Implikationen für das Lernen und Leiten in mündlichen Kulturen Hannes Wiher

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Weltanschauung und Oralität Implikationen für das Lernen und Leiten in mündlichen Kulturen Hannes Wiher Heutzutage verwerfen viele Wissenschaftler den Begriff Weltanschauung als zu ungenau. In diesem Artikel
Weltanschauung und Oralität Implikationen für das Lernen und Leiten in mündlichen Kulturen Hannes Wiher Heutzutage verwerfen viele Wissenschaftler den Begriff Weltanschauung als zu ungenau. In diesem Artikel vertrete ich einen anderen Standpunkt: Der Begriff Weltanschauung wird mithilfe dreier Modelle nutzbar gemacht, wobei das Modell der Gewissensorientierung näher ausgeführt wird. Am Beispiel von Kommunikation, Grundwerten und Soteriologie wird veranschaulicht, inwiefern hilfreich dieses Modell für die Analyse von Persönlichkeit, Kultur und Religion ist und wie es in so unterschiedlichen Bereichen wie Evangelisation, Seelsorge, Exegese, Theologie, Unterricht und dem Alltagsleben Orientierung gibt. In einem zweiten Teil wird Oralität als Teil einer beziehungsorientierten Gewissensorientierung erläutert und Implikationen für Persönlichkeit, Jüngerschaft, Lernmethoden und Leiterschaft beschrieben. Dr. Hannes Wiher ist promovierter Mediziner und Theologe (PhD. in Missiologie, Potchefstroom, South Africa). Er kommt aus der Schweiz und arbeitete 22 Jahren als Missionar in Guinea. Seit 2003 unterrichtet er Missiologie in evangelikale missiologie 30[2014]4 183 Afrika, Asien und Europa und widmet sich dem Aufbau der Missiologie in der französisch-sprachigen Welt. Der Artikel erschien ursprünglich auf Englisch. 1 Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber von M. Buchholz. Während meines Lebens, Reisens und Unterrichtens als Missionar in drei Kontinenten habe ich zwei grundlegende Beobachtungen gemacht. Erstens, Menschen aus verschiedenen Kulturen verstehen einander nicht in ihrem Benehmen und ihren Reaktionen. Zweitens, überall in der Welt benehmen sich Christen, die sonntags in der Kirche sind, am Montag genauso wie Nicht-Christen. Diese beiden Beobachtungen sind der Anlass, in diesem Artikel über die tieferen Schichten von Persönlichkeit, Kultur und Religion nachzudenken, welche die Weltanschauung ausmachen. Ich werde zunächst einige Weltanschauungs-Modelle vorstellen, um dann eines davon näher zu erklären und es schließlich auf das Lernen und Leiten in vorwiegend mündlichen Kulturen anzuwenden. Die tieferen Schichten von Persönlichkeit, Kultur und Religion Die Bibel bezeichnet die tiefen Schichten des Menschen mit den Begriffen Herz, Nieren, Knochen, innere Organe, innerer Mensch und Gewissen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde in der Philosophie der Begriff der Weltanschauung eingeführt, der dann auch von den Sozialwissenschaften wie z. B. der Anthropologie übernommen wurde und heute weit 1 Samuel E. Chiang and Grant. Lovejoy (Hg.). Beyond Literate Western Practices: Continuing Conversations in Orality and Theological Education. Hong Kong: International Orality Network, S verbreitet ist. Im zwanzigsten Jahrhundert entwickelte die Psychologie den Begriff der Identität. All diesen Begriffen ist gemeinsam, dass sie so ungenau sind, dass viele Wissenschaftler sie nicht länger gebrauchen. Ich wähle eine andere Lösung, indem ich die Begriffe Gewissen, Weltanschauung und Identität in vier Modellen zur Anwendung bringe, die der Theologie, Philosophie, Psychologie und Kultur-Anthropologie entnommen sind und mir für die Vermittlung des Evangeliums und Nachfolge besonders nützlich scheinen. Definition von Weltanschauung Eine Weltanschauung hat seinen Ort im Kern der Persönlichkeit, Kultur und Religion. Die Weltanschauung ist die Grundlage für Persönlichkeit, Kultur und Religion. Es ist wie das BIOS eines Computers, das die Funktion eines Computers erst ermöglicht. Laut dem USamerikanischen Anthropologen Clifford Geertz ist die Weltanschauung eine Art und Weise, die Welt und uns selbst zu sehen. Es ist das Bild davon wie die Dinge wirklich sind, das den Teilhabern einer Kultur gemeinsam ist, eine Vorstellung von der Natur, dem Selbst und der Gesellschaft (Geertz 1973, 303). Weltanschauungen sind wie Brillen. Paul Hiebert definiert Weltanschauung als grundlegende kognitive, affektive und evaluative Annahmen, die eine Gruppe von Menschen hat hinsichtlich der Natur der Dinge und die sie gebrauchen, um ihr Leben zu ordnen. (2008, 15). Die Weltanschauung hat also nicht nur kognitive Dimensionen (die Ebene des Denkens), wie meist in der Verwendung des Begriffes durch Philosophen. Vielmehr berühren die evaluativen und affektiven Aspekte (die Ebenen der Werte und Gefühle) tiefere Schichten der Persönlichkeit, Kultur und Religion als die kognitiven Aspekte. 184 evangelikale missiologie 30[2014]4 Weltanschauungs-Modelle Das stratigraphische Modell der Schöpfung und das Modell der fünf grundlegenden soteriologischen Konzepte betonen die kognitiven Aspekte einer Weltanschauung. Die affektiven und evaluativen Aspekte werden in dem Modell der Gewissens-Orientierung beschrieben. Weil diese zwei Aspekte die tiefsten Schichten der Persönlichkeit, Kultur und Religion darstellen, und eine besondere Verbindung zwischen mündlicher Kultur (Oralität) und Gewissens-Orientierung besteht, werde ich mich in diesem Artikel auf dieses Modell konzentrieren und die anderen beiden Modelle im Folgenden nur kurz vorstellen. Das stratigraphische Modell der Schöpfung Eine einfache Weise, Weltanschauungen zu betrachten, bietet das stratigraphische Modell der Schöpfung. Wie ordnet eine Weltanschauung die unterschiedlichen Elemente der Schöpfung wie z.b. Materie, Pflanzen, Tiere, Menschen, Geister und Götter? Indem wir noch einmal vereinfachen, können wir die Struktur von Weltanschauungen in vier Gruppen einteilen, die vier Ideal-Typen repräsentieren: holistisch, hebräisch, dualistisch und säkular. Abbildung 1 zeigt, wie die unterschiedlichen Weltanschauungen die Schöpfung ordnen und wie ihnen verschiedene Religion zugeordnet werden können (vgl. Hiebert, 1985:158). Das Model der fünf grundlegenden soteriologischen Konzepte Evangelisation beginnt tradtioneller Weise mit der Verkündigung der Guten Nachricht von Jesus Christus, dem Retter und Herrn. Jedoch sind das Reich Gottes und die Vergebung der Sünden keine Gute Nachricht, wenn es keine Sünden gibt, die vergeben werden müssen. Die Erlösung von Sünden ergibt nur dann Sinn, wenn die biblischen und kulturellen Vorstelllungen von Sünde und dem Bösen ausreichend bekannt sind, und diese wiederum basieren auf einer entsprechenden Vorstellung von Gott und dem Menschen. Die Bibel lehrt davon gleich zu Beginn in den ersten drei Kapiteln des ersten Mosebuches. Das Modell der fünf grundlegenden soteriologischen Konzepte beschriebt, wie unterschiedliche sotieriologische Konzept unterschiedliche Weltanschauungen schaffen, sei es das biblische oder ein anderes. Abb. 1: Das Stratigraphische Modell der Schöpfung Holistische Weltanschaung Hebräische Weltanschauung Dualistische Weltanschauung Säkulare Weltanschauung Gott Höchstes Wesen Geist Unsichtbarer Bereich wird ausgeschlossen Vorfahren Engel die ausgeschlossene Geister Menschen Tiere Pflanzen Materie Animismus Volksreligionen Indische und chinesische Religionen Geister Menschen Tiere Pflanzen Materie Judentum Christentum Islam Mitte Menschen Tiere Pflanzen Materie Plato Menschen Tiere Pflanzen Materie Theravada- Buddhismus Aristoteles Aufklärung evangelikale missiologie 30[2014]4 185 An diesen Weltanschauungen muss während des Prozesses der Evangelisation und Jüngerschafts-Schulung gearbeitet werden, damit sie in eine biblische Weltanschauung umgeformt werden. Aufgrund dieser Einsichten haben Missiologen begonnen, ein chronologisches Bibelstudium durchzuführen, bzw. in mündlichen Kulturen das chronologischen Erzählen der Biblischen Geschichte (Chronological Bible Storying; vgl. McIlwain 1991; Sa a 2000; Wenn diese Form des chronologischen, transformativen Bibelstudiums nicht in den Prozess der Jüngerschaftsschulung integriert wird, werden die Weltanschauungen unverändert bleiben. Das Modell der Gewissens- Orientierung Während die beiden oben genannten Modelle die kognitiven Aspekte der Weltanschauungen betonen, stellt das Modell der Gewissens-Orientierung die tieferen Schichten der Persönlichkeit, Kultur und Religion dar, nämliche die evaluativen und affektiven Aspekte. Die Gewissens-Orientierung Jeder Mensch wird mit der Anlage zur Entwicklung eines Gewissens geboren. Er/sie lernt Normen von signifikanten Personen durch positive Bestärkung oder Liebesentzug in einem dialogischen Prozess zwischen ihm/ihr selbst und dem Anderen. So entwickelt sich das Gewissen in der frühen Kindheit auf eine Art und Weise, die von den kulturellen Kontexten abhängt, welche unterschiedliche Orientierungen des Gewissens hervorbringen. Diese Orientierungen können in einem Modell mit zwei idealtypischen Formen beschrieben werden. Die Entwicklung der Gewissens- Orientierung Der US-amerikanischen Anthropologe Melford Spiro (1958, 408ff) beobachtete, dass Kinder, die nur von wenigen Personen erzogen werden (z.b. in einer Kernfamilie von nur einem Vater und einer Mutter) nicht nur die Normen der Erziehenden verinnerlichen, sondern die Erziehenden selbst. Sie arbeiten mit einem festen Set von Regeln und entwickeln Regel-zentrierte Persönlichkeiten. Typischerweise organisieren sie ihr Leben anhand einer Agenda, tendieren zur Pünktlichkeit und setzen sich klare Ziele. Arbeit ist wichtiger als Beziehungen. Weil ihr Gewissen autonom funktioniert, tendieren sie zum, Individualismus. Wenn sie Normen verletzen, fühlen sie sich schuldig. Aus diesem Grund nennt Spiro dieses Gewissen ein Schuld-orientiertes Gewissen. Wenn Kinder von vielen Personen erzogen werden (z.b. in einer Großfamilie), verinnerlichen sie Normen, aber nicht die Erziehungspersonen. So bleiben sie abhängig von der Gegenwart dieser signifikanten Personen, damit ihr Gewissen richtig funktioniert. Wenn die Mutter da ist, gelten die Normen der Mutter; wenn die Großmutter da ist, gelten die Normen der Großmutter. Diese Kinder tendieren dazu eine beziehungsorientierte Persönlichkeit mit einer Gruppenidentität zu entwickeln. Für sie haben menschlichen Interaktionen einen höheren Wert als Arbeit, und wenn sie arbeiten, dann als Team. Ihr Augenmerk liegt eher auf dem Status als auf Erfolg und Zielen. Wenn niemand da ist, dann gelten auch keine Normen. Diese Tatsache ist die Grundlage für das Phänomen der Korruption: Solange keiner sieht, was du tust, kannst du alles tun. Wenn der Norm-Bruch jedoch öffentlich bekannt wird, dann meldet sich das Schamgefühl. Darum nennt Spiro dieses 186 evangelikale missiologie 30[2014]4 Gewissen ein Scham-orientiertes Gewissen. Spiros Gedanke, dass die Zahl der Erziehungspersonen beeinflusst, welche Weltanschauung entsteht, bietet ein interessantes Model für die Transformation von Weltanschauungen. Aber natürlich zeigt Spiros Modell nicht die ganze Wirklichkeit. Ein chinesisches Baby, das in einer Kernfamilie aufwächst, wird trotzdem beziehungsorientiert sein, obwohl es nur von wenigen Personen erzogen wurde. Andere Faktoren beeinflussen ebenso die Entwicklung des Gewissens, insbesondere der Erziehungsstil. Wenn die Erziehungspersonen beziehungsorientierte Aspekte von Normen betonen, wie Was sollen die Nachbarn sagen? oder Wenn Papa nach Hause kommt, gibt es Schläge!, dann wird das Kind ein beziehungsorientiertes Gewissen entwickeln. Wenn nur sehr wenige Normen vermittelt werden, dann wird das Gewissen entweder beziehungsorientiert oder entwickelt sich nicht richtig. So geschah es in der postmodernen Generation, die die traditionellen Normen der westlichen Gesellschaft verwarf. Ihre Kinder entwickelten sich entweder vorwiegend Scham-orientiert oder haben ein unterentwickeltes Gewissen, das weder Scham- noch Schuld-orientiert ist und nicht richtig funktioniert. Das Verhältnis zwischen Gewissens- Orientierung, Weltanschauung und Identität Aus psychologischer Perspektive, entwickelt sich Identität in der dialogischen Spannung zwischen dem Selbst und dem Anderen. In diesem Prozess ist die Entwicklung der Identität eng mit dem Entstehen von Scham und Schuld verbunden, also der Orientierung des Gewissens. Die Verbindung zwischen Weltanschauung und Identität ergibt sich daraus, dass bestimmte Werte bevorzugt werden, wenn das Gewissen Orientierung sucht. So entsteht Identität in einem Prozess, in dem gemachte Erfahrungen, Werte und Denk- Systeme in eine einheitliche, organisierte und zusammenhängende lichkeitsstruktur werden. Persön- integriert Gewissens-Orientierung und Grundwerte Unter Anwendung des Modells der Grundwerte von Sherwood Lingenfelter and Marvin Mayer (1986) können wir eine Typologie der Persönlichkeiten entwickeln, die auf der Gewissens-Orientierung basiert (Wiher 2003, ), siehe Abbildung 2. Abb. 2 Regel-orientiertes Gewissen (Schuld- Orientierung) Individualismus Zeit-Orientierung Aufgaben- Orientierung Erfolgs- Orientierung Analytisches Denken Mut, das Gesicht zu verlieren Die Entwicklung der Identität ist eng mit dem Entstehen von Scham und Schuld verbunden. Beziehungs-orientiertes Gewissen (Scham- Orientierung) Kollektivismus Ereignis- Orientierung Personen- Orientierung Status- Orientierung Ganzheitliches Denken Angst, das Gesicht zu verlieren Diese Typologie beschreibt Ideal-Typen; in der Realität ist jeder Mensch eine Mischung aus beiden. Es ist hilfreich, unsere eigene Prägung ( Brille ) zu kennen, damit wir besser verstehen, wie und warum wir uns so verhalten, wie wir es evangelikale missiologie 30[2014]4 187 tun, und auch unsere Partner, Freunde, Kollegen und Schüler zu verstehen. Gewissens-Orientierung und Soteriologie Da Scham und Schuld Ausdruck von Sünde sind, wird das Modell der Gewissens-Orientierung zu einem soteriologischen Modell. Das Gewissen strebt nach Frieden, der sich in Harmonie und Gerechtigkeit ausdrückt. Das Regel-zentrierte Gewissen strebt danach, Fehler zu beheben, damit Unschuld und Gerechtigkeit wiederhergestellt werden. Luthers Hauptanliegen war, Unschuld von seiner persönlichen, individuellen Schuld zu erlangen durch die Wiedergutmachung (Rechtfertigung), die ihm frei von einem gnädigen Gott gegeben wurde. Ein Beziehungs-orientiertes Gewissen möchte durch Versöhnung Ehre und Harmonie mit den für es signifikanten Personen wiederherstellen. Weil es in der Schande gefangen ist, wird eine dritte Person, ein Mittler, benötigt, der in dem Versöhnungsprozess hilft. Der Fokus von Regel-orientierten Personen liegt auf Gerechtigkeit, welche ihren Ausdruck in Rechten und Ordnungen findet, während Beziehungs-orientierten Personen Harmonie, Macht, Reichtum, Prestige und Harmonie / Ehre Prestige / Ruhm Macht / Reichtum Wohlergehen Wohlergehen wichtig sind. Für Regelorientierte Personen und Gesellschaften sind Menschenrechte ein wichtiges Thema, während für Beziehungs-orientierte Personen und Kulturen die gemeinsame Ehre im Vordergrund steht. Abbildung 3 zeigt die positiven und negativen Werte der Scham-Orientierung auf der linken Seite, die der Schuld-Orientierung auf der rechten Seite und die neutralen biblischen Begriffe in der Mitte. Eine so tiefliegende Persönlichkeitsstruktur wie die Gewissens-Orientierung nicht ändert sich bei der Bekehrung nicht automatisch. Der einzige Weg, um verschiedene Werte zu verändern, ist, bewusst an ihnen zu arbeiten. Die tiefen Schichten, die während der frühen Kindheit grundgelegt wurden, lassen wenig Veränderung zu, aber spätere Elemente der Gewissens-Orientierung sind formbar. Beziehungs-orientierte Elemente können durch beziehungsbasierte Erziehung und Lebensstil hinzu erworben werden (z.b. eine enges Bundes-Verhältnis mit dem Gott der Bibel). Regelzentrierte Elemente sind zugänglich für das Einfügen von neuen Regeln für das menschliche Leben (z.b. die Zehn Gebote). Abb. 3: Heil Gerechtigkeit Segen Unschuld Richtigkeit Gerechtigkeit Gesetz Versöhnung (Mittler) Vergebung Umkehr Wiedergutmachung Rechtfertigung Scham Furcht Sünde Furcht Schuld Furcht 188 evangelikale missiologie 30[2014]4 Abb. 4: Gewissens-Orientierung und Kommunikation Direkte Kommunikation (Schuld-Orientierung) Die Haupt-Botschaft wird in präzisen Worten kommuniziert. Die Haupt-Botschaft wird klar kommuniziert. Die Haupt-Botschaft wird verbal kommuniziert. Wenig nonverbale Kommunikation. Ein schwaches Bewusstsein für den Kontext. Schweigen gilt als verdächtig. Man muss ja oder nein sagen. Man muss die Wahrheit sagen, auch wenn es Beziehungen zerstört. Konflikte sind normal in Beziehungen. Man muss direkte Kritik in einer konstruktiven Weise akzeptieren. Man sollte nicht lügen. Die Tendenz, in unvertrauten Gruppen viel zu reden und wenig zuzuhören. Das Hauptaugenmerk gilt der Lösung und dem Handeln. Lineare Logik. Vermittlung gilt als Behinderung direkter Kommunikation. Indirekte Kommunikation (Scham-Orientierung) Die Haupt-Botschaft wird durch einen Kontext kommuniziert, der beiden Seiten bekannt ist. Die Haupt-Botschaft wird durch figürliche Rede kommuniziert (z.b. Gleichnisse). Die Haupt-Botschaft wird nonverbal kommuniziert. Viel nonverbale Kommunikation. Ein ausgeprägtes Bewusstsein für den Kontext. Schweigen ist akzeptiert. Man sagt selten nein. Ja kann nein heißen. Die Harmonie in Beziehungen ist zu wahren, egal was es kostet. Konflikte sind zu vermeiden, da sie Disharmonie bedeuten. Konflikte werden verborgen oder verheimlicht. Direkte Kritik zerstört Beziehungen; Konfrontationen werden vermieden. Man soll nicht sein Gesicht verlieren. Die Tendenz, in unvertrauten Gruppen viel zuzuhören und wenig zu reden. Das Hauptaugenmerk gilt Beziehungen und Vertrauen. Spiralisches Denken. Vermittlung ist notwendig bei wichtiger Kommunikation und zur Konfliktlösung. Gewissens-Orientierung und Kommunikation Kommunikation kann als eine Funktion der Gewissens-Orientierung angesehen werden. Der Kommunikationsstil unterscheidet sich erheblich je nach Gewissens-Orientierung. Schuld-orientierte Kommunikation ist typischer Weise direkt und ohne Vermittler. Scham-orientierte Kommunikation ist eher indirekt und bedient sich gerne einer Form von Vermittlung (siehe Abbildung 4). evangelikale missiologie 30[2014]4 189 Weltanschauungs-Analyse und Gewissens-Orientierung Man kann nicht einfach jemanden fragen: Was ist deine Weltanschauung oder deine Gewissens-Orientierung? Teilnehmende Beobachtung des eigenen Verhaltens und des Verhaltens anderer gibt uns Hinweise auf grundlegende Werte der Persönlichkeit, Kultur und Religion. Durch einen Fragebogen können alltägliche Beobachtungen objektiviert werden (Wiher 2003, ). So können wir zu einer Einschätzung eines Individuums oder einer Gruppe kommen. Wenn Gruppen bewertet werden (Gesellschaften, Kulturen, Religionen), wird das Resultat den häufigsten oder dominantesten Persönlichkeits-Typ in der Gruppe bezeichnen und ist daher als Generalisierung zu verstehen. Gewissens-Orientierung und mündliche Kultur Gewissens-Orientierung und mündlich funktionierende Persönlichkeiten, Kulturen und Religionen Aufgrund der vorangegangenen Überlegungen können wir sagen, dass Personen, Kulturen und Religionen, die von einer oralen Kultur geprägt sind, vorwiegend Scham-orientiert sind. Der Umkehrschluss ist jedoch nicht wahr! Denn Scham-orientierte Personen und Kulturen können sehr wohl Schrift-Kulturen sein. Wir können also schlussfolgern, dass Personen aus vorwiegend oralen Kulturen die folgenden Grundwerte teilen: Kollektivismus, indirekte Kommunikation, Ereignis-Orientierung, Personen-Orientierung, Bedeutung des Status, ganzheitliches Denken und die Furcht, das Gesicht zu verlieren. Ihre grundlegenden Ziele im Leben (die Synonyme für Heil) sind Harmonie, Ehre, Reichtum, Wohlergehen und Macht. Die Bedeutung der Gewissens- Orientierung für Jüngerschaft und Lernen in vorwiegend oralen Kulturen Erziehung, Verhalten und folglich auch Ethik haben im Wesentlichen mit Motivation zu tun. Gerhart Piers sagt, dass soziale Konformität, die auf Schuld (-Orientierung) basiert, wesentlich in Gehorsam bestehen wird, während soziale Anpassung, die auf Scham (-Orientierung) basiert, wesentlich in Identifikation besteht. (1971, 53). Laut Piers liegt dies daran, dass bei einer Schuld-orientierten Person eine Verletzung der Gewissensnorm zu Schuld und Furcht vor Strafe führt (1971, 16
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