Heiko Hoßfeld. Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau zwischen Realitätsnähe und Komplexität

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Essener Beiträge zur Personalforschung Nr. 4 (2005) Heiko Hoßfeld Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau zwischen Realitätsnähe und Komplexität ISSN Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre,
Essener Beiträge zur Personalforschung Nr. 4 (2005) Heiko Hoßfeld Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau zwischen Realitätsnähe und Komplexität ISSN Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insb. Personalwirtschaft Fachbereich Wirtschaftswissenschaften Universität Duisburg-Essen Standort Essen Universitätsstraße Essen Essener Beiträge zur Personalforschung herausgegeben von Prof. Dr. Werner Nienhüser Fachbereich Wirtschaftswissenschaften Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbes. Personalwirtschaft Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Nr. 1 Werner Nienhüser (2002): Politisierende Ansätze zur Analyse des Personalmanagements: Neomarxistische und foucaultianische Perspektiven Nr. 2 Werner Nienhüser/Marcel Magnus (2003): Die wissenschaftliche Bearbeitung personalwirtschaftlicher Problemstellungen. Eine Einführung Nr. 3 Manuel Jans (2004) Empirische Effekte organisationsdemografischer Diversität in Organisationen - Ergebnisse und Erkenntnisse einer Metaanalyse Nr. 4 Heiko Hoßfeld (2005) Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau zwischen Realitätsnähe und Komplexität Nr. 5 Heiko Hoßfeld (2005) Vertrauen Eine Konzeptionalisierung auf Basis des rationalen Vertrauensbegriffs Heiko Hoßfeld* Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau zwischen Realitätsnähe und Komplexität 1 Einleitung Die ökonomische Vertrauenskonzeption Das Vertrauen des Homo Oeconomicus Ökonomische Vertrauensursachen Das einfache Vertrauensspiel Zeitliche Einbettung dyadischer Vertrauensbeziehungen Strukturelle Einbettung von Vertrauensbeziehungen Institutionelle Einbettung von Vertrauensbeziehungen Zwischenfazit Die Implementierung fremdbezogener Präferenzen in das Modell Konsequenzen für Realitätsnähe und Komplexitätsgrad des Modells Erklärungsgewinn Komplexitätsfolgen und das generelle Präferenzproblem in ökonomischen Analysen Ausblick: der Weg zu einer kulturellen Einbettung von Vertrauensbeziehungen Literaturverzeichnis * Dipl.-Kfm. Heiko Hoßfeld, Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insb. Personalwirtschaft, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Universität Duisburg-Essen, Campus Essen, Heiko Hoßfeld Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau 1 Zusammenfassung Der Beitrag beschäftigt sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Integration des Vertrauensphänomens in den ökonomischen Modellbau. Es zeigt sich, dass sich bereits unter sehr strengen Verhaltensannahmen eine Vielzahl von Vertrauensursachen erklären lassen, eine vollständige Erklärung von Vertrauen jedoch nicht möglich ist. Die Implementation von fremdbezogenen Präferenzen ermöglicht zwar eine Erhöhung der Realitätsnähe des Modells, dies jedoch auf Kosten seiner Einfachheit. Insbesondere die Erfassung individueller Präferenzen bedeutet für den ökonomischen Modellbau eine nicht mehr händelbare Erhöhung der Komplexität, weshalb Möglichkeiten analysiert werden, die Präferenzen der Akteuere aus den situativen Gegebenheiten abzuleiten. Dazu gehört auch die Frage nach der kulturellen Einbettung von Vertrauensbeziehungen. 