KAPITEL 3: KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE

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KAPITEL 3 KAPITEL 3: KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE Gliederung 3. Gegenstand 3.2 Bestimmung von Kosten und Nutzen 3.3 Umgang mit der Zeitkomponente 3.4 Unsicherheit 3.5 Verteilungsproblematik 3.6 Fazit 3. Gegenstand
KAPITEL 3 KAPITEL 3: KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE Gliederung 3. Gegenstand 3.2 Bestimmung von Kosten und Nutzen 3.3 Umgang mit der Zeitkomponente 3.4 Unsicherheit 3.5 Verteilungsproblematik 3.6 Fazit 3. Gegenstand Grundidee: Ökonomische Entscheidungen basieren auf einer systematischen Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen. Ein Individuum i wird eine Aktivität x nur dann ausführen bzw. eine Handlungsalternative x nur dann wählen, wenn deren Kosten ( costs ) C i (x) kleiner sind als deren Nutzen ( benefits ) B i (x). Beispiel: Soll ich das Radio leiser stellen? Sie haben sich gerade in einen bequemen Sessel gesetzt um Radio zu hören, als Sie bemerken, dass ihnen die Lautstärke des Radios zu hoch ist. Nun müssen Sie entscheiden, ob die Kosten, sich aus dem bequemen Sessel zu erheben, kleiner oder grösser sind als der Nutzen, nicht gar so laut Radio hören zu müssen. Bei dieser, auf den ersten Blick simplen Entscheidungsregel stellen sich drei grundlegende Fragen:. Was ist unter Kosten und Nutzen zu verstehen? 2. Wie sind die in die Analyse aufzunehmenden Kosten und Nutzen zu bewerten? 3. Wie sind Kosten und Nutzen bezüglich Zeit, Unsicherheit und Verteilung gegeneinander abzuwägen? Grundsätzlich werden unter Kosten sämtliche negativen Folgen der zu untersuchenden Entscheidung verstanden, während Nutzen die positiven Folgen widerspiegelt. Dabei gilt es auch, nicht in Geld messbare Kosten, so genannte intangible Kosten zu berücksichtigen. Insbesondere besteht die Gefahr, Opportunitätskosten (auch: Alternativkosten oder Verzichtskosten) zu vernachlässigen. Diese bezeichnen diejenigen Erlöse, die nicht entstehen, weil durch die Entscheidung andere Möglichkeiten (Opportunitäten) nicht wahrgenommen werden können. Opportunitätskosten sind der Nutzenentgang, der bei mehreren Alternativen durch die Entscheidung für die eine und gegen die andere Möglichkeit entsteht. Intangible Kosten Opportunitätskosten Die Volkswirtschaftslehre ist aber nicht primär an der Entscheidung einzelner Individuen i (i=,,i) interessiert, sondern an der best möglichen Handlungsalternative für die gesamte Gesellschaft. Mögliche Handlungsalternativen bestehen etwa in einer Erhöhung der Staatsausgaben für Bildung, im Bau einer neuen Strasse, in der Sanierung belasteter Böden o.ä. Es gilt also, die Kosten und Nutzen der gesamten Gesellschaft über die zukünftigen Perioden t=,,t gegeneinander abzuwägen. Die best mögliche KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE Alternative entspricht derjenigen Alternative, welche über den betrachteten Zeithorizont der Gesellschaft als Ganzes den grössten Nettonutzen (Nutzen minus Kosten) stiftet. Formal lässt sich dies wie folgt darstellen: T t t wobei Diskontfaktor t= t Max δ ( B -C ) δ =, I B = B ( x) und t i= it I Ct = Cit( x) i= Um diese Entscheidungsregel anwenden zu können, ist es notwendig, Kosten und Nutzen (monetär) bemessen zu können, denn nur dann sind die verschiedenen Kosten und Nutzen miteinander vergleichbar. Unter B i (x) wird der höchste Geldbetrag verstanden, welchen das Individuum i für die Aktivität x zu zahlen bereit ist (Zahlungsbereitschaft). C i (x) hingegen entspricht dem Wert aller für die Aktivität x erforderlichen Aufwendungen. Dabei müssen weder Kosten noch Nutzen zwingend einem konkreten Geldtransfer entsprechen. Die Bemessung von Kosten und Nutzen ist insbesondere bei Umweltgütern schwierig, da diese nicht oder nur unvollständig auf Märkten gehandelt werden (vgl. Kapitel 5) Bestimmung von Kosten und Nutzen Werden Güter auf (vollständigen) Märkten gehandelt, so entsprechen deren Preise der marginalen Zahlungsbereitschaft eines durchschnittlichen Individuums und determinieren die bereitgestellte (gehandelte) Gütermenge. Werden Güter nicht auf einem Markt gehandelt, sondern durch den Staat bereitgestellt, müssen Kosten und Nutzen der Bereitstellung anderweitig ermittelt werden. Während Kosten oft aufgrund von Kostenrechnungen bereits monetär erfasst werden, müssen Nutzen (Opportunitätskosten) mit Hilfe der Zahlungsbereitschaft bewertet werden. Im Folgenden werden verschiedene Methoden zur Bewertung der Zahlungsbereitschaft (ZB) vorgestellt, Abbildung 3. gibt eine Übersicht. Indirekt Bewertungsmethoden Direkt Abb. 3.: Bewertung der Zahlungsbereitschaft Reisekostenmethode Hedonische Preise Contingent Valuation Discrete Choice Abb. 3.: Methoden zur Bewertung der Zahlungsbereitschaft Indirekte Methoden (Revealed Preference Method) Reisekostenmethode Die Reisekostenmethode geht davon aus, dass die Kosten, welche einem Individuum aus dem Besuch eines bestimmten Platzes erwachsen, die Zahlungsbereitschaft dieser Person für diesen Platz ausdrückt. Nicht nur Reisekostenmethode 2 KAPITEL 3 Eintrittspreise, sondern auch die Kosten der Anreise werden als (gleichberechtigte) Träger der Gesamtkosten betrachtet. Beispiel: Ein in Bern wohnhaftes Individuum besucht die Oper in Zürich. Dabei umfasst dessen Zahlungsbereitschaft für den Opernbesuch zusätzlich zur Eintrittskarte auch die Reisekosten von Bern nach Zürich (und zurück). Konkretes Vorgehen: Die Besucher eines bestimmten Platzes werden über ihren Herkunftsort und die Reisekosten befragt. Diese Information wird mit der Anzahl der Besuche kombiniert und so kann eine Nachfragekurve für diesen bestimmten Platz generiert werden. Die Reisekostenmethode hat den Vorteil, auf wahren anstatt hypothetischen Daten aufzubauen. Dafür ist die Annahme über den direkten Zusammenhang zwischen Reisekosten und Zahlungsbereitschaft sehr vereinfachend. Ein weiteres Problem besteht darin, dass eine Reise gleichzeitig mehreren Zielen dienen kann, wodurch eine klare Zuteilung von Kosten zu den Zielen schwierig wird. Saisonal bedingte unterschiedliche Preise und unterschiedliche Zeitkosten (Opportunitätskosten des Zeitaufwands) werden nicht berücksichtigt. Schliesslich dürfte sich die Zahlungsbereitschaft verändern, wenn ein Individuum bereits (indirekt) zur Bereitstellung des Guts beigetragen hat (z.b. über Steuern). Hedonische Preise Bei der Methode der hedonischen Preise wird die Zahlungsbereitschaft anhand von Marktpreisen für ähnliche Güter ermittelt. Wird ein ähnliches Gut auf dem Markt gehandelt, können aufgrund von dessen Preis Rückschlüsse auf die Zahlungsbereitschaft gewonnen werden. Hedonische Preise Beispiel: Menschen sind bereit, für Häuser und Wohnungen in einer Umgebung mit besserer Umweltqualität einen höheren Preis zu bezahlen. Mit statistischen Methoden kann der Wert (Zahlungsbereitschaft) einer Verbesserung der Umweltqualität aus den Mietbzw. Häuserpreisen errechnet werden. Hedonische Preise haben den Vorteil, dass sie auf beobachtetem und somit realem Verhalten basieren. Allerdings entsprechen die Preise eines ähnlichen Guts nie genau der Zahlungsbereitschaft für ein anderes Gut, weshalb eine systematische Verzerrung nicht ausgeschlossen werden kann Direkte Methoden (Stated Preference Method) Contingent Valuation Die Contingent Valuation (CV) ist bislang das vorherrschende Verfahren zur Ermittlung der Zahlungsbereitschaft. Dabei werden Individuen mit einem hypothetischen Szenario konfrontiert und direkt über ihre Zahlungsbereitschaft befragt. Dabei gilt es allerdings zwischen der Zahlungsbereitschaft (Willingness to pay) und der Akzeptanzbereitschaft (Willingness to accept) zu unterscheiden. Bei der Ermittlung der Zahlungsbereitschaft werden Individuen gefragt, wie viel sie für ein bestimmtes Gut zu zahlen bereit wären (Äquivalenzvariation). Bei der Ermittlung der Akzeptanzbereitschaft hingegen werden Individuen gefragt, wie viel Ihnen für den Verzicht auf ein bestimmtes Gut bezahlt werden müsste Contingent Valuation Zahlungsbereitschaft vs. Akzeptanzbereitschaft 3 KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE (Kompensationsvariation). Die Akzeptanzbereitschaft wird gemeinhin höher angegeben als die Zahlungsbereitschaft. Die CV führt zu theoretisch plausiblen Resultaten (z.b. höhere Zahlungsbereitschaft in höheren Einkommensklassen), ist aber anfällig für eine Reihe von Verzerrungen und Fehlspezifikationen. Discrete Choice Experimente Discrete Choice Experimente (DCE) versuchen, das Verhalten von Konsumenten aufgrund ihrer Präferenzen für Gütereigenschaften zu erklären und vorauszusagen. Um eine DCE durchzuführen, müssen zunächst die Eigenschaften eines Guts beschrieben werden. Discrete Choice Beispiel: Eigenschaften einer Knieoperation - Erwünschte Wirkung - Mögliche Komplikationen - Wartezeit bis zur Operation - Dauer des Krankenhausaufenthalts - Kosten der Operation Durch verschiedene Ausprägungen lassen sich die Eigenschaften zu unterschiedlichen (hypothetischen) Gütern kombinieren. Jedes Gut wird somit durch einen Vektor von Eigenschaftsausprägungen charakterisiert. Die hypothetischen Güter werden nun zu mehreren Teilmengen zusammengefasst, wobei jede aus mindestens zwei Alternativen besteht. Den befragten Personen werden anschliessend die Teilmengen der Reihe nach vorgelegt, und bei jeder Teilmenge muss das Individuum diejenige Alternative bezeichnen, für die es sich entscheiden würde. Mit Hilfe von statistischen Methoden lässt sich nun für jede Eigenschaft die (marginale) Zahlungsbereitschaft ermitteln. DCE haben den grossen Vorteil, dass sie wenig für strategisches Verhalten der Befragten anfällig sind. Allerdings treffen DCE bezüglich der Präferenzstruktur der Betroffenen relativ einschränkende Annahmen (repräsentativer Konsument, i.d.r. lineare Nutzenfunktion). 3.3 Umgang mit der Zeitkomponente Grundsätzlich schwierig ist die Festlegung des betrachteten Zeithorizonts, welcher optimalerweise unendlich sein müsste. Rationale und eigennützige Individuen optimieren zwar nur bis zu ihrem Tod. Haben sie aber Kinder, verschiebt sich diese Grenze in die Zukunft. Politikern wird oft unterstellt, ihren Zeithorizont der laufenden Legislaturperiode anzugleichen, insbesondere wenn sie durch eine Amtszeitbeschränkung von einer Wiederwahl ausgeschlossen werden. Darüber hinaus haben Individuen eine Zeitpräferenz: Eine Zahlung erst in der Zukunft zu erhalten, bedeutet in der Zwischenzeit auf dieses Geld resp. den Konsum in der Höhe dieses Geldes zu verzichten. Geld in der Zukunft hat, wenigstens für die grosse Mehrheit der Menschen, heute weniger Wert als derselbe Geldbetrag der sofort zur Verfügung steht. Für einen Konsumverzicht in der Gegenwart muss eine Entschädigung erfolgen. Somit sind Kosten und Nutzen, welche in der Zukunft anfallen mit einem so genannten Diskontfaktor δ (0,) zu gewichten, damit sie dem Wert von gegenwärtigen Kosten und Zeithorizont Zeitpräferenz Diskontfaktor 4 KAPITEL 3 Nutzen entsprechen. Man spricht dann davon, dass die künftigen Kosten und Nutzen auf die Gegenwart abdiskontiert werden. Nutzen Abb. 3.2: Diskontierung B t (x) δ 0 B 0 (x) t=0 t= t=2 t=3 t=4 t=5 t=6 t=7 t=8 t=9 t=0 Zeit C(x) 0 Kosten Abb. 3.2: Diskontierung über die Zeit. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt t=0 fallen Kosten in der Höhe von C 0 (x) an, in jeder zukünftigen Periode Nutzen in der Höhe von B t (x). Diese Nutzen sind aber aus gegenwärtiger Sicht weniger wert, je später in der Zukunft sie anfallen: Alle Nutzen sind aus der Sicht einer Periode vorher lediglich das δ-fache wert, zwei Perioden vorher das δ 2 -fache, drei Perioden vorher das δ 3 -fache etc. Dies ist anhand der Unterschiede zwischen umrahmten und gefüllten Balken sichtbar. Obwohl in der Periode t=0 Nutzen in der Höhe von B t (x) anfällt, ist dieser aus Sicht der gegenwärtigen Periode t=0 nur δ 0 B t (x) wert. Ein grosses Problem im Zusammenhang mit Kosten-Nutzen-Analysen ist die Bestimmung des Diskontfaktors δ. Der Diskontfaktor ergibt sich in der Regel aus dem Marktzinssatz r. Eine weitgehend risikofreie Geldanlage (z.b. Staatsanleihen) erzielt während einer Zeitperiode, z.b. während eines Jahres, den Zins r. Die Geldanlage ist danach das (+r)-fache wert. Somit sind Geldbeträge, die eine Zeitperiode später anfallen heute nur das /(+r)-fache wert. Der Diskontfaktor beträgt dann also δ=/(+r). Aufgrund verschiedener Marktimperfektionen können sich im Einzelfall aber (starke) Abweichungen hiervon ergeben. Die Diskontierung künftiger Kosten und Nutzen auf den heutigen Zeitpunkt wird als Barwertmethode bezeichnet und stammt aus der Investitionsrechung. Der so ermittelte Nettonutzen wird als Nettobarwert oder Net Present Value (NPV) bezeichnet. Ist der NPV grösser als Null, so wird durch die Investition ein Mehrwert geschaffen und das Investitionsvorhaben ist für den Investor attraktiv. Bei mehreren Alternativen soll diejenige gewählt werden, welche den höchsten NPV erzielt. Diskontfaktor und Marktzinssatz Barwertmethode und Net Present Value (NPV) Beispiel: Der Bau eines Hauses verursacht heute (in Periode t=0) Kosten von CHF 500'000. Alle Jahre (pro Periode t 0) bringt das gebaute Haus konstante Mieteinnahmen von CHF 60'000. Von laufenden Kosten wird abgesehen. Je weiter in der Zukunft die periodischen Mieteinnahmen in der Höhe von CHF 60'000 anfallen, desto weniger wert sind sie heute, d.h. zum Zeitpunkt der Entscheidung über den Bau eines Hauses. Bei einem Marktzinssatz von % beträgt der Diskontfaktor 0.99, die Mieteinnahmen des ersten Jahres sind heute nur CHF 59'400 [=0.99*60'000] wert, die 5 KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE Mieteinnahmen aus dem fünften Jahr (t=5) sogar nur CHF 57'059 [= *60'000]. Das Beispiel macht auch die Wirkung der Wahl des Zeithorizonts T deutlich: Reicht dieser nur wenige Jahre in die Zukunft, lohnt sich der Bau eines Hauses nicht, denn die Kosten übertreffen den Nutzen. Bei einem Zeithorizont von 5 Jahren (T=5) beträgt der Net Present Value des Hauses 5 t NPV = '000) 500'000 = 208'88 t= und ist immer noch negativ. Je länger nun der Zeithorizont, desto mehr würde sich der Bau eines Hauses lohnen. Nach 9 Jahren (t=9) ergibt sich erstmals ein positiver NPV, d.h. der Bau des Hauses lohnt sich nur wenn man davon ausgeht, dass es länger als 9 Jahre (zu denselben Bedingungen) benützt werden kann. Schliesslich gibt es die Möglichkeit, dass Kosten und/oder Nutzen erst bei zukünftigen Generationen anfallen. In solchen Fällen sollten künftige Kosten und Nutzen weniger stark diskontiert werden, d.h. anstatt des Marktzinses r sollte ein tieferer Zinssatz verwendet werden, was zu einem höheren Diskontfaktor und somit zu einer stärkeren Berücksichtigung künftiger Geldströme führt. Andernfalls wird ein Investitionsvorhaben zu gut ( Kosten werden weggerechnet ) oder zu schlecht ( Nutzen werden weggerechnet ) bewertet. Eine saubere theoretische Begründung für ein solches Vorgehen ist sehr komplex und kann im Rahmen dieser Einführungsveranstaltung nicht vorgestellt werden. Intergenerationelle Diskontierung 3.4 Unsicherheit Kosten und Nutzen eines Projekts mit längerer Laufzeit sind praktisch nie mit hundertprozentiger Sicherheit bekannt. Der Informationsstand der Entscheidenden kann dann durch Unsicherheit oder durch Risiko charakterisiert werden. Unsicherheit beschreibt eine Situation, in welcher wir nicht wissen, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt. Dies ist typisch für Alltagssituationen. Der Begriff Risiko wird unterschiedlich verwendet. Im alltäglichen Gebrauch, aber auch im Bereich der Technik wird mit dem Begriff Risiko die Gefahr eines Schadens bezeichnet. Ökonomen verwenden diesen Begriff oft anders. Risiko bedeutet, es gibt Ereignisse oder Umweltzustände, über deren Eintreten wir nicht sicher sind, aber wir kennen die Wahrscheinlichkeiten, mit denen diese Ereignisse eintreten können. Diese Ereignisse können sowohl positiv als auch negativ sein. Eine Zwischenform des Informationsstands ist die so genannte Ambiguität, bei der ein Entscheidender mehrere mögliche Wahrscheinlichkeitsverteilungen der künftigen Umweltzustände kennt. Die traditionelle Ökonomie unterstellt meistens, dass die Kenntnis quantitativ präziser Wahrscheinlichkeiten vorhanden ist. Die moderne Ökonomie und Entscheidungsforschung ist hier offener. Für den Risikofall gehen Ökonomen in der Regel davon aus, dass die Entscheidenden versuchen, die (mathematisch) erwarteten Kosten und Nutzen zu vergleichen. Bei der Ermittlung des Erwartungswerts werden die Kosten C und Nutzen B mit den jeweiligen Wahrscheinlichkeiten p ihres Eintretens multipliziert. Unsicherheit Risiko Ambiguität Erwartungswert 6 KAPITEL 3 n EC [ ] = C pc ( ), wobei k = k k n k = pc ( ) =, analog für B k Die erwarteten Kosten resp. Nutzen entsprechen der Summe verschiedener möglicher Kosten resp. Nutzen multipliziert mit deren Eintretenswahrscheinlichkeiten. Beispiel: Bei den Prüfungen nach dem ersten Jahr an der ETH fallen 30% der StudentInnen durch. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.3 entstehen im ersten Studienjahr Kosten von 30 Stunden pro Kreditpunkt in Form der nutzlosen Prüfungsvorbereitung. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.7 entstehen keine Kosten. Die erwarteten Kosten der Prüfungsvorbereitung belaufen sich somit auf 0.3* *0 = 0 Stunden pro Kreditpunkt. Die Arbeit mit Erwartungswerten ist allerdings aus verschiedenen Gründen problematisch. Einerseits müssen oftmals Situationen beurteilt werden, deren Eintretenswahrscheinlichkeiten nicht oder nur unvollständig bekannt sind. Andererseits sind die meisten Menschen risikoavers, das heisst, sie ziehen die sichere Alternative der riskanten Alternative mit denselben erwarteten Kosten und Nutzen vor. Risikoaversion Beispiel: Ein Individuum hat die Wahl zwischen einer sicheren Auszahlung von CHF 00 oder einer Lotterie, in welcher es mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% nichts und mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% CHF 200 bekommt. Der Erwartungswert der Lotterie ist ebenfalls CHF 00 (0.5* *200). Ökonomische Experimente zeigen, dass sich in dieser Situation kaum ein Individuum für die Lotterie entscheidet. Genaueres über Entscheidungsverfahren bei Unsicherheit ist im Bereich der Entscheidungsforschung zu erfahren. 3.5 Verteilungsproblematik Das wohl grösste Problem von Kosten-Nutzen-Analysen liegt darin begründet, dass sie keine Anforderungen an die Allokation (Zuordnung) von Kosten und Nutzen innerhalb der Gesellschaft stellen. In der Ökonomie wird das Kriterium der Pareto-Effizienz zur Beurteilung von Allokationen herbeigezogen: Eine Güterverteilung gilt dann als effizient, wenn keine andere Güterverteilung möglich ist, welche mindestens ein Individuum besser, gleichzeitig aber kein anderes Individuum schlechter stellt (vgl. Kapitel ). Gemäss Kosten-Nutzen- Analysen wird eine Massnahme dann empfohlen, wenn die aufaddierten Zahlungsbereitschaften die aufaddierten Kosten übersteigen. Wer die Kosten zu tragen hat und wer Nutzen erfährt, ist im Rahmen von Kosten-Nutzen- Analysen nicht weiter von Bedeutung. Diese Eigenschaft von Kosten-Nutzen- Analysen wird als potentielle Pareto-Effizienz (auch: Kaldor-Hicks-Effizienz) bezeichnet. Wenn die Gesamtheit der Befürworter einer Massnahme oder eines Investitionsprojekts mehr zu zahlen bereit ist als die Gesamtheit der Gegner zur Kompensation verlangt, ist das Potential einer effizienteren Allokation gegenüber dem Ist-Zustand vorhanden. Ob solche Kompensationszahlungen aber tatsächlich stattfinden, bleibt letztlich ungeklärt und ist eine politische Frage. Potentielle Pareto-Effizienz 7 KOSTEN-NUTZEN-ANALYSE Beispiel: Die drei Anwohner einer Privatstrasse i, j und k diskutieren über deren Sanierung. Die würde Kosten von X [z.b. CHF 00'000] verursachen, welche von den drei Anwohnern zu gleichen Teilen getragen werden müssten. Die daraus resultierende Zeitersparnis wäre den Individuen i und j X/2 [je CHF 50'000] wert. Individuum k hingegen wäre lediglich bereit X/4 [CHF 25'000] zu zahlen. Eine Kosten-Nutzen- Analyse ergäbe, dass die Sanierung durchgeführt werden sollte, da die Kosten von X tiefer sind als die aufaddierten Zahlungsbereitschaften von 5X/4 [CHF 00'000 CHF 25'000]. Dadurch würde aber Individuum k schlechter gestellt, da es X/3 bezahlen müsste, aber nur X/4 dafür zu zahlen bereit wäre [CHF 33'333 CHF 25'000]. Somit ist die Sanierung (bei Finanzierung zu gleichen Teilen) nicht paretoeffizient. Allerdings hat die Sanierung das Potential zur Pareto- Effizienz, da die Individuen i
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