KULTURELLE VIELFALT ALS WIRTSCHAFTLICHEN ERFOLGSFAKTOR LOKAL FÖRDERN

Please download to get full document.

View again

of 13
All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Categories
Published
KULTURELLE VIELFALT ALS WIRTSCHAFTLICHEN ERFOLGSFAKTOR LOKAL FÖRDERN Gemeinsame Veranstaltung vom 12. Dezember 2016 INHALT EINLEITUNG Dr. Birgit Beisheim MdL...3 MIGRANTISCHE ÖKONOMIE: CHANCEN FÜR DEN
KULTURELLE VIELFALT ALS WIRTSCHAFTLICHEN ERFOLGSFAKTOR LOKAL FÖRDERN Gemeinsame Veranstaltung vom 12. Dezember 2016 INHALT EINLEITUNG Dr. Birgit Beisheim MdL...3 MIGRANTISCHE ÖKONOMIE: CHANCEN FÜR DEN STANDORT NRW Impulsvortrag von Staatssekretär Dr. Horzetzky...4 MIGRANTENUNTERNEHMEN JOBMOTOR FÜR DEUTSCHLAND UND NRW Armando García Schmidt...7 DIE IHK PARTNER DER WIRTSCHAFT Michael Rüscher...9 DISKUSSION MIT PANEL UND PUBLIKUM FAZIT PRÄSENTATION Bertelsmann-STiftung PRÄSENTATION Michael Rüscher, IHK IMPRESSUM Herausgeber GRÜNE Fraktion im Landtag NRW Sigrid Beer MdL Parlamentarische Geschäftsführerin Platz des Landtags Düsseldorf Redaktion Anna von Spiczak KONTAKT Dr. Birgit Beisheim MdL Sprecherin für Industriepolitik und Diversity Management Telefon 0211 / Veröffentlicht im März EINLEITUNG Dr. Birgit Beisheim MdL Sprecherin für Industriepolitik und Diversity Management Menschen mit Migrationsgeschichte prägen seit vielen Jahren das Wirtschaftsleben in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert kamen viele Zuwander*innen zu uns, insbesondere in die Schwerpunktgebiete der Industrialisierung, wie dem Ruhrgebiet. Durch die zunehmende EU-Erweiterung in den letzten Jahren suchen aber auch immer mehr EU-Bürger*innen, Flüchtlinge und Asylbewerber*innen eine Heimat in Nordrhein-Westfalen. Damit geht einher, dass seit den 90er Jahren immer häufiger Unternehmen von Menschen mit Migrationshintergrund gegründet und erfolgreich geführt werden. Die Wirtschaftsbereiche in denen Unternehmer*innen mit ausländischen Wurzeln tätig sind, prägen längst nicht mehr allein die Klein- und Kleinstbetriebe, auch viele mittelständische Firmen und Großbetriebe gehören dazu. In Nordrhein-Westfalen besitzt etwa jede und jeder sechste Unternehmer*in ausländische Wurzeln. Durch das Hervorbringen neuer Angebote und durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, stellen Migrant*innen somit eine tragende Säule des Gründungsgeschehens in Nordrhein-Westfalen und in Deutschland dar. Der Landtag und die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen haben dieses Potential erkannt und setzen auf die Implementierung von notwendigen Instrumentarien, die das Gründungsgeschehen von Menschen mit Migrationshintergrund weiter voran bringen. Das Land kann somit wichtige Impulse anstoßen, bei der Umsetzung vor Ort sind allerdings alle Akteure der kommunalen Wirtschaftsförderung gefragt. Auch die rot-grüne Landesregierung setzt bereits Impulse zur Förderung dieser Zielgruppe. Wir freuen uns sehr, dass Dr. Horzetzky, Staatssekretär des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk, einen Impulsvortrag zu diesem Thema vorgetragen hat. In diesem beschreibt er das Potential des migrantischen Unternehmertums für den Standort in Nordrhein-Westfalen und auch, welche Herausforderungen damit verbunden sind. Doch nicht nur die Landespolitik, auch viele Akteure vor Ort, wie die Industrie- und Handelskammer oder auch lokale Wirtschaftsförderungen, sind sich der Bedeutung des Themas bewusst. Für die Bertelsmann Stiftung referiert Armando García Schmidt über die aktuellen, wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich des Wirtschaftspotentials dieser Zielgruppe. Armin Schauf berichtet über seine Arbeit im Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Münster, während Gülay Demirci die Gründungsprobleme von Unternehmer*innen mit Migrationshintergrund erklärt. Angel Alava-Pons von der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung der Stadt Duisburg informiert weitergehend über die Herausforderungen vor Ort, in Duisburg. Moderiert wurde die Veranstaltung von Uwe Stemmler. 3 MIGRANTISCHE ÖKONOMIE: CHANCEN FÜR DEN STANDORT NRW Impulsvortrag von Staatssekretär Dr. Horzetzky Längst schon gehören Migrantenunternehmen zu den Jobmotoren in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen. Auch die Studie der Bertelsmann-Stiftung, die Herr Garcia Schmidt später ausführlicher vorstellt, belegt, dass zwischen 2005 und 2014 die Zahl der Beschäftigten in migrantisch-geführten Unternehmen von auf rd. 1,3 Millionen und somit um 36 Prozent angewachsen ist. Davon entfallen allein rund Arbeitsplätze und etwa selbstständige Unternehmer auf Nordrhein-Westfalen. In Nordrhein-Westfalen sind somit derzeit knapp eine halbe Million Menschen in migrantisch geführten Unternehmen beschäftigt, Tendenz steigend. Diese Betriebe sind heute keineswegs mehr überwiegend im Bereich Gastronomie und Einzelhandel tätig, sondern zunehmend auch in produktionsnahen und wissensbasierten Dienstleistungen. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sich die Qualifikation migrantischer Gründerinnen und Gründer verbessert und mit ihr zusammen die Kenntnisse und Ressourcen auf Feldern wie Markt- und Produktanalyse, Marketing und Akquise, Finanzierung und Beratung. Migrantische Unternehmen sind mindestens aus vier Gründen besonders wichtig für den Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaftsgesellschaft. Zum einen verbessern Migrantinnen und Migranten mit ihrem Gang in die Selbständigkeit die Chancen für soziale Mobilität und strukturelle Integration, sowohl für sich, als auch für ihre Beschäftigten. Des Weiteren leisten Migrantenunternehmen einen wachsenden Beitrag für Beschäftigung, Fachkräfteentwicklung und die Exportstärke der Unternehmen. Kulturelle und unternehmerische Diversität ist in unserer zunehmend heterogenen Gesellschaft eine Quelle für nachhaltiges und zukunftsfähiges Wachstum. Drittens tragen Migrantenunternehmen überdurchschnittlich zur Beschäftigung und Ausbildung sozial benachteiligter Gruppen bei: Sie beschäftigen oftmals viele Migranten und neuerdings auch Flüchtlinge und liefern damit Beispiele für inklusives Wachstum. Schließlich tragen sie durch ihre länderübergreifende Geschäftsbeziehungen und Kontaktnetze maßgeblich zur Internationalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen bei. All diese Vorzüge beleben unseren Mittelstand und fördern die kreative Vielfalt an Ideen, Produkten und Dienstleistungen und führen dazu, dass neue individuelle und flexible Arbeitsstile und Methoden aufkommen. Nicht zuletzt, ist die Anzahl der Gründungen durch Migranten enorm gestiegen. In 2015 wurden allein in Nordrhein-Westfalen 46,5 Prozent der Gründungen durch Migranten vorgenommen. Diese Zahl macht die Dimension des wirtschaftlichen Potentials dieser Zielgruppe besonders deutlich. Bei genauerer Betrachtung der Situation in NRW wird aber ebenso klar, dass es große Potentiale zur Verbesserung gibt, besonders 4 im Vergleich zu den süddeutschen Bundesländern. In Ländern wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen ist die Gründungsdynamik von Unternehmer*innen mit Migrationshintergrund deutlich höher als bei uns in Nordrhein-Westfalen. Während in NRW von 2005 bis 2016 rd zusätzliche Arbeitsplätze entstanden, kamen in der gleichen Zeit in Hessen , in Bayern und in Baden-Württemberg hinzu. Hinsichtlich der Qualifikation der Selbständigen mit Migrationshintergrund liegt NRW mit rd. neun Prozent etwas hinter dem Bundesdurchschnitt. Schwerwiegender jedoch ist, dass NRW mit zwölf Prozent den geringsten Anteil an Hochqualifizierten ausweist, beispielsweise gegenüber 25 Prozent in den ostdeutschen Bundesländern. Zwischen der Anzahl an Hochqualifizierten und der Anzahl an Selbständigen besteht ein enger Zusammenhang, somit ist das Potential in NRW an Unternehmensgründungen durch Migranten noch nicht ausgeschöpft. Dabei erhält diese Thema durch die aktuelle Zuwanderung von Geflüchteten, eine weitere besondere Bedeutung. Eine aktuelle Befragung von mehr als Flüchtlingen ergab, dass vor ihrer Flucht immerhin 27 Prozent von ihnen selbständig tätig waren. Dieses Potential müssen wir unbedingt nutzen, im Sinne der Flüchtlinge, unserer Gesellschaft und auch im Sinne unseres Mittelstands. Ein Grund dafür ist, dass vielerorts spezifische Hürden für diese Zielgruppe immer noch existent sind. Oftmals mangelt es an individuellen Beratungsangeboten, die essentiell sind zum Geleit in die Selbstständigkeit. Auch stoßen vielen Gründungswillige in der Praxis immer wieder auf Umsetzungsprobleme. Berufsständische Regelungen stehen Gründungen oftmals im Wege, vielfach sind die Beratungsangebote nicht bekannt, oft erfolgen Gründungen aus der Not heraus oder weil Arbeitnehmer*innen keine Freizügigkeit gewährt wird. Das Potenzial von Migranten bei der Übergabe von Betrieben wird bislang eher selten erkannt: Dabei müssen die Übernehmer geringere Anforderungen erfüllen als bei einer eigenständigen Neugründung. Bisher übergeben Migranten ihre Unternehmen in aller Regel wieder an Migranten und Eingesessene an Eingesessene. Außerdem haben offensichtlich viele Beratungs- und Fördereinrichtungen noch einen weiten Weg der interkulturellen Öffnung vor sich. Viele Migranten Probleme mit Beamtendeutsch, Formalismus und auch mit der Schriftsprache haben. Angesprochen werden muss auch das Thema Finanzierung. Die Landesregierung hat im Februar die Mikrodarlehen der NRW.BANK für anerkannte Flüchtlinge geöffnet. Insgesamt betrachtet hält sich die Aussage aber hartnäckig, die Kreditinstitute und Förderbanken seien bei der Vergabe an Migranten besonders kritisch. Das führt in der Praxis oftmals dazu, dass Unternehmer*innen oftmals ihre Familienangehörigen beleihen, mit der Folge eines erhöhten Risikos bei einem Scheitern der Geschäftsidee. Wichtig erscheint auch die Erkenntnis, dass Migranten stärker beziehungsorientiert agieren und daher einen persönlichen Ansprechpartner suchen, dem sie vertrauen können. Möglichweise ist dies ein Grund dafür, warum die Beratungsangebote der Kammern und Verbände oftmals gar nicht oder auch regional sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Unternehmen mit Migrationshintergrund nutzen ihre ethnischen Ressourcen oft in mehrfacher Weise. Zum einen sind gerade die Dienstleistungsprodukte vom kulturellen Umfeld der Unternehmer beeinflusst. Zweitens haben die Mitarbeiter oftmals den gleichen Migrationshintergrund, wie der Unternehmer selbst und dies trifft auch drittens, häufig auf den Kundenstamm zu. Eine Vernetzung der Unternehmer mit und ohne Migrationshintergrund, muss in mancher Hinsicht neue Wege finden. Um diese zu erörtern, hatte das Wirtschaftsministerium am Vertreter von Migrantenunternehmen zu Gast. Gemeinsam mit ihnen und den Vertretern der Beratungs- und Förderinstitutionen hat die Landesregierung sich in einen moderierten Dialog darüber ausgetauscht, welche besonderen Beratungs- und Fördermaßnahmen für Migrantenunternehmen und Geflüchtete sinnvoll erscheinen. Schließlich gibt es bereits ganz unterschiedliche Verfahren auf Bundes- und Landesebene. Etwa das Berliner Vorbild, 5 das einen regelmäßigen Austausch mit den migrantischen Unternehmerverbänden anstrebt, die Schaffung einer eigenständigen Landesgemeinschaft, etwa nach Vorbild der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Migranten (ASM) oder die Entwicklung einer Landesstrategie wie in Baden-Württemberg mit einer Öffentlichkeitskampagne, regelmäßigen Treffen und Publikationen. Wir müssen erfahren wie die erheblichen Potentiale der migrantischen Ökonomie noch effektiver und nachhaltiger für Nordrhein-Westfalens Wirtschaft und Gesellschaft nutzen können. Schließlich ist eine kulturell sensible Gründungskultur auch Teil der Willkommenskultur, denn bekanntlich leistet Arbeit einen effektiven Beitrag zur Integration. Wenn uns dies gelingt, wird unsere Wirtschaft kreativer, innovativer, flexibler und widerstandsfähiger werden als die, die wir kennen. 6 MIGRANTENUNTERNEHMEN JOBMOTOR FÜR DEUTSCHLAND UND NRW Armando García Schmidt Wie kann inklusives Wachstum in Deutschland aussehen? Wie können wir unsere Wirtschaft stärken, den Wettbewerb fördern und gleichzeitig gesellschaftliche Ungleichheitsdynamiken minimieren und Teilhabechancen für Menschen mit Migrationshintergrund erhöhen? Mit diesen Fragen hat sich die Bertelsmann Stiftung vor einiger Zeit beschäftigt und ist bei dem Versuch sie zu beantworten, auf das Thema der Migrantischen Ökonomie mit seinen großen Potentialen aufmerksam geworden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung, stellt Armando García Schmidt in seiner Keynote vor. Ein Aspekt der hinsichtlich dieser Thematik besondere Betrachtung erfährt, ist die der starken Gründungsneigung migrantischer Unternehmer. Die Bertelsmann Stiftung kommt hier zu dem Schluss, dass die durch Migrant*innen geführten Unternehmen für unsere Volkswirtschaft ein guter Ansatz sind, um der zurückgehenden Anzahl an Gründungen und der niedrigen Selbstständigkeitsquote zu begegnen. Tatsächlich belegen die Zahlen, das die Gründungsimpulse von Menschen mit Migrationsgeschichte in den letzten Jahren zugenommen haben, während die der Einheimischen im Vergleich zurückgefallen sind. So haben sich die Gründungen von 2003 bis 2015 bei den Einheimischen halbiert, während sie bei den Menschen mit Migrationshintergrund deutlich gestiegen sind. Somit ist die Hälfte auf Unternehmer*innen mit Migrationshintergrund zurück zu führen. Die Realität zeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund den Weg zum eigenen Unternehmen oftmals auch deswegen auf sich nehmen, weil sie auf dem freien Arbeitsmarkt immer noch mehr Diskriminierungen ausgesetzt sind und der Weg in die Selbstständigkeit somit oftmals die einzige Alternative darstellt. Der Schritt in die Selbstständigkeit erhöht außerdem die Chance auf Steigerung des Einkommens und fördert somit die soziale Teilhabe an der Gesellschaft. Neben der Absicherung der eigenen Existenz, ist die Schaffung der Arbeitsplätze ein weiterer positiver Faktor. Die Beschäftigungseffekte sind deutlich. Die Bertelsmann Stiftung kommt zu dem Ergebnis das die Anzahl der Beschäftigten durch Menschen mit Migrationshintergrund in den letzten Jahren um etwa 36% gestiegen ist. Deutschlandweit gesehen wurden in Nordrhein-Westfalen bisher die meisten Jobs durch Unternehmer mit Migrationshintergrund geschaffen, insgesamt etwa Dieses hohe Niveau stagniert allerdings derzeit, da die anderen Bundesländer eine höhere Zunahme an Gründungen verzeichnen. Für diesen Effekt gibt es noch keine statistisch belastbaren Wirkungszusammenhänge. Es wird aber angenommen, dass dies mit der besseren Entwicklung der Bildungsqualitäten in den anderen Bundesländern zusammen hängt, so Schmidt. Außerdem werden in anderen Bundesländern größere Anstrengungen unternommen, um zielgrup- 7 8 penspezifische Beratungsinstrumente zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus fordern Vertreter*innen der Migrantischen Ökonomie in NRW die Absenkung von Schwellenängsten und die Überwindung sprachlicher Probleme beim Beratungsangebot, sowie eine weitergehende Beratung der Unternehmer über die ersten Wachstumsschritte und die Gründung hinaus. Hinsichtlich der Unternehmervertretungen und der Kammern werden transparente Strukturen und eine nähere Orientierung an den Bedarfen der Zielgruppen eingefordert, was auch eine bessere Repräsentanz in den Vertretungsgremien einschließt. DIE IHK PARTNER DER WIRTSCHAFT Michael Rüscher Der Geschäftsführer der Niederrheinischen IHK greift die von Herrn Schmidt genannten Punkte des Umgangs mit den Kammern auf und macht deutlich, dass die IHK bereits sehr bemüht ist, die Schwellenangst der Unternehmer*innen mit Migrationshintergrund zu nehmen. So ist beispielsweise das Thema der Anerkennung der im Ausland erworbenen Abschlüsse eines, mit dem sich die Industrie- und Handelskammern beschäftigt. Unter dem Titelprojekt FORSA werden Beratungen im Jahr durchgeführt, die darauf abzielen, die Verfahren der Anerkennung zu vereinfachen und Zugewanderten einen schnellen Zugang zum Unternehmer- und Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Zudem beschäftigt sich eine Abteilung der IHK gezielt mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund, um ihnen mit einer auf sie ausgerichteten Ausbildungsberatung eine Perspektive zu schaffen. Die Gründung eines Unternehmens ist zunächst ein wichtiger Schritt, bei dem es Hemmungen von Unternehmern mit Migrationshintergrund abzubauen gibt. Bei der Gründungsberatung in den Startercentern, ist aber auch die Führung und die Beratung hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit immer wieder ein großes Thema, ebenso wie die Beratung hinsichtlich einer Nachfolgesuche. 9 DISKUSSION MIT PANEL UND PUBLIKUM Gülay Demirci: Auch heute ist der größte Unterschied zwischen Migrantenunternehmer*innen und Unternehmer*innen ohne Einwanderungsgeschichte dieser, dass die beruflichen Perspektiven, auch mit einer guten Ausbildung, für Menschen mit Migrationshintergrund immer noch schwieriger sind. Sie erzählt von sich selbst, wie sie nach ihrem BWL-Studium keine Anstellung gefunden und sich aus der Not heraus selbstständig gemacht hat. Auch heute, so erzählt sie, wird sie als Finanzdienstleisterin hauptsächlich von Migrantenunternehmen engagiert. Sie fühlt sich in diese Richtung gezwungen, denn viele Nicht-Migrantenunternehmen erkennen ihr Institut nicht an oder nehmen sie nicht wahr. Die Potentiale sind somit da, sie werden allerdings nicht voll ausgeschöpft, da bestehende Migrantenunternehmen nach wie vor diskriminiert werden. Armin Schauf: Berichtet von seiner Arbeit im Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Lippe. Dieses verfolgt das Ziel, die Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund zu fördern. Unternehmer*innen mit Migrationshintergrund sind oft ein gutes Beispiel um positive Geschichten zu erzählen und Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Schwerpunkt der Beratung in Lippe liegt auf russlanddeutschen und türkeistämmigen Unternehmer*innen. Er bestätigt, viele gründen aus der Not heraus, weil sie keine Anstellung finden. Viele gründen aber auch aus Leidenschaft zur Selbstverwirklichung. Migrantenunternehmer werden gesellschaftlich aber weniger angenommen, als die Unternehmen von Nicht-Migranten. Er berichtet von einem Geflüchteten, der in seinem Heimatland selbstständig gewesen ist und in Deutschland 15 Jahre gebraucht hat, weil er keine Förderung erhalten und es ihm niemand zugetraut hat. Die Barrieren sind nach wie vor unheimlich hoch und diese verhärteten Vorurteile müssen aufgelöst werden. Angel Alava-Pons: Schätzt das Prozent der Gründer*innen in Duisburg Migrationshintergrund haben. Die Erfahrungen mit dieser Gruppe sind recht unterschiedlich: Es gibt hoch akademisierte Gründer*innen aber auch jene, mit Sprachschwierigkeiten und Ideen, die zunächst nicht verstanden werden. Oft geht es um neue, innovative Ideen, die in der Praxis häufig auf anfängliche Ablehnung treffen. Beratungsinstitutionen müssen andere Wege gehen und offener auf Innovationen reagieren. Dr. Birgit Beisheim: Die Frage bleibt, was Politik tun kann? In NRW haben die Fraktionen von SPD und GRÜNE einen Antrag auf den Weg gebracht, der sich mit dieser Thematik beschäftigt und konkrete Verbesserungsvorschläge benennt. Dabei geht es nicht um Erwartungen und Forderungen, sondern auch darum, die heute bereits positiven Beiträge von Menschen mit Migrationshintergrund im Wirtschaftsbereich wertzuschätzen. Ein Problem ist das Zusammenführen von unterschiedlichen Interessenvertreter*innen. Bbesonders spezielle Angebote für Migrantenunternehmer*innen müssen geschaffen werden, um die verborgenen Potentiale dieser Jobmotoren für den Gründungsbereich zu zeigen. Die Politik muss hier konkret werden: Was können wir vor Ort tun um diese Erkenntnisse einfließen zu lassen und Angebote konkret auszurichten? Welche Lösung brauchen wir z.b. für Duisburg? Ein Universalrezept zu erstellen scheint schwierig bis unmöglich. 10 Angel Alava-Pons: Weist darauf hin, dass es früher viele Veranstaltungen und Fördermittel für die Förderung von Migrantenunternehmer*innen gegeben hat, etwa in den 90er Jahren. Die Bemühungen die damals unternommen wurden sind bis heute im Ergebnis, also in der Anzahl der Neugründungen durch Migranten, sichtbar. Armando García Schmidt: Greift auf, dass dies auch die Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt. Es hat Institutionen und Prozesse gegeben, aber in NRW wurden diese deutlich zurück gefahren. Dieser Weg muss wieder aufgenommen und fortgesetzt werden. Was kann auf kommunaler Ebene passieren? In Hamburg sind Migrante
Similar documents
View more...
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks