchen zu der ihr gemäßen Wirkung. Zerstörung ist der Vorbote eines verborgenen Anfangs, Verwüstung aber ist der Nachschlag des bereits entschiedenen Endes. Steht das Zeitalter schon vor der Entscheidung zwischen Zerstörung und Verwüstung? Aber wir wissen den anderen Anfang, wissen ihn fragend - (vgl. S ). a b Solange der Mensch sein Wesen betreibt im Sinne des vcr11iinftigen Tieres, solange denkt er überall»metaphysisch«, in der Form der Unterscheidung des Sinnlichen und Unsinnlichen; bei solchem Denken verharrt er in der Flucht vor der Frage nach der Wahrheit des Seyns. Diese Flucht entspringt nicht menschlichem Antrieb, sondern der Mensch selbst flieht - ohne Wissen von seiner»fi üchtigkeit«- weil er durch das Seyn selbst der Wahrheit des Sei ns enteignet ist - warum aber dieses? Wer mag den Grund wissen? Vielleicht - daß der Mensch noch kaum ein Geringstes ahnt von jenem Geschichtsbereich seiner Wesung, in dem die Verweigeru ng»des«seyns das Ereignis ist, in dessen Kern alle Ent-scheidungen des zu Unterscheidenden (der Gott und der Mensch, die Erde und die Welt) zusammenstoßen; vielleicht - daß der Mensch keinen Anfang mehr will, sondern nur in die Fort-Setzungen sich rettet. Überlegungen XII 5 2»Zur Besinnung«muß im rechten Augenblick das Wort geäu ßert werden - nicht als Aufruf und nicht als Plan - sondern als schon vollzogener und einmal einzuholender Vorsprung. Aber die Ein holung h at zu allem Wesenhaften den eigenen Bezug, daß sie das Eingeholte dann erst noch weiter voraus wirft oder aber i n die Geschichte als unüberholbaren A n fang zurückstellt. Die Wege und das Walten des Seyns sind befremdlich - ihnen nahen wollen, heißt zuerst: der Historie und der Gewöhnung ihres Vor-stellens absagen. Die Historie scheint am gründlichsten dadurch überwunden zu werden, daß man sie verläßt und i n die unmittelbare Gegenwär tigkeit flüchtet, das Nächste und Dringlichste betreibt. Aber dies ist i n Wahrheit nur eine scheinbare Ü berwindung; die Unsicher heit gegenüber der Historie, die Gefahr des Taumelns im H istoris mus wachsen, weil je die Gegenwart durch und du rch Geschicht lich ist und ihre B etreibung des historischen Vorstellens sich gar nicht erwehren kann - nur daß j etzt die H istorie nicht als solche 1 vollzogen wird und außerhalb einer kritischen Abschätzung bleiben muß. Der H istorismus wird jetzt wahllos und alle Unter schiede der Zeitalter verschwinden, wenn sie nur der Gegenwart Solches bieten, dessen sie sich für bedü rftig hält. Wie weit der H istorismus zurückreicht, ist unwesentlich ; er schlägt j a doch alles Frü here gleichmäßig auf die eine Ebene seiner j eweiligen Gegenwart; ob griechisch-römische Säulen hallen u nd -fronten hergestellt werden oder Operetten von 1900 in der Aufmachung amerikanischer Revuen - j edesmal stellt sich dieselbe Leere der bloßen Fassade vor und wird zum flüchtigen»erlebn is«. Solches nur als Kulturzerfall verzeich nen wollen, h ieße w iederum : im Vordergründlichen h a ften bleiben und die machenschaftlichen Zeichen übersehen. Die Wahllosigkeit des H i storismus entspringt einem in sich sicheren Vorgang, durch den langsam d ie vordergründliche Deutung des Zeitalters durch brochen wird. Zunächst macht sich das»natürlichelebens«- 2 6 3 4 Überlegungen XII recht der Völker geltend, das Recht auf A rteigene Entfal tu n g ihrer Triebkräfte. Doch dies alles ist nur Vorspiel j enes Machtvorga n gs, du rch den das»natürliche«schwergewicht der Völkermächte i n s Spiel gebracht wird. Da aber die M acht j eweilen übermächti gender und sich selbst über- 1 holender Ü bermachtswille ist, n i m mt die»natürlichkeit«des Schwergewichts der Mächte j e und j e eine andere Gestalt an. Was für eine n iedrigere M achtstufe noch ganz natürlich war, so n atürlich, daß es scheinen konnte, sie müß te sich in dem erreichten Machtu mkreis selbst die endgü ltige Schranke ziehen, ist auf der unabwendbar höheren Machtstufe völlig unnatürlich und ein Verstoß und Versäumnis gegen die»lebens«-interessen des Machtwesens. Entsprechend wandelt sich auch die j eweilige Bestimmung von Ordnung und U nordnung.»ordnung«ist diej enige machenschaftliche Einrichtung der Staa tengrenzen, Volksgliedschaften, Wirtschaftsbeziehungen, Kultur betreibungen, die j eweils die unbeschränkte Ausübung der von einer»macht«ihrem Wesen nach zu planenden Machtsteigerung sicherstellt. Jede M acht muß darauf sehen, alsbald zur Rechtferti g u n g ihres Ordnungswillens einen Zustand von Unordnung her vorzurufen. Je unauffälliger und weitgreifender dies gesch i eht, umso mächtiger ist die Macht. Die Anlage neuer Ordnungen ist innerhalb des Zeitalte rs der M achenschaft stets eine Machtfrage - nicht etwa nur im S i n ne der»durchsetzung«des Geplanten - sondern im H inblick auf das Wesen und die Art der Planung selbst - die Maße der Machtstei gerung be- 1 stimmen die Art der geforderten»ordnung«. U n d d ie se Ordnung verordnet erst die entsprechende Leitvorste l l u n g von dem, was als das»natürliche«zu gelten hat. So u ntersteht inner halb der Machenschaft des Seienden gerade das»natürliche«der Machtw illkür und ist deren Verschleierung. Die Versch leieru ng selbst und das Bedürfnis nach ihr i st eine Folge der u nersch ütter ten Metaphysik, die eine Erklärung von Allem fordert - sei das Erklärende nun der Schöpfergott oder die»natur«. Der A u fwand, solche Erk lärungen glaubwürdig und geläufi g zu machen, wird Überlegungen XII 7 dann am leichtesten bestritten, wenn der Mensch selbst durch Technik und Historie in die Machenschaft einbezogen und die Möglichkeit wesentlicher Entscheidungen auch in ihrer vorläufigsten Denkbarkeit aus dem Gesichtskreis des»lebens«ausgestrichen ist. Wo nun aber in verschiedenen Formen der Machtvollzug der Machenschaft vollständig in die»politik«verlegt wird, da entsteht der Schein, als sei alles im Wesen»politisch«und dieses Wesen selbst das Erste alles menschlichen Seins. In Wahrheit aber ist diese vollständige»politik«nur der in das rein technisch -historische Einrichten verlegte und durch dieses allein machtvollzieherische Ableger des machenschaftlichen Wesens des Seienden. Die Ma- 1 chenschaft behält die eigentliche Macht umso 5 sicherer, je ausschließlicher der politische Machtvollzug sich selbst für das Erste und Letzte hält. 3 Der Mensch. - Die Reihen-folge von Tagen und Nächten zieht das menschliche»leben«in eine»länge«aus und läßt es nach Jahrtausenden gerechnet zugleich wieder als»kurz«erscheinen. Wie unausrottbar und gleichwohl wie äußerlich ist diese Vorstellung vom Menschsein. Wenig noch hat der Mensch sich in die Frage nach dem Fügungsraum seines Wesens vorgewagt. Er kommt sich immer nur in den Anblicken jener Vorderfläche entgegen, auf der er sich hin- und hertreiben läßt, vermeinend, selbst dabei der Antrieb zu sein. 4»Der deutsche Idealismus«- ist em sehr ungefährer Titel, in dem wir die damit genannte Metaphysik noch nicht in ihrer Deutschheit begreifen. Damit ist nicht gemeint eine volkskundliche Rückführung dieser Philosophie auf ein bestimmtes Volks- 8 6 7 Überlegungen XII turn - sondern die Bestimmung j ener Grundstellung, von der aus erst, wenn es wichtig sein sollte, das Volkstum in seiner Eigenart umgrenzt werden dürfte. Der deutsche Idealismus 1 erreicht sei ne eigentliche metaphysische Grundstellung erst durch Schelling und Hegel - das»deutsche«daran ist der gleichsam sprunghaf te Bezug zum Anfang der abendländischen»metaphysi k«- ganz abgesehen davon, wie Schelling und Hegel diese Beziehungen selbst geschichtlich erfahren und historisch deuten. Schellings N atur-philosophie und Hegels Ph i losophie des Geistes (des»aethers«) vollziehen eine Wiedergewinnung der anfänglichen pucnc; - des vouc; - des A6yoc; - alles freilich in der Bahn zugleich des kantisch-fichtisch und zugleich des christlich-mystischen Denkens und Glaubens. Die einzelnen Ein flüsse u nd Voraussetzungen, die h ierbei wirksam sind, können historisch nach verschiedenen Hinsichten nach- und zusammengerechnet werden ; jede dieser historischen Erklärungen kann die übrigen als einseitig und ungenügend nachweisen und i h nen gegenüber in einer Hinsicht überlegen tun; ja man kann h ier, wo die Vollendung der abendländischen Metaphysik sich vorbereitet, so Vielartiges an Ein flüssen nach rechnen, daß von der historisch gemeinten»originalität«- nichts mehr übrig bleibt und für j eden»gedanken«ein Vorläufer vor gewiesen werden kann und wenn es nur die Selbigkeit des glei chen Wortes ist, die auf den bloßen Einklang des Wortschalls sich be- 1 schränkt. Dieses Beschäftigungsfeld der historischen Wissenschaft ist zuweilen unterhaltsam, meistens langweilig mit dem einzigen Erfolg, daß es die Meinung bestärkt, nun, da alles historisch erklärt sei, bestehe auch keine Notwendi gkeit mehr sich mit diesen Denkern zu»beschäftigen«- es sei denn im Sinne der H i nweisung auf Denkmäler gewesenen deutschen»geistes«. Das Entscheidende j edoch, was allen h istorischen Eingriffen sich wesensmäßig entzogen hält, ist der denkerische Sprung in das Ganze des Seienden als das Un-bedingte, der Versuch in nerhalb der Metaphysi k un-bedingt zu denken. Das Sein als das erste Sei ende und Seiendste n icht nur»gegenständlich«zu setzen, sondern Überlegungen XII 9 ungegenstä nd lich das Denken und das Anschauen i n d ieses zu versetzen und es als das Seiendste sein zu lassen. Das Deutsche an d iesem»idealismus«(d. h. der Au slegung des Seins als Vor-gestell heit), das Fichte noch nicht erreicht, weil er nur das transzendentale Denken K ants unbedingt voll zieht, besteht in der ursprünglichen Erfahrung des anfänglichen Wesens des Seyns als cpucn ; mit anderen Worten : Das Wesen des Deutschen bestimmt sich von da erst als das ureigene Vermögen zu solcher Erfahrung -; die Metaphysi k wird nicht»völkisch«ver deutscht, sondern das Deutsche gelangt du rch d iese 1 metaphysische Anstrengung erstmals für geschichtliche Augenblicke in sein Wesen. Dabei handelt es sich nicht darum, gegenüber einem Mechanismus des»westlichen«denkens das»organisch«-lebens hafte I rrationale ins Recht zu setzen -; der deutsche Idealismus begreift beides in seiner Zusam men gehörigkeit au s dem Ein sprung in das Unbedingte des Seienden im Ganzen. Er verleugnet das»mathematische«und Rationale so wenig, daß er es gerade zur höchsten Entfaltung und Beherrschu ng bringt und im Durch den ken der Idee des absoluten Systems erst in sein metaphysisches Recht setzt. Aber auch das j etzt Gesagte bliebe nur eine histori sche Deutu ng des deutschen Idealismus unter anderen, wen n es n icht im Grunde einer geschichtlichen Au seinandersetzung ent spränge, in der die Metaphysik im Ganzen ihrer Geschichte schon in Frage gestellt ist. Solches In-Frage-stellen aber hat zum einzigen»ziel«- das metaphysische Denken in demjenigen zu seiner noch unentfalteten Herrschaft zu bringen, was in ihm selbst unbewältigt bleiben muß und dadurch allein ihm sein Wesen als Metaphysik sichern konnte; das i st d ie Frage nach d er Wa hrheit des Seyns und der Gründung dieser Wah rheit. Schelling und Hegel werden erst künftig 1 zu wesentlichen deutschen Denkern, wen n das Unbed ingte ihrer metaphysischen Grundstellung als Frage au fgefangen und in d ie künftige denkerische Besinnung hinübergetragen wird. Die historischen Kenntnisse ihrer vielfältigen Bedingtheit helfen dazu gar n ichts, d. h. so wen ig, wie d ie»problem histori- 8 9 Überlegungen XII lo 10 sehen«ableitungen ihrer Grundstellungen, welche Ab leitun gen der»tatsachenh istori ker«mit demselben Recht als»kon stru k tion«widerlegen darf, m it dem der»problem histori ker«j ene»tatsäch lichen«erklärungen der»tatsächlichen«herkunft der»gedanken«als einen Ausbund von Gedanken losigkeit brand marken kann. (- Dem Hegel-Lexi kon 1 wird nun bald ein Schel ling-lexi kon folgen ; und wenn erst eine Philosophie in d ie Zan gen und Fächer der Lexi kographie geraten ist, h at die Abw ü rgung alles den kerischen Ernstes in der»beschäftigung«mit den Den kern ihr Ziel erreicht und dies sogar in der Maske, als sei d urch solche Verzettelung, die j eder Beliebige noch bel iebig»exakter«ausgestalten kann, erst die Voraussetzu n g für d ie»wissenschaft liche«arbeit geschaffen. Viel leicht - ja sogar gew i ß - fü r die wis senschaftliche Arbeit, aber n icht fü r das den kerische W issen.) Wie sollen wir aber die wesentlichen Den ker vor solcher Verschütt u ng 1 ihres Wesentlichen schützen? Hier gibt es keinen Schutz - und die Bemühung darum ist schon die Verkennung der Geschichte des Den kens. Nur wissen freilich wir, daß und waru m solche Verschüttu ng i mmer wieder a n der Arbeit ist, deren durch schnittliche Kläglichkeit n icht einmal für sich beanspruchen darf, daß i hr gegenüber die u nschätzbare K raft des Verachtenkönnens im Geringsten mißbraucht werde. Der deutsche Idealismus»ist«fü r die K ü n ftigen, d. h. i n ihrem Wesen gek lärten, Deutschen ein noch aufbeha ltener, u nentfachter Ka mpf der Besinnung; was er so ist, muß er allerdings erst werden. W ird er es n icht, dann gehören Schelling und Hegel mit den übrigen Denkern i n die Ausstattun gsräume der historistischen Walhalla; sie bleiben ein gut verrechneter Anlaß zu den derzeitigen Gebu rtstags- und Todestags»feiern«, bei wel ch en Gelegen h eiten ei n Beliebiger auch ihrer Gedanken mit den üblichen Verbeu gungen, aber auch zeitgemäßen Vorbehalten Erwähnu ng tut. Kampf der Besin nung ist das freie Wagen einer Wesensverwandlung, du rch die alle bequem und üblich gewordenen Stützen u nd Krücken zerbrechen 1 [ Her m ann Gl ockner: H egel-le x i kon. 4 Bde. Fr. From manns \lprlag: Stutt gart 1935.] Überlegungen XII 11 u nd die Not des Grundes i h re Gründer fordert und solche Forderung 1 nicht als Satz und Ausruf umgeht, sondern sich zum Zeit-Raum des Menschseins entfaltet. Der deutsche I dealismus ist für die Deutschen u nd dam it für die Geschichte des Abend landes eine noch ungeschehene Geschichte, in deren Bereich historische Gelehrsamkeit nichts z u suchen, wei l nie etwas zu fi nden hat Die Voraus-setzung des Christentums ist d ie Ansetzung des Men schen als eines vernünftigen Tieres, die Beharrung u nd Rettung i n der»metaphysik«. Und alle Feindschaft gegen das Chri stentu m, u nd sei e s auch nur die Bekämpfu n g der christl ichen Kirchen zugu nsten des»echten«, d. h sozialen, d. h. sozialisti schen»christ lichen«versorgungsbetriebes der Menschenmassen, bleibt noch christlich - und damit ein Ausweichen vor den wesentl ichen Ent scheidungen. ( Vgl. S. 6). 6 Nietzsche - in welchem Sinne allein ist N ietzsche ein Ü bergang, will sagen : Vorbereitung eines a nderen Anfangs der Gesch ichte des Seyns? ( Ü bergang meint hier n icht das Fortleiten aus einem Zustand des Seienden in einen anderen des selben Seienden, d. h. jenes - das 1 in seinem Sein u ngestört u nd unzerstört bleibt Ü bergang ist ein Gegenstand historischer Feststellung u nd Aus rechnung). N ietzsche ist nur in dem Sinne Ü bergang, daß er die Vollendung der Neuzeit metaphysisch vorwegni mmt u nd dadurch seinsgeschichtlich das Ende setzt und mit diesem Ende, das er selbst als ein solches nicht zu erken nen u nd z u wissen vermag, weil er noch und als Letzter, Endgültiger, metaphysisch den kt, die Möglichkeit einer Vorbereitung der Entscheidung zum anderen Anfang bereitstellt. 12 Überlegu ngen XII 13 In N ietzsches Den ken ist nichts, was in d iesen Anfang, i n seine Not und sein Wesen deutete ; Nietzsches Denken aber enthält Alles, was d ie Vollendung der Neuzeit vollbringen muß ; welches h isto rische Aussehen d ieses Zeitalter haben wird, in welchem Tempo d iese Vollendung vor sich geht, läßt sich ahnen hinsichtlich der Wesensgestalt (unbedingte Ermächtigung der Macht zur schran kenlosen Gewalt). Auch können wir vermuten, daß wir j etzt in die erste Phase des Beginns dieser Vollendung eintreten. Entschei dungscharakter allein besitzt j edoch das Wissen des Grundgehal tes der letzten abendländischen Metaphysik au s dem Wissen des seynsgeschichtlichen Wesens der Metaphysik im Ganzen. Jede anders oder gar nicht begründete»beschäftigung«mit Nietzsche ist historische Spielerei oder Dieberei an seinem Den ken zu Zwecken des Au fputzes irgendei nes»weltanschaulichen«gedankengutes. N icht einmal eine Abschwächung seines Den kens kann solche Beschäftigung genannt werden, da sie d ieses Den ken überhaupt nicht zu denken vermag. Weil Nietzsche das Ende der Metaphysik, somit selbst und so gesehen metaphysisch [?] ist, kann sein Den ken nur aus dem Anfang der wesentlichen Ü berw indung der Metaphysik geschichtlich gedacht werden d. h. so, daß dadurch N ietzsches Denken erst in seine geschichtli che Grundstellung zu stehen kom mt. 7»Intellektualismus«kann nur dort betrieben und beschi mpft wer den, wo d ie bloße Gewalttätigkeit der losgelassenen Macht als vermeintlich einzige und wahre Gestalt des»w illens«(im Unter schied zum»verstand«) maßgebend ist. Diese Maßgabe erscheint in einem zwiefachen Charakter: Das Gewalt-tätige wird bejaht und in die moralische G estalt der charaktervollen,»männlichen«haltung u ntergebracht ; das Gewalthaberische wird verneint im Gegenspiel der feigen Ausflucht in d ie Vermeidung entschlosse nen Handelns. Jedesmal macht sich in der entsprechenden Form Überlegungen XII 13 der»intellektualismus«breit, d. h. 1 die Verkennung des Wesens des Wissens und der Besinnung - und ihr zufolge die Unkraft, im fragenden Wissen das entscheidende - Entscheidun gen grün dende - Handeln zu erkennen, ein Handeln, zu dessen Bewer tung der Maßstab öffentlicher W i rkung und Geltung nichts taugt, auch dann n icht, wenn er sich bereits zum einzigen hin aufgeschw indelt hat. Im Schutze der i h m sicheren Beliebtheit bei allem Massenwesen, das von Hause aus dumm ist, kann dieser Maßstab alle Niederhaltung der Besinnung u nter der Maske des»kampfes«gegen»charakterschwäche«leiten. Die Ohn macht aller Macht zeigt sich i n dieser Abhängigkeit vom Massenwesen des Menschen, dessen wachsende Unwissen heit durch die Verur teilung des»intellektualismus«ins Recht gesetzt werden muß. Daß ein solcher Kampf gegen das W issen sich verträgt m it der gleichzeit
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