Macht, Zwang und Gewalt

Please download to get full document.

View again

of 10
All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Published
Macht, Zwang und Gewalt Liebe Leserinnen und liebe Leser, weil seit der Antike bis heute mit der Frage nach der Macht die Grundzüge des menschlichen Zusammenlebens immer wieder neu auf dem Prüfstand stehen,
Macht, Zwang und Gewalt Liebe Leserinnen und liebe Leser, weil seit der Antike bis heute mit der Frage nach der Macht die Grundzüge des menschlichen Zusammenlebens immer wieder neu auf dem Prüfstand stehen, sind viele Menschen heute immer noch auf der Suche nach Antworten auf die Frage: Was ist Macht überhaupt? Diese berechtigte Machtfrage wird immer wieder neu gestellt, seit Menschen damit angefangen haben, über sich selbst nachzudenken. Entsprechend vielfältig sind die Antworten der Geschichte auf die Fragen nach der Macht. Macht (gotisch: magan) definiert den Umfang der physischen und psychischen Handlungsmöglichkeiten einer Person oder Personengruppe. Jede Handhabung dieser Handlungsmacht kann sich auf andere Individuen in positivem wie auch negativem Sinne auswirken. Maximilian Carl Emil Weber (* 1864 in Erfurt, 1920 in München) war deutscher Jurist, Soziologe und Ökonom. Er nahm mit seinen Theorien und Begriffsdefinitionen großen Einfluss auf die Herrschafts-, Religions- und Wirtschaftssoziologie. Max Weber definierte Macht fast zeitlos klassisch in seinem Zitat: als jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichwie worauf diese Chance beruht Jedoch hat Macht im Laufe der Zeit ihren Namen, ihr Gesicht und auch ihre Anschrift ständig gewechselt. Wer heute nach moderner Macht fragt, findet sie in ganz anderer Gestalt unter anderem Namen und an anderem Ort als in der Antike. Politische Macht befand sich früher bei den Griechen in den Grenzen der Police, der politischen Gemeinschaft der Bürger. Als diese Grenzen fielen, das Latein zur Sprache der Philosophie wurde, bewegte sich Macht zwischen Amt und Würden, Strategien und Institutionen. Dem Wort Macht (potentia, von dem Verb possum, posse, potui) liegen die alt- und mittelhochdeutschen Verben von können und vermögen zugrunde. Macht wird im allgemeinen Sprachgebrauch oftmals dem Begriff Herrschaft zugeordnet. Wörter wie Machtapparat, Machtergreifung, Machtwechsel, Machthaber legen dieses Verständnis nahe. Zwang ist ein deutscher Rechtbegriff, der die hoheitliche Einwirkung auf Sachen mittels Gewalt oder Waffen durch zuständige und befugte Amtträger umfasst, der wesentlicher Bestandteil und Ausdruck von Staatsgewalt sein soll. Von Anfang an hat die Macht im Deutschen sogar noch einen Konkurrenten die Gewalt. Das Wort Gewalt ist aus dem Zeitwort walten abgeleitet, was Kraft haben, über etwas verfügen, herrschen bedeutet. Von jeher ringen Macht und Gewalt um begriffliche Vorherrschaft mit leichten Vorteilen auf Seiten der Macht. Vielfach aber wurden und werden sie synonym verwendet und setzen im Wechsel bis heute dieselben Bedeutungsfelder. Unter Voraussetzung einer bewusst möglichen Entscheidung für negative Auswirkungen wird von Machtmissbrauch (Terror) gesprochen. Wenn wir über Macht nachdenken, reden wir ohne Umschweife auch von Gewalt. Also schwanken wir auch immer zwischen Macht und Gewalt hin und her, wenn wir von derselben Sache reden, wodurch ein ernstes philosophisches Problem entsteht, wenn wir Begriffe wie Machtkonzentration oder Gewaltmonopol in einem Atemzug nennen. Ist der Einsatz von Zwang oder Gewalt möglich, muss dies nicht stets auch negative Auswirkungen haben, so daß eine differenzierte Betrachtung von Handlungsmacht, von ihren Voraussetzungen und auch von ihren Auswirkungen notwendig ist. Wir hoffen jedenfalls alle, daß Gewaltenteilung dem Machtmissbrauch Vorschub leistet. Politische Macht sehen wir am liebsten in den Händen der Staatsgewalt, denn schließlich geht alle Staatsgewalt (wie uns alle modernen Verfassungen versichern) von uns aus, vom Volke, wovor wir uns also nicht fürchten müssen. Zwang und Gewalt aber gehen wir lieber aus dem Wege, und der Macht begegnen wir alle stets mit misstrauischer Vorsicht. Der Schweizer Kulturhistoriker Jacob Christoph Burckhardt (* 1818 in Basel, 1897 in Basel), aber auch andere Skeptiker seiner Zeit hielten Macht für an sich böse mit der Befürchtung, daß Macht den Charakter der Machthaber verderben könnte. Ein Blick in die Medien scheint die damalige Befürchtung zu bestätigen. Aber auch hier scheint Vorsicht angebracht, wenn die Macht der Medien unser Vertrauen in die vierte Gewalt nicht sowieso schon längst eingebüßt haben könnte? Was also ist Macht? Wird sie als grundlegend vorausgesetzt? Hängt sie an Ämtern, versteckt sie sich hinter Mauern, Institutionen und Systemen, wirkt sie immer bedrohlich? Fördert sie Charisma, die besondere Ausstrahlungskraft eines Menschen tatsächlich, oder würden die Grundzüge des menschlichen Zusammenlebens nicht auch ohne Macht und Gewalt funktionieren? Wie hat sich Macht historisch denn entwickelt, wenn die Machtfrage bei Gelehrten, sowie Machthabern in einer gemeinsamen Apologie der Macht mit Verteidigung und Rechtfertigung ihrer Lehre und Positionen zumeist grundlegend identisch war? Hat Macht überhaupt eine Daseinsberechtigung? Bei der Frage, worauf sich diese Apologie der Macht gründet, wie sich Macht und Recht, Sein und Sollen zueinander verhalten, scheiden sich die Geister. Der florentinische Philosoph, Politiker, Diplomat, Dichter und Chronist Niccolò di Bernardo dei Machiavelli (*1469 in Florenz, Republik Florenz 1527 in Florenz) war einer der damals bedeutendsten Staatsphilosophen der Neuzeit, dem es darum ging, den Umgang mit Macht analytisch zu untersuchen, anstatt normativ vorzugehen und die Differenz zwischen dem, was sein soll, und dem, was ist, festzustellen. Er orientierte sich in seiner Analyse an dem, was er für empirisch feststellbar hielt erscheint erstmalig posthum Machiavellis berühmt berüchtigtes Werk II Principe (dt. Der Fürst), das den zeitlebens erfolglosen Machtaspiranten zum ersten modernen Klassiker des politischen Denkens macht. Sein politisches und literarisches Werk Discorsi trat darüber sogar in den Hintergrund. Machiavellis Lebensgeschichte beweist seine Machtlosigkeit, die Ohnmacht seiner Ratgeber. Die politische Karriere bleibt ihm versagt und sein Verhältnis zu den politischen Machthabern zeitlebens prekär. Ob er mit eigenen Maximen vielleicht Zugang 2 zur Macht gefunden hätte, bleibt dahingestellt. Tatsache ist, daß sein aus der Enttäuschung geborenes Werk Machiavelli jedoch zum Helden der politischen Theorie machte. Der aus seinem Gesamtwerk später geprägte Begriff Machiavellismus wird oft als abwertende Beschreibung eines raffinierten Verhaltens gebraucht, das aber ohne ethische Einflüsse von Moral und Sittlichkeit nur die eigene Macht und das eigene Wohl als Ziel setzt. Verfechter der Macht, der Gewaltsamkeit, Lehrer des Bösen, so lauten die Etikettierungen. Sein Name ist mit der Macht beinahe verschwistert, wird daher heute häufig mit rücksichtsloser Machtpolitik unter Ausnutzung aller Mittel verbunden. Bis heute steht Machiavellismus für skrupelloses Machtstreben in der Politik. Machiavellis Wirkungsgeschichte ist von Anfang an eine Skandalgeschichte, in der seine Reflektionen über Macht seinerzeit in jedem Fall neu und skandalös sind. Mit den wohlmeinenden Fürstenfibeln seiner Vorgänger hat sein Ratgeber für den Machthaber nichts mehr gemein, wenn er die restlose Entzauberung der politischen Welt des Mittelalters dokumentiert, in der kein Gott wirkt, der die Geschicke der Menschen nach einem verborgenen Plan seiner Weisheit lenkt. Auch die Natur ist für Machiavelli längst kein Reich der Zwecke mehr, das dem einzelnen Individuum oder der Gemeinschaft einen Platz reserviert. In Machiavellis endzweckfreiem Universum führen Fortuna und Notwendigkeit das Zepter. Damit soll sich alle menschliche Politik arrangieren. Machiavellis nüchterner Blick entdeckt eine ganz irdische Politik und darin einen ganz diesseitigen Menschen. Zu Machiavellis Entzauberung der Außenwelt tritt seine Entzauberung der menschlichen Natur. Der Mensch ist längst nicht mehr jenes friedfertige, auf Gesellschaft angelegte Wesen, das sich die Philosophen in Antike und Mittelalter wünschten, also kein politisches Lebewesen, sondern ein interessengesteuertes Individuum mit unerschöpflicher Begierde. Ambitionen als die Leitidee dieser pessimistischen Anthropologie richtet die Handlungen der Menschen auf die unterschiedlichsten Ziele aus Ehrgeiz, Unzucht, Verlangen nach Besitz, Gewinn und Macht. Zentral ist das Machtmotiv. Es ist keineswegs Laster der Mächtigen, sondern vor aller Politik eine Konstante der menschlichen Natur. Jeder ist darauf aus, die anderen zu beherrschen, um nicht von seinesgleichen beherrscht zu werden. Bei der Beobachtung menschlichen Verhaltens ist Machiavelli unerbittlich. Er entwirft eine regelrechte Minusliste des menschlichen Charakters. Zitat: Man kann von den Menschen im Allgemeinen sagen, daß sie undankbar, wankelmütig, unaufrichtig, heuchlerisch, furchtsam und habgierig sind, und solange du ihnen Gutes erweist, sind sie dir völlig ergeben Wer also politische Macht erwerben und behaupten will, muss mit diesen negativen Größen rechnen. Zitat: Er muss davon ausgehen, daß alle Menschen schlecht sind, und daß sie stets ihren bösen Neigungen folgen, sobald sie dazu Gelegenheit haben... Diese Bösartigkeit der menschlichen Natur ist weder pessimistische Hypothese, noch Momentaufnahme der Krise. Sie ist eine triste Tatsache, die alle Politik bestimmt. Mit dem Schlimmsten rechnen und auf die Produktivität des Bösen setzen, heißt deshalb die Devise. Machiavelli lässt das Böse fruchtbar werden. Wer von solchen Fakten ausgeht, der darf auf Normen im politischen Leben keine Rücksicht nehmen. Politische Werte will Machiavelli auch gar nicht vermitteln. Schließlich geht es ihm nicht um das politische Leben wie es sein sollte, sondern darum, wie es ist, um Tatsachenwissen für den Alltag der Macht. 3 Ohne viel Aufhebens greift Machiavelli zwei große Autoritäten an, die die Lehre von der Politik bislang normativ beherrschten: Religion und Moral. Beide verlieren bei Machiavelli die Vormundschaft über politische Macht. Ganz unverhohlen erklärt Machiavelli Religion zum Herrschaftsinstrument und stellt sie in den Dienst der Politik. Religion dient ihm als Zement der politischen Gemeinschaft, als Nothelfer der Politik. Ebenso hart wie die Religion trifft es die Moral. Auch sie muss entweder ganz aus der Politik verschwinden, oder sich deren Gesetzmäßigkeit unterordnen. Aus der Moral der Politik wird eine Politik der Moral. Werte und Normen hält Machiavelli grundsätzlich für Einbildung. Sie sind nur dann ernst zu nehmen, wenn sie politischen Zwecken dienen. Bekanntlich heiligt der Zweck die Mittel. Was den Zweck heiligt, sagt Machiavelli jedoch nicht. Seine Staatsraison steht unter dem Diktat der Tatsachen, von der Moral der Macht will er nichts mehr wissen. Ein nüchtern-unbarmherziger Blick auf die Tatsachen lässt mit den Mechanismen der Macht auch ihre Abgründe sichtbar werden. Ihre Rechtgründe bleiben bei Machiavelli unentdeckt. Die Frage nach der Legitimität der Macht mussten erst andere stellen. Thomas Hobbes (* 1588 in Westport, Wiltshire, 1679 in Hardwick Hall, Derbyshire) war ein englischer Staatstheoretiker, Philosoph und Mathematiker, der durch sein Hauptwerk Leviathan bekannt wurde, in dem er eine Theorie des Absolutismus entwickelte. Neben John Locke und Jean-Jacques Rousseau ist Thomas Hobbes einer der bedeutendsten Theoretiker des Gesellschaftsvertrages. Ob Machiavelli oder Hobbes die Moderne eröffnen, ist bis heute umstritten. Hobbes selbst entscheidet die Frage zu seinen Gunsten. Selbstbewusst erklärt er sich zum Begründer der modernen Staatsphilosophie und sein Werk zur ersten wirklichen Wissenschaft - der Politik. Solche intellektuellen Machtansprüche waren Machiavelli fremd. Bei Hobbes kommen sie nicht von ungefähr. Hobbes ist überzeugt, daß allein die Wissenschaft den Jahrhunderte alten Krieg der Federn und den gegenwärtigen Krieg der Schwerter beenden kann. Damit verkündet Hobbes das Credo der Moderne = Wissen ist Macht. Wie Machiavelli entwirft Hobbes seine Theorie unter dem Eindruck der Krise. Dort der Kampf um die Vorherrschaft in Oberitalien, hier die Wirren des englischen Bürgerkrieges. Die Erfahrung der Anarchie steht Pate für den neuen Machtbegriff. Wie Machiavelli ist Hobbes ein großer Skeptiker der menschlichen Natur. Thomas Hobbes: Vom Menschen / Vom Bürger, Widmung an Earl William von Devonshire Ursprünglich steht das Wort in der Komödie Asinaria ( Die Eselskomödie ) von Plautus. lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit. Ein Wolf, kein Mensch, ist der Mensch dem Menschen, solange er nicht weiß, welcher Art er ist. Plautus: Die Eselskomödie, Akt 2, Szene 4, 495 Der Satz bedeutet, daß im Naturzustand jeder Mensch ein Feind des anderen ist. Hobbes buchstabiert Macht in der Sprache der Vertragstheorie. Mit Hobbes wird das Vertragsmodell zum Prototyp moderner Rechtbegründung. Macht, so lautet der Grundgedanke, lässt sich nur aus freiwilliger Selbstverpflichtung begründen. Zuvor aber muss 4 geklärt werden, ob und warum Macht überhaupt notwendig ist. Hobbes greift zum Argument des Naturzustandes. Sein Befund des natürlichen Zustands der Menschheit ist eindeutig. Nicht Harmonie, sondern der Konflikt bestimmt die Conditio Humana. Als Freiheit- und Machtsubjekte führen die Menschen einen zähen Kampf um Selbsterhaltung und Anerkennung, bei dem keiner als Sieger hervorgehen kann, weil alle ein natürliches Recht auf alles haben, und damit buchstäblich alles in ihrer Macht steht, kommt es zu ruinöser Konkurrenz. Unter solchen Bedingungen ist jegliche Machtstrategie selbstpräventiver Aggression zum Scheitern verurteilt. Wenn alle anderen die gleiche Macht besitzen, behauptet Hobbes, so bedeute sie nichts. Aus diesem verheerenden Gleichgewicht von Macht und Ohnmacht im Krieg aller gegen alle führe allein der Vertrag. Er monopolisiert die Macht in den Händen des Souveräns. Vom Chaos des Naturzustandes aus gesehen erstrahlt die Staatsgewalt von vorne herein in hellem Licht. Sie garantiert individuelle Selbsterhaltung und gesellschaftlichen Frieden. Macht dient bei Hobbes also jenseits aller Machtmotive einem positiven Zweck. Sie bannt die Furcht der Menschen voreinander und verrechtlicht ihre wechselseitigen Beziehungen. Der Rechtfriede ist ihre ureigenste Aufgabe und Leistung. Hobbes Vertragstheorie beschreibt den rechtkonformen Weg zur Macht. Alle kommen vertraglich überein, zugunsten des Souveräns auf ihr prekäres Recht auf alles zu verzichten. Von nun an kann dieser konkurrenzlos über seine natürliche Macht verfügen. Er erhält das Monopol legitimer Zwangsausübung. Der Vertrag leistet aber noch mehr, er autorisiert den Souverän, von nun an im Namen der Vertragspartner zu handeln. Durch diesen Akt wird der Souverän zum Repräsentanten der Bürger. Hobbes legt alles darauf an, den Souverän mit möglichst großer Machtfülle auszustatten. Als Gesetzgeber soll er von allen Gesetzen ausgenommen sein. Über diese Absolutheit lässt Hobbes nicht mit sich handeln. Sie ist die Existenzbedingung des positiven Recht und damit Voraussetzung des gesellschaftlichen Friedens. In der Person des Souveräns fallen Macht haben und Recht haben zusammen. Denn was als Recht zu gelten hat, liegt nach rechtsphilosophischer Anschauung allein in seiner souveränen Dezision, nach der das als Recht anzusehen ist, was die Gesetzgebung zum Recht erklärt (lateinisch decisio). Autoritas non veritas facet legem = nicht Wahrheit, sondern Macht entscheidet, was rechtens ist. Wer angesichts dieser Machtposition eine institutionelle Begrenzung des Souveräns wünscht, wird enttäuscht. Auf Forderungen nach Gewaltenteilung und Gewaltenkontrolle reagiert Hobbes geradezu allergisch. Er sieht darin einen Widerspruch zur Souveränität. Eine Mischverfassung brächte den Souverän zum Wahnsinn. Wo Institutionen fehlen, soll Moral helfen. Hobbes baut auf die Moral der Machthaber. Im Gegensatz zu Machiavelli unterwirft er den Machthaber dem unbedingten Anspruch der natürlichen Gesetze, den Befehlen Gottes und der natürlichen Vernunft. Offenbar vertraut er darauf, Macht mit moralischem Gewissenappell im Zaum zu behalten. Befürchtungen, daß der Besitz enormer Macht den Machthaber korrumpieren könne, schlägt Hobbes in den Wind. Im Gegenteil, er setzt auf die positiven Effekte des Machtgebrauchs und rechnet sogar mit einer Läuterung des Machtstrebens. Ob sich diese Zuversicht mit Hobbes eigenen anthropologischen Prämissen verträgt, ist zweifelhaft, wenn er den Menschen ein unstillbares Machtstreben unterstellt, der Macht einen demokratischen Ursprung und ihren Aktionsradius beschränkt. Das Innenleben der Untertanen ist für die Staatsmacht tabu. Schon deshalb wird man Hobbes nicht zum Wegbereiter des Totalitarismus abstempeln können. Hitler und Stalin hatten andere Vordenker. 5 Hannah Arendt (* 1906 in Linden, heute ein Stadtteil von Hannover, 1975 in New York, eigentlich Johanna Arendt) war eine jüdisch deutsch -US- amerikanische politische Theoretikerin und Publizistin, die sich mit der Frage befasste, wo Macht entsteht. Hannah Arendt definiert in ihrer Studie Macht und Gewalt Macht positiv als das Zusammenwirken von freien Menschen im politischen Raum zugunsten des Gemeinwesens. Dabei geht es nicht um die Durchsetzung privater Interessen. Obwohl die Individuen pluralistisch handeln und unterschiedliche Perspektiven einnehmen, schließen sie sich dennoch zeitlich und örtlich begrenzt zu einer Gemeinsamkeit des Sprechens und Handelns zusammen, z. B. beim Volksaufstand in Ungarn Diese Macht tritt nicht hierarchisch als Institution oder Rechtordnung auf, sondern als Möglichkeit, die Geschichte zu beeinflussen. Sie kann in Verfassungen, Institutionen usw. einfließen, die aber wiederum wandelbar sind. Im Unterschied zu Webers Definition kann Macht nach Arendt nicht gespeichert werden und kann somit begrifflich leicht und in der Konsequenz streng von Ressourcen und Gewalt unterschieden werden. Dabei setzt Arendt nicht voraus, dass die beteiligten Menschen gemeinsame Meinungen, Prämissen oder Ideologien vertreten. In jeder neuen Generation können demnach freie Individuen erneut im politischen Raum Vereinbarungen treffen und umsetzen. Ansätze einer Verwirklichung sah sie in der Revolution in den Vereinigten Staaten, die zur Verfassung der Vereinigten Staaten führte, und in den Versuchen, direkte Demokratie in Form von Räten einzurichten. Das Stichwort Totalitarismus führt zur dritten Machttheorie und damit geradewegs ins 20. Jahrhundert. Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, so heißt das Buch, in dem sich Hannah Arendt mit den Gewaltregimen des 20. Jahrhundert auseinandersetzt. Bereits der Titel spiegelt den Versuch wider, das Neue und Gemeinsame an nationalsozialistischer und stalinistischer Herrschaft zu benennen. Die Untersuchung der Hannah Arendt wird zum Meilenstein der Totalitarismusforschung und macht die Autorin mit einem Schlag international bekannt. Als Jüdin in Deutschland geboren und durch das Naziregime heimatlos, wird Hannah Arendt das Thema buchstäblich aufgezwungen. Ursprünglich hatte sie sich ganz der Philosophie widmen wollen, um dann jedoch nach 1933 im Konflikt zwischen Philosophie und Politik, zwischen Wissen und Macht ihr Leitmotiv zu finden. Heute als die größte politische Denkerin des 20. Jahrhunderts gefeiert, sah sich Hannah Arendt selbst als Außenseiterin in der exklusiven Gesellschaft der Philosophen. Politische Philosophin wollte sie keine sein. Ihre Auseinandersetzung mit dem Totalitarismus führt sie zu einer ersten Beschäftigung mit dem Phänomen der Macht. Hannah Arendt eigenwillige Geschichtsschreibung will das Neue und alle Traditionen Sprengende in den totalitären Systemen auf den Begriff bringen. Zitat: Diese Systeme prägen bislang unbekannte Vorstellungen von Macht, stiften ein völlig neues Realitäts- und Machtprinzip Kennzeichnend für totalitäre Macht ist, daß sie sich vollständig von jeglichem demokratischen Legitimationszwang befreit. Statt sich auf die Zustimmung der Bürger zu stützen, verlässt sie sich ausschließlich auf eigene Kraft und Stärke. Totalitäre Macht speist 6 sich ausschließlich au
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks