Krankenhaufinanzierung und Patientenrechte

Please download to get full document.

View again

of 29
All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Categories
Published
Krankenhaufinanzierung und Patientenrechte Stefan Wöhrmann Abteilungsleiter Stationäre Versorgung Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) APK-Tagung am 03. und 04. November 2015 Selbsthilfe Selbstbestimmung
Krankenhaufinanzierung und Patientenrechte Stefan Wöhrmann Abteilungsleiter Stationäre Versorgung Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) APK-Tagung am 03. und 04. November 2015 Selbsthilfe Selbstbestimmung - Partizipation Wertewandel Krankenhäuser Daseinsfürsorge Kommerzialisierung Krankenkassen Solidaritätsprinzip Wettbewerb, insbesondere durch einen nicht paritätisch finanzierten Zusatzbeitrag 2 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Ausgaben und Fördermittel für Krankenhäuser Die Ausgaben sind von 47,51 Milliarden Euro in 2004 auf 67,39 Milliarden in 2014 gestiegen. Das entspricht einem Ausgabenanstieg im genannten Zeitraum von rund 42 Prozent. Das BIP ist im selben Zeitraum nur um 34 Prozent gestiegen. Der Anteil der Krankenhausausgaben an den GKV- Gesamtausgaben betrug ,1 Prozent. Die Investitionsförderquote der Länder ist von rund 10 Prozent in 1993 auf rund 3,5 Prozent ( 2,7 Milliarden Euro) in 2013 gesunken. Mehr als drei Milliarden Euro der Investitionsausgaben werden pro Jahr aus GKV-Mitteln verdeckt finanziert (schleichende Monistik). 3 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Internationale und nationale Unterschiede International sind wir Spitzenreiter in der Quantität, d. h. bei den Fallzahlen (OECD). International gesehen sind wir bei der Qualität kein Spitzenreiter, d. h wir haben zwar ein gutes, aber kein herausragendes Qualitätsniveau (Health Consumer Powerhouse). Zwischen den Krankenhäusern bestehen erhebliche Qualitätsunterschiede (AQUA-Institut). Über die Qualität der psychiatrischen Versorgung gibt es keine Erkenntnisse aus den gesetzlichen Verfahren. 4 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Patientenrechte I Das Recht auf Selbstbestimmung: Die Durchführung einer medizinischen Maßnahme darf nur mit dem Willen des Patienten geschehen, bedarf folglich seiner Einwilligung, siehe informierte Einwilligung und Einwilligungsfähigkeit. Das Recht auf Information über die Diagnose, die voraussichtliche gesundheitliche Entwicklung und die Therapie Das Recht auf Information über die voraussichtlichen Kosten der Behandlung, die in Textform zu erteilen ist 5 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Patientenrechte II Das Recht auf Aufklärung: Das ist eine für den Laien verständliche Erklärung des medizinischen Eingriffs, siehe ärztliche Aufklärung. Dies beinhaltet eine richtige Darstellung des Nutzens und der Erfolgsaussichten sowie der Risiken und Nebenwirkungen der geplanten medizinischen Maßnahmen. Es muss über die wesentlichen Umstände aufgeklärt werden. Das Recht auf sorgfältige Heilbehandlung gemäß dem sogenannten Facharztstandard (nicht aber eine Erfolgsgarantie ). 6 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Patientenrechte III Das Recht auf Vertraulichkeit der Behandlung, dass die behandelnden und pflegenden Personen die bei Behandlung und Pflege bekanntgewordenen Informationen und Daten vertraulich behandeln und nicht unbefugt Dritten gegenüber offenbaren (ärztliche Schweigepflicht, 203 StGB). Das Recht auf Dokumentation, insbesondere der Diagnose und der Therapie. Das Recht auf Akteneinsicht in die Patientenakte, soweit der Einsichtnahme nicht erhebliche therapeutische oder sonstige erhebliche Gründe entgegenstehen. 7 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Patientenrechte IV Das Recht auf eine Zweitmeinung bei gesetzlicher Krankenversicherung (außer in besonderen Versorgungsformen). Das Recht auf freie Arztwahl, dazu gehört auch das Recht, den Arzt zu wechseln. Das Recht auf freie Krankenhauswahl. Das Recht auf freie Krankenkassenwahl innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung. 9 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Teilhabe bzw. Partizipation Der Leitgedanke der UN-Behindertenrechtekonvention ist die Umsetzung von Inklusion. Inklusion bedeutet Selbsthilfe, Selbstbestimmung, Sozialraumorientierung. Leider lassen sich derzeit diese Ziele oftmals nicht auf psychiatrische Hilfen übertragen, denn das System gibt seine Kunden nicht mehr her! 10 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Hemmnisse einer Sozialraumorientierung in der Krankenhausvergütung Die stationäre Versorgung vergütet und fördert damit Belegungstage! Wenn Patienten anstelle einer stationären Behandlung im niedergelassenen Bereich ambulant behandelt werden, fehlen dem Krankenhausträger Erlöse, um seine Kosten zu decken. Wenn ein Krankenhaus Ressourcen umschichtet, werden die Leistungen nach anderen Grundsätzen vergütet. Nicht für alle Behandlungsmöglichkeiten besteht eine Abrechnungsgrundlage. Ein Patient wird nach Abrechnungsmöglichkeiten und nicht nach Behandlungsnotwendigkeiten versorgt. 11 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Finanzierungsrahmen Der Finanzierungsrahmen regelt das Entgeltverfahren (Selbstkostendeckung oder (Fest-)Preissystem), ob Personalanhaltszahlen als Qualitätsmerkmal eingesetzt werden sollen (G-BA-Beratungen wurden aufenommen), die Finanzierung von Personal- und Sachkostensteigerungen, die Qualitätsanforderungen, den Umgang mit Leistungssteigerungen (Erlösausgleiche) und Morbidität, den Einsatz des Entgeltsystems. 12 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Entgeltsystem DRG oder PEPP sind Instrumente, bestehend aus einem Katalog und Abrechnungsbestimmungen. International gesehen werden DRG (leistungsbezogene Entgelte) im Rahmen von Budgetverteilungssystemen eingesetzt. In Deutschland werden die Entgelte in einem Festpreissystem eingesetzt. Entgeltsysteme bestehen aus einer Leistungsbeschreibung und einer Abrechnungseinheit. 13 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Vorgaben für das neue Entgeltsystem Vergütungssystem: Die Rahmenbedingungen eines Finanzierungssystems prägen die Versorgung. Pauschalierend: Durchschnittsbetrachtung, die nicht auf Einzelleistungen ausdifferenziert ist Durchgängigkeit: Das Entgeltsystem erfasst die vollstationären Leitungen vollständig; andere Behandlungsformen jedoch nur unvollständig. Leistungsgerechtigkeit: Vom Abteilungsbezug der Pflegesätze ist man zu einem Diagnosezustand gekommen. Der Zustand und die Zustandsverbesserung werden nicht berücksichtigt. 14 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Warum damals keine DRG für den Psych-Bereich? Diagnoseabhängigkeit, -stellung und kontinuität nicht durchgängig Die Leistungen in der sprechenden Medizin sind schwer beschreibbar. Die Diagnose sagt wenig über den Aufwand einer Behandlung aus. Verweildauer und Wiederaufnahmequote sind unterschiedlich und hoch. Ein Personalabbau trifft den Psych-Bereich anders als operative Disziplinen. 15 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin PEPP-Entgelte PEPP-Entgelte beziehen sich auf stationäre Leistungen. PEPP-Entgelte sind tagesbezogen mit Verweildauerbezug. PEPP-Entgelte haben einen Leistungsbezug, der diagnoselastig ist. PEPP-Zusatzentgelte vergütet die Gabe von Arzneimitteln oder Leistungskomplexen, z. B. Elektrokrampftherapie. PEPP-Entgelte sind pauschaliert, d. h. allgemein und nicht differenziert. Die Kosten müssen nicht im Einzelfall, sondern bezogen auf die Grundgesamtheit kostendeckend sein. Die Entgelte sind mengenunabhängig kalkuliert. 16 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin PEPP-Entgelte - Anreizwirkung Die Entgeltvergütung hat keinen Qualitätsbezug. Es sind Entgelte, die nicht an einen Behandlungserfolg gekoppelt sind. Wenn Einzelleistungen nicht erbracht werden, hat dies keine Konsequenzen. Der Aspekt der Fixkostendegression (hoher Auslastungsgrad) bietet einen Anreiz zur Mengenausweitung. Es gibt keinen Anreiz, Patienten außerstationär zu behandeln, da die Entgelte oder Abrechnungsmöglichkeiten hierfür fehlen. PEPP-Entgelte sind Abrechnungseinheiten und kein Finanzierungssystem! 17 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Ökonomisierung der Psychiatrie? Der Ansatz, gewinnwirtschaftlich zu denken steht geradezu automatisch im Konflikt mit dem Ansatz des Sozialen. Das Finanzierungssystem impliziert einen Apell zur Übernahme einer ökonomischen Vorteilslogik. Der einzelne Helfer ist nicht mehr ausschließlich seiner (medizinischen) Entscheidung verpflichtet. Diesem wird über die Leitungsstrukturen eine Rolle zugeschrieben, die Unternehmensziele durchzusetzen. Es muss Rechenschaft abgelegt werden, ob Erlöse stimmen, aber nicht darüber, ob der Patient gut versorgt ist. 18 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Qualität Es gibt nur wenige valide Ergebnisqualitätsindikatoren. Deshalb muss kurz- bis mittelfristig auf Strukturanforderungen zurückgegriffen werden. Personal ist ein Strukturqualitätsmerkmal, insbesondere im Psychiatriebereich! Gutes und ausreichend eingesetztes Personal spiegelt sich in der Struktur- und damit in der Ergebnisqualität eines Krankenhauses wieder. 20 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Personalanhaltszahlen Relikt aus der Zeit der Selbstkostendeckung Beziehen sich auf Personalgruppen (Pflege-PR, Psych-PV) Einzelleistungen (Labor, Röntgen etc.) gesamte Krankenhaus (Hausmeister nach Zahl der Betten) Bislang gibt es keine Personalanhaltszahlen, die sich auf Leistungskomplexe (DRG oder PEPP) beziehen. 21 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Ziele der Modellvorhaben nach 64b SGB V (I) Die Implementierung und Weiterentwicklung einer sektorenübergreifenden Behandlung in der Psychiatrie Eine stärkere Berücksichtigung niedrigschwelliger Behandlungsmöglichkeiten, um so Dauer und Intensität der Behandlung besser an den konkreten Behandlungsbedarf des Patienten anzupassen Eine kontinuierliche Behandlung und Stabilisierung des Patienten, sowohl auf der Station als auch im Lebensumfeld des Patienten 22 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Ziele der Modellvorhaben nach 64b SGB V (II) Eine stärkere Akzeptanz des Betroffenen im Hinblick auf seine Behandlung Die Herstellung von Leistungstransparenz (was geschieht überhaupt in der Behandlung?) Die effizientere Nutzung der vorhandenen Mittel zur Versorgung der Patienten Der Grad der Erreichung dieser Ziele soll im Rahmen einer gemeinsamen kassenübergreifenden Evaluation untersucht werden! 23 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Modellvorhaben Krankenhaus Beginn Laufzeit Klinikum Hanau 1. September 2013 acht Jahre Krankenhaus Glauchau 1. November 2013 vier Jahre mit Verlängerungsoption auf acht Jahre Heinrich Braun Krankenhaus inkl. KJP 1. November 2013 vier Jahre mit Verlängerungsoption auf acht Jahre St. Marien-Hospital Hamm 1. Januar 2014 acht Jahre Klinikum Itzehoe - Zentrum für psychosoziale 1. Januar 2014 sieben Jahre Medizin Fachkliniken Nordfriesland ggmbh als Träger der Fachklinik für Psychiatrie und 1. Januar 2013 acht Jahre Psychosomatik Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide 1. Januar 2013 acht Jahre ggmbh für die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin und der brücke Schleswig-Holstein ggmbh für die Tagesklinik Heide imland gemeinnützige GmbH 1. Januar 2013 acht Jahre Johanniter-Krankenhaus Geesthacht GmbH 1. Januar 2013 acht Jahre Nordhausen (ehemaliges Regionalbudget 1. Januar 2014 acht Jahre Thüringen) inkl. KJP psychiatrische Klinik Lüneburg 1. Januar 2014 acht Jahre Immanuel Klinik Rüdersorf 1. Januar 2014 acht Jahre LWL-Universitätsklinikum Bochum 1. Dezember 2014 acht Jahre 24 Bislang 13 Modellvorhaben wurden in sieben Bundesländern mit rund Patienten vereinbart und in die Studie einbezogen. Fünf weitere geplant im nächsten Jahr (Bayern, Hessen, Berlin, zwei in B.-W.) Sektorenübergreifende Modellvorhaben zeigen bereits Wirkung Quelle: Abrechnungsdaten Ersatzkassen 2014 (voll- und teilstationär) 25 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Von der Anstaltspflege hin zur Behandlung im Lebensumfeld der Patienten 26 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Evaluation: Auswertung der GKV-Routinedaten Im Wesentlichen werden die folgenden GKV-Kennzahlen bei der Evaluation berücksichtigt: voll- und teilstationäre Versorgung ambulante Versorgung durch das Krankenhaus ambulante Versorgung durch Fach- und Hausärzte Arzneimittelkosten Heilmittelkosten Der vdek hat einen Förderschwerpunkt Psychische Erkrankungen in die Beratungen zum Innovationsfonds eingebracht. 27 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Outcomeparameter des Evaluationskonzepts Versorgung im Modell nach 64b SGB V Versorgungsprozesse und -output Anzahl und Dauer stationärer Aufenthalte Sektorenübergreifende Kontinuität Kontaktabbrüche Leitlinienadhärenz Häufigkeit und Intensität ambulanter Leistungen Arzt-/Krankenhaus- Hopping Klinische Outcomes Wiederaufnahmeraten Psychische/somatische Komorbiditäten Mortalität Progression Nichtklinische Outcomes Arbeitsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit, Schulausfallzeit Ökonomische Outcomes Direkte stationärpsychiatrische Versorgungskosten Direkte psychiatrische Versorgungskosten Kosten hausärztlicher Bereich/ Arzneimittel Leistungstransparenz Quelle: Evaluationskonzept des ZEGV und der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (TU Dresden), der ISMG Universität Magdeburg und des WIG 28 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Fazit Ökonomisierung und Versorgungsqualität stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch; in der Realität leider doch! Ein Krankenhaus wird bestraft, wenn es weniger stationär behandelt. Wenn Patienten verstärkt ambulant oder im Lebensumfeld behandelt werden sollen, müssen hierfür die Voraussetzungen geschaffen werden. Sektorengrenzen müssen ab- und nicht aufgebaut werden. Krankenhausträger müssen legitimiert werden, integrierte Versorgungsformen auch allein anzuwenden. 30 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Fazit Leistungstransparenz ist die Grundlage für Qualitätssicherung. Qualitätssicherungsverfahren greifen erst in einigen Jahren. Beschwerdestellen sollten eingerichtet werden. Patientenfürsprecher gibt es lediglich in sechs Bundesländern. 31 Stefan Wöhrmann vdek, Berlin Vielen Dank für Ihr Interesse! Stefan Wöhrmann Abteilungsleiter Stationäre Versorgung Vdek, Askanischer Platz 1, Berlin Tel.: 030 / , Fax: 030 / ,
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks