Gießener Universitätsblätter

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Jahrgang Herausgeber: Präsidenten der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Gießener Hochschulgesellschaft Gießener Universitätsblätter Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen
Jahrgang Herausgeber: Präsidenten der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Gießener Hochschulgesellschaft Gießener Universitätsblätter Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Wir danken allen Firmen, die unsere Förderbemühungen durch Anzeigenaufträge unterstützen. Unsere verehrten Leser bitten wir, die Anzeigen zu beachten. Inserenten: Faber-Management Schunk Group Sparkasse Gießen Veritas AG Herausgeber Schriftleitung Redaktion Druck und Verlag Präsidenten der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Gießener Hochschulgesellschaft Prof. Dr. Ulrich Glowalla Otto-Behaghel-Straße 10 F, Gießen PD Dr. Irmtraut Sahmland Postfach: Ludwigstraße 23, Gießen Telefon: / Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Inhalt I. Berichte der Gießener Hochschulgesellschaft... 5 II. Beiträge Dietmar Rieger Vom Geschehen zum Text-Ereignis und zurück. Drei Beispiele transnationaler Medienereignisse Sigrid Oehler-Klein Das Institut für Erb- und Rassenpflege der Universität Gießen: Aufbau des Instituts und Eingliederung in die Universität Marcel A. Verhoff, Kerstin Kreutz Forensische Osteologie Bernd Bader Die Handschriften und historischen Buchbestände der Universitätsbibliothek Gießen H. S. Robert Glaser, Manfred Henze Metschnikow, Phagozyten und Gießen Ivo Mossig Das Image der Stadt Gießen aus Sicht der Studierenden und seine Bedeutung bei der Wahl des Studienortes III. Berichte geförderter Projekte Ernst Petzinger, Rolf Bauerfeind Emerging Infectious Diseases Jahresthema und Symposium des Graduiertenkollegs Molekulare Veterinärmedizin Ausverkaufte Kongresshalle am 25. Februar 2005 Hochschulgesellschaft als Mitveranstalter Stargast unserer Spendengala Katja Riemann: Und passen Sie gut auf Ihre Kinder auf Hartmut Pauls Modernisierung der Ausstattung des Biochemischen Praktikums für Veterinärmediziner Herbert Grabes Literatur, Literaturgeschichte und kulturelles Gedächtnis Wolfgang Lührmann Die Hochschuldidaktische Weiterbildung an der Justus-Liebig-Universität Gießen Ulrich Dölp Dissertationsauszeichnungen der Justus-Liebig-Universität Gießen im Jahr IV. Personalnachrichten der Justus-Liebig-Universität Gießen V. Biographische Notizen EHRENTAFEL Die Gießener Hochschulgesellschaft trauert um ihre verstorbenen Mitglieder Prof. Dr. Erich Dauzenroth Dr. Dr. Otto Pflug Ehrenpräsident der Gießener Hochschulgesellschaft Dr. Galina Pospelowa Prof. Dr. Horst Seuster 4 Bericht des Präsidenten der Justus-Liebig-Universität für die Gießener Hochschulgesellschaft Sehr geehrter Herr Dr. Maaß, sehr geehrter Herr Professor Hoffmann, sehr geehrte Damen und Herren, Es wurde im Jahr 2004 auch durch Berichte in der Presse bekannt, dass dieses Jahr für die Justus-Liebig-Universität durch besondere Schwierigkeiten geprägt ist, über die zu berichten ist. Dennoch sind aber auch wieder deutliche Erfolge in Forschung und Lehre zu verzeichnen. Es ist das besondere Anliegen des Präsidiums, die Wettbewerbsfähigkeit der JLU auch für die kommenden Jahre zu sichern. Mit der Verabschiedung des Haushaltes des Landes Hessen im Dezember 2003 wurde deutlich, dass die JLU im Jahre 2004 eine um 3,5 Mio. geringere Zuweisung des Landes erhält. Dazu müssen alle Steigerungen der Personalkosten nochmals 3,5 Mio. aus diesem bereits verminderten Haushalt getragen werden, so dass im Vergleich zum Vorjahr wenn man noch einige Einsparungen berücksichtigt 6,5 Mio. eingespart werden mussten. Dies war nur durch einschneidende Maßnahmen möglich. So wurde eine Sperre auf alle zu besetzenden und frei werdenden Stellen verhängt, von der nur wenige Ausnahmen zur Sicherung der Lehre, der Funktionsfähigkeit und der Wettbewerbsfähigkeit der JLU zugelassen werden konnten. Die Zuweisungen an alle Bereiche der JLU mussten um ca. 30% gekürzt werden. Anstehende Berufungen wurden im Regelfall um ein Semester verschoben, und die Stellenbesetzungen aus Anlass von Neuberufungen konnten vorläufig meist nur zur Hälfte realisiert werden. In keinem Fall wurde jedoch ein Ruf zurückgenommen. Ebenso werden anstehende Entscheidungen, insbesondere in Hinblick auf die Streichung von Professuren, bereits teilweise in der Öffentlichkeit diskutiert, obwohl diese noch nicht ausgereift sind. Die Grundlage der notwendigen Entscheidungen ist allerdings eindeutig: Um die hohe Personalkostenquote der JLU zu senken und damit Sachmittel für Forschung und Lehre erhöhen zu können, werden in den nächsten Jahren deutliche Einschnitte in der Personalausstattung der JLU notwendig sein, die auch den Verzicht auf Fächer oder Fachgebiete bedeuten können. Während dieser Notwendigkeit sich im Abstrakten kaum jemand entzieht auch der Senat hat das Präsidium zu einschneidenden Kürzungen aufgefordert, ist die Diskussion im Konkreten verständlicherweise durch unterschiedlichste Auffassungen geprägt. Es ist zu betonen, dass zum Sommer 2004 noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen sind diese sind sorgfältig vorzubereiten. Dennoch darf an der Notwendigkeit dieser Entscheidungen kein Zweifel bestehen, und eine Diskussion derart, dass keinerlei Einschnitte zulässig seien, wird die Zukunftsfähigkeit der JLU nicht sichern. Das Präsidium ist bereit, solche Diskussionen zu führen, soweit sie fair und zielgerichtet sind; Unterstellungen oder Inanspruchnahme von Immunität für einzelne Fächer sind hierbei jedoch nicht hilfreich. Lassen Sie mich aber auch zu den erfreulichen und erfolgreichen Meldungen kommen. Ein wesentlicher Hinweis darauf ist der auf die Entwicklung der Studierendenzahlen und die Einnahmen aus Drittmitteln. Wie bereits im letzten Jahr, ist die Zahl der Studierenden nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau, auch in einem 5 Fach wie der Rechtswissenschaft, bei der die Zuweisung nicht mehr über die ZVS erfolgt. Der Spitzenreiter an zunehmender Zahl der Studierenden ist die Ernährungswissenschaft, ein Fach, das zu den Kernfächern des lebenswissenschaftlichen Profils der JLU gehört. In diesem Bereich wird derzeit auch ein interdisziplinärer Forschungsschwerpunkt Mensch-Ernährung- Umwelt in der Zusammenarbeit von Veterinärmedizin, Humanmedizin und Agrar- und Ernährungswissenschaften etabliert, zu dem das Land aus dem Innovationsfond 1,5 Mio. bewilligt hat. Darüber hinaus hat das Land der JLU auch erhebliche Mittel zur Modernisierung der Veterinärmedizin zugesagt. Die Einnahmen durch Drittmittel, die im Wettbewerb angeworben werden, haben sich weiterhin sehr positiv entwickelt. Im Jahr 2000 waren es noch ca. 31 Mio., die eingeworben wurden, im vergangenen Jahr bereits über 40 Mio., eine beeindruckende Steigerung, an der die Forschung im Fachbereich Medizin einen herausragenden Anteil hat. Beispiele hierfür sind die Bewilligung einer klinischen Forschergruppe im Bereich der Pneumologie, ebendort die Einrichtung eines internationalen Graduiertenkollegs oder die zentrale Rolle der JLU im Nationalen Genomforschungsprojekt. Aus dieser Bedeutung der Forschung in der Medizin und ihrer interdisziplinären Verbindung innerhalb des einmaligen Fächerprofils der Lebenswissenschaften an der JLU wird deutlich, wie wichtig die Erhaltung der Medizin und insbesondere ihrer klinisch-theoretischen Fächer für die JLU ist. Das Präsidium setzt sich deswegen mit großem Nachdruck dafür ein, dass in den derzeit laufenden Verhandlungen über die Schaffung einer wirtschaftlichen Einheit der Universitätsklinika in Mittelhessen unter Beibehaltung zweier Fachbereiche diese Stärken der JLU nicht gefährdet werden. In der Psychologie wurde ein gemeinsames Graduiertenkolleg mit der Universität Marburg bewilligt, in der Physik verschiedene Projekte im Rahmen eines Transregio SFB zur Hadronenforschung. Dies sind nur einige Beispiele erfolgreicher Beantragungen aus der JLU. Von besonderem Stellenwert ist die Entwicklung der Graduiertenausbildung. Zahlreiche Graduiertenkollegs, darunter ein europäisches in der Physik, ein transatlantisches in der Medizin und ein internationales PHD-Programm in den Literaturwissenschaften, sind die Grundlage dafür. Als von besonderer Bedeutung über Gießen hinaus erweist sich die vor einigen Jahren erfolgte Einrichtung des Graduiertenzentrums Kulturwissenschaften, dem nun ein entsprechendes Zentrum in den Lebenswissenschaften folgen soll. Diese Erfolge sind von großer Relevanz für die JLU, und die Graduiertenausbildung ist der Kern der engen Verbindung zwischen Forschung und Lehre als Kennzeichen einer Universität. Es ist deswegen unsere besondere Sorge und Aufgabe, die Wettbewerbsfähigkeit der JLU nicht zu gefährden, sondern weiter zu stärken. Auch in diesem Jahr darf ich deswegen der GHG wieder danken, dass sie durch zahlreiche Zuwendungen die Mitglieder der JLU darin unterstützt hat, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch gezielte Maßnahmen zu kräftigen, die nationale und internationale Sichtbarkeit der JLU zu stärken und kulturelle Aufgaben in der Stadt, der Region und international wahrzunehmen. Prof. Dr. Stefan Hormuth Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen 6 Bericht des Präsidenten des Verwaltungsrates der Gießener Hochschulgesellschaft Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie sehr herzlich zu unserer ordentlichen Mitgliederversammlung 2004 und bedanke mich, dass Sie durch Ihre Anwesenheit die Verbundenheit mit der Gießener Hochschulgesellschaft zum Ausdruck bringen. Besonders freue ich mich, dass heute auch unser Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann anwesend ist, der einige Sätze aus seiner Sicht zum bedeutsamen Miteinander von Stadt und Universität angekündigt hat. Bevor wir jedoch in die Tagesordnung eintreten, möchte ich an den kurz vor Weihnachten 2003 verstorbenen Professor Dr. Jost Benedum erinnern. Herr Benedum war bis zuletzt Schriftführer in unserem Vorstand und zugleich Schriftleiter der Gießener Universitätsblätter. Während seiner 14-jährigen Vorstandstätigkeit hat er unsere Hochschulgesellschaft sehr geprägt, sich stets für die Belange unserer Universität und deren Förderung erfolgreich eingesetzt. Durch seine liebenswürdige Art war er uns ein sehr angenehmer Kollege, dem wir gerne ein ehrendes Andenken bewahren werden. Nach dem fünften Jahr meiner Präsidentschaft können wir erneut auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken, wofür vor allem dem Vorstand und seinem Vorsitzenden, Herrn Professor Dr. Dr. h. c. Bernd Hoffmann, großer Dank gebührt. Herr Hoffmann wird Ihnen im Anschluss über die Arbeit, die Förderprojekte und die Finanzen berichten. Ich möchte jedoch wie schon in den Vorjahren die Gelegenheit vorab zu einigen grundsätzlichen Überlegungen nutzen. Leider müssen wir derzeit weitgehend hilflos mit ansehen, was mit unserer Universität, insbesondere der traditionsreichen Gießener Medizin, geschieht: verheerende Schlagzeilen bundesweit, renommierte Professoren im Visier der Staatsanwaltschaft, streitige Zukunftskonzepte, schwierige wirtschaftliche Perspektiven auch infolge erheblicher Investitionsrückstände, trotz der so notwendigen und allseits betonten Bildungsoffensive weitere Budgetkürzungen für die Universität wegen der leeren Staatskassen, große Sorgen und Unruhe etwa bei den Philosophen, Physikern, Wirtschaftswissenschaftlern. Die Justus-Liebig-Universität Gießen muss dringend wieder aus den Negativschlagzeilen. Die schlimmen Vorwürfe der angeblichen Menschenversuche und Abrechnungsbetrügereien sind dringend zu klären. Am Klinikum bedarf es der Wiederherstellung eines gedeihlichen Miteinanders und zugleich eines engagierten Mitwirkens an dem grundlegenden Zukunftskonzept, wobei ein engeres Zusammenwirken mit dem benachbarten Marburg sicherlich interessante Ansätze bietet. Im Übrigen werden auch den anderen Fachbereichen notwendige Anpassungsprozesse nicht erspart bleiben, wozu schon die demografischen Trends und die weiterhin begrenzten Haushaltsmittel des Landes zwingen werden. Für Kompetenzgerangel und Eitelkeiten ist in der Krise schon überhaupt kein Raum mehr. Vielmehr gilt es, für die gemeinsame Sache zusammenzustehen, die Universität als den bedeutendsten Standortfaktor für die Region weiterzuentwickeln. Die Standortpolitik für die Universität gewinnt immer mehr an Bedeutung. Über hervorragende Leistungen in Forschung und Lehre hinaus sind positive Ereignisse mit überregionaler Auf- 7 merksamkeit hierfür äußerst hilfreich. So hat sich das weltweit erste Mathematik-Mitmach- Museum unter der Leitung von Herrn Professor Dr. Albrecht Beutelspacher prächtig entwickelt. Die Transfer-Aktivitäten gehen voran. Nicht zuletzt ist das wieder in den nächsten Tagen bevorstehende Sommerfest in Rauischholzhausen anzuführen ebenso wie die hochwertigen klassischen Konzerte unter Leitung von Frau Universitätsmusikdirektorin Brigitte Schön. Die Hochschulgesellschaft ihrerseits hat mit den gerade erschienenen Gießener Hochschulblättern erneut ein umfangreiches Heft mit überaus interessanten Beiträgen und Berichten über geförderte Projekte vorgelegt. Mir bleibt, mich bei allen Förderern, Mitgliedern, dem Vorstand und nicht zuletzt der Hochschulleitung zu bedanken. Vorab darf ich meine Freude zum Ausdruck bringen, dass sich mit Herrn Professor Dr. Ulrich Glowalla ein renommierter Hochschullehrer bereit erklärt hat, künftig im Vorstand mitzuarbeiten und zugleich die Schriftleitung der Gießener Universitätsblätter zu übernehmen. Mein Dank gilt darüber hinaus meinen Mitstreitern im Verwaltungsrat. Ich freue mich auf eine weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit im Sinne unserer gemeinsamen Sache, nämlich der Förderung unserer Justus-Liebig-Universität Gießen. Dr. Wolfgang Maaß Präsident des Verwaltungsrates der Gießener Hochschulgesellschaft e.v. 8 Bericht des Vorstandsvorsitzenden der Gießener Hochschulgesellschaft Sehr geehrter Herr Vizepräsident, sehr geehrter Herr Dr. Maaß, sehr geehrter Herr Ehrenpräsident Hahn, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Haumann, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie zur diesjährigen Mitgliederversammlung der Gießener Hochschulgesellschaft sehr herzlich. Ich freue mich über Ihr zahlreiches Erscheinen. Insbesondere freue ich mich auch über das Kommen von Herrn Oberbürgermeister Haumann und die ihn begleitende städtische Delegation. Auch die Vertreter der Presse möchte ich sehr herzlich willkommen heißen. Dass sich 84 Mitglieder unserer Gesellschaft für ihr Fernbleiben entschuldigt haben, zeigt zumindest, dass sie sich der Hochschulgesellschaft verbunden fühlen und grundsätzlich zu einer aktiven Mitarbeit bereit sind. Eine solche aktive Mitarbeit, und davon bin ich mehr als überzeugt, ist heute notwendiger als je zuvor. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass wie auch andere hessische und nichthessische Universitäten die Justus-Liebig-Universität in eine finanzielle Krise geraten ist. Dies mag zum Teil daran liegen, dass es vor drei Jahren bei der Umstellung von der Kameralistik auf die kaufmännische Buchführung Verständnisschwierigkeiten innerhalb der Universität gegeben hat, Hauptursache der derzeitigen finanziellen Schwierigkeiten ist jedoch die verringerte Mittelzuweisung durch das Land. Um diese Engpässe aufzufangen, hat die Universitätsleitung grundsätzlich entschieden, alle derzeit freiwerdenden Stellen zunächst nicht zu besetzen; ausgenommen sind lediglich Stellen, die von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen besetzt sind, bei denen eine Regelverlängerung ansteht. Frei und nicht wiederbesetzt werden vor allem die zeitlich befristeten Stellen der zahlreichen wissenschaftlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, wobei es sich dabei eher um einen stochastischen als einen programmierten Prozess handelt. Belastet wird vor allem der wissenschaftliche Bereich. Auch wenn versucht wird, die Funktionalität zu erhalten, kann sich eine Universität ein solches Wissenschaftsmanagement über längere Zeit nicht leisten. Leider trifft auch zu, dass die ausgesprochenen Stellensperren alleine nicht ausreichen, um die notwendigen Mitteleinsparungen zu erreichen. Es mussten vielmehr zusätzlich die laufenden Mittel für Lehre und Forschung gekürzt werden, weiterhin stehen in nur unzureichendem Maße Mittel für Berufungen zur Verfügung. Diesen Prozess unmittelbar zu beeinflussen liegt außerhalb der Kompetenz und der Macht der Gießener Hochschulgesellschaft. Was wir jedoch tun können ist, an die Verantwortlichen, d. h. die Landesregierung, zu appellieren, auch im mittelhessischen Raum, d. h. auch in Gießen, den universitären Standort zu sichern. Nachdem sich im Freundeskreis der Justus-Liebig-Universität Gießen, d. h. unter den Mitgliedern der Gießener Hochschulgesellschaft und im Verwaltungsrat, zahlreiche Persönlichkeiten finden, deren Wort Gewicht hat, bitte ich diese sehr herzlich, sich in diesem Sinne öffentlich zu äußern und sich für eine Unterstützung unserer Universität einzusetzen. In der letzten Ausgabe der Gießener Universitätsblätter berichtete Herr Behrens, Mitglied 9 des Vorstandes der Gießener Hochschulgesellschaft, Geschäftsführer von Karstadt Gießen und Mitglied des Aufsichtsrates der Karstadt- Quelle AG, über die Bedeutung der Justus-Liebig-Universität Gießen für diese Stadt und den mittelhessischen Raum. Dieser Artikel, meine sehr geehrten Damen und Herren, sollte für alle, die für diesen Raum wirtschaftliche und politische Verantwortung tragen, zur Pflichtlektüre werden. Dieser Artikel weist klar darauf hin, dass es weder im Sinne der Stadt Gießen, noch im Sinne der hier ansässigen Wirtschaft sein kann, wenn es zu einer Schrumpfung der Justus-Liebig-Universität Gießen kommt. Ich fordere daher eine breite Unterstützung für unsere Universität, eine Unterstützung, die sich sowohl in Worten als auch in Zuwendungen finanzieller Art, zum Beispiel an die Gießener Hochschulgesellschaft, manifestiert. Wie dringend eine solche Unterstützung benötigt wird, zeigen die Strukturüberlegungen der Landeregierung hinsichtlich Fachbereich Humanmedizin und Klinikum. Es geht hier ums Ganze, nämlich um eine mögliche Zusammenlegung der Klinika und damit auch der Fachbereiche Humanmedizin in Gießen und Marburg. Unnötige Dubletten sollten sicherlich vermieden und Synergieeffekte genutzt werden; fest steht jedoch, dass die Zahl der Studierenden zunächst nicht absinken wird, die Fachbereiche in Gießen und Marburg einem Numerus clausus unterliegen und dass an beiden Standorten eine adäquate Ausbildung garantiert werden muss. Weiterhin ist zu beachten, dass durch die enge wissenschaftliche Kooperation und die daraus entstandene Vernetzung des Fachbereichs Humanmedizin mit anderen Fächerzonen der Lebenswissenschaften, z. B. dem Fachbereich Veterinärmedizin, dem Fachbereich Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement oder dem Fachbereich Biologie, Chemie und Geowissenschaften, eine in der deutschen Universitätslandschaft einmalige Situation entstanden sein dürfte. In Gießen wurden daraus resultierend Entwicklungen vorangetrieben, wie die Etablierung von Graduiertenkollegs oder eines Ph.D.-Studiengangs, dazu zählt aber auch die für den Wissenschaftsstandort Gießen eine hohe Priorität besitzende Ein- richtung eines Biomedizinischen Forschungszentrums. Die Strukturüberlegungen in Sachen Humanmedizin dürfen diese Entwicklungen nicht in Frage stellen; dadurch würden nicht nur der Fachbereich Humanmedizin, sondern auch die anderen genannten Fachbereiche und damit die Gesamtuniversität in Mitleidenschaft gezogen werden. Universitäre Leistungen in Lehre und Forschung sind nicht umsonst zu haben. Das Land muss zu seinen Verpflichtungen stehen und auch die notwendigen Kosten aufbringen. Nur dann kann die viel zitierte Exzellenz erreicht oder wie ich für unsere Universität meine erhalten werden. Auch wenn heute Räume und Gebäude der Universität nach Personen benannt werden können, halte ich es nicht für realistisch, dass dies Anreiz genug ist, durch Bereitstellung privater Investitionsmittel den Staat nachhaltig zu entlasten. Es bleibt dabei; Politik und Staat sind gefordert. Privates Engagement ist aber trotzdem unverzichtbar! Zum Beispiel und das ist sicherlich ein gutes Beispiel durch die Mitarbeit in der Gießener Hochschulgesellschaft. Für diese g
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