1 EINLEITUNG Seit geraumer Zeit schon erfreut sich die ökonomische Theorie nicht nur bei der Analyse primär wirtschaftswissenschaftlicher Fragestellungen größter Beliebtheit, sondern vermehrt auch bei Fragen allgemein sozialwissenschaftlicher Natur. Dies führte sogar so weit, dass in der Soziologie ein eigener ökonomischer Zweig entstand, der zumeist unter dem Begriff der Rational Choice Theorie firmiert (vgl. Coleman 1991; Esser 1996a). Der Grund sowohl für die Breite der Anwendung als auch die Beliebtheit der ökonomischen Theorie liegt in ihrem Forschungsanspruch begründet. Ihr Ziel ist ganz allgemein die Erklärung von kollektiven bzw. Makrophänomenen: die Entstehung von Wohlstand ebenso wie das Funktionieren von Unternehmen und ganzen Gesellschaften. Realisiert werden soll dies, indem auf das Verhalten der einzelnen Akteure rekurriert wird, d.h. es wird davon ausgegangen, dass das aggregierte Verhalten der einzelnen Akteure eines sozialen Systems zu Folgen auf der kollektiven Ebene führt. Aus diesem Grund wird einerseits eine erklärungsstarke Handlungstheorie benötigt, während andererseits die Komplexität des Menschen je nach Größe des zu erklärenden sozialen Systems schnell zu einem kaum mehr händelbaren Problem wird. Die ökonomische Theorie begegnet diesem Problem, indem sie mit dem Homo Oeconomicus ein Menschenbild zugrundelegt, das mit wenigen Informationen über den einzelnen Menschen auskommt. Resultat ist ein sehr vereinfachendes Menschenbild, das dementsprechend der Ökonomie wegen seiner Realitätsferne häufig vorgeworfen wird. Weil es aber prinzipiell nicht das Ziel ist, den einzelnen Menschen in seiner Fülle zu erklären, sondern er lediglich dazu benötigt wird, um Phänomene des sozialen Systems erklären zu können, ist dies grundsätzlich kein Problem der ökonomischen Theorie. Problematisch für ökonomische Fragestellungen wird diese Komplexitätsreduktion erst dann, wenn die Erklärungsfähigkeit von Makrophänomenen darunter leidet. Nun wird aber häufig eingewendet, dass diese einschränkende Sichtweise auf den Menschen dazu führt, dass wesentliche Faktoren des menschlichen Handelns vernachlässigt werden, was wiederum auch dazu führt, dass die Erklärung von Makrophänomenen darunter leidet. Einer Heiko Hoßfeld Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau 2 dieser Faktoren ist Vertrauen, das generell von sehr großer Bedeutung auch für die Wirtschaft ist, denn es gilt unter anderem nicht nur als wesentlicher Mechanismus von Aufbau und Aufrechterhaltung stabiler sozialer Beziehungen, sondern ganz allgemein als Grundvoraussetzung alltäglichen Handelns (vgl. Endreß 2002: 5, 11). Noch vor etwa einem Vierteljahrhundert kommt Albach allerdings zu dem Schluss, dass es die ökonomische Theorie bislang nicht geschafft hat, Vertrauen in ihr theoretisches Gebäude einzuordnen (vgl. Albach 1980: 2). Seitdem hat es jedoch einige Impulse insbesondere aus der Sozialwissenschaft sowie der Spieltheorie gegeben, dieses Defizit (zumindest teilweise) zu beheben. Dem soll im Folgenden nachgegangen werden, indem zunächst analysiert wird, in welchem Ausmaß sich Vertrauen unter den strengen Annahmen des Homo Oeconomicus erklären lässt. Aufbauend auf einer kurzen Darstellung der wesentlichen Erklärungsdefizite der ökonomischen Erklärung wird anschließend die Möglichkeit diskutiert, mit Hilfe einer Erweiterung des Modells hier am Beispiel der Einführung von Gesinnungspräferenzen die Realitätsnähe zu erhöhen. Aufgrund des prinzipiellen Zielkonfliktes zwischen Realitätsnähe und Komplexitätsgrad (vgl. Kelle/Lüdemann 1995: 253) soll außerdem analysiert werden, in welchem Rahmen eine Erweiterung überhaupt Sinn machen kann. 2 DIE ÖKONOMISCHE VERTRAUENSKONZEPTION 2.1 Das Vertrauen des Homo Oeconomicus Der Homo Oeconomicus nach neuerer Auffassung (vgl. dazu Kirchgässner 1991: 17) verfügt zwar nicht über vollständige Informationen d.h. Unsicherheit wird vorausgesetzt, jedoch verarbeitet er die Informationen, über die er verfügt, perfekt, da er keinen internalen Restriktionen unterliegt, wie etwa einem fehlerhaften Gedächtnis oder dem Einfluss von Emotionen. Außerdem ist er rein eigennutzorientiert, indem er ausschließlich eigenbezogene (und gegebene) Präferenzen zu maximieren versucht, während von fremdbezogenen Präferenzen, wie z.b. einer internalisierten Moral, abstrahiert wird. Weil Menschen danach nur in der Form an anderen Menschen interessiert sind, dass diese Ressourcen kontrollieren, die sie gerne hätten und Vertrauen für den Homo Oeconomicus dementsprechend keinen Eigenwert hat, ist zu fragen, unter welchen Bedingungen Vertrauen für ihn von Relevanz ist. Die Antwort darauf liefert die auf Coleman (1991) basierende ökonomische Vertrauenskonzeption. Vertrauen ist danach eine notwendige Voraussetzung von solchen Transaktionen, bei denen es zu einer einseitigen Übertragung von Ressourcen kommt (vgl. Coleman 1991: 40, 45f.). Im ökonomischen Kontext sind dies zumeist Transaktionen, die eine zeitliche Asymmetrie aufweisen, bei der ein Akteur (der Treugeber) gezwungenermaßen vor dem anderen (dem Treuhänder) liefern muss und dementsprechend darauf vertrauen muss, dass ihn der andere nicht betrügt, also die erwartete Gegenleistung erbringt (vgl. ebenda: 115). Die Vergabe von Vertrauen bedeutet daher für den Treugeber eine riskante Investition, Heiko Hoßfeld Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau 3 wobei das Risiko hierbei von der Leistung eines anderen Akteurs abhängt, denn er kann seine Situation (d.h. seinen Ressourcenpool) verbessern, wenn der Treuhänder das Vertrauen rechtfertigt und sie verschlechtern, wenn nicht. Ein ökonomischer Treugeber kalkuliert daher in einer Vertrauenssituation, ob er Vertrauen vergeben soll oder nicht. Die entscheidungsrelevanten Kriterien dabei sind der potenzielle Verlust, den er erleidet, wenn der Treuhänder sein Vertrauen enttäuscht, der potenzielle Gewinn, wenn der Treuhänder sein Vertrauen rechtfertigt sowie die Gewinnchance, also die Wahrscheinlichkeit der Rechtfertigung des Vertrauens (bzw. die beigemessene Vertrauenswürdigkeit des Treuhänders) (vgl. ebenda: 125). Der Treugeber entscheidet sich dann entweder gegen die Vergabe von Vertrauen, was keinerlei Veränderung des Nutzens bedeutet, oder dafür, wenn unter der Annahme der Risikoneutralität das Verhältnis von Gewinnchance zu Verlustchance höher ist als das Verhältnis von potenziellem Verlust zu potenziellem Gewinn (vgl. Coleman 1982: 283). Formal lässt sich die Entscheidungssituation des Treugebers wie folgt darstellen: p = Gewinnchance (Wahrscheinlichkeit der Vertrauenswürdigkeit des Treuhänders) L = möglicher Verlust (falls Treuhänder nicht vertrauenswürdig ist) G = möglicher Gewinn (falls Treuhänder vertrauenswürdig ist) Entscheidung: ja, wenn p/1-p L/G bzw. pg (1-p)L Unentschieden, wenn p/1-p = L/G bzw. pg = (1-p)L Nein, wenn p/1-p L/G bzw. pg (1-p)L Abbildung 1: Formalisierung der Vertrauensvergabe (nach Coleman 1991: 126) Die Ungleichung verdeutlicht den Schwellenwert, jenseits dessen die Vergabe von Vertrauen einen Nutzen verspricht sowie die Beziehung der Variablen untereinander: Die Vertrauenswürdigkeit des Treuhänders muss umso größer sein, je größer der mögliche erwartete Verlust im Verhältnis zum möglichen erwarteten Gewinn ist (vgl. Junge 1998: 39). Das Vertrauensphänomen ist folglich sowohl auf einer Verhaltens- als auch auf einer Erwartungsebene wirksam. Während der Vertrauensbegriff zwar ganz an die Erwartungsebene zu koppeln ist, bleibt gleichwohl eine enge Beziehung zur Verhaltensebene, denn Vertrauen ist eine Erwartung, die immer im Kontext einer spezifischen Entscheidungssituation relevant wird (vgl. auch Sydow 1998: 35) außerdem steht das Verhalten der Akteure aus ökonomischer Perspektive im Zentrum des Interesses. Dennoch ist zwischen beiden Ebenen analytisch zu trennen, denn nicht jede vertrauensvolle Handlung kann auch als solche sinnvoll bezeichnet werden. Sinnvoll von Vertrauen zu sprechen ist nur dann, wenn p 0,5 (vgl. Gambetta 2001: 211), denn kommt es im Fall von Misstrauen (p 0,5) zu einer vertrauensvollen Handlung, so liegt dies ausschließlich darin begründet, dass ein außergewöhnlich hoher potenzieller Gewinn in Aussicht gestellt wird. Eine solche Handlung ist dann eher als eine Lotterie zu bezeichnen, die sich auf Hoffnung gründet (vgl. auch Antfang/Urban 1994: 3; Luhmann 2000: 28), denn es wird mit größerer Heiko Hoßfeld Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau 4 Wahrscheinlichkeit erwartet, dass der Treuhänder das Vertrauen enttäuscht als dass er sich als vertrauenswürdig erweist. Weil die drei Variablen des Vertrauenskalküls die einzigen relevanten Faktoren bei der Vertrauensvergabe (also der Entscheidung für eine vertrauensvolle Handlung) sind und die Entscheidungsregel derart simpel ist, präsentiert sich das Problem der Vertrauensvergabe demzufolge als ein reines Informationsproblem (vgl. auch Coleman 1982: 284), denn die entscheidende Bedeutung kommt der Bestimmung der Variablen zu. Während aber häufig gerade bei monetären Transaktionen die möglichen Gewinne und Verluste den Treugebern bekannt sind (vgl. Coleman 1991: 129), besteht in der Regel immer eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Vertrauenswürdigkeit des Treuhänders. Darum wird ein rationaler Treugeber nicht nur vorhandene Informationen nutzen, insbesondere um den Vertrauenswert p besser prognostizieren zu können, sondern er wird außerdem gegebenenfalls nach weiteren Informationen suchen. Der eigentlichen Vertrauensentscheidung ist gewissermaßen eine Phase der Informationssuche vorgeschaltet deren Intensität davon abhängt, was auf dem Spiel steht (x = L+G) (vgl. ebenda: 131), so prüfen etwa Banken die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden. Zumeist ist es aber weniger die Fähigkeit zur Vertrauensrechtfertigung, die die Hauptrolle bei der Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit spielt, als vielmehr die Intention des Treugebers, das Vertrauen zu rechtfertigen oder zu enttäuschen (vgl. ebenda: 121). Die Höhe von p ist dann vor allem eine Frage der Anreize des Treuhänders und der Informationen des Treugebers darüber. Weil sich die Akteure ihrer wechselseitigen Interdependenzen bewusst sind, bilden sie sich Erwartungen darüber, wie sich der andere verhalten wird (vgl. Raub 1999: 246), da schließlich der Nutzen eines Akteur in einer solchen Beziehung (auch) vom Verhalten des anderen abhängt (vgl. Schmidtchen 2000: 3). Da solche strategischen Interdependenzen der Analysegegenstand der Spieltheorie sind (vgl. Nida-Rümelin/Schmidt 2000: 30), ist es sinnvoll, zumindest einen Teil der folgenden Ausführungen, die sich der Analyse von (ökonomischen) Vertrauensursachen widmen, spieltheoretisch zu modellieren bzw. zu begleiten Ökonomische Vertrauensursachen Das einfache Vertrauensspiel Die Situation der zuvor erläuterten einfachen Vertrauensbeziehung der Treugeber steht vor der Wahl, aufgrund einer zeitlichen Asymmetrie eine einseitige Übertragung vorzunehmen, danach steht der Treuhänder gegebenenfalls vor der Wahl, ob er das in ihn gesetzte Vertrauen 1 Auf die Nähe von Colemans Analyse von Vertrauen zur Spieltheorie weist auch Frank (1992: 152) hin, wobei die Spieltheorie mindestens zwei wesentliche Unterschiede aufweist: zum einen untersucht sie nur potenzielles opportunistisches Verhalten, also nicht das Vertrauen in die Fähigkeiten des Treuhänders, und zum anderen geht sie (in der Regel) zugunsten der mathematischen Formalisierung von vollständigen Informationen aus (vgl. dazu auch Kapitel 3). Heiko Hoßfeld Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau 5 rechtfertigen oder enttäuschen soll lässt sich spieltheoretisch mit Hilfe des Vertrauensspiels veranschaulichen (siehe Abbildung 2), das die einseitige Variation des Gefangenendilemmas 2 ist (vgl. James 2001: 4). Auszahlungen für Akteur 1 2 Vertrauen geben rechtfertigen G R 1 2 enttäuschen -L T Vertrauen nicht geben 0 0 G = potenzieller Gewinn des Treugebers (gain) L = potenzieller Verlust des Treugebers (loss) R = Auszahlung des Treuhänders bei Rechtfertigung des Vertrauens (reward) T = Auszahlung des Treuhänders bei Vertrauensbruch (temptation) Annahme über die Auszahlungsparameter: 0 L G; 0 R T Abbildung 2: Einfaches Vertrauensspiel (nach Raub 1992: 187) In diesem einfachen, elementaren Vertrauensspiel wird es unter der Voraussetzung, dass der Treugeber die Anreizstruktur des Treuhänders kennt (also die Höhe von T und R) keine Vertrauensvergabe geben, weil der Treuhänder keinen Anreiz dazu hat, die vom Treugeber erwartete Gegenleistung zu erbringen, d.h. er wird in jedem Fall defektieren (also einen Vertrauensbruch begehen) und der Treugeber weiß dies. Das Nash-Equilibrium bzw. das strategische Gleichgewicht liegt demnach hier bei [0,0] (vgl. James 2001: 5), während die Situation [G,R] für beide vorteilhafter, d.h. Pareto-effizient wäre (wegen G 0 R) (vgl. Voss 1998: 100). Folglich ist danach zu fragen, unter welchen Bedingungen eine Vertrauensvergabe dennoch erfolgt, der Treugeber also dem Treuhänder ein ausreichendes Maß an Vertrauenswürdigkeit zumisst (vgl. ähnlich Lahno 1995: 496). Konstituierend dabei ist, dass Vertrauensbeziehungen in der Regel nicht isoliert in einem sozialfreien Raum stattfinden, sondern in eine soziale dazu gehört auch: zeitliche Struktur eingebettet sind (zum Begriff der social embededdness vgl. Granovetter 1992: 305). Im Folgenden werden solche Effekte analysiert, die die (Vertrauens-)Situation für die (hier: strikt eigeninteressierten) Akteure definieren und damit ihr Entscheidungskalkül beeinflussen. 2 Grundsätzlich beinhaltet auch das Gefangenendilemma ein Vertrauensproblem, der Unterschied ist zum einen, dass dort beide Akteure sowohl als Treuhänder als auch als Treugeber fungieren und zum anderen, dass beide Akteure simultan ziehen. Heiko Hoßfeld Die Erklärung von Vertrauen im ökonomischen Modellbau Zeitliche Einbettung dyadischer Vertrauensbeziehungen Eine Form der Einbettung ist die zeitliche Einbettung (vgl. Raub 1999: 243) der einfachen dyadischen Vertrauensbeziehung. 3 Oftmals treffen die beiden Akteure einer Vertrauensbeziehung nicht nur einmalig aufeinander, sondern mehrfach. Von Bedeutung dabei sind sowohl Effekte, die sich daraus ergeben, dass die Akteure noch eine gemeinsame Zukunft haben als auch Effekte, die sich daraus ergeben, dass sie bereits eine gemeinsame Vergangenheit haben. Ein zukunftsbezogener Effekt, der den Anreiz zu opportunistischem Verhalten seitens des Treuhänders in der Gegenwart vermindern kann, ist der Schatten der Zukunft (Axelrod 1995: 11). Wenn die Akteure nicht nur einmalig, sondern in Zukunft noch oft in eine vergleichbare Beziehung treten, in der der eine Akteur Treugeber und der andere Treuhänder ist, so hat der Treuhänder dann einen Anreiz dazu, Vertrauen zu rechtfertigen, wenn er sich zukünftige Gewinne aus dieser Beziehung verspricht und er davon ausgehen muss, dass er diese nicht erwirtschaften kann, wenn er einen Vertrauensbruch begeht, weil der Treugeber bei einem einmaligen Vertrauensbruch die Beziehung sofort beendet (vgl. Coleman 1982: 285f.; Parkhe 1993: 799; ähnlich bereits Smith 1978: 538f.). Notwendige Bedingung dieses Effekts ist es, dass eine bedingte Strategie existiert, die vorschreibt, nicht länger zu vertrauen, wenn das Vertrauen einmal enttäuscht wurde (vgl. ähnlich Raub 1992: 189) und beiden Akteuren dies bewusst ist. Diese bedingte Strategie oder auch Exit-Sanktion (vgl. Raub 1999: 245) in Form einer Drohung ist ein impliziter sozialer Vertrag (James 2001: 12, 15). Es ist gar nicht notwendig, dass die Drohung explizit geäußert wird (vgl. Raub 1999: 245), von Bedeutung ist lediglich, dass der Treuhänder von ihrer Wirksamkeit überzeugt ist (und der Treugeber dies wiederum weiß), d.h. die Drohung muss glaubwürdig sein. Die Glaubwürdigkeit hängt unter anderem davon ab, ob für den Treugeber die kurzfristigen Kosten ihrer Ausführung durch den langfristig noch zu erwartenden Gewinn aus dieser Beziehung überkompensiert werden können (vgl. Junge 1998: 44). Einen noch stärkeren Effekt übt der Schatten der Zukunft in solchen langfristigen Beziehungen aus, in denen die Akteure sowohl die Rolle des Treugebers als auch die des Treuhänders verkörpern. Eine solche Beziehung wird als gegenseitiges Vertrauen bezeichnet und hat Folgen für beide Seiten des Entscheidungskalküls der Akteure, also sowohl in ihrer Rolle als Treugeber als auch als Treuhänder (vgl. dazu und im folgenden Coleman 1991: 228f.; Junge 1998: 46). Beide Akteure wägen dabei zwischen dem einmaligen Nutzen eines Vertrauensbruchs und dem langfristigen Nutzen der Vertrauensbeziehung ab. Dabei haben sie jeweils zwei Handlungsmöglichkeiten, wenn der andere das Vertrauen bricht: entweder sie verweigern die Vertrauensvergabe in folgenden Spielrunden oder sie reagieren ihrerseits mit einem Vertrauensbruch. Die Tatsache (bzw. Modellannahme), dass die Akteure wissen, dass beide diese Sanktionsmöglichkeiten haben, h
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