Naturschutz! - Entwicklungsland Deutschland?

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FREIHEIT FÜR TIERE naturschutz: natur ohne jagd Naturschutz! - Entwicklungsland Deutschland? Teil 3 34 Freiheit für Tiere 1/2010 Warum ist das reiche Deutschland als einziges Land in Europa nicht in der
FREIHEIT FÜR TIERE naturschutz: natur ohne jagd Naturschutz! - Entwicklungsland Deutschland? Teil 3 34 Freiheit für Tiere 1/2010 Warum ist das reiche Deutschland als einziges Land in Europa nicht in der Lage, einen Nationalpark zu schaffen, in dem jegliche menschliche Nutzung und Einflussnahme ruht? Wie soll man den Menschen in Afrika, Zentralasien oder Indien erklären, dass sie ihre großen Tierbestände erhalten sollen, wenn die reichen Deutschen nicht bereit sind, Flächen zur Wiederansiedlung von Arten zur Verfügung zu stellen? Der engagierte Natur- und Artenschützer Bernd Baumgart stellt Naturschutzqualitätsziele und Naturschutzstandards in Deutschland auf den Prüfstand. Und er weist nach, dass das deutsche Jagdgesetz mit einem wirksamen Tierschutz und neuen tierökologischen Erkenntnissen unvereinbar ist. Bild: Marty Kropp Fotolia Von Bernd Baumgart, Berlin Die Jagd auf wild lebende Tiere wird heute damit gerechtfertigt, für alle heimischen Tier- und Pflanzenarten Sorge zu tragen und sie zu erhalten. In der Folge wird praktisch auf der gesamten bundesdeutschen Fläche Gewalt gegen Tiere ausgeübt (auch in den Siedlungen können auf Antrag Tiere erlegt werden). Jagd wider Gewaltfreiheit? Begründet wird die Jagd mit Schäden, die von Wildtieren im Kulturland verursacht würden sowie mit einer angeblichen Gefährdung für Menschen im Siedlungsbereich. Nach den Angaben des Forstwirtes Erhard Ueckermann sollen in Gebieten, wo die Dichte der Rothirsche bei 4,5 bis 10 Individuen pro Quadratkilometer liegt, der Prozentsatz der abgefressenen Triebe im Verhältnis zur Gesamtzahl zwischen 16,8 und 40,8 Prozent schwanken, woraus die Notwendigkeit einer Reduzierung der Bestände gezogen wird. Der Zoologe Prof. Carlo Consiglio hält dem entgegen, dass bei den bekannten Rothirsch- und Rehbeständen Fortbestand und Reproduktion des Waldes schon durch eine sehr geringe Zahl von nicht verbissenen Jungpflanzen gesichert sei. Insbesondere die nachgewiesene Zunahme der Artenvielfalt der Pflanzen durch Rehe und Hirsche zeige deren Nützlichkeit für das Ökosystem. Geht es den Forstleuten also um einen gesunden, artenreichen Wald oder um einen möglichst hohen Ertrag in Holzplantagen? Während nach der Jagdgesetzgebung in der ehemaligen DDR jagdfreie Zonen von 200 Meter um die Siedlungen aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben waren, kann nach bundesdeutschem Jagdrecht unmittelbar in der Nähe der Siedlungen gejagt werden, wenn von den Siedlungen abgewandt geschossen wird. Grundeigentümer in freier Landschaft sind generell zur Jagdausübung verpflichtet bzw. haben bei nicht ausgeübter Eigenjagd die Pflicht zur Jagdverpachtung. Dies ist beispielsweise laut dem Brandenburger Landesjagdgesetz 6»insbesondere zur Einregulierung überhöhter Wildbestände sowie zur Durchführung des Jagdschutzes unbedingt erforderlich... Gleichzeitig muss bei hohen Wildbeständen eine flächendeckende Jagd gewährleistet sein...«. Das Bundesjagdgesetz sieht in 6 auf der anderen Seite auch die Möglichkeit vor, die Jagd ruhen zu lassen. Das Ruhen der Jagd wird im Allgemeinen beispielsweise zu Forschungszwecken oder um einen Wildbestand aufzubauen befristet gestattet. In Brandenburg wird die Einrichtung von Wildruhezonen als bedeutende Maßnahme zur Reduzierung von Wildschäden im Hinblick auf die Umsetzung des Waldumbauprogramms (weg von Kiefernreinforsten - hin zu Mischwäldern mit Laubbäumen) seit Mitte der 1990er Jahre hervorgehoben. In diesen so genannten Brandenburger Ruhezonen wird keine regelmäßige Jagd durchgeführt. Das soll allerdings eine jährliche einmalige Drückjagd oder Ansitz-Drückjagd nicht ausschließen. Der Jagdbericht 2000/2001 des Landes Brandenburg nennt 187 Wildruhezonen mit einer Gesamtfläche von Hektar. Der Wildbiologe Klaus-Maria Scheibe konnte 2002 für die Brandenburger Verwaltungsjagdbezirke abweichend nur 147 Ruhezonen mit einer Gesamtfläche von Hektar erfassen. Diese Ruhezonen variieren erheblich in Anzahl pro Kreisfläche, in der Größe und in der Ausstattung. Die Größenunterschiede schwanken etwa zwischen 25 und Hektar je Ruhezone. Sind die Ruhezonen als Äsungsflächen für die Großtiere geeignet und bieten sie genügend Deckung, dann bewegen diese sich häufiger zur Nahrungsaufnahme auch am Tag (in Jagdgebieten sind die von Natur her tagaktiven Tiere praktisch nur nachts unterwegs). Die Großtiere suchen bedeutend häufiger die Wildruhezonen als die vergleichbaren Jagd-Referenzflächen auf. In welchen Maßen die Jagdstrecken (Anzahl der getöteten Tiere pro Jahr) von der Vor- zur Nachwendezeit im Land Brandenburg gestiegen sind, wird im Jagdbericht des Landes Brandenburg 2000/2001 berichtet: Tierart Anzahl Vorwendezeit Anzahl Nachwendezeit Damhirsch ca ca (Jagdjahr 00/01) Reh ca ca (Jagdjahr 00/01) Wildschwein ca ca (Jagdjahr 00/01) Fuchs ca ca (Jagdjahr 99/00) Dachs ca. 100 ca (Jagdjahr 99/00) Waschbär ca. 80 ca (Jagdjahr 99/00) Marderhund ca. 30 ca (Jagdjahr 99/00) Die Zahlen bedeuten, dass der Damhirsch heute zu 58% stärker bejagt wird als in der ehemaligen DDR, das Reh zu knapp 23% stärker bejagt, das Wildschwein zu 39,5% und der Fuchs zu 48%. Der Dachs wird um das 16-Fache, der Waschbär um das 19-Fache und der Marderhund um das 83-Fache stärker bejagt. Die Tatsache, das unzählige Tiere durch Kugeln zwar getroffen, aber nicht gleich tot sind, weil keine lebenswichtigen Organe getroffen wurden, ist hinlänglich bekannt. Diese Tiere sterben häufig Stunden oder Tage später qualvoll an ihren Verletzungen. Ausführlich wird das Thema»Verletzte Tiere und Schussverletzungen«von Prof. Carlo Consiglio in seinem Buch»Vom Widersinn der Jagd«behandelt. Zum Autor Bernd Baumgart, Jahrgang 1960, ist Landschaftsplaner in Berlin und berät Naturschutzverbände wie den NABU in Brandenburg. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins Tarpan e.v., der sich für die Wiederansiedlung seltener Arten einsetzt. Baumgart ist Mitautor des Buches»Naturschutz in der DDR«(1990, Hrsg:: Rösler, Schwab und Lamprecht, Economica) und veröffentlichte eine Reihe Artikel in Fachzeitschriften und populärwissenschaftlichen Zeitschriften. Freiheit für Tiere 1/ FREIHEIT FÜR TIERE naturschutz: natur ohne jagd Wildbiologen gehen in Nordamerika davon aus, dass etwa 25 Prozent der Stock- und Rotfußenten im Laufe ihres Lebens eine Schussverletzung davongetragen haben. Der überwiegende Teil der durch Jagd verletzten Tiere stirbt. Der Anteil der Enten, der nach einer Schussverletzung gesundet, wird auf höchstens 20 Prozent geschätzt (Tiere mit glatten Durchschüssen und/oder geringen Frakturen). In den USA wird allein für die Stockente die Zahl der jagdbedingt verletzten Tiere auf 1 Million geschätzt. Die Zahl der durch Jagd verletzten Tiere wird in Italien vorsichtig auf 35 Millionen jährlich geschätzt. Freilaufende Hauskatzen dürfen von Jagdausübenden erschossen werden, wenn sie sich - je nach Bundesland bis 300 Meter vom nächsten bewohnten Haus entfernt haben.»streunende«oder»wildernde«hunde dürfen erschossen werden, wenn sie sich dem Einflussbereich ihres Besitzers entzogen haben. Der Wildmeister und Jagdautor Behnke fordert insbesondere den systematischen Fang in Fallen. Regelmäßig kommen zur Katzenbekämpfung auch Totschlagfallen zum Einsatz. Der»Jagd auf Haustiere«fallen in Deutschland jährlich etwa Hauskatzen und etwa Hunde zum Opfer. 36 Freiheit für Tiere 1/2010 Bild: Eilert Voss Bild links: Jede 4. Ente trägt im Laufe ihres Lebens eine Schussverletzung davon, die nicht sofort tödlich ist und oft ein qualvolles Siechtum zur Folge hat. In Deutschland schießen Jäger jedes Jahr über eine halbe Million Enten vom Himmel. Ursache für den Rückgang bzw. die Stagnation der Luchsbestände in Deutschland dürfte entweder bewusste illegale Jagd oder die Verwechslung mit Hauskatzen sein, was übrigens auch für den Status der Wildkatze in Deutschland gilt. Auch Wolf und Goldschakal sind in Deutschland durch den erlaubten Hundeabschuss (auch hier besteht Verwechslungsgefahr) akut bedroht - schon mehrfach gaben Jäger an, einen Wolf mit einem Hund verwechselt zu haben. Der Landschaftsplaner Gieselher Kaule schreibt zur deutschen Jagdordnung, dass illegale Abschüsse von Greifvögeln als Kavaliersdelikt gehandelt würden und es selten - und dann auch nur geringe - Strafen gäbe und überhaupt würden die Jäger sich nicht gegenseitig anzeigen. In den meisten Bundesländern seien zur Bekämpfung von Greifvögeln (die streng geschützt sind!) noch immer Fallen wie Schlageisen, Schwanenhals und Habichtkorb sowie Gifteier üblich. Der Schutz von Lebewesen und der Natur besteht im Ideal darin, Naturschutzgebiete nicht durch menschliche Eingriffe zu manipulieren und bestimmte Individuen nicht zugunsten angeblich besserer Lebensbedingungen für andere Lebewesen zu verletzen oder zu töten. In Brandenburg waren ,5 Prozent der Landesfläche»festgesetztes«oder»im Verfahren«befindliches Totalreservat, auf dem Tier- und Pflanzenarten absoluten Vorrang vor menschlichen Nutzungen haben sollen. Unter diesen Totalreservaten waren»forst Zinna/Keilberg«mit Hektar und Lieberoser Endmoräne mit Hektar die beiden größten. Auf all diesen Flächen besteht allerdings kein Jagdausschluss. Der Lebensschützer Wang meint:»wenn es gelänge, Teile der Natur unangetastet vor dem ruinösen menschlichen Einfluss zu belassen, dann wären absolute Naturschutzgebiete ein Reifezeugnis menschlicher Kultur. Der Verzicht auf Manipulationen und der Schutz der Natur vor menschlicher Willkür wären zugleich ein Akt angemessener Bescheidenheit und Ausdruck der Achtung vor der Natur als der Grundlage, der alles Leben seine Existenz verdankt, sowie als Dimension, die weit über das menschliche Auffassungsvermögen hinausgeht.«(wang, A., 1998: Leben - ohne Tiere und Pflanzen zu verletzen oder zu töten. Dragon) Wang warnt davor»bestimmte Arten (zu) vernichten zugunsten angeblich verbesserter Lebensbedingungen für bevorzugte Tiere oder Pflanzen«. Es sei»nicht die Aufgabe des Menschen, gegen die Natur zu handeln und deren selbstständige Entwicklung aufzuhalten«. Wang spricht deshalb auch den Naturschutzbehörden das Recht auf Ausschaltungen von Lebewesen ab. Seit fast 20 Jahren betreibt das Gut Terra Nova in Unterfranken/Bayern den»friedfertigen Landbau«ohne Chemieeinsatz auf der Basis der Drei-Felder-Wirtschaft. Ein Teil der Ernte bleibt auf den Feldern für Wildtiere stehen. Die Landwirte von Terra Nova werden seit Jahren von Jägern und der Jagdlobby angegriffen und verleumdet. Ende November 2004 verpflichtete die Untere Jagdbehörde das Eigenjagdrevier Terra Nova, innerhalb eines Zeitrau- mes vom bis zum monatlich 18 Wildschweine zu erschießen. Unter Strafandrohung der Zahlung von Euro monatlich sollten insgesamt 126 Wildschweine abgeschossen werden. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof entschied am 14. Januar 2005 im Eilverfahren eine Aufhebung. Bereits im Jahr 1999 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Fall von französischen Klägern entschieden, dass ein Grundstückseigentümer, der aus ethischen Gründen das Töten von Tieren ablehnt, die Jagd auf seinen Eigentumsflächen nicht hinnehmen muss. Dennoch entschied das Bayerische Verwaltungsgericht (BayVerw.G) Würzburg am , dass die Landwirte von Terra Nova die Jagd in ihrem Eigenjagdrevier nicht einfachen ruhen lassen können. Die negative Entscheidung des Bay- VerwG zur Eigenverantwortlichkeit von Grundbesitzern rief dann am eine Demonstration von über Tierschützern in Würzburg auf den Plan. Die Berufung gegen dieses Urteil wurde inzwischen vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof zurückgewiesen. Die Jagdgegner lassen sich jedoch nicht entmutigen. Gegenwärtig läuft ein Antrag auf Revision beim Bundesverwaltungsgericht. Die Landwirte von Terra Nova wollen für das Ruhen der Jagd auf ihrem Grundeigentum durch alle Instanzen gehen, wenn nötig bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Jagd und politische Entwicklungen Das Jagdrecht wurde in den Niederlanden seit dem offiziell durch ein Flora- und Faunagesetz abgelöst. Für die Abschaffung des alten Jagdrechtes kämpften seit etwa 30 Jahren die Organisation De Faunabescherming und weitere Naturschutzorganisationen. (Argus 3-4/2000, Zeitschrift von De Faunabescherming, Das Flora- und Faunengesetz) Nach dem neuen Gesetz gibt es nur noch fünf jagdbare Arten (Wildkaninchen, Feldhase, Stockente, Jagdfasan, Ringeltaube und Rebhuhn). Allerdings sind mit begründeten Anträgen Jagderlaubnisse auf andere Arten möglich - und mit Hilfe dieser Ausnahmeanträge ist es den Jäger immer wieder geglückt, weiterhin Hasen, Wildschweine, Füchse, Krähen, Dohlen und Kanadagänse schießen zu dürfen. Viele holländische Jäger wichen aber auch als»gastjäger«nach Deutschland aus. Der Zoologe Prof. Dr. Josef Reichholf ist überzeugt:»die richtige Wilddichte könnte sich ganz von selbst einstellen, wenn das Reh nicht durch übermäßige Scheuheit, durch starke Bejagung und Wildfütterung in den Wald hineingedrängt würde.« Bild: Nicolas Larent Fotolia Freiheit für Tiere 1/ FREIHEIT FÜR TIERE naturschutz: natur ohne jagd In Deutschland sollte das Jagdrecht in der vorletzten Legislaturperiode laut Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen vom grundlegend»unter Berücksichtigung einer naturnahen Waldbewirtschaftung und unter Tierschutzaspekten novelliert werden.«missstände im Jagdwesen, die Verstöße gegen bestehendes EU-Recht sowie eine mangelhafte Beachtung des Tier- und Naturschutzes sollten mit der Reform behoben werden. Doch die Jagdrechtsreform war dann die einzige große Reform der Koalition, die gänzlich unterblieb. Die Novellierung des Bundesjagdgesetzes kam nicht zustande, obwohl von der zuständigen Bundesministerin Renate Künast zunächst Eckpunkte vorgelegt wurden und dann ein Referentenentwurf mit Zustimmung des Umweltministeriums vorlag. Doch aus den Reihen der SPD wurde der Entwurf bis zum vorzeitigen Ende der Koalition 2005 blockiert. Die Verhinderungsstrategie der SPD in Sachen Jagd ignoriert dabei vollständig, dass laut repräsentativen Umfragen in der Bevölkerung längst ein Umdenken stattgefunden hat: hin zum Sich- Erfreuen an Wildtieren ohne zu töten. Darüber hinaus lassen neue ökologisch-wissenschaftliche Erkenntnisse eine Reform, wenn nicht sogar die Abschaffung der Jagd, auch aus Entbürokratisierungsgründen längstens notwendig erscheinen. Die Jagd gerät deshalb auch zunehmend in das Visier der Politik. Im Frühjahr 2007 verkündete der damalige Bundesminister für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, Horst Seehofer, CSU, dessen Ministerium für die Jagd zuständig war, auf einer Jäger-Tagung schließlich den Stop der Novellierung des Bundesjagdgesetzes. Und der damalige CSU-Forstminister Josef Miller setzte einen darauf:»für die nächsten Jahre wird alles beim Alten bleiben.«was hat die Diskussion zur Jagd erbracht:»des Kaisers neue Kleider«. In anderen Bundesländern wird, wie abzusehen ist, dann noch hie und da das Landesjagdgesetz»verbessert«. Forderungen von einigen Politikern nach einem vermehrten Abschuss von Wildtieren empören Natur- und Tierschützer und führten zu Protesten und Demonstrationen. Natur- und Tierschützer wie der Biologe Kurt Eicher von der»initiative zur Abschaffung der Jagd«kritisieren, dass die Jagd aus biologischen und ökologischen Gründen nicht zu rechtfertigen sei. Da die Probleme durch die Jäger quasi hausgemacht seien,»so kann die Jägerschaft behaupten, sie müssen jagen, um die Anzahl der Tiere zu begrenzen«, erklärt auch Willi Schuppert von»pro iure animalis«. Willi Schuppert dokumentiert seit Jahren illegale Fütterungen durch Jäger in Rheinland-Pfalz. Naturschutzqualitätsziele und Naturschutzstandards Verschärfte Nutzungskonflikte und ein fortgesetztes Artensterben in den letzten zwei Jahrzehnten ließen in Deutschland und in der Europäischen Union eine stärkere Implementation (Ingebrauchnahme) des Naturschutzes durch die Bestimmung von Qualitätszielen und Standards notwendig erscheinen. Eingriffe in Natur und Landschaft sind mittlerweile derart komplex, dass folgende Fragen beantwortet werden sollten: Wie qualitativ sind die Naturschutzziele? Was ist der Stand der Wissenschaft? Wie einheitlich sind die Standards tatsächlich in Bezug zu definierten Gegebenheiten, und wie viel Wahlfreiheit bleibt bei angewandtem Prozessschutz? 38 Freiheit für Tiere 1/2010 Werden Qualitätsziele und Standards definiert, bleibt die Frage, inwieweit die Plausibilitäten und die Wirksamkeiten, in Anbetracht von Informationsdefiziten über das Naturgeschehen, einbezogen bzw. überwacht werden können und sollen. Das höchste Qualitätsziel ist die Eigenentwicklung von Biotopen - das sind Räume, die der Mensch nicht beeinflusst und als absolute Naturschutzgebiete oder Wildnisgebiete erklärt werden können. Im neuen Bundesnaturschutzgesetz soll der Prozessschutz Eigenentwicklungen initiieren helfen. Die Qualitätsziele werden in der Praxis differenziert, herabgestuft definiert, sind aber teilweise selbst unter Naturschützern heftig umstritten. Auch die Naturschutzstandards sind häufig nicht klar definiert bzw. werden nicht angewandt (Handlungs- und Vollzugsdefizit). Generell kann gesagt werden, dass juristisch bindende Zusagen auch im neuen Bundesnaturschutzgesetz nicht eindeutig festgelegt wurden und nach wie vor erstritten werden müssen. Das Naturschutzgesetz blieb ein so genanntes weiches Gesetz, das mit Nutzern konkurriert. So genannte harte Gesetze wie bei der Jagd brauchen demgegenüber nicht zu konkurrieren und können eine klare Bindungswirkung entfalten. Ein Zertifizierungsmodus nach der IUCN für Wildnisse der 1b- Kategorie ist mit den Kriterien der Großflächigkeit und dem Unterbleiben jedes menschlichen Einflusses gegeben. Eine weitere Zertifizierung von Wildnisgebieten in Europa bietet das Protected Area Network (PAN), die einen sanften Tourismus in Wildnissen erlaubt. PAN-Wildnisse sollen mindestens Hektar Fläche umfassen. Doch Gerhard Trommer stellt fest:»bis heute hat die Naturschutzgesetzgebung in Deutschland sich nicht mit Wildnisschutz anfreunden können«, obwohl dieser insofern für Nachhaltigkeit stünde, als Ressourcen wie Luft, Wasser, Böden und biologische Vielfalt regeneriert würden. Eine weitere Zertifizierung, die den Prozessschutz implizieren kann, sind die Natura 2000-Gebiete der Europäischen Union, die nach der Flora-Fauna-Habitat-(FFH-)Richtlinie und nach der Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen werden sollen. Die Natura 2000-Gebiete sollen in allen Ländern der Europäischen Gemeinschaft aufgrund von Artenvorkommen und den spezifischen Habitaten die Biodiversität sicherstellen. Ziele des Zertifikats sollen die Behauptung des Lebensschutzes mit Bezug zur Kontrolle der Verschmutzung sein, die Vertiefung des Verständnisses für die über Länder hinweg reichende Biodiversität in Europa bewirken, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die landeseigene Biodiversität steigern und den Zusammenhang von Biodiversität und nachhaltiger Entwicklung schärfen. Das Natura-2000-Netzwerk brachte auch für Experten die Erkenntnis, dass Arten, die in einem Land gewöhnlich sind, europaweit gefährdet sein können. Durch Natura 2000 konnte ein Schutz für diese Arten erwirkt werden. Das Natura 2000-System soll zukünftig durch finanzielle Anreize gefährdete Habitate und Arten auf Landwirtschaftsflächen sicherstellen. In der Praxis zur Umsetzung des Natura 2000-Programms, das von Staat zu Staat unterschiedlich durch Verfahrens-Verschleppungen gekennzeichnet war, steht Deutschland noch heute unter Strafandrohung durch die EU. In Deutschland sollen die Flächengrößen willkürlich je Bundesland auf Prozent gedeckelt werden; regelmäßige Arten- und Habitatmonitorrings unterbleiben, qualifizierte Meldungen auf der gesamten Fläche sind nicht vorgesehen. Aaußerdem sind keine flächendeckenden Kartierungen geplant. Bild: Nicolas Larent Fotolia»Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Sie ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes.«Alexander von Humboldt ( ), deutscher Naturforscher Freiheit für Tiere 1/ FREIHEIT FÜR TIERE naturschutz: natu
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