LAUTSTARK Das Sprachrohr von und für Menschen mit Behinderung

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Heft: Nr. 3 Ausgabe LAUTSTARK Das Sprachrohr von und für Menschen mit Behinderung THEMA: Bundesteilhabegesetz Kfz-Hilfe: Es gibt neue Urteile! Ein Tatsachenbericht: Eine unglaubliche Geschichte
Heft: Nr. 3 Ausgabe LAUTSTARK Das Sprachrohr von und für Menschen mit Behinderung THEMA: Bundesteilhabegesetz Kfz-Hilfe: Es gibt neue Urteile! Ein Tatsachenbericht: Eine unglaubliche Geschichte aus der Psychiatrie! Erlebnisse + Berichte + Erzählungen + Geschichten + Erfahrungen... Editorial Wir wehren uns! Eigentlich war es ganz anders geplant. Ich hatte mir fest vorgenommen dieses Jahr zwei Ausgaben von LAUTSTARK zu veröffentlichen. Denkste! Da tauchte plötzlich ein Entwurf zum geplanten Bundesteilhabegesetz (BTHG) auf. Schnell wurde klar, dass dieser Entwurf eine absolute Frechheit ist und nicht das erfüllt, wie es in der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) beschlossen wurde. Nachdem wir von diesem Entwurf erfuhren, wussten wir, wir müssen auf die Straße gehen und uns lautstark wehren. Wir haben viel erreicht, aber es ist noch nicht genug und wir machen weiter. Das war und ist immer noch sehr zeit- und kraftaufwendig. Trotz allem haben wir eine neue LAUTSTARK hinbekommen und wünschen Euch viel Spaß beim Lesen! Hier eine kurze Erklärung warum es die UN-BRK gibt: Menschen mit Behinderungen wollen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben: Das bedeutet, wohnen wo alle Menschen wohnen, dort arbeiten wo alle arbeiten, mobil sein wie alle Menschen, sich mit anderen austauschen können, gleichen Zugang zu Informationen wie alle anderen haben, etc.. Aufgrund Barrieren aller Art ist für Menschen mit Behinderung die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft im Moment nicht ausreichend möglich. Darum entstand das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen, nämlich die UN-BRK. Sie ist eine Ergänzung der Men- schenrechtskonvention von 1948 und seit 2009 in Deutschland rechtsgültig. Die BRK beschreibt, was Menschen mit Behinderung brauchen, um gleichberechtigt und mit Würde ihr Leben gestalten zu können. Zuletzt leider noch eine sehr traurige Nachricht. Ulf Knickmeier ist am 11. Oktober völlig überraschend von uns gegangen. Ulf war ein sehr wichtiger Aktivist und Kämpfer in der Behindertenbewegung. Er plante und organisierte Aktionen. Er war für uns ein liebenswerter Mensch und ein großer Motivationskünstler. Ulf, ich/wir vermissen Dich! In seinem Sinne sage ich: Es lebe die Krüppelbewegung!. ERWIN B LAUTSTARK #2 Ausgabe Inhaltsverzeichnis LAUTSTARK LAUTSTARK Editorial 01 Inhaltsverzeichnis 02 Das Team 41 Impressum 42 Reisebericht Mit dem E-Bock halbrund 03 um den Bodensee Mobilität Die Bayerische Oberland- 05 bahn Kultur & Freizeit Hochemotional und wichtig 07 Rezension zum Film 24 Wochen Titelthema: Bundesteilhabegesetz Die 10 gravierendsten Mängel 10 am BTHG Wir beißen die Ketten durch 12 Informationspicknick am 14 Bayerischen Landtag 10 Jahre UN-BRK Ernst bis zynisch Kinderüberraschung 19 Was ist eigentlich das 23 Persönliche Budget? Kfz-Hilfe Bezirk Oberbayern verliert 29 Revisionsverfahren KFZ-Förderung rechtlich weiter 31 etabliert Rolli-Prosa Für einen Kerl mit Gummi 34 Was ist...? Leichte Sprache 35 Lebensgeschichten Ein ganz besonderes Leben 37 Nicht mal in der Psychiatrie 39 wird man ernst genommen LAUTSTARK #3 Ausgabe Reisebericht Mit dem E-Bock halbrund um den Bodensee von Marion Jurgovsky Ich habe meine Idee, den Bodensee mit dem Rolli zu umfahren, zur Hälfte realisiert. Anders als ich das ursprünglich wollte, bin ich ohne Reiseassistenz alleine losgerollt, da war mir schon etwas mulmig. Letztlich kam ein wunderbares Chaos dabei heraus. Entgegen meiner bisherigen Geschichten hat die Zugfahrt wunderbar geklappt. Ich startete am Montag in Ludwigshafen. Dort hatte ich mir ein Zimmer gebucht, glaubte ich. Gebucht hatte ich tatsächlich in Ludwigshafen Stein am Rhein, und gefahren bin ich nach Bodman- Ludwigshafen. Über die Touristinfo fand sich noch eine freie Blockhütte auf dem Campingplatz. Ich hatte schöne Begegnungen und eine schöne Zeit Am nächsten Tag ging es weiter, ich kam bis Meersburg. Diesen Ort hatte ich gar nicht als Stopp eingeplant, aber der Rolli war leer. Wieder ging ich zur Touristinfo, und diesmal fand sich ein Hotel. Wieder hatte ich schöne Begegnungen, denn an diesem Abend war es da richtig voll, alle Tische belegt. Es ergab sich eine nette Unterhaltung mit der Gruppe am Tisch. Weiter ging es nach Friedrichshafen, da kam ich schon um die Mittagszeit an. Die Juhe, in der ich ein Zimmer gebucht hatte, hatte ich storniert. Es war noch Zeit und Sprit (Batterie) da, also ging es weiter nach Langenargen. Da war die Batterie nicht mehr ganz vertrauenserweckend. Auch dieser Ort war nicht als Zwischenstopp geplant. Die Touristinfo fand hier auch nichts, außer dem Zimmer in der Juhe Friedrichshafen, das noch frei war. Ich nahm ein Schiff zurück und kam dort gut unter. Als erstes habe ich den Rollstuhl aufgeladen. Dann gab es auch hier Begegnungen. Am nächsten Morgen stellte ich fest, dass der Rollstuhl nicht geladen hatte. Ich fürchtete, dass etwas kaputt war. Die Dame an der Rezeption versuchte, einen Reparaturdienst für Rollstühle zu aktivieren, das gelang nicht. Letztlich erklärte sich ein Autohaus bereit, mal drauf zu schauen. Wir schlossen den Rolli an, er hat geladen. Was auch immer in der Juhe schief ging, es wird ein Rätsel bleiben. Ich saß ein paar Stunden in diesem Autohaus, um aufzuladen, dann ging es weiter nach Lindau. Das war kritisch. Ich kam viel später los als sonst, und ich hatte weniger Energie zur Verfügung. Aber in Lindau wollte ich unbedingt ein bestimmtes Hotel erreichen. Ich war zwar schon ein paar mal in Lindau, aber dass das so groß ist, wusste ich nicht. Und richtig steile Wege waren da und mein Akku im kritischen Bereich, Da hatte ich echt Schiss. Ich erreichte das Hotel, doch letztlich war da kein Zimmer in meiner Preisklasse mehr frei. Ich kam im Hotel schräg gegenüber unter, und konnte meinen Rolli erfolgreich aufladen. Am nächsten Tag bin LAUTSTARK #3 Ausgabe Reisebericht ich dann nach Bregenz gefahren, von dort mit dem Schiff zurück nach Lindau und letztlich mit dem Zug wieder nach München. Die Wege Eigentlich wollte ich einfach immer am See entlang rollen. Das war nicht möglich, da waren oft Privatgrundstücke oder Freibäder. An manchen Wegabschnitten konnte ich den See gar nicht sehen. Dafür waren da dann oft Felder, Wiesen und Gärten mit einer Blütenpracht, unbeschreiblich schön. Ich rollte über Fuß- und Fahrradwege, über Schotterwege mit beachtlichen Schlaglöchern und Baumwurzeln und manchmal war da einfach nur die Landstraße. Es war mir nicht immer geheuer, und manchmal brauchte ich meine volle Konzentration, um zwischen Baumwurzel und Schlagloch durch zu kommen. Und es war wunderschön. Übernachtungen All die Unterkünfte, die sich letztlich gefunden haben, waren nicht barrierefrei. Vom Preis her durchaus moderat. LAUTSTARK #3 Ausgabe Mobilität Die Bayerische Oberlandbahn von Werner Müller Ab dem Münchner Hauptbahnhof bzw. dem Starnberger Flügelbahnhof (Gleis 33/34) fährt schon seit einigen Jahren auf den Strecken Bayrischzell, Tegernsee und Lenggries die behindertenfreundliche Bayerische Oberlandbahn (BOB). Da in Holzkirchen (Richtung Bayrischzell) sowie in Schaftlach (Richtung Tegernsee) das entsprechende Zuggespann abgekoppelt wird, empfiehlt es sich, die automatischen Anzeigen über den Einstiegstüren zu beachten. Rollstuhl-BenutzerInnen sollten auch auf den etwas breiten Abstand zwischen Bahnsteig und Zug achten. Zu deren Überbrückung kann eine mobile Rampe genutzt werden, die sich im sog. Mehrzweckraum befindet. Einer BOB-Broschüre zufolge können sich Alleinreisende, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, an einen Fahrgastbetreuer wenden. Von den 20 Haltepunkten (ab Holzkirchen) gibt Trotz-Rolli-mobil es nur einen Bahnhof (Tegernsee), wo es noch einen Niveau-Unterschied von 56 cm gibt. Wer dort aussteigen will, sollte dies dem Begleitpersonal wissen lassen, damit eine mobile Rampe bereit gestellt werden kann. Hinsichtlich des Inneren dieser Züge gibt es folgendes zu beachten: Da sich in manchen Bereichen einige Stufen befinden, sind die Züge mit dem Rollstuhl nicht durchgehend befahrbar. Rollstuhl- BenutzerInnen sollten am besten den eigens dafür gekennzeichneten Einstieg nahe dem 1. Klasseabteil benutzen. Dort befindet sich nicht nur eine größere Stellfläche, sondern auch ein benutzbares WC. Trotz-Rolli-mobil Bezüglich der Beförderungsregelung von behinderten Fahrgästen gilt folgendes: Wer einen Behindertenausweis mit einer gültigen Wertmarke hat, kann die BOB unentgeltlich benützen dies gilt auch für eine Begleitperson, wenn in diesem Ausweis das Merkzeichen B eingetragen ist. Als weitere Informationen sei die BOB-Broschüre sowie Minifahrpläne empfohlen. Erhältlich ist dies in den Kundencentern Holzkirchen und Miesbach sowie bei den BOB- Verkaufsstellen. Lust bekommen auf eine BOB-Fahrt in die voralpenländische Gegend von Bayrischzell, Tegernsee oder Lenggries? LAUTSTARK #3 Ausgabe Mobilität Übrigens: Von der Bayerischen Oberlandbahn wird nun auch der behindertenfreundliche Meridian betrieben. Diese Züge verkehren ab München über Rosenheim nach Salzburg und Kufstein. Weitere Infos hierzu unter Anmerkung der Redaktion: Die Webseite informiert Interessierte über barrierefreie Ausflugsund Reisemöglichkeiten LAUTSTARK #3 Ausgabe Kultur & Freizeit Hochemotional und wichtig Eine Rezension zum Film 24 Wochen von Sven Weidner Die Regisseurin Anne Zohra Berrached verhandelt in ihrem zweiten Spielfilm 24 Wochen ein relevanten wie kontroverses Thema, nämlich die Frage der Abtreibung bei behinderten Kindern So eine Entscheidung kann man nur treffen, wenn man es muss, ist der Satz den die Hebamme ihrer Patientin Astrid (Julia Jentsch) entgegnet, als diese sie fragt, wie sie in ihrer Situation handeln würde. In all seiner schmerzenden und doch zutreffenden Einfachheit bringt dieser Satz auf den Punkt, worauf es für die Betroffenen hinausläuft: die schlussendliche Entscheidung wird immer in der Situation getroffen und sie wird immer ein Stück weit falsch und richtig zugleich sein, wie die Protagonistin selbst bekennt. Astrid wunderbar verkörpert von Julia Jentsch, die sich ihre filmischen Meriten in Hans Weingartners Die Fetten Jahre sind vorbei (2004) oder Marc Rothemunds Sophie Scholl (2005) geholt hat - und Markus (Bjarne Mädel bekannt aus der Serie Der Tatortreiniger) erwarten ein Baby mitdown-syndrom. Nach etlichen Zweifeln, Abwägungen, und der direkten Konfrontation mit Menschen mit Down-Syndrom entscheiden sie sich, das Kind zu behalten. Das Blatt wendet sich, als ihnen mitgeteilt wird, dass das Kind überdies einen gravierenden Herzfehler haben werde, und über den körperlichen Zustand und die Möglichkeit zu einer effektiven Operation nur schwer eine valide Prognose abgegeben werden könne. Sie November 1975 bin ich im oberfränkischen Lichtenfels zur Welt gekommen, wo ich meine Kindheit bis zum 11. Lebensjahr verbracht habe. Nach einem Aufenthalt in Altdorf b. Nürnberg bin ich 1991 in die bayrische Landeshauptstadt gezogen; mittlerweile ist München für mich ein Stück Heimat geworden. Hier kann ich im Rahmen des Assistenzmodells ein völlig autonomes Leben führen - auch weil die Stadt bislang viel Unterstützung gezeigt hat. Meine Erfahrungen in anderen Städten zeigen in dieser Hinsicht ein anderes, in Teilen wenig erfreuliches Bild bin ich zum Studium der Audiovisuellen Medien an der Universität der Künste nach Berlin umgezogen, wobei es mich 2007 wieder nach München verschlug. Nach einem halbjährigen Auslandsstudium in Australien und meinem erfolgreichen Studienabschluss habe ich eine Promotion in Film- Medienwissenschaften begonnen. Eine Tätigkeit in Lehre und Wissenschaft finde ich reizvoll. Sporadisch schreibe ich für Magazine Rezensionen zu Film, Literatur, Fernsehen und Kunst. LAUTSTARK #3 Ausgabe Kultur & Freizeit entscheiden sich zu einer Spätabtreibung. Der Film entrollt die Geschichte in präzisen, langsamen wie intensiven Bildern, bei denen die Kamera vielfach sehr nah an den Figuren verharrt, und die extremen Gefühlsausbrüche genauso bebildert werden wie das resignative Nachdenken oder die vorübergehende Ausweglosigkeit der Figuren. Und die Kamera nimmt sich keineswegs zurück, wenn etwa der dann doch brachiale Abtreibungsvorgang detailliert mit all den überwältigenden Gefühlsregungen seinen Lauf nimmt. Die Farben werden matter, entsättigter, während gleichsam der Handlungs- wie Denkspielraum enger wird, da eine Entscheidung notwendig wie unausweichlich ist. Trotz der thematischen Tragik, der vielfachen interpersonellen Zerreißproben, und der Schwierigkeit einem komplexen Thema wenigstens in kleinen Ansätzen gerecht zu werden,rutscht der Film an keiner Stelle in ein sentimentales Pathos ab. Vor allem geht es um Authentizität, um die Abbildung einer sensiblen Fragestellung und all die damit ausgelösten Lawinen an Verletzung, Unsicherheit, Unkenntnis, Vorurteilen, aber auch Chance und um die Aufgabe alter Klischees. Die Tatsache, dass etwa die Hebamme, die behandelten Ärzte, die Sozialarbeiter, aber ebenso Kabarettkollegen von Astrid von echten Medizinern und Kabarettisten gespielt worden sind, unterstreicht die Idee hier eine möglichst realitätsgetreue Darstellung zu garantieren. Das Kino gibt hier seine Rolle als große Illusionsmaschine und Unterhaltungsgenerator auf und liefert eine kleinteilige Quasidokumentation, weshalb man dem Film die ein oder andere dramaturgische Schwäche nachsehen mag. Die Regisseurin Anne Zohra Berrached gibt mit diesem Film unbestritten einen psychologisch aufgeladenen und gleichwohl nachdenklichen Anstoß, nämlich ein Thema in den Fokus zu rücken, das in einer vom Medienkonsum umnebelten Gesellschaft gerne weggeschoben,und in erster Linie ausschließlich den Betroffenen überlassen wird. Mit viel Verve und Genauigkeit werden die Auswirkungen besprochen, die vor, während und nach der Entscheidung das Leben von Astrid und Markus kräftig auf eine Probe stellen und verändern wird. Der Blick ist also vornehmlich auf das Paar gerichtet. Dabei verschenkt man jedoch die Möglichkeit, nein die dringende Notwendigkeit, das Thema in einen größeren Diskurs, in eine breite Diskussion zu verankern. Wie etwa steht eine Gesellschaft, in der der Gedanke von Effizienz, Leistungsbereitschaft, Leistungsdruck, von ökonomischem Funktionieren, generell zu Menschen mit einer Behinderung? Was bedeutet es längerfristig für die Akzeptanz und den Umgang mit Behinderung, wenn in einer Gesellschaft mehr und mehr die Tendenz besteht, Behinderungen von vornherein zu verhindern? Denn durchaus kann man davon ausgehen, dass sich die Vorstellungen über Behinderungen erst durch die Präsenz verschiedener Behinderungsformen in vielen gesellschaftlichen Bereichen und nicht zuletzt auch in den Medien positiv verwandelt hat. Und sollte eine Gesellschaft summa summarum nicht ein LAUTSTARK #3 Ausgabe Kultur & Freizeit Mindestmaß an Heterogenität, die freilich auch eine Vielfalt nach sich zieht, verkraften wollen? Es geht keineswegs um Parteinahme, oder um die Entscheidung für das ein oder andere, und auch ein Film sollte weit davon entfernt sein allzu pädagogisch oder moralisierend zu sein. Es geht vornehmlich zunächst um die Thematisierung dieser Fragen. Denn eine solche Thematisierung ist auch eine Haltung. All die anzitierten Aspekte um Gesellschaft und Behinderung werden im Film leider nur verhalten und eher marginal angesprochen, obwohl sie für den Themenkomplex von hoher Relevanz sind. Insbesondere die Thematisierung des Umstands, dass ein Kind mit einer Behinderung zusehends als Kostenfaktor gesehen wird, in einer Gesellschaft, die die sozialen Errungenschaften immer wieder auf die Probe und in Frage stellt, hätte von Interesse sein können. Eine Empfehlung bleibt der Film aber trotzdem. LAUTSTARK #3 Ausgabe Bundesteilhabegesetz Die 10 gravierendsten Mängel am BTHG von #NichtMeinGesetz #NichtMeinGesetz bedeutet nicht, dass wir kein Bundesteilhabegesetz wollen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ein gutes Teilhabegesetz ist überfällig! Menschen, die mit Assistenz leben oder in anderer Form Unterstützung brauchen, müssen endlich so leben können wie alle anderen Menschen auch. Das vom Bundestag und mit Zustimmung vom Bundesrat verabschiedete Gesetz wird in den meisten Bereichen aber Verschlechterungen statt Verbesserungen bringen. Hier die 10 gravierendsten Mängel: 1. Die Mogelpackung schlechthin Sind behinderte Menschen auf Persönliche Assistenz angewiesen, erhalten sie zumeist Eingliederungshilfe und Hilfe zur Pflege. Doch nur die Eingliederungshilfe wird aus dem Sozialhilferecht herausgelöst, die Hilfe zur Pflege bleibt Sozialhilfe. Das bedeutet, dass eventuelle Verbesserungen in der Eingliederungshilfe diesen Betroffenen rein gar nichts bringen! ( 91 III SGB IX) 2. Selbstbestimmt leben? Nur wenn es nicht unangemessen teuer ist. Bisher galt der Grundsatz: ambulant vor stationär. Also es ist besser man wohnt in einer eigenen Wohnung, als in einem Heim. Dieser Vorrang entfällt, sodass das Wohnen in den eigenen vier Wänden künftig oft nur dann erlaubt werden wird, wenn es günstiger ist oder ein Leben im Heim unzumutbar ist. ( 104 II SGB IX) 3. Individuelles Leben Fehlanzeige Nach dem Entwurf können viele Hilfen zwangsweise für mehrere Betroffene gleichzeitig erbracht werden das sogenannte Poolen von Leistungen. Individuelle Aktivitäten, wie sich mit Freunden treffen oder Kinobesuche, sind dann unmöglich. Es droht ein zwangsweises Leben in WGs und Heimstrukturen. (z.b. 116 II und 112 IV SGB IX). 4. Behinderte dürfen nicht sparen Um die lebensnotwendigen Hilfen zu erhalten, dürfen behinderte Menschen kaum Geld sparen. Von ihrem Einkommen wird ihnen neben den normalen Steuern und Sozialabgaben 24% des über dem Freibetrag liegenden Einkommens abgezogen und Vermögen, also auch Bausparverträge oder Lebensversicherungen, dürfen sie nicht in einem Wert von mehr als zunächst , später besitzen ( 137 II und 140 SGB IX, 60a SGB XII). Bei Hilfe zur Pflege und auch bei der Blindenhilfe verbleibt es im Grundsatz bei Willst du mit einem behinderten Menschen zusammenleben? Gib dein Geld her! Wer mit einem behinderten Menschen in einer Partnerschaft lebt, muss sobald man zusammen wohnt so lange alle Hilfen für den Partner zahlen, bis das Paar zusammen weniger als bzw besitzt. Ein LAUTSTARK #3 Ausgabe Bundesteilhabegesetz geerbtes Elternhaus weg. Eine Lebensversicherung weg. ( 140 I SGB IX) Bei Hilfe zur Pflege ist auch weiterhin zusätzlich auch ein Großteil des Partnereinkommens - weg. 6. Behinderte sind nicht behindert genug Um Hilfen zu erhalten, muss man laut dem Entwurf in 5 von 9 Lebensbereichen eingeschränkt sein ( 99 SGB IX). Wer z.b. aufgrund einer Sehbehinderung Hilfe zur Mobilität und beim Lernen benötigt, ist nicht behindert genug, um Eingliederungshilfe beanspruchen zu können. 7. Mit anderen Menschen kommunizieren? Nur wenn es wirklich wichtig ist. Hör- oder sprachbehinderte Menschen sollen nur dann Hilfen zur Kommunikation erhalten, wenn das aus besonderem Anlass nötig ist. Sich mit Freunden, Bekannten oder der Kassiererin im Supermarkt verständigen unwichtig. ( 82 SGB IX) 9. Ein Behinderter will ehrenamtlich helfen? Dann soll er doch erstmal selbst um Hilfe betteln! Behinderte Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, erhalten hierfür keine Assistenz mehr. Sie sollen Familie, Freunde oder Nachbarn fragen. Andere Möglichkeiten sind nicht mehr vorgesehen. ( 78 Abs. 5 SGB IX) 10. Eltern können ihren Kindern nicht helfen Wollen Eltern ihrem behinderten Kind als Absicherung etwas vererben, damit es z.b. nicht auf staatliche Grundsicherungsleistungen angewiesen ist, geht das nicht. Das Kind muss wenn es Hilfe zur Pflege bekommt weiterhin den kompletten Betrag, bis auf 2.600, abgeben. Darüber hinaus bestehen noch viele weitere Mängel am derzeitigen Entwurf des Bundesteilhabegesetzes. Mehr unter nichtmeingesetz. de 8. Im Ausland studieren oder Entwicklungshilfe leisten? Nur wenn es billig ist! Hält sich ein behinderter Mensch vorübergehend im Ausland auf, erhält er dort nur dann Hilfen, wenn diese im Vergleich zu Deutschland bei gl
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