Mi 21. / Do 22. Juni 2017, Uhr Philharmonie Mercatorhalle

Please download to get full document.

View again

of 14
All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Published
Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi PROGRAMM 12. Philharmonisches Konzert VIVA ROMA! Mi 21. / Do 22. Juni 2017, Uhr Philharmonie Mercatorhalle Duisburger Philharmoniker Giordano Bellincampi
Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi PROGRAMM 12. Philharmonisches Konzert VIVA ROMA! Mi 21. / Do 22. Juni 2017, Uhr Philharmonie Mercatorhalle Duisburger Philharmoniker Giordano Bellincampi Dirigent Ermöglicht durch Kulturpartner Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen 12. Philharmonisches Konzert Duisburger Philharmoniker Giordano Bellincampi Leitung Programm Grußworte Foto: Marc Zimmermann Begeistern ist einfach. Ottorino Respighi ( ) Die Brunnen von Rom ( ) I. Der Brunnen in Valle Giulia in der Dämmerung. Andante mosso II. Der Tritonenbrunnen am Morgen. Vivo III. Der Trevibrunnen am Mittag. Allegro moderato IV. Der Brunnen der Villa Medici in der Abenddämmerung. Andante. Die Pinien von Rom (1923/24) I. Die Pinien der Villa Borghese. Allegretto vivace II. Pinien bei einer Katakombe. Lento III. Die Pinien auf dem Janiculum. Lento IV. Die Pinien der Via Appia. Tempo di Marcia sparkasse-duisburg.de /sparkasseduisburg Wir wünschen Ihnen einen unterhaltsamen Abend! Wenn s um Geld geht S Sparkasse Duisburg Pause Jacques Ibert ( ) Escales... ( ) I. Rom-Palermo. Calme II. Tunis Nefta. Modéré très rythmé III. Valencia. Animé Ottorino Respighi Römische Feste (1927/28) I. Zirkusspiele. Moderato II. Das Heilige Jahr. Doloroso e stanco III. Das Oktoberfest. Allegro gioioso IV. Die Dreikönigsnacht. Vivo Konzertführer live mit Martin Fratz um Uhr in der Philharmonie Mercatorhalle Das Konzert endet um ca Uhr. 3 Giordano Bellincampi Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Duisburg und Verleihung der Mercatorplakette Ottorino Respighi Die Römische Trilogie Das Goldene Buch ist eines der wertvollsten und eindrucksvollsten Dokumente der Duisburger Stadtgeschichte. Es hält herausragende Besuche prominenter Persönlichkeiten, politische Weichenstellungen und herausragende stadthistorische Ereignisse für heutige und künftige Generationen fest. So ist die Widmung einer Seite im Goldenen Buch, verbunden mit der in Duisburg üblichen kalligraphischen Gestaltung aus Künstlerhand, eine der höchsten Ehren, mit der die Stadt einen Gast, einen verdienten Mitbürger oder ein besonderes Ereignis würdigen kann. Das Goldene Buch ist also kein Gäste-, sondern ein Geschichtsbuch. Es hält historische Ereignisse fest, die einen Platz in der Chronik unserer Stadt haben werden. Es stiftet Identifikation, bündelt gemeinsame Erinnerungen und festigt die Bande zwischen Bürgerschaft und Stadt. Es wurde 1909 begonnen und umfasst inzwischen drei Bände. Die Mercatorplakette ist eine der höchsten Ehrungen, die für Verdienste um die Stadt Duisburg verliehen werden können. Mit ihr werden auf Beschluss des Rates der Stadt Duisburg Persönlichkeiten gewürdigt, die vor allem in den Bereichen Kunst und Kultur, Wissenschaft, Heimat- und Brauchtumspflege, aber auch in anderen gesellschaftlichen Feldern Herausragendes für Duisburg geleistet und damit Verdienste erworben haben, die weit über Duisburg hinaus wirken. Die Mercatorplakette hat die Form einer kreisrunden Silberplatte mit einem Durchmesser von 14 Zentimetern. Die Vorderseite zeigt das Organum directorium aus Gerhard Mercators Weltkarte von Auf dem Rande stehen in erhabener Schrift die Worte: Gerhardus Mercator Die Rückseite zeigt das stilisierte Wappen der Stadt Duisburg, eingefasst mit den Worten: Für besondere Verdienste. Die Stadt Duisburg. Viva Roma! Im Mittelpunkt des zwölften Philharmonischen Konzerts steht die Römische Trilogie des italienischen Komponisten Ottorino Respighi. Zwar sind die drei Sinfonischen Dichtungen Die Brunnen von Rom, Die Pinien von Rom und Römische Feste populär geworden, doch werden sie selten zusammen aufgeführt. Die nahende Sommerpause und der Abschied des in Rom gebürtigen, inzwischen längst international tätigen Duisburger Generalmusikdirektors Giordano Bellincampi bieten zwei Gründe, um diese glänzend instrumentierten Werke für großes Orchester wieder zusammenzuführen. Abgerundet wird das Programm durch die auch zeitlich in den Zusammenhang passende Sinfonische Suite Escales... ( Anlegeplätze ) des Franzosen Jacques Ibert. Diese Komposition nimmt in Rom ihren Ausgang und macht in mehreren Mittelmeerländern Station. Dabei bezieht Ibert vorgefundenes melodisches oder rhythmisches Material ein, während Respighis Werke subjektive Impressionen oder Visionen mit Alltagsklängen vereinen. Der Komponist Ottorino Respighi Im 19. Jahrhundert stand die italienische Musik fast ausschließlich im Zeichen der Oper, während die Instrumentalmusik nur eine untergeordnete Rolle spielte. An der Wende zum 20. Jahrhundert, als Giuseppe Verdi seine späten Meisterwerke vorlegte und Giacomo Puccini mit Nachdruck auf sich aufmerksam zu machen begann, scheute die veristische Oper selbst vor grellen realistischen Effekten nicht zurück. Erst die Generation der um 1880 geborenen italienischen Komponisten begann ihre Position grundsätzlich neu zu überdenken. Zu ihnen gehörte neben Ildebrando Pizzetti, Gian Francesco Malipiero und Alfredo Casella auch Ottorino Respighi. Seine große Leistung bestand darin, das musikalische Erbe der italienischen Vergangenheit aufgearbeitet und hieraus einen eigenen Stil entwickelt zu haben. Diese Aufarbeitung berücksichtigte sogar die italienische Musik verschiedenster Epochen. Aus Respighis bekanntesten Werken ist dies deutlich abzulesen. Das Ballett La Boutique fantastique stellt eine Auseinandersetzung mit der Musik Gioacchino Rossinis dar. Besonders beliebt wurden die drei Folgen der Antiche danze ed arie per liuto auf der Grundlage von Lautenstücken des 16. und des 17. Jahrhunderts. Respighi 4 5 bearbeitete auch Werke Claudio Monteverdis und machte etwa das Lamento d Arianna und die Oper L Orfeo wieder zugänglich. Aber Werke wie das Concerto gregoriano für Violine und Orchester zeigen, dass seine Beschäftigung mit der Musik der Vergangenheit bis zum Gregorianischen Choral reichte, seine Kenntnisse der Musik somit umfassender waren als bei den Zeitgenossen. Seinen Nachruhm begründete Ottorino Respighi vor allem mit seiner Römischen Trilogie. Das sind drei glänzend instrumentierte Orchesterstücke. Man könnte diese Werke mit einem vielflächig strahlenden Brillanten vergleichen: Respighi hat die tausendfältige Seele Roms, so wie er sie empfand, in den tönenden Kosmos von zwölf Visionen eingefangen, die sich zu drei Tondichtungen zusammenfügen, schrieb Elsa Respighi als Ehefrau des Komponisten in ihren Erinnerungen. Die drei Sinfonischen Dichtungen werden meist als Einheit betrachtet oder doch zumindest in einem Atemzug genannt, aber sie wurden keineswegs zusammengehörend entworfen. Als erstes wurden die Römischen Brunnen ( Fontane di Roma ) komponiert und im März 1917 uraufgeführt. Es folgten 1924 die sich seit jeher besonderer Popularität erfreuenden Pinien von Rom ( Pini di Roma ). Der Dirigent Arturo Toscanini, der bereits zu den ersten Interpreten der älteren Stücke gehört hatte, brachte schließlich am 21. Februar 1929 in der New Yorker Carnegie Hall die Römischen Feste ( Feste Romane ) heraus. Es versteht sich beinahe von selbst, dass diese mit größter Brillanz orchestrierten Werke schließlich keine Steigerung mehr zuließen, der Komponist fortan nach anderen Ausdrucksmöglichkeiten suchen musste und sich zunächst wieder kleiner besetzten Werken zuwandte. Vielleicht mag es auch überraschen, dass Ottorino Respighi kein gebürtiger Römer war, sondern erst mit 34 Jahren seinen Hauptwohnsitz in der italienischen Hauptstadt nahm und diese Stadt erst allmählich lieben lernen musste. Seine Römische Trilogie hat ihm dabei geholfen. Zweifellos war der am 9. Juli 1879 in Bologna geborene Ottorino Respighi ein überaus reich begabter Künstler. Als Geiger, Bratscher und Pianist brachte er es zur Meisterschaft, er wurde als Dirigent umjubelt, und seine umfassenden Sprachkenntnisse fanden Bewunderung. Im Jahr 1900 vertauschte Respighi den Dienst im Orchester der Stadt Bologna für eine Saison zugunsten einer Orchestertätigkeit im kaiserlichen Theater von St. Petersburg. Bei dieser Gelegenheit ergab sich der Kontakt zu Nikolai Rimsky- Korsakow. Zwar erhielt Respighi nicht sehr viel Unterricht in St. Petersburg, doch sprach er auch später noch mit Hochachtung von den prägenden Eindrücken, die er bei dem angesehenen russischen Komponisten erhielt. Das verwundert nicht, mochten doch Respighi und Rimsky-Korsakow als wesensverwandte Instrumentationskünstler gelten. Das unter Rimsky-Korsakows Augen entstandene dreiteilige Orchesterwerk Preludio, Corale e Fuga legte Ottorino Respighi Casa Ricordi Respighi 1901 schließlich in Bologna als Prüfungsarbeit vor, und hierfür erhielt er sein Kompositionsdiplom. Ottorino Respighi darf als Kosmopolit gelten. In den Jahren 1908/09 hielt er sich in Berlin auf, wo er sich als Klavierbegleiter in einer Gesangsklasse betätigte. Allerdings machte der Unterricht, den er zu dieser Zeit bei Max Bruch erhielt, keinen größeren Eindruck auf ihn. Als er 1913 nach Rom umzog, wurde er Lehrer für Komposition am Liceo musicale Santa Cecilia wurde er sogar Direktor dieses Instituts, doch gab er dieses Amt wieder auf, um ausgedehnte Konzertreisen unternehmen zu können. Gemeinsam mit seiner Frau Elsa konzertierte Respighi in Nord- und Südamerika, in den Niederlanden traf er mit Igor Strawinsky zusammen, in Finnland begegnete er Jean Sibelius. Er erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, wurde Mitglied der Akademie der schönen Künste in Berlin und Honorarprofessor an der Musikakademie Franz Liszt in Budapest. Am 18. April 1936 starb er in Rom an einer Herzinnenhautentzündung. 6 7 Die Sinfonische Dichtung Die Brunnen von Rom In freier Anlehnung zur Sinfonie bestehen die drei Teile von Ottorino Respighis Römischer Trilogie aus jeweils vier Sätzen, bei denen der Komponist aber auf motivische Verklammerungen verzichtete. Der Gefahr drohender Beliebigkeit ging er dabei durch gedankliche Fortschreitungen aus dem Wege, wenn er etwa dem Tagesablauf folgte oder geschichtliche Reflexionen einstreute. Die Sinfonische Dichtung Die Brunnen von Rom wurde bereits im Herbst 1913 entworfen und erst drei Jahre später vollendet. Ursprünglich sollte Arturo Toscanini die Uraufführung dirigieren. Schließlich war es Antonio Guarnieri, der das Werk erfolglos am 11. März 1917 in Rom vorstellte, und der Siegeszug setzte mit der Mailänder Premiere unter Toscanini am 11. Februar 1918 ein. Der Komponist Ottorino Respighi hat zu jedem Teil seiner Römischen Trilogie programmatische Erläuterungen verfasst. Zu den Brunnen von Rom schrieb er: In dieser symphonischen Dichtung hat der Komponist Empfindungen und Gesichte ausdrücken wollen, die beim Anblick von vier römischen Fontänen in ihm wach wurden, und zwar jedes Mal zu der Tageszeit, wenn ihre Eigenart am meisten mit der betreffenden Umgebung übereinstimmt oder ihre Schönheit auf den Betrachter den größten Eindruck macht. Der erste Teil der Dichtung empfängt seine Eingebungen von der Fontäne in Valle Giulia und malt eine Hirtenlandschaft. Schafherden ziehen vorüber und verlieren sich im frischfeuchten Dunst einer römischen Morgendämmerung. Plötzlicher lauter und anhaltender Hörnerklang über trillerndem Orchester eröffnet den zweiten Teil (die Tritonenfontäne). Es ist gleichsam ein freudvoller Signalruf, auf den Najaden und Tritonen in Scharen herbeieilen, sich gegenseitig verfolgend, um dann einen zügellosen Tanz inmitten der Wasserstrahlen auszuführen. Ein feierliches Thema ertönt über dem Wogen des Orchesters: die Trevi-Fontäne, am Mittag. Das feierliche Thema geht von den Holz- auf die Blechbläser über und nimmt triumphierenden Charakter an. Fanfaren erklingen: auf leuchtender Wasserfläche zieht der Wagen Neptuns, von Seepferden gezogen, mit einem Gefolge von Sirenen und Tritonen vorbei. Der Zug entfernt sich, während gedämpfte Trompetenstöße von ferne widerhallen. Der vierte Teil (die Fontäne der Villa Medici in der Abenddämmerung) kündigt sich durch ein trauriges Thema an, das sich wie über einem leisen Geplätscher erhebt. Es ist die schwermütige Stunde des Sonnenuntergangs. Die Luft ist voll von Glockenklang, Vogelgezwitscher, Blätterrauschen. Alsdann erstirbt dies alles sanft im Schweigen der Nacht. Die Sinfonische Dichtung Die Pinien von Rom Acht Jahre nach der Sinfonischen Dichtung Die Brunnen von Rom wurden 1924 Die Pinien von Rom abgeschlossen. Bereits die Uraufführung am 14. Dezember 1924 unter Bernardino Molinari in Rom war ein Erfolg, doch schon im Januar 1926 begeisterte die Komposition auch das amerikanische Publikum: Arturo Toscanini brachte das Werk in New York heraus, der Komponist leitete wenig später das Philadelphia Orchestra. Wieder hatte Respighi Anmerkungen zum Programm mitgeteilt: I. Die Pinien der Villa Borghese Zwischen den Pinien der Villa Borghese spielen die Kinder. Sie tanzen Ringelreihen, führen Militärmärsche und Schlachten auf und berauschen sich an ihrem eigenen Geschrei wie Schwalben am Abend; dann laufen sie davon. Unvermutet wechselt die Szene... II. Pinien bei einer Katakombe... im Schatten der Pinien rings um den Eingang einer Katakombe, aus deren Tiefe ein wehmütiger Gesang zu uns dringt. Er erhebt sich zu feierlicher Hymne und verklingt dann wieder. III. Die Pinien auf dem Janiculum Ein Zittern geht durch die Luft: in klarer Vollmondnacht wiegen sanft ihre Wipfel die Pinien des Janiculums. In den Zweigen singt eine Nachtigall. IV. Die Pinien der Via Appia Morgennebel über der Via Appia: einsame Pinien stehen Wacht in der tragischen Landschaft der römischen Campagna. Undeutlich, aber immer wieder, glaubt man den Rhythmus zahlloser Schritte zu hören. Der Dichter sieht im Geist uralten Ruhm wieder aufleben: unter dem Geschmetter der Buccinen naht ein Konsul mit seinem Heer, um im Glanze der neuen Sonne zur Via Sacra und zum Triumph aufs Kapitol zu ziehen. Zwar weisen Die Brunnen von Rom und Die Pinien von Rom einen ähnlichen Bauplan auf, doch sind die Ausdrucksmittel bei dem jüngeren Werk nun gesteigert. Es gibt bemerkenswerte klangliche Schärfungen und Überlagerungen. Und verschiedene Eigenwilligkeiten lassen aufhorchen. So besitzt der schnelle erste Teil keine Hauptsatzfunktion, und der Übergang zum zweiten Teil macht einen geradezu beklemmenden Eindruck. Die Szene bei der Katakombe beginnt mit gedämpften Klängen, bis das Thema einer Trompete erklingt zweifellos eine von Respighis schönsten lyrischen Eingebungen. In der Nachtszene des dritten Teils werden die Andeutungen des Vogelgesangs schließlich zur Gewissheit, und der Marsch des vierten Teils erfährt grandiose Steigerungen. Nicht verschwiegen seien trotz aller Bewunderung zwei Vorwürfe. Die Hineinnahme einer Tonbandaufzeichnung mit der Stimme einer Nachtigall wurde auch als geschmacklose Entgleisung geta- 8 9 delt, der Marsch des antiken römischen Heeres wurde mit dem Zug der Faschisten um Benito Mussolini verglichen. Die Sinfonische Dichtung Römische Feste Arturo Toscanini leitete am 21. Februar 1929 die Uraufführung der Sinfonischen Dichtung Römische Feste nicht irgendwo in Italien, sondern in der New Yorker Carnegie Hall. Die Uraufführung an prominenter Stelle bestätigt den Siegeszug des italienischen Komponisten, der in seiner Komposition mit grandioser Farbenpracht Gegensätze aufeinanderprallen ließ und phänomenale Steigerungen herbeiführte. Ein Fortschreiten in gleicher Richtung war nicht mehr möglich, und folglich begann Respighi zunächst wieder für kleinere Besetzungen zu komponieren. Seinen Römischen Festen hatte er jedoch zunächst ein eindrucksvolles Konzept mitgegeben, versuchte er doch vier Feste zu beschreiben, die in der zweitausendjährigen Geschichte der Ewigen Stadt eine wichtige Rolle gespielt haben. Das geschieht auf eindrucksvolle Art und Weise durch Einbeziehung von Chorälen und Kirchengesängen, aber auch durch entwaffnend realistische Momente. I. Circenses Der Himmel steht finster über dem Circus Maximus, aber das Volk ist in Feststimmung: Ave Nero! Die eisernen Tore werden geöffnet, und alsbald ertönt ein Choral nebst dem Gebrüll wilder Tiere. Die Volksmenge wogt hin und her und erbebt: unverzagt steigt der Gesang der Märtyrer empor, siegt und geht unter im Tumult. II. Das Jubiläum Die Pilger schleppen sich betend auf der langen Straße hin. Endlich, von der Höhe des Monte Mario, erblicken ihre brennenden Augen und schmachtenden Seelen die heilige Stadt: Rom! Rom! Sie brechen in eine jubelnde Hymne auf, und es erwidert ihnen das Glockengeläute aller Kirchen. III. Ottobrata Oktoberfest in den rebenumkränzten römischen Kastellen: ferne Jagdrufe, klingende Pferdegeschirre, Liebesgesänge. Es zittert ein romantisches Ständchen durch die milde Abendluft. IV. Die Befana Die Dreikönigsnacht auf Piazza Navona; ein charakteristischer Trompetenrhythmus beherrscht frenetischen Lärm, auf dessen gellender Brandung von Zeit zu Zeit allerhand Klanggebilde vorüberschaukeln, als Bauernlieder, Saltarellohopser, Maschinenorgelklänge aus einer Schaubude und die Stimme des Ausrufers, Gegröle Betrunkener und der selbstbewusste Kehrreim, in den das römische Volk seine Seele legt: Lassàtece passà. Semo Romani!, was bedeutet: Lasst uns durch, wir sind Römer! Jacques Ibert Escales... Der Komponist Jacques Ibert Jacques Ibert war nicht nur ein überaus geschickter französischer Komponist, sondern darüber hinaus eine faszinierende Persönlichkeit. Er wirkte nämlich nicht nur als Musiker, sondern übernahm gleichzeitig wichtige administrative Aufgaben. Sein Geburtsdatum (15. August 1890) macht ihn zum Zeitgenossen der vielen französischen Komponisten der Generation nach Claude Debussy und Maurice Ravel. Jacques Ibert wurde in Paris geboren, und die Seine-Metropole besaß nach der Jahrhundertwende ein einzigartiges kulturelles Klima. Künstler aus aller Welt kamen damals nach Paris. Beispielsweise feierten Sergej Diaghilev und die Ballets Russes ab 1909 in der französischen Hauptstadt Erfolge, doch russische und amerikanische Komponisten ließen sich ebenfalls in Paris nieder, wobei Schriftsteller und bildende Künstler auf ihre Weise zum kulturellen Reichtum der Stadt beitrugen. Im zweiten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts erlebte Paris eine einzigartige kulturelle Blüte, die sich durch den Ersten Weltkrieg zwar veränderte, durch ihre internationale Ausrichtung jedoch nicht abriss. In solch einem kulturellen Klima wuchs Jacques Ibert auf, und am berühmten Conservatoire seiner Geburtsstadt erhielt er seine umfassende musikalische Ausbildung. Der Unterricht bei Émil Pessard, Paul Vidal und André Gédalge bot dabei die stärksten Anregungen. Auch für den angehenden Musiker markierte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs einen nachhaltigen Einschnitt, denn Jacques Ibert wurde sofort eingezogen und diente zunächst als Krankenpfleger an der Front. Später war er als Marineoffizier in Dünkirchen stationiert. Nach dem Krieg beschäftigte er sich sofort wieder mit der Musik, und 1919 gelang es ihm mit der Kantate La poète et la fée im ersten Anlauf, den begehrten Rompreis zu gewinnen. Die große Komponistin und Pädagogin Nadia Boulanger ( ) hatte großen Anteil am Erfolg des jungen Komponisten, der die Prüfungen übrigens in seiner Offiziersuniform absolvierte. Dieser frühe Erfolg ermöglichte einen vierjährigen Aufenthalt in der römischen Villa Medici (1920 bis 1924). Nach zahlreichen weiteren Reisen offizieller und privater Art kehrte Ibert 1937 als Direktor der Académie de France nach Rom zurück, denn das Institut hatte seinen Sitz in der Villa Medici. Mit Unter brechungen füllte Ibert diesen Posten bis 1960 aus wurde er außerdem zum Direktor der Union des Théâtres Lyriques de Paris ernannt. Diese Aufgabe gab er schon im nächsten Jahr wieder ab, weil er sich verstärkt der kompositorischen Arbeit widmen wollte. Jacques Ibert starb am 5. Februar 1962 in Paris. Mit Opern, Balletten, Bühnenmusiken, Orchesterwerken, kammermusikalischen Kompositionen, Klavierstücken und Liedern zeigte der Komponist seine Gewandtheit im Umgang mit verschiedenen Formen, und er bewies zugleich seine Unabhängigkeit von den gängigen Kompositio
Similar documents
View more...
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks