Leseprobe: Das Attentat.

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Leseprobe: Das Attentat. 1 D as Attentat auf Rudolf Steiner am in München Schon erstaunlich früh hatte Rudolf Steiner die Gefahren durch den Nationalsozialismus und durch Adolf Hitler erkannt
Leseprobe: Das Attentat. 1 D as Attentat auf Rudolf Steiner am in München Schon erstaunlich früh hatte Rudolf Steiner die Gefahren durch den Nationalsozialismus und durch Adolf Hitler erkannt und davor gewarnt. Doch auch Adolf Hitler hatte umgekehrt bereits nachweislich ab 1921 Rudolf Steiner erkannt und ins Fadenkreuz genommen. Der Auslöser dafür war, dass Emil Molt, der Begründer der Waldorfschule, mit dem deutschen Außenminister Simons Gespräche über die Soziale Dreigliederung führte. Mit der Dreigliederung des sozialen Organismus startet Rudolf Steiner den groß angelegten Versuch, nach dem Weltkrieg eine humane gesellschaftliche Neuordnung zu schaffen. Am 15. März 1921 veröffentlichte Adolf Hitler einen Aufsatz, in dem er offen gegen Rudolf Steiner aufhetzte. Er schmiedete Formulierungen wie: endlich notwendig ist, sich diesen Minister, intimen Freund des Gnostikers und Anthroposophen Rudolf Steiner, Anhänger der Dreigliederung des sozialen Organismus und wie diese ganzen jüdischen Methoden zur Zerstörung der normalen Geistesverfassung der Völker heißen Und wer ist die treibende Kraft hinter all diesen Teufeleien? Der Jude! Freund des Doktor Rudolf Steiner (1) Ende 1921 wurde es dann offenbar, dass sich üble Dinge vorbereiten: in gewissen politischen Kreisen bestand die Absicht, prominente deutsche Persönlichkeiten zu ermorden; als erster war im August 1921 der frühere Reichsfinanzminister Erzberger bereits erschossen worden; der erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern, Kurt Eisner war schon zuvor in München ermordet worden; auch die Ermordung Walter Rathenaus war schon beschlossen; das geschah dann am Auf der Liste der zu erschießenden Persönlichkeiten war, als Nummer 8, auch Rudolf Steiner. Da Steiner in den damaligen rechtsnationalen Kreisen als internationaler Pazifist galt, musste auch bei seinen Vorträgen mit Störungen und Angriffen auf ihn selbst gerechnet werden. In Vorträgen, in denen von anthroposophischer Seite versucht wurde, die verbreiteten Unwahrheiten über ihn richtig zu stellen, störten Trillerpfeifen und Ratschen den Redner. Oder man riss Plakate herunter, in denen solche Vorträge angekündigt wurden. Schließlich schreckte man sogar vor der Anwendung körperlicher Gewalt nicht zurück und setzte Schlägertrupps ein, um die Vorträge Rudolf Steiners platzen zu lassen. (2) Gemälde von der Ermordung von Walther Rathenau 2 3 Das große Konzertbüro Wolf & Sachs veranstaltete im Mai 1922 eine Reihe öffentlicher Vorträge Rudolf Steiners in größeren Städten. Rudolf Steiner war damals berühmt und umstritten; ihn als Redner zu bringen, versprach also big business. Die völkische Gegnerschaft in München war mobilisiert und hatte sogar in einer Münchner Zeitung proklamiert: Hoffentlich finden sich deutsche Männer, die verhindern, dass dieser Herr den Boden Münchens überhaupt betritt. Ein Repräsentant der anthroposophischen Jugend informierte den Stuttgarter Vorstand über die Gefahr für Rudolf Steiner und schlug die Einrichtung eines Sicherheitswachdienstes vor. Aber der Vorstand lehnte das ab; sie genierten sich, mit Rudolf Steiner darüber zu reden, und sagten, wenn er es für nötig hielte, sollte er selbst mit ihm reden.als Rudolf Steiner nach durchreister Nacht in der Früh in München ankam, wurde ihm von den bevorstehenden Schwierigkeiten berichtet, worauf er antwortete: Gewiss können wir die Anthroposophie nicht in Saalschlachten vertreten, aber einmal sollten wir erproben, ob die Gegner wirklich mit Gewalt die schlimmsten Möglichkeiten mit eingeschlossen gegen uns vorgehen würden. Damit wir nicht nur auf Drohungen hin auf seine, Rudolf Steiners, Vortragstätigkeit in Deutschland verzichteten. Was dann am 15. Mai in München wirklich geschah, wollen wir aus dem Munde des Augenzeugen Hans Büchenbacher hören: Am 15. Mai 1922 holte ich Rudolf Steiner morgens um 8 Uhr am Hauptbahnhof München aus dem Schlafwagen Breslau München ab. Ich orientierte ihn über die drohende Gefahr und er fragte, ob ich ihm raten könne, den Vortrag zu halten. Ich: Das kann ich noch nicht sagen; ich muss erst im Laufe des Vormittags auf der Polizeidirektion feststellen, ob genügend Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden können. Er quittierte mit dem Menetekel: Es wird noch so kommen, dass ich nur noch in dem von Franzosen besetzten Rheinland werde sprechen können. Eigenartigerweise war Rudolf Steiner insgeheim aber von der Gefahr sogar etwas belustigt. Als ich ihm drastisch die brisante Gefahr verdeutlichte, reagierte er lakonisch: Also Sie meinen, man will mich abmurksen? Als ich ihm mit Jawohl, davon bin ich überzeugt die Brenzligkeit demonstrieren wollte, kam von ihm ganz trocken: Ja, das wird schon so sein. Nach dem Frühstück im Hotel Vier Jahreszeiten, in dem Rudolf Steiner untergebracht war und wo auch der Vortragssaal war, erklärte ich: Ich werde jetzt auf die Polizeidirektion gehen. Rudolf Steiner fragte, ob er mitkommen könnte; ich stimmte selbstverständlich zu. Hotel Vier Jahreszeiten, München 4 5 Der von der Polizei als möglich angebotene Sicherheitsdienst war wegen Beamtenmangel völlig ungenügend. So erwiderte ich dem Beamten: Ich werde mit meinen eigenen Kräften den Sicherheitsdienst organisieren und mich auf eine Saalschlacht einstellen. Rudolf Steiner hörte schweigend, an der Rückwand sitzend, meinen Verhandlungen zu und fragte mich auf dem Gange: Glauben Sie, dass er Beamte abstellt? Ich beruhigte ihn mit der Auskunft: Ich habe schon öfters mit ihm zu verhandeln gehabt und bin überzeugt, er wird es tun. Am Abend kamen dann tatsächlich nur sechs bis sieben Polizisten, aber in Zivil, und sie haben am Ende nicht zur Sicherheit beigetragen. Als nächstes musste ich ins Konzertbüro gehen, und wiederum wollte Rudolf Steiner mitgehen. Nun war es damals üblich, zur Aufrechterhaltung der Ordnung arbeitslose Boxer und Ringer zu engagieren, was ich schon mit dem Chef des Konzertbüros vereinbart hatte. Der Vorstand Ernst Uehli und die Stuttgarter Freunde hatten mir jedoch streng verboten, dies Rudolf Steiner mitzuteilen. Der Bürochef von Wolf & Sachs meldete mir, dass die Boxer und Ringer engagiert wären, und ich hätte nur noch anzugeben, wo sie Stellung beziehen sollten. Rudolf Steiner, rechts neben mir stehend, schmunzelte lächelnd, ohne sich zu äußern. Ich gab an, dass die Boxer und Ringer unsichtbar im Hof stationiert werden sollten, dass die Angreifer zunächst von meiner Leibgarde empfangen würden, und dann die Boxer und Ringer von hinten zur Verstärkung kommen sollten. Wir gingen zum Hotel zurück, und in der immerhin doch beträchtlichen Aufregung, die ich innerlich durchmachte, begann ich innerlich auf die Stuttgarter Freunde zu schimpfen, weil sie, meiner Ansicht nach, in ihrem Verhalten zur Gegnerschaft versagt hatten. Rudolf Steiner kommentierte ganz ruhig: Sie haben recht, es werden furchtbare Dummheiten in Stuttgart gemacht. Nach einer Pause fragte ich: Verzeihen Sie Herr Doktor, lassen Sie das geschehen, weil Sie nicht in die Freiheit der Menschen eingreifen wollen oder dürfen? Rudolf Steiner konterte etwas ergrimmt: Nein, man glaubt mir nicht, was ich sage, und sie verstehen es vielleicht hinterher, wenn etwas Schlimmes passiert ist. Die Boxer und Ringer waren unsichtbar postiert; zehn bis zwölf Freunde standen als Leibgarde bereit. Der Vortrag war lang und verlief ohne Zwischenfall, so dass die Leibgarde bereits dachte: Das war blinder Alarm. Der Vortrag war ausverkauft. Wie immer hatte Rudolf Steiner kein Manuskript. Er sprach frei und unmittelbar die Menschen an. Als er bereits längere Zeit gesprochen hatte, ging plötzlich das Licht im Saal aus. Nur eine kleine Lampe unterhalb des Rednerpultes leuchtete weiter. Es war die Leselampe für den Stenografen, die noch kurz vor dem Vortrag eine unabhängige Stromversorgung erhalten hatte. Doch durch diese bizarre Beleuchtung wirkte jetzt Rudolf Steiner um so mehr wie eine Zielscheibe. Alles war aufs äußerste gespannt totale Ruhe setzte ein. Viele Freunde von Rudolf Steiner im Saal fingen in dem Moment regelrecht an zu zittern. Rudolf Steiner sprach aber in völliger Beherrschung, als ob nichts geschehen wäre, ruhig weiter. Die Nachschrift des Vortrags lässt die Störung nicht erkennen. Nach Minuten hatte die junge Anthroposophen-Gruppe den Beleuchtungsraum erobert und das Saallicht ging wieder an. Um auch noch vom Vortrag etwas zu hören, hatten die jungen Wächter, in der Meinung, es werde nichts mehr passieren, den Schalterraum verlassen. Sie waren inzwischen schleunigst in diesen zurückgekehrt und hatten von dem Schalter wieder Besitz ergriffen. Rudolf Steiner konnte seinen Vortrag ohne weiteren Zwischenfall zu Ende führen. (Hauschka, 39) 6 7 Da der Redner unbeirrt mit seinen ernsten Ausführungen fortfuhr, blieb aber auch die Schlägertruppe wie gebannt auf ihren Stühlen sitzen und schien ihren Auftrag vergessen zu haben. In dieser Dunkelpause geschah aber Bedeutungsvolles. Rudolf Steiner äußerte sich nachher Freunden gegenüber: In Fällen der Not könne sich der Okkultist mit einem blauen Schutzmantel umgeben. Dr. Herbert Hahn, auch ein Freund aus dem Jugendkurs, fiel deswegen auch etwas Interessantes auf: Als Rudolf Steiner genau die Worte sprach Wer den Geist kennt, dem hilft er auch, sei das Licht wieder angegangen. (3) Als er jedoch danach für den lebhaften Beifall gedankt hatte und zum zweiten Mal zum Künstlerzimmer zurückging, brach der von den Gegnern bestellte und bereits für einen früheren Zeitpunkt vorgesehene Tumult los. Von der rechten Seite stürmten die Angreifer mit Stinkbomben und Trillerpfeifen auf das Podium, von der linken Seite und von der Mitte stürzten die Freunde ebenfalls auf die Bühne und hinderten die Angreifer, bis zu Rudolf Steiner vorzudringen. Es kam zu einem hitzigen Handgemenge. Wir Studenten, die am Podium gesessen hatten, umgaben ihn wie eine Mauer. Die Polizei war da, als man Stinkbomben zu werfen begann. Kolisko, in der ersten Reihe, stürzte; ich selbst war rechts eingekeilt, die Verfolger versuchten Rudolf Steiner zu erreichen, wurden aber von den von links kommenden Freunden Dr. Noll und Prof. Beckh zurückgeworfen, so dass Rudolf Steiner das Künstlerzimmer erreichen konnte. Nachdem er in Sicherheit war, erschienen die Boxer und Ringer, und die Saalschlacht begann. Es gab einige Leichtverletzte; aber nach kurzer Zeit war das Podium wieder in unserer Hand. Die Polizei half uns eigentlich nicht wirklich. Ein Freund, Walter Beck, konnte noch während des ersten Angriffs der Gegner auf der Bühne einen schmalen, zweiseitig geschliffenen Dolch aufheben. Wer den Dolch auf die Bühne geworfen hatte, konnte nicht ermittelt werden. Der Dolch aber wurde uns zum Sinnbild eines bedeutungsvollen Vorgangs. (4) 8 9 Durch einen Nebenausgang konnte Steiner in Begleitung von Freunden das Gebäude verlassen. Ich hielt es für ratsam, dass Rudolf Steiner nicht in dem Zimmer übernachten sollte, das das Hotel für ihn reserviert hatte, sondern veranlasste einen Zimmertausch mit Andreas von Grunelius. Auf dem Gang zum Zimmer fragte ich: Wie finden Sie, dass alles gegangen ist? Rudolf Steiner: Ausgezeichnet! Wir Freunde aus den Tagen des Jugendkurses, die in der Hauptsache den Saalschutz gestellt hatten, waren sich sicher, dass ein Mordanschlag an Rudolf Steiner hatte verhindert werden können. Demonstranten zogen nach dem Vortrag geschlossen durch die Maximilianstraße und sangen Kriegslieder, wie die Münchener Zeitung auf der ersten Seite berichtete, die von dem Vortragsabend nur der Tumult interessierte. Das Abendessen nahm Rudolf Steiner dann mit einem Kreis von Freunden nicht im Restaurant des Hotels, sondern in einem der oberen Räume ein. Naheliegenderweise kam die Rede auch auf Ludendorff. Um seine Meinung über ihn zu illustrieren, sagte Rudolf Steiner: Schauen Sie sich doch bloß seine Unterschrift an, und schrieb den mir wohlbekannten Namenszug des Generals mit täuschender Ähnlichkeit auf ein Stück Papier. Anschließend schlief er auch in einem anderen als dem für ihn reservierten Zimmer. Für die Weiterfahrt nach Mannheim am nächsten Morgen gab es nur einen D-Zug um 7 Uhr. Da wir neue Zwischenfälle befürchteten, schlug ich vor, dass Rudolf Steiner im Taxi bis Augsburg fahren und dort erst den D-Zug besteigen sollte. Alle schienen begeistert zu sein, nur Rudolf Steiner zeigte die seinen Mitarbeitern wohlbekannte, undurchdringliche Marmormiene, die er immer dann zeigte, wenn er sich nicht äußern wollte. Daraufhin holte ich einen Fahrplan; entdeckte, dass es um 6:00 Uhr einen Personenzug München Augsburg gäbe, und schlug diese Alternative vor. Die Marmormiene war weg! Um 5:30 Uhr morgens war Rudolf Steiner reisefertig; die Abreise mit dem Personenzug verlief ohne Zwischenfall. Zur Abfahrt des D-Zuges um 7:00 Uhr erschienen, außer den anthroposophischen Freunden, auch die Angreifer! (5) In Mannheim angekommen, gab Rudolf Steiner über Andreas von Grunelius ein Telegramm an Edith Maryon auf: München überstanden. Steiner. (6) Unterschrift von Erich Ludendorff 10 11 Während der Vortragsreise Steiners wechselte er einige Briefe mit seiner Frau; im Brief vom 22. Mai schrieb Marie Steiner: Diese Reise ist mörderisch. Steiner kehrte am 24. Mai tief erschöpft von der mörderischen Reise nach Dornach zurück. Dies waren die letzten Vorträge, die er in Deutschland in voller Öffentlichkeit halten konnte, denn die Hetze der Gegnerschaft wuchs weiter an. Damit schloss die großangelegte, zum Frieden der Menschheit gewagte Dreigliederungsbewegung endgültig ab. Aber Rudolf Steiner wies darauf hin, dass sie ihre Auferstehung feiern werde, wenn die Menschheit durch Katastrophen und Kataklysmen hindurchgegangen und dadurch reifer und aufnahmefähiger sein werde. Wenige Monate später erschütterte die Welt der Hitler-Ludendorff-Putsch einen Steinwurf vom Ort des Attentats auf Rudolf Steiner entfernt. Jedenfalls hatten die Attentate auf das Leben Rudolf Steiners dazu geführt, dass er bald danach deutschen Boden nicht mehr betreten konnte. Die Hexenjagd gegen ihn und seine Freunde nahm damit ihren Lauf. Die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland wurde am 1. November 1935 endgültig verboten entschied Adolf Hitler, nach Bericht von Martin Bormann: Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft sind wie Logen-Angehörige zu behandeln; sie sind nach Meinung des Führers oft noch gefährlicher als Logen- Angehörige, weil sie mit ihren Ideen viel mehr Leute anstecken. (7) 12 (1) Adolf Hitler im Aufsatz Staatsmänner oder Nationalverbrecher?, aus: Hitler sämtliche Aufzeichnungen, S. 350, hg. Von Eberhard Jäckel zusammen mit Axel Kuhn, Stuttgart In: Kühne Walter, 136 (2) Vögele, Wolfgang (2005): Der andere Rudolf Steiner. Dornach, S. 223 (3) Kühn, Hans (1978): Dreigliederungszeit. Rudolf Steiners Kampf für die Gesellschaftsordnung der Zukunft. Dornach, S.127 (4) Beck, Walter (1997): Rudolf Steiner. Eine Biographie mit neuen Dokumenten. Dornach, S. 204 (5) Büchenbacher, Hans: in Beltle, Erika, Vierl, Kurt (2001): Erinnerungen an Rudolf Steiner. Stuttgart S. 325 (6) Selg, Peter (2006): Edith Maryon. Rudolf Steiner und die Christus-Plastik. Dornach S. 165 (7) Aufgerufen in at ( Anthroposophie-Kritik ) 13
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