Kommunikation, Kooperation, Konzepte

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Miteinander gestalten Kommunikation, Kooperation, Konzepte Ein Leitfaden nicht nur für die Jugendhilfe DEUTSCHER Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Baden-WÜRTTEMBERG e.v.
Miteinander gestalten Kommunikation, Kooperation, Konzepte Ein Leitfaden nicht nur für die Jugendhilfe DEUTSCHER Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Baden-WÜRTTEMBERG e.v. Inhaltsverzeichnis 1. Jutta Goltz 2 Gemischtes Doppel : Drei Standorte, drei Wege, drei Perspektiven 2. Stephan Maykus 4 Rahmenbedingungen für das gelingende Zusammenwirken von Jugendhilfe und Schule Herausforderungen an Kommunikation und Kooperation 3. Gemischtes Doppel Weil im Schönbuch 17 Schule auf dem Weg vom Lern- zum Lebensort 4. Gemischtes Doppel Tübingen 34 Entwicklung einer integrierten Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe 5. Anhang a. Einverständniserklärung 44 b. Beobachtungsbogen 46 Vorwort Durch die zunehmende Dynamik beim Auf und Ausbau der Ganztagsschulen, inzwischen auch der Gemeinschaftsschulen in Baden Württemberg, stehen Jugendhilfe und Schule vor der Herausforderung, Erziehung und Bildung verstärkt als gemeinsame Aufgabe zu begreifen und in engem Zusammenspiel Bedingungen zu gestalten, die allen Kindern und Jugendlichen optimale Bildungs und Teilhabechancen bieten. Beide Systeme müssen sich dabei entwicklungsoffen aufeinander zu bewegen, mit dem Ziel, Bildungs und Erfahrungsräume für junge Menschen bedarfsgerecht und lebensweltorientiert zu gestalten. Unter dem Dach des PARITÄTISCHEN Baden Württemberg haben sich dazu drei Jugendhilfeträger mit Sitz in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Böblingen vernetzt. An mehreren Standorten wurden Gemischte Doppel aus Jugendhilfe und Schule gebildet. Begleitet wurde das Vorhaben vom Institut für regionale Innovation und Sozialforschung in Tübingen. Eines zeigte sich in diesem modellhaften Projekt schnell: Die genannten Herausforderungen können nur dann erfolgreich bewältigt werden, wenn sich die Akteure beider Systeme aufeinander einlassen nomen est omen zusammenspielen. So konnten unter den jeweiligen örtlichen Bedingungen spezifische Herangehensweisen bzw. Ansätze entwickelt und in praktische Schritte umgesetzt werden. Förderliche Faktoren und Standards einer gelingenden Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule wurden herausarbeitet. Die gemeinsamen Anstrengungen haben sich, auch das lässt sich schon jetzt sagen, an allen Standorten gelohnt, sie zeigen Erfolge und sie werden von allen Beteiligten positiv bewertet nicht zuletzt auch von den Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern. Ein weiteres Ergebnis der Zusammenarbeit liegt mit dieser zweiten Broschüre nun vor. Basierend auf den Entwicklungen und Erfahrungen insbesondere an den Standorten Tübingen (Martin Bonhoeffer Häuser) und Weil im Schönbuch (Waldhaus) soll anderen Gemischten Doppeln nun eine weitere Arbeitshilfe mit Informationen zu den Erfordernissen mit Blick auf die Kommunikation und die Kooperation der Akteure, aber auch zur konzeptionellen Entwicklung der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule an die Hand gegeben werden. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle vor allen Dingen Prof. Dr. Stephan Maykus, Jutta Goltz und den Akteuren in den Tübinger und Weilemer Teams für deren gemeinsames Engagement. Roland Berner Projektleiter Leiter des Kernteams Jugend, Bildung und Migration Im PARITÄTISCHEN Landesverband Baden Württemberg 1 1. Gemischtes Doppel : Drei Standorte, drei Wege, drei Perspektiven Unter dem Dach des PARITÄTISCHEN Baden Württemberg konnten drei Jugendhilfeträger im Rahmen des vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Dezernat Jugend Landesjugendamt geförderten Modellprojekts Gemischten Doppel Jugendhilfe und Schule über einen Zeitraum von knapp drei Jahren Praxiserfahrungen im Handlungsfeld Kooperation von Jugendhilfe und Schule gesammelt und gemeinsam reflektiert werden. 1 Dabei arbeitete jeder Projektstandort entsprechend der jeweils eigenen Notwendigkeiten. Auf Trägerebene gab es einen regelmäßigen Austausch über die praktischen Erfahrungen und Erkenntnisse, für die beteiligten Mitarbeiter/innen wurden thematisch fokussierte Werkstätten angeboten. Darüber hinaus wurden zwei überregionale Fachtagungen organisiert, die eine breite Resonanz fanden. Die jeweiligen Projektstandorte erhielten keine zusätzlichen Ressourcen für diese Arbeit investiert wurde in eine Projektkoordination und Projektbegleitung durch Iris e.v. Tübingen. Eine kurze Skizzierung soll nachfolgend die inhaltlichen Diskussionslinien an den jeweiligen Projektstandorten verdeutlichen. Für die Arbeit des Pfullinger Teams liegt bereits eine ausführliche Dokumentation der Arbeit vor die Broschüre So geht es gemeinsam., die ebenfalls beim PARITÄTISCHEN oder beim KVJS heruntergeladen werden kann. 2 Die Arbeit der Tübinger und Weiler Kolleg/innen wird in den nachfolgenden Kapiteln ausführlich dokumentiert. Projektstandort Pfullingen (pro juventa) Wesentliche Impulse gingen hier von den Schulsozialarbeiter/innen dreier Pfullinger Schulen aus: in allen Fällen sehr erfahrene und in den Schulalltag gut eingebundene Kolleg/innen, die jedoch die Beobachtung machten, dass immer mehr Aufgaben von den Lehrkräften bei ihnen abgeladen wurden und die Schulsozialarbeit insbesondere im Bereich der Hilfen zur Erziehung zum ungewollten Nadelöhr wurde. Daraus resultierten unterschiedliche Aufgaben und Projektschritte: Qualifizierungsveranstaltungen für Lehrkräfte zu den Themen Soziale Konfliktregelung im Klassenzimmer und zur eigenen Lehrerrolle Informationsveranstaltungen für Lehrkräfte zum Zusammenspiel von Schulsozialarbeit, Schule und Allgemeinem Sozialen Dienst (Hilfen zur Erziehung) Klärung von Rollen, Zuständigkeiten und Abläufen im Bereich Hilfen zur Erziehung und Schule Erstellung einer Informationsbroschüre insbesondere, aber nicht nur, für Lehrkräfte Projektstandort Weil im Schönbuch (Waldhaus) Eine entscheidende Rolle in diesem Projekt spielte die Kommune Weil im Schönbuch, die als Schulträger ein deutliches Signal zur Entwicklung der Ganztagesschule bzw. hin zur Gemeinschaftsschule setzte und hierfür tatsächlich ausreichend Personalressourcen bereit stellte, 1 Laufzeit: bw.de/content/e153/e175/e297/#e19640 oder So_geht_es_gemeinsam.Leitfaden_nicht_nur f%c3%bcr_lehrerinn.pdf 2 um diese Arbeit aufzubauen. Der Erfolg zeigt, wie wichtig solche klaren Rahmenbedingungen sind. Die konkreten Umsetzungsaufgaben waren: Etablierung der Ganztageskoordinatorin im System Schule Verzahnung der Ganztagesbetreuung mit der Schulsozialarbeit Entwicklung eines inhaltlichen Konzeptes zur Ganztagesbetreuung Gewinnung von (ehrenamtlichen) Betreuungskräften Projektstandort Tübingen (Martin Bonhoeffer Häuser) An der Tübinger Grundschule Winkelwiese/Waldhäuser Ost wurden die bereits bestehenden und gut ausgebauten Kooperationsbezüge im Zuge der Weiterentwicklung zur Ganztagesschule vertieft und weiter institutionalisiert. Im besonderen Fokus dabei waren die Rolle der Schulsozialarbeit die Einbindung des Betreuungsbereichs die Neukonzipierung der Sozialen Gruppenarbeit im Kontext der Ganztagesschule Die Schaffung verbindlicher Kommunikationsstrukturen (Beobachtungsbögen, Fallkonferenzen, Teambesprechungen etc.) sowie die Klärung von Zuständigkeiten. An allen drei Standorten zeigte sich, wie wichtig und notwendig eine eigene Profilschärfung der Jugendhilfe Akteure ist, um in zufriedenstellende Kooperationsbezüge zu kommen. Immer wieder auftauchende Momente der Funktionalisierung, der Verschiebung von Arbeitsaufträgen und Zuständigkeiten konnten gemeinsam reflektiert und für die eigene Praxis gewendet werden. Zusammenfassend lassen sich folgende Punkte als verallgemeinerbare Diskussions und Konfliktlinien am Gemischten Doppel zeigen: Schulsozialarbeit nimmt in diesem Kontext eine Schlüsselfunktion ein dies reflektiert Stephan Maykus in seinem Beitrag und verdeutlicht dadurch insbesondere den Tübinger und Pfullinger Prozess. Hilfen zur Erziehung im Kontext von Schule sind Lehrkräften zu wenig bekannt und transparent (dem abzuhelfen ist Ziel der ersten Broschüre So geht es gemeinsam ). Zum anderen verändern sich bisherige Formen wie Tagesgruppen, Soziale Gruppenarbeit etc. massiv im Zuge der Ganztagesschulentwicklung. Wie diese Veränderungsprozesse gelingend gestaltet und die damit verbundenen Anforderungen bewältigt werden können, beschreibt der Tübinger Projektstandort. An allen drei Projektstandorten lag der eigentliche Gewinn der Gemischten Doppel darin, Reflexionsräume zu eröffnen, um Rollen, Zuständigkeiten und Abläufe der verschiedenen Akteure klären zu können. Dafür auch über Projektstrukturen hinaus verbindliche und nachhaltige Strukturen zu schaffen, wird zukünftig eine große Herausforderung werden bzw. bleiben, ist aber fachlich unabdingbar. Dies bedeutet auch, mit den beteiligten Akteuren aus den unterschiedlichsten Handlungsfeldern in einen gemeinsamen Prozess der Team und Organisationsentwicklung einzusteigen. Dies kann zum Teil mit Mitteln der Selbstevaluation umgesetzt werden auch dazu liefert der Beitrag von Stephan Maykus methodische Hinweise. Dennoch bedarf es auch der gezielten Steuerung und Moderation solcher Kooperationsprozesse sei es durch Jugendhilfeplanungen, Schulentwicklungsprozesse oder 3 externe Berater/innen. Nur so kann verhindert werden, dass sich die Akteure in ihrem jeweiligen Binnensystem aneinander abarbeiten und auch strukturelle Rahmenbedingungen können dadurch mit einbezogen werden. Dies verlangt aber auch, diese Arbeit als notwendiges Handlungsfeld anzuerkennen und entsprechende zeitliche und personelle Ressourcen bereit zu stellen. Jutta Goltz, Iris e.v. Tübingen 2. Rahmenbedingungen für das gelingende Zusammenwirken von Jugendhilfe und Schule. Herausforderungen an Kommunikation und Kooperation 3 Über notwendige Rahmenbedingungen einer gelingenden Kooperation von Schule und Jugendhilfe nachzudenken, scheint unverändert aktuell was aber drückt die Betonung von Kommunikation als besondere Herausforderung aus? Schnell entsteht der Eindruck, dass ein richtiges miteinander Reden von Bedeutung wäre, dass man Regeln der Kommunikation vermitteln und berücksichtigen sollte, damit Kooperation gelingen kann. So richtig dies grundsätzlich ist (eine sensible Kommunikation zwischen den Berufsgruppen kann zumindest nicht schaden), so einseitig wäre dieser Blickwinkel auf die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe aber auch. Alle Erfahrungen aus Praxis, Forschung und Theorie zeigen nämlich, dass es nicht allein auf das Handeln der Lehr und Fachkräfte, ihre kommunikativen Fähigkeiten und das damit einhergehende Engagement ankommt, sondern vielmehr Strukturen, eine Kultur und personenbezogene Voraussetzungen von Kooperation zu entwickeln sind. Gerade Strukturen liegen dabei nicht vollends in den Händen der Akteure vor Ort, sie werden vor allem politisch entschieden und können fachpolitisch bewertet, kritisiert, darin vielleicht auch Anlass für ihre öffentliche Überprüfung sein. Das Thema Schule und Jugendhilfe zeigt sich daher als ein fachliches, professions und organisationsbezogenes, aber auch als ein politisches Anliegen, das in genau dieser Verwobenheit vor mehreren Herausforderungen steht. Kommunikation ist eine davon. So zeigt etwa (als ein Beispiel) eine Studie zur individuellen Förderung von Kindern in schwierigen Lebens und Bildungssituationen (vgl. Böttcher/Maykus/Altermann/Liesegang 2014), dass das Zusammenwirken von Lehr und sozialpädagogischen Fachkräften eine schwierige Errungenschaft ist. (Multiprofessionelle) Kooperation ist im Alltag der Ganztagsschulen zwar angekommen, die konsequente Umsetzung fällt aber schwer. Und die Befragten sagen einhellig, dass die Basis über den Erfolg der Förderpraxis entscheidet: Gemeinsames Fördern ist gewollt, die konzeptionelle Orientierung fehlt aber häufig als Grundlage der genaueren Abstimmung im Schulalltag. Und schließlich zeigt sich erneut, dass ein wertschätzender Rahmen für die Zusammenarbeit und Entwicklung kooperativer Förderkonzepte Mangelware ist. Ansprüche an eine professionelle pädagogische Praxis verlangen ein fachliches Existenzminimum, ein Mindestmaß an finanzieller, personeller und räumlich sächlicher Ausstattung, damit eine multiprofessionell gestaltete Ganztagsschule umgesetzt werden kann. Gerade die offenen Modelle von Ganztagsschule erfüllen ein solches Mindestmaß an Rahmenbedingungen häufig nicht. Dies wäre jedoch wichtig, um die Potenziale der erzieherischen Förderung an Schulen zum Tragen kommen zu lassen und das 3 Zusammenfassung des gleichnamigen Vortrages auf der Fachtagung Gemischtes Doppel Schule und Jugendhilfe am in Pfullingen 4 Zusammenspiel der unterschiedlichen Förderformen, orte und methoden im Sinne einer bedarfsgerechten Bildung und Erziehung zu ermöglichen (wie es in der Abbildung 1 veranschaulicht ist). Abb. 1: Erzieherische Förderung in der Schule als Zusammenspiel dreier Aspekte (Quelle: Eigene Darstellung) Solche Förderformen und kooperativen Settings sind durchaus schon Alltag in Schulen und Stadtteilen nicht flächendeckend, aber sie stellen eben auch keinen Einzelfall mehr da. Und trotzdem ist die Qualität der Zusammenarbeit darin häufig nicht zufriedenstellend, so dass die Vernetzung der Beteiligten und ihrer Institutionen einen deutlichen Entwicklungsbedarf zeigt. Eine bessere Kommunikation zu fordern, wäre eher die Betonung eines Mittels dafür, weniger wird aber der Einsicht gefolgt, dass weitere Faktoren eine gewichtige Rolle spielen. Es geht letztlich um die Förderung von Veränderungsbereitschaft der Lehr und Fachkräfte (Kooperation und Ganztagsschulentwicklung führt zu einer veränderten pädagogischen Praxis) und von dafür förderlichen Bedingungen. Teamforschung zeigt, dass partizipative Sicherheit (Beteiligung, Transparenz, erlebte Mitwirkung), Visionen (Leitbilder und fachliche Maßstäbe), erfahrene Unterstützung (Leitung und Team) sowie eine klare Aufgabenorientierung (Ziele und Grenzen des Vorhabens) die Veränderungsbereitschaft deutlich fördern. Zu ergänzen wären förderliche Rahmenbedingungen auf der institutionellen (Schulorganisation und Jugendhilfeträger) und lokalen (Bildungs und Stadtteilnetzwerke) Ebene. Übertragen auf die Kooperation von Schule und Jugendhilfe könnte man dies als die fünf zentralen Herausforderungen bezeichnen, die für ihr Gelingen bewältigt werden müssen. Sie stellen damit aber auch Rahmenbedingungen dar und werden der Kommunikation an die Seite gestellt werden: 1. Kommunikationsgelegenheiten, 2. fachliche Konzeptionierung, 3. Kooperationsstruktur, 4. Profil der Interprofessionalität und 5. (Fach)Politische Entscheidungen und Bedingungen. Genauer: Herausforderung 1: Kommunikationsgelegenheiten Für eine gute Kommunikation muss es zunächst schlicht die Gelegenheiten geben: Orte, Zeit und Raum im beruflichen Alltag beider Professionen. Dann hat Kommunikation desweiteren auch keinen 5 Selbstzweck, sondern soll eine Verhaltensänderung (Erweiterung von Kompetenzen) sowie ein verändertes Verstehen pädagogischer Situationen (reflexive Erweiterung) ermöglichen. Das geschieht nach allen Erfahrungen der Kooperationspraxis am ehesten, wenn die Lehr und sozialpädagogischen Fachkräfte von konkreten Anlässen und Problemen ausgehen, geforderte Haltungen zu inneren Verpflichtungen werden lassen, im Alltag sich und das Verhalten von jungen Menschen beobachten, ihr Handeln vergleichen, Kooperation in gemeinsam vereinbarten Tätigkeitsfeldern probieren (z. B. Projekte, Übergang Hausaufgaben zum Nachmittagsangebot). Die Alltagskommunikation mit anderen Berufsgruppen sollten sie nach und nach als selbstverständlich erleben. Beide Erfahrungen der Erweiterung (Kompetenzen und Reflexion) können auch durch interprofessionelle Fallkonferenzen und Schulungen gefördert werden: Was sind meine typischen Reaktionen und Vorgehensweisen? Warum sind sie so? Werden sie dem Problem gerecht? Eigene Haltungen, Werte, Einstellungen sollten erkannt werden, immer in Abhängigkeit von unterschiedlichen Situationen des schulischen Alltags. Letztlich soll Mut und Offenheit unterstützt werden, um über Erfahrungen zu sprechen (und nicht eigenes Versagen in den Mittelpunkt gestellt wissen, das häufig auch durch versagende Strukturen bedingt ist), man könnte von einer förderlichen Kommunikationskultur sprechen (vgl. Maykus 2009). Herausforderung 2: Fachliche Konzeptionierung Sich zu vergegenwärtigen, warum was in der Ganztagsschule gemeinsam umgesetzt wird, ist eine wichtige erste und fortlaufende Aufgabe, die die Kooperationspartner (im Wechselspiel mit den anderen Arbeitsgremien, siehe Herausforderung 3) vornehmen sollten. Beispiele hierfür sind Schülerund Elternbefragungen, Auswertung von Angebotsstatistiken, Beteiligungstage, Zukunftskonferenzen zur Bewertung, aber vor allem auch eine grundlegend subjektorientierte pädagogische Ausrichtung des Ganztags (umfassende Partizipationsstrukturen), um Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen wahrzunehmen und in die Gestaltung einzubinden. Genauso wichtig ist der Austausch über Erfahrungen, Beobachtungen, Erwartungen der Beteiligten. Es geht vor allem darum, beobachtete Bedürfnisse entlang von Dringlichkeit und Machbarkeit zu reflektieren (= Bedarf im engeren Sinne). Unabhängig davon sind vor allem die folgenden Fragen von Bedeutung: Leifragen zur Bedarfsklärung als Basis von Konzepten Was wissen wir über die Bedürfnisse der Schüler/innen und Eltern? Wie bewerten wir (vor diesem Hintergrund) die aktuellen Angebote? Welche Angebote sollten wir (demnach) entwickeln? Warum? Mit wem? Was erachten wir für dringend notwendig? Was ist (nicht) machbar? Bereits während der (Weiter ) Entwicklung des Ganztags ist es immer wieder entscheidend, Personen in der Schule und im Schulumfeld für die Sache zu gewinnen, entweder als Mitstreiter im Netzwerk oder als potentielle Adressaten der entstehenden Angebote (v.a. Schüler/innen und Eltern). Was 6 konzeptionell und in den Arbeitsgremien geklärt wurde, muss auch nach außen dringen, mitgeteilt und sichtbar werden. Das sichert Unterstützung, ermöglicht Beteiligung und Feedback und wirkt sich in der Regel auf die Kooperationsbeziehungen aus (Kontakte stiften, Anerkennung erhalten, Stärken und Profile sichtbar machen etc.). Pädagogische Konzepte bedeuten in diesem Zusammenhang vor allem Leitorientierungen des Handelns im Ganztag: Schlüsselfragen: Was soll erreicht werden? Wie wollen wir es erreichen? Wie sind die Rahmenbedingungen dafür zu bewerten? Womit und wann beginnen bzw. enden? Wer macht was? Wer ist zu beteiligen? Nutzen einer Konzeptgrundlage: Es sollen Transparenz, Aufgabenklarheit und planung, Begründungen für die Angebote des Ganztags (und das pädagogische Handeln) sowie ein gezielter Einsatz der Ressourcen erfolgen. Wie sieht die Beschäftigung mit Leitorientierungen an unserer Schule bzw. im Ganztag bis dato aus? Abb. 2: Checkliste Standortbestimmung der kooperativen Konzepte* (Quelle: Eigene Darstellung) Checkpunkte Für das Personal, die Inhalte, Zielgruppen und Abstimmung der Ganztagsangebote liegt ein schriftliches Konzept vor. Das Ganztagskonzept ist Teil des Schulprogramms. Das Konzept des Ganztags basiert auf einer Bedarfsanalyse (in der Schule und im Sozialraum). In der Schule gibt es klare, transparente und langfristige Zielvorstellungen, die den Ganztag einbeziehen. Die relevanten Konzepte von Schule und Ganztag sind allen Beteiligten bekannt und öffentlich. Eltern sowie Schüler/innen werden in die Konzeptentwicklung einbezogen. Die Ziele des Ganztags werden von allen Lehr und weiteren pädagogischen Fachkräften sowie Eltern und Schüler(inne)n mit getragen. Wie bewerten wir das? Beispiele und Erfahrungen? Sollten/Können wir das verbessern? Wie? *verändert nach: Serviceagentur Ganztägig lernen Schleswig Holstein: Impulse für Qualität. Handreichung zur kooperativen Qualitätsentwicklung. Kiel Herausforderung 3: Kooperationsstruktur Kooperation muss ausdrücklich etwa anhand der benannten Leitfragen und Hilfestellungen entwickelt werden, eine gelingende Kooperationsstruktur verlangt dabei die folgenden Aspekte (vgl. Maykus 2009). Entwicklung kooperationsorientierter Ziele und Konzepte als Aufgabe von Schule und Jugendhilfe: (Weiter ) Entwicklung des Schulkonzepte
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