Nordlicht. Arztbewertungsportale Online-Pranger oder nützliche Hilfsmittel?

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nr. 1/ Offizielles Mitteilungsblatt der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein Nordlicht Januar/Februar Jahrgang A K T U E L L Arztbewertungsportale Online-Pranger oder nützliche
nr. 1/ Offizielles Mitteilungsblatt der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein Nordlicht Januar/Februar Jahrgang A K T U E L L Arztbewertungsportale Online-Pranger oder nützliche Hilfsmittel? serviceseiten ab seite 41 Inhalt seite rubrik/thema TITELTHEMA 4 Arztbewertungsportale: Online-Pranger oder nützliche Hilfsmittel? 6 Auf Dauer zählt nur gute ärztliche Leistung : Interview mit Dr. jur. Albrecht Wienke, Fachanwalt für Medizinrecht 8 Setzen Sie auf Kommunikation : Interview mit Stephan F. Kock, Geschäftsführer Kock + Voeste Existenzsicherung für die Heilberufe 12 Nachrichten Kompakt Gesundheitspolitik 14 Kongress Vernetzte Gesundheit 16 Halbjahresbilanz: Interview mit Landesgesundheitsminister Dr. Heiner Garg Praxis & KV 20 Möglichkeiten und Grenzen der Humangenetik: Interview mit Dr. Lana Harder vom Institut für Tumorgenetik Nord in Kiel 23 Telematikinfrastruktur: Elektronischer Arztbrief Vergütung bleibt bestehen 24 Serie: Die Kreisstelle Segeberg stellt sich vor 25 Bekanntmachungen und Meldungen 34 Psychotherapie: Was bringt das Jahr 2018? 35 Leserbrief 36 Neues aus KVen und KBV Die Menschen im Land 37 Neu niedergelassen in Schleswig-Holstein 38 Theaterarzt in Lübeck: Einsatz zwischen Medizin und Kultur 40 Kommentar: GroKo 2.0 Service 41 Sicher durch den Verordnungsdschungel: Verschiedenes 42 Sie fragen wir antworten 43 Diagnostische Pfade in der Laboratoriumsmedizin: Hypokalzämie 45 Serie: Kooperieren, aber richtig 46 Seminare 47 Termine heft 1/ Aus dem Inhalt Ärzte werden von ihren Patienten immer häufiger auf Internet- Plattformen bewertet. Das ist Segen und Fluch zugleich, denn dort gibt es zwar oft Lob und gute Noten, aber manchmal eben auch kritische Worte oder sogar Beleidigungen. In unserem Titelthema erfahren Sie, wie Ärzte die Bewertungsportale konstruktiv nutzen können, aber auch was sie sich auf keinen Fall gefallen lassen müssen. 04 Dr. Heiner Garg ist neuer und alter Gesundheitsminister Schleswig-Holsteins. Im Interview erläutert der FPD-Politiker die gesundheitspolitische Agenda seiner zweiten Amtszeit. Diese reicht von der Landarztquote über die Reform der Notfallversorgung bis zum Datenschutz in der Medizin istock.com/lumineimages Dr. Thomas Günther liebt die Bretter, die die Welt bedeuten. Deshalb passt der Job als Theaterarzt an den Bühnen Lübecks auch so gut zu ihm. Der Allgemeinmediziner kümmert sich während der Vorstellungen um die medizinische Versorgung von Besuchern und Theaterpersonal. Wertvolle Informationen für Sie und Ihr Praxisteam auf den mit einem grünen i markierten Seiten 2 Nordlicht aktuell 1/2 2018 Nordlicht nr. 1/ EDITORIAL von Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der KVSH Liebe Leserinnen und Leser, in diesen Tagen der Vorbereitung zum Nordlicht erscheint es nun so, als wolle man uns tatsächlich regieren. Man bereitet einen Koalitionsvertrag vor und muss nun beschreiben, welche Ziele gesetzt werden sollen und wie man diese so formuliert, dass nicht nur die Mehrheit im Bundestag, sondern auch die der Parteimitglieder zustimmt. So wird auch die Bürgerversicherung wieder ein Thema. Das Wort klingt so gerecht, dass der Bürger nur dafür sein kann. Fast 70 Prozent antworten mit ja. Frage zwei, dahinter, die nach Inhalt, Umsetzung und Konsequenzen, wird lieber gar nicht erst gestellt, denn dann wäre der Bürger ja gefordert nachzudenken. Das scheint weder politisch noch medial gewollt zu sein, weiß man doch, dass die Bürger mit dem jetzigen dualen System auch mehrheitlich zufrieden sind. Es wird immer etwas zu verbessern geben. Ein Systemwechsel, wie ihn eine Partei jetzt vorhat, bedeutet allerdings: Wenn man nach einigen Jahren einsehen wird, dass die Bürgerversicherung zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung geführt hat, lässt sich die Entscheidung nicht mehr rückgängig machen. Denn die Strukturen des dualen Gesundheitssystems sind dann zerstört und dieser Schaden ist irreparabel. In England können wir gerade beobachten, wie ein Einheitssystem allein durch eine Grippewelle so außer Kraft gesetzt wird, dass alle planbaren Behandlungen auf nicht absehbare Zeit verschoben werden müssen, dass nicht einmal mehr die Notfallbehandlung aufrechterhalten werden kann. So schnell gehen Selbstbestimmung der Patienten und offener Zugang zum Gesundheitssystem für jedermann baden. Es bleibt Rationierung und damit echte Zwei- Klassen-Medizin. Ihr Vorstand stellt sich nun Ende Februar erneut zur Wahl. Und es gibt einen weiteren Kandidaten für den Geschäftsbereich Sicherstellung und Interessensvertretung, sodass es spannend wird. Wir werden aber keine langwierigen Koalitionsgespräche oder Fraktionszwänge brauchen. Jedes Mitglied der Abgeordnetenversammlung stimmt zu jedem Kandidaten geheim ab und zwei werden am Ende gewählt sein. Der Tag des Amtsantritts ist mit dem 1. Juli auch bereits festgelegt und wird auch nicht verschoben. So klar ist Demokratie in der Selbstverwaltung. Erhalten wir sie uns. Herzliche Grüße Dr. Monika Schliffke 1/ Nordlicht aktuell 3 Titelthema Arztbewertungsportale Online-Pranger oder nützliche Hilfsmittel? Es gibt kaum ein Entkommen fast alle niedergelassenen Ärzte sind in einem oder mehreren Internetportalen gelistet, wo Patienten sie und ihre Praxis bewerten können. Dort gibt es dann viel Lob, manchmal auch Tadel. Die Meinungen, die in Bewertungsportalen auftauchen, sind nicht nur für Patienten bei der Suche nach einem Mediziner hilfreich. Auch die Ärzte selbst können daraus Nutzen ziehen. istock.com/a-image Die eine Patientin ist noch nie zuvor bei einem Frauenarzt so gewissenhaft untersucht worden. Die andere empfindet denselben Arzt als unsympathisch und kritisiert, dass er diverse Fachbegriffe verwendete, ohne wirklich auf mich einzugehen. Im nach dem Schulnotensystem aufgebauten Arztbewertungsportal jameda.de bedeutet das für den getesteten Gynäkologen aus Kiel im einen Fall eine glatte 1,0, im anderen eine 5,2. Zugegeben: An der Tagesordnung sind derart krasse Abweichungen nicht. Sie kommen jedoch auf allen Internetseiten vor, deren Nutzer per Mausklick über ihre Ärzte urteilen können. Unbedingt für bare Münze genommen werden sollten die meist mit geradezu amtlich anmutenden Grafiken versehenen Ärzteportale also nicht. Wer allerdings mit den Tücken von Statistiken und den Eigenheiten des Internets vertraut ist, kann durchaus einen gewissen Nutzwert daraus ziehen. Begrenzte Aussagekraft Viel hilft viel. In der Medizin ist dieser Grundsatz mit Vorsicht zu genießen, bei Webseiten zur Bewertung medizinischer Leistungen hat er aber seine Berechtigung. Schließlich bieten selbst noch 4 Nordlicht aktuell 1/2 2018 Titelthema so solide aufgebaute Portale begrenzte Aussagekraft, solange die Zahl der abgegebenen Bewertungen gering ist. Ein Fakt, von dem vor allem jameda profitiert. Deutschlands größte Arztempfehlung, so die Eigenwerbung des Portals, hat tatsächlich eine umfangreiche Reihe von Praxen gelistet. Und nicht nur das. Etliche davon weisen mittlerweile eine dreistellige Zahl von Bewertungen auf, sodass einigermaßen plausible Ergebnisse erwartet werden dürfen. Der anfangs erwähnte Gynäkologe aus Kiel bringt es ebenfalls auf mehr als 100 Bewertungen und kann deshalb die eine oder andere Fünf gut wegstecken. Im Durchschnitt kommt er immer noch auf eine 1,4 und liegt damit im Trend der häufig Bewerteten, die fast durchweg irgendwo zwischen den Noten eins und zwei eingestuft werden. Selbst bei Marktführer jameda werden die Statistiken hingegen häufig dünn, weil im Einzelfall nur wenige Einstufungen vorliegen. Was wiederum Gründe haben kann, die mit den Leistungen der betreffenden Ärzte überhaupt nichts zu tun haben. Kleinere Praxen lösen automatisch weniger Bewertungen aus als große, und wer überwiegend ältere Patienten betreut, kommt ebenfalls eher seltener in den Genuss eines Online-Checks als ein Mediziner mit hipper Großstadt-Klientel. Dann wäre da noch das psychologische Phänomen, wonach die Unzufriedenen meist lauter sind als die Zufriedenen. Das Deutsche Ärzteblatt zitierte dazu jüngst einen alterfahrenen Mediziner mit folgenden Worten: Habe circa zufriedene oder zumindest nicht unzufriedene Patienten in 16 Jahren behandelt. Davon haben circa fünf eine positive Bewertung abgegeben. Darüber hinaus habe ich circa 15 vernichtende Bewertungen erhalten, wo letztendlich nur Meinungsverschiedenheiten der Auslöser waren. Relativ wenige Bewertungen können andersherum geradezu ein Beleg für die Qualität des betreffenden Portals sein. So testete die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien vergangenes Jahr zehn Portale und ermittelte darunter mit nur einen Anbieter, der Personen, die eine Bewertung abgeben wollen, besonders gründlich überprüfte. Überwiegend ist es ansonsten bereits mit einer gültigen -Adresse getan. Löblich zurückhaltend ist weisse-liste.de auch, was die Veröffentlichung von Durchschnittsnoten und Diagrammen betrifft. Um Werte nicht objektiver erscheinen zu lassen als sie sind, werden sie erst dann veröffentlicht, wenn eine Mindestanzahl von Bewertungen vorliegt. Was angesichts des strengen Registrierungsverfahrens durchaus dauern kann. Anonyme Schmähkritik Doch, was wenn eine Bewertung offensichtlich böswillig oder gar wegen ihres beleidigenden oder verleumdenden Charakters rechtswidrig ist? Die meisten Portale versuchen das durch automatisierte Prüfverfahren zu vermeiden, einige wenige setzen Menschen aus Fleisch und Blut zum Gegenlesen ein. Immer bleibt aber als Grundproblem eine gewisse Waffenungleichheit: Anonyme Nutzer können mit im Zweifel nicht nachprüfbaren Behauptungen Ärzte an den digitalen Pranger stellen und mithin sogar deren wirtschaftliche Existenz gefährden. Genau darauf hat die Rechtsprechung mittlerweile umfassend reagiert. Bereits 2014 stellte der Bundesgerichtshof fest, dass sich im Interesse des freien Wettbewerbs Ärzte nicht einfach aus Bewertungsportalen löschen lassen können. Eine ganze Reihe von Gerichtsurteilen höherer Instanzen hebt jedoch zugleich hervor, dass sich die Betreiber der Seiten an strikte Regeln halten müssen. So entschied das Landgericht München im März 2017, dass die jeweilige Plattform beweisen muss, dass eine schlechte Bewertung echt ist und nicht der kritisierte Arzt. Grundsätzlich gab der Bundesgerichtshof den Betreibern der Portale außerdem im Jahr 2016 umfangreiche Prüfpflichten mit auf den Weg, um die Richtigkeit von Äußerungen festzustellen. Begründung: Derartige