Hohendeicher See. Untersuchung der biologischen Qualitätskomponente Makrozoobenthos gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie

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Hohendeicher See Untersuchung der biologischen Qualitätskomponente Makrozoobenthos gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie Impressum: Herausgeber: Autoren: Auftraggeber: Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für
Hohendeicher See Untersuchung der biologischen Qualitätskomponente Makrozoobenthos gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie Impressum: Herausgeber: Autoren: Auftraggeber: Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz Institut für Hygiene und Umwelt Marckmannstraße 129 a/b Hamburg Internet: Dr. Beate Baier Institut für Hygiene und Umwelt Bereich Umweltuntersuchungen Abteilung Wasseruntersuchungen Tel.: (040) E-Fax: (040) Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Amt für Umweltschutz Billstraße Hamburg Stand: November 2012 Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerbern oder Wahlhelfern während eines Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für Bürgerschafts-, Bundestags- und Europawahlen sowie Wahlen zur Bezirksversammlung. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte. Die genannten Beschränkungen gelten unabhängig davon, wann, auf welchem Wege und in welcher Anzahl die Druckschrift dem Empfänger zugegangen ist. Den Parteien ist jedoch gestattet, die Druckschrift zur Unterrichtung der eigenen Mitglieder zu verwenden. INHALTSVERZEICHNIS 1 EINLEITUNG UND AUFGABENSTELLUNG METHODE UNTERSUCHUNGSPUNKTE UND PROBENAHME SUBLITORAL EULITORAL AUSWERTUNG ERGEBNISSE UND BEWERTUNG SUBLITORAL EULITORAL FAZIT ZUSAMMENFASSUNG LITERATUR ANHANG 1 Einleitung und Aufgabenstellung Die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (EUROPEAN UNION, 2000) fordert eine gewässertypspezifische Bewertung anhand biologischer Qualitätskomponenten aller natürlichen, künstlichen und erheblich veränderten Oberflächengewässer. Ziel der vorliegenden Untersuchung war die ökologische Bewertung des Hohendeicher Sees in Hamburg anhand der Makrozoobenthosfauna. Vergleichend sollte hier eine Bewertung anhand der benthischen Sublitoral- und Eulitoralfauna durchgeführt werden. Zur Bewertung natürlicher Seen anhand der Makrozoobenthosfauna existieren in Deutschland derzeit zwei Bewertungsansätze. Beide Verfahren sind multimetrisch aufgebaut und integrieren den Einfluss verschiedener Stressoren. Ein Verfahrensansatz bewertet anhand der sublitoralen Benthosfauna die Nährstoff- und Schadstoffsituation des Gewässers sowie die Uferstruktur (BAIER & ZENKER, 2004; ZENKER & BAIER, 2011). Der zweite Ansatz wurde anhand der Eulitoralfauna entwickelt und indiziert in erster Linie den hydromorphologischen Zustand der Uferzone (MILER ET AL., 2010). Beim Hohendeicher See handelt es sich allerdings nicht um ein natürlich entstandenes Stehgewässer, sondern um einen künstlichen See, der in den 60er Jahren durch Abgrabung entstanden ist (Baggersee). Die Bewertung erfolgt bei künstlichen wie auch bei erheblich veränderten Gewässern nicht über den Abgleich mit einem natürlichen Referenzzustand, sondern über Abgleich mit dem zuvor definierten höchsten ökologischen Potential. Dieses orientiert sich am bestmöglichen Zustand, der durch Sanierungsmaßnahmen zu erreichen ist und für die Nutzung des künstlichen Wasserkörpers keine signifikanten Einschränkungen zur Folge hat. Zur Ermittlung des höchsten ökologischen Potentials künstlicher Stehgewässer fehlen bislang allerdings noch verlässliche Kriterien und davon abgeleitete Bewertungsverfahren. So stellen Abgrabungsseen wie auch Talsperren spezielle Erfordernisse an Probenahme und Bewertung des Makrozoobenthos, da diese stark anthropogen geprägten Wasserkörper im Vergleich zu natürlichen Seen häufig eine andere Morphometrie mit steilen Ufern und einem nur schwach ausgeprägten Litoral aufweisen (FRIEDRICH, 1982). Derzeit werden die künstlichen und stark veränderten Gewässer dem ähnlichsten natürlichen Typ zugeordnet und gemäß den jeweiligen bereits für natürliche Gewässer entwickelten Verfahren bewertet. Der 62 ha große Hohendeicher See entspricht hiernach dem Seetyp 13 - kalkreicher, geschichteter Tieflandsee mit relativ kleinem Einzugsgebiet (MATHES ET AL., 2005). Makrozoobenthos Hohendeicher See Seite 1 2 Methode 2.1 Untersuchungspunkte und Probenahme Die Makrozoobenthosbeprobung am Hohendeicher See fand im Frühjahr 2008 statt. Am wurde das Sublitoral (Bereich zwischen dem Schwimmblattgürtel und der Thermokline) beprobt, die Aufnahme der Eulitoralfauna (Uferzone) erfolgte am Sublitoral Die Beprobung des Sublitorals wurde gemäß der standardisierten Probenahmevorschrift für das Sublitoralverfahren (ZENKER ET AL., 2006) durchgeführt. Dazu wurde der Hohendeicher See in acht Sektoren eingeteilt, die einzeln beprobt wurden. Die Lage der Probestellen ist in der Tiefenprofilkarte vermerkt (Abb. 2). Die mit dem Birge-Ekman-Greifer entnommenen Proben wurden noch im Gelände gesiebt und gespült (Abb. 1) und anschließend in 96 %igem Ethanol konserviert. Vorherrschendes Substrat und Wassertiefe an den einzelnen Probestellen sind in Anhang I vermerkt. Die Probenaufarbeitung und Determination erfolgte ebenfalls gemäß der Probenahmevorschrift. Abb. 1: Makrozoobenthosbeprobung im Sublitoral von Stehgewässern: links Probenahme mit dem Birge-Ekman-Greifer; rechts Sieben, Spülen und Einengen der Probe. Makrozoobenthos Hohendeicher See Seite 2 Abb. 2: Lage der Probestellen im Sublitoral des Hohendeicher Sees für die Makrozoobenthoserhebung im Frühjahr (Tiefenprofilkarte aus SPIEKER ET AL., 2010) Eulitoral Die Beprobung der Uferzone wurde nach der Probenahmevorschrift von BÖHMER ET AL. (2006) vorgenommen. Die im Eulitoralverfahren integrierte Probenahmevorschrift (MILER ET AL., 2010) stellt eine Weiterentwicklung und Verfeinerung dieses ersten Ansatzes dar, so Makrozoobenthos Hohendeicher See Seite 3 dass die 2008 gemäß der alten Vorschrift entnommenen Proben durchaus anhand des derzeitigen multimetrischen Verfahrens bewertet werden können. Zunächst wurden die Anteile der verschiedenen Uferstrukturtypen an der Gesamt-Uferlänge abgeschätzt. Typbestimmende Parameter sind hierbei das vorhandene Substrat, die Ufersteilheit, das Vorkommen eines Röhricht- und/oder Gehölzgürtels sowie das Vorhandensein submerser Vegetation. Aus der Kombination dieser Parameter ergeben sich 16 verschiedene Uferstrukturtypen (Anhang I). Jeder Typ mit mindestens 5 % Anteil an der Uferlänge ist zu beproben, wobei pro angefangene 20 % mindestens eine Probestelle festgelegt wird. Die am Hohendeicher See existierenden Typen sowie die Lage der Probestelle wurden in der Tiefenprofilkarte eingetragen (Abb. 4). Auch wenn die Ufervegetation am Hohendeicher See durch die intensive Nutzung als Freizeit- und Badesee deutlich beeinträchtigt ist, so findet sich doch über weite Strecken ein ausgedehnter Schilfgürtel (Abb. 3), in dem allerdings auch immer wieder kleine Badestellen und Angelplätze liegen. In diese naturnäheren Bereiche wurden insgesamt fünf Eulitoral- Probestellen gelegt. In den Badebuchten und am Ostufer entlang des Campingplatzes fehlt die Ufervegetation dagegen nahezu vollständig, das Ostufer ist hier mit Holzbrettern und Beton gesichert. Zwei Probestellen lagen in diesen naturfernen Bereichen, eine in der südlichen Badebucht und eine auf Höhe des Campingplatzes (Abb. 4). Abb. 3: Beispiele für Schilfgürtel am Ufer des Hohendeicher Sees. An jeder Probestelle wurden fünf Kescherzüge innerhalb der Vegetation (sofern vorhanden) durchgeführt, wobei darauf geachtet wurde, dass auch am Schilf haftende Organismen mit entnommen wurden. Anhaftende Organismen an den Betonwänden und Holzbrettern an Probestelle 3 (Höhe Campingplatz) wurden ebenfalls abgebürstet oder abgeschabt. Bei zu dichter, unzugänglicher Vegetation wurde die Schilfzone mit dem Boot angefahren und das Eulitoral seeseitig direkt vor der Vegetation beprobt. In Abweichung zur Probenahmevorschrift von BÖHMER ET AL. (2006) wurden die Proben nicht lebend vor Ort sortiert, sondern wie die Sublitoralproben im Gelände gespült und gesiebt. Grobpartikuläres Material wie Falllaub oder Holzstücke wurde abgespült, auf Organismen untersucht und verworfen (vgl. MILER ET AL., 2010). Anschließend wurde die Probe in 96 %igem Ethanol konserviert und im Labor wie die Sublitoralproben aufgearbeitet. Makrozoobenthos Hohendeicher See Seite 4 Abb. 4: Lage der Probestellen im Eulitoral des Hohendeicher Sees für die Makrozoobenthoserhebung im Frühjahr 2008 und Kartierung der Uferstrukturtypen nach BÖHMER ET AL. (2006). (Tiefenprofilkarte aus SPIEKER ET AL., 2010). Typ 3: Feinsubstrat, flache Böschung, wenig submerse Vegetation, Schilfgürtel vorhanden; Typ 7: Feinsubstrat, flache Böschung, wenig submerse Vegetation, kein Schilfgürtel. Makrozoobenthos Hohendeicher See Seite 5 2.2 Auswertung Die Bewertung anhand der Sublitoralfauna wurde nach dem Verfahren von ZENKER & BAIER (2011) durchgeführt. Der Multimetrische Index (MMI) für den Seetyp 13 besteht aus sieben Einzelindices, die auf unterschiedliche Belastungen wie z. B. Nährstoffeinträge, Sauerstoffdefizite, Einträge von Schadstoffen und Strukturdegradation reagieren (Tab. 1). So lässt die Betrachtung der Einzelmetricergebnisse auch Rückschlüsse auf die jeweilige Belastungsursache zu. Für jeden Einzelindex sind typspezifische Referenzwerte (statistisch abgeleiteter bestmöglicher Zustand) und Belastetwerte (statistisch abgeleiteter schlechtester möglicher Zustand) festgelegt (Tab. 2). Die Metricergebnisse werden anhand dieser typspezifischen Grenzen in normierte Werte zwischen 1 und 0 umgerechnet. Der Multimetrische Index wird abschließend durch Mittelwertbildung dieser normierten Einzelwerte ermittelt. Die Klassengrenzen für den Multimetrischen Index des Sublitoralverfahrens sind wie folgt festgelegt: sehr guter Zustand (Klasse 1): 0,8 guter Zustand (Klasse 2): 0,6-0,8 mäßiger Zustand (Klasse 3): 0,4-0,6 unbefriedigender Zustand (Klasse 4): 0,2-0,4 schlechter Zustand (Klasse 5): 0,2 Tab. 1: Biologische Aussage der Metrics im Sublitoralverfahren für den Seetyp 13. * 1 Devai & Moldovan 1983, * 2 Winner et al. 1980, * 3 Armitage et al. 1983, * 4 Johnson 1998, * 5 Moog 1995, * 6 Fittkau et al. 1992, * 7 Heino Metric biologische Aussage bei steigender Belastung % Chironomidae geringe Lebensraumansprüche, Chironomidenbesiedlung gilt als Maßstab für die Eutrophierung* 1, tolerant gegenüber Schwermetallen* 2 Zunahme ASPT (Average Score per Taxon) Sensitivität gegenüber organischer Verschmutzung * 3 * 4 Abnahme Saprobienindex Empfindlichkeit gegenüber niedrigen Sauerstoffgehalten Zunahme bzw. die Fähigkeit mit niedrigen O 2 -Konzentrationen zurechtzukommen* 5 ; neben der Trophie spielt auch die Saprobie eine Rolle im Stoffkreislauf von Stehgewässern * 6 Taxazahl Abnahme % Weidegänger ein Großteil der mit hoher Gewichtung als Weidegänger Abnahme eingestuften Arten sind Ephemeroptera, Trichoptera und Coleoptera, benötigen freie Flächen mit Algenbewuchs ohne viel organischem Feinsediment* 7 % Fortbewegungstyp stellen hohe Ansprüche an Substrat und Habitatstrukturen, Abnahme schwimmend/tauchend kommen v.a. in Makrophytenbewuchs vor % Strömungsindifferente hauptsächlich Ubiquisten hinsichtlich der meisten Umweltbedingungen Zunahme Makrozoobenthos Hohendeicher See Seite 6 Tab. 2: Referenz- und Belastetwerte der Einzelindices im MMI anhand der Benthosfauna im Sublitoral für den Seetyp 13 (ZENKER & BAIER, 2011). Index Referenzwert Belastetwert % Chironomidae 3 43 ASPT (Average Score per Taxon) Saprobienindex Taxazahl % Weidegänger 23 0 % Fortbewegungstyp schwimmend/tauchend % Strömungsindifferente Die Bewertung der Eulitoralfauna erfolgte nach dem Verfahren von MILER ET AL. (2010). Zur Berechnung wurde das von der Firma Bioforum entwickelte Bewertungsmodul (Version Sep12) verwendet. Der MMI für die Tieflandseen setzt sich aus vier Einzelmetrics zusammen (Tab. 3) und reagiert in erster Linie auf die Degradation der Uferstruktur und Beeinträchtigungen im unmittelbaren Uferbereich. Auch hier sind Referenz- und Belastetwerte für die einzelnen Indices definiert, mittels derer die Metricergebnisse in normierte Werte zwischen 1 und 0 überführt werden. Die Klassengrenzen für den MMI des Eulitoralverfahrens lauten: sehr guter Zustand (Klasse 1): 0,6 guter Zustand (Klasse 2): 0,6 0,45 mäßiger Zustand (Klasse 3): 0,4 0,3 unbefriedigender Zustand (Klasse 4): 0,3 0,2 schlechter Zustand (Klasse 5): 0,2 Dieses Verfahren lässt eine getrennte Bewertung der beprobten Uferabschnitte zu. Die Gesamtbewertung für den See ergibt sich dann durch Mittelwertbildung. Tab. 3: Referenz- und Belastetwerte der Einzelindices im MMI anhand der Benthosfauna im Eulitoral von Tieflandseen (MILER ET AL.,2010). Index Referenzwert Belastetwert Anzahl ETO Taxa 15 2 Faunaindex 2,2 3,5 % Lithalbewohner % Odonata 3 0 Makrozoobenthos Hohendeicher See Seite 7 3 Ergebnisse und Bewertung 3.1 Sublitoral Die Makrozoobenthosfauna des Sublitorals indiziert einen mäßigen ökologischen Zustand (Klasse 3) des Hohendeicher Sees (Tab. 4). Die artenreiche Benthoszönose besteht allerdings zu einem großen Teil aus Ubiquisten, die hinsichtlich der meisten Umweltbedingungen keine besonderen Ansprüche an ihr Habitat stellen. Sensitive Arten mit hohen Ansprüchen an Substrat und Habitatstrukturen kommen dagegen kaum vor, was auf strukturelle Defizite vor allem im Uferbereich hindeutet. Der Anteil der Taxa, die eine hohe Nährstoffbelastung und viel organisches Feinsediment anzeigen, lässt auf eine moderate trophische Belastung schließen (s.a. Tab. 1). Tab. 4: Bewertungsergebnis (Multimetrischer Index sowie Metricergebnisse und normierte Werte der Einzelindices) für den Hohendeicher See anhand der Makrozoobenthosfauna im Sublitoral (Beprobung ). Index Metricergebnis Normierter Wert % Chironomidae 12,4 0,77 ASPT (Average Score per Taxon) 2,8 0,42 Saprobienindex 2,23 0,57 Taxazahl 43 1,00 % Weidegänger 10,1 0,44 % Fortbewegungstyp schwimmend/tauchend 1,0 0,00 % Strömungsindifferente 57,9 0,28 Multimetrischer Index 0,50 Ökologischer Zustand Eulitoral Anhand der Eulitoralfauna wird der Hohendeicher See insgesamt mit Klasse 2 bewertet und befindet sich demnach in einem guten ökologischen Zustand (Tab. 5). Dabei werden die Probestellen in den naturnäheren Uferzonen mit vorhandenem Schilfgürtel mindestens mit gut bewertet, die Probestelle 4 am Nordufer befindet sich sogar in einem sehr guten Zustand. Dagegen zeigt die Benthosfauna im Eulitoral der südlichen Badebucht (Probestelle 1) einen unbefriedigenden ökologischen Zustand (Klasse 4) an. Für die zweite Probestelle in einem naturfernen Bereich (Probestelle 3 auf Höhe des Campingplatzes) indiziert die Benthoszönose des Eulitorals wiederum einen guten Zustand. Allerdings fehlen insbesondere Odonata, die hohe Ansprüche an ihr Habitat stellen und sehr empfindlich auf strukturelle Defizite reagieren (CHOVANEC & RAAB 1997, SCHMIDT, 1985), vollständig (Probestellen 1 und 7) oder stellen nur einen sehr geringen Anteil der Biozönose (Tab. 5). Auch der Faunaindex, der die hydromorphologische Degradation direkt anhand von typspezifischen Indikatorarten beschreibt (MILER ET AL., 2010), deutet mit normierten Werten zwischen 0,11 und 0,45 auf Beeinträchtigungen der Uferstruktur hin. Dagegen weist der Makrozoobenthos Hohendeicher See Seite 8 Anteil der Lithalbewohner (Substratpräferenz große Steine), der mit steigender Belastung zunimmt, mit normierten Werten zwischen 0,87 und 1,00 nicht auf eine Belastung hin. Tab. 5: Bewertungsergebnis (Multimetrischer Index sowie Metricergebnisse und normierte Werte der Einzelindices) für den Hohendeicher See anhand der Makrozoobenthosfauna im Eulitoral (Beprobung ). Dargestellt sind die Ergebnisse für die einzelnen Probestellen sowie für den Gesamtsee. Index Probestelle 1 Metricergebnis Normierter Wert Anzahl ETO Taxa 2 0,00 Faunaindex 3,36 0,11 % Lithalbewohner 5,83 1,00 % Odonata 0,00 0,00 Multimetrischer Index 0,28 Ökologischer Zustand 4 Index Probestelle 2 Metricergebnis Normierter Wert Anzahl ETO Taxa 17 1,00 Faunaindex 2,97 0,41 % Lithalbewohner 12,52 0,87 % Odonata 0,29 0,10 Multimetrischer Index 0,59 Ökologischer Zustand 2 Index Probestelle 3 Metricergebnis Normierter Wert Anzahl ETO Taxa 13 0,85 Faunaindex 3,02 0,37 % Lithalbewohner 10,72 0,96 % Odonata 0,02 0,01 Multimetrischer Index 0,55 Ökologischer Zustand 2 Index Probestelle 4 Metricergebnis Normierter Wert Anzahl ETO Taxa 18 1,00 Faunaindex 2,91 0,45 % Lithalbewohner 9,64 1,00 % Odonata 0,53 0,18 Multimetrischer Index 0,66 Ökologischer Zustand 1 Index Probestelle 5 Metricergebnis Normierter Wert Anzahl ETO Taxa 7 0,38 Faunaindex 3,01 0,38 % Lithalbewohner 10,91 0,95 % Odonata 0,39 0,13 Multimetrischer Index 0,46 Ökologischer Zustand 2 Makrozoobenthos Hohendeicher See Seite 9 Fortsetzung Tab. 5 Index Probestelle 6 Metricergebnis Normierter Wert Anzahl ETO Taxa 14 0,92 Faunaindex 2,96 0,42 % Lithalbewohner 10,71 0,96 % Odonata 0,05 0,05 Multimetrischer Index 0,58 Ökologischer Zustand 2 Index Probestelle 7 Metricergebnis Normierter Wert Anzahl ETO Taxa 12 0,77 Faunaindex 2,95 0,42 % Lithalbewohner 12,26 0,89 % Odonata 0,00 0,00 Multimetrischer Index 0,52 Ökologischer Zustand 2 Bewertung Gesamtsee Multimetrischer Index 0,52 Ökologischer Zustand Fazit Die ökologische Bewertung anhand der beiden Verfahrensansätze für die Makrozoobenthosfauna kommt nicht zu einem übereinstimmenden Ergebnis. Während durch das Sublitoralverfahren ein mäßiger Zustand (Klasse 3) indiziert wird, ist der ökologische Zustand des Hohendeicher Sees nach dem Eulitoralverfahren als gut (Klasse 2) anzusehen. Dies wird unter anderem durch die unterschiedliche Festlegung der Klassengrenzen in beiden Verfahren verursacht. Während die Klassengrenzen im Sublitoralverfahren homogen über die Spanne von 0 bis 1 verteilt wurden, sind die Grenzen im Eulitoralverfahren unterschiedlich verteilt (vgl. Kapitel 2.2). Obwohl die Werte des Multimetrischen Index für den Gesamtsee aus beiden Bewertungen mit 0,50 bzw. 0,52 sehr dicht beieinander liegen, kommt es aufgrund dieser unterschiedlichen Klassengrenzen zu einer anderen Einstufung. Insbesondere die gute Einstufung (Klasse 2) von Probestelle 3 (Höhe Campingplatz) anhand des Eulitoralverfahrens erscheint nicht plausibel. Die Beeinträchtigung der Uferstruktur durch Badestellen sowie durch Spundwände und Ufermauern ist hier massiv, wird aber durch das Bewertungsverfahren, das eben diese strukturellen Eingriffe erfassen soll (MILER ET AL., 2010), nicht indiziert. Auch der ermittelte sehr gute Zustand des Abschnittes am Nordufer (Probestelle 1) ist nicht schlüssig. Auch wenn die Ufervegetation hier mit Schilfgürtel sowie Gehölzen eher naturnah ausgeprägt ist, lassen direkt bis an den See grenzende Privatgrundstücke und Steganlagen eine ungestörte Entwicklung nicht zu. Insgesamt scheint die Bewertung des Hohendeicher Sees anhand des Eulitoralverfahrens zu gut auszufallen. Die Defizite in der Uferstruktur aufgrund der intensiven Nutzung als Freizeitsee spiegeln sich hier nicht in der Bewertung anhand der Makrozoobenthosfauna wieder. Makrozoobenthos Hohendeicher See Seite 10 Das Sublitoralverfahren sieht nur eine Bewertung des Sees anhand der Gesamtartenlisten vor, eine getrennte Bewertung einzelner Seeabschnitte ist mit diesem Bewertungsansatz nicht möglich. Anhand dieses Verfahrens werden sowohl eine moderate trophische Belastung als auch eine nicht intakte Uferzone des Hohendeicher Sees indiziert. Auf Grundlage der Daten aus dem Jahr 2008 wurde dem im Referenzzustand oligotrophen Hohendeicher See ein mesotropher Istzustand (SPIEKER ET AL., 2010) und somit ebenfalls eine moderate Eutrophierung bescheinigt. 4 Zusammenfassung Im Frühjahr 2008 wurde die Makrozoobenthosfauna des Hohendeicher Sees b
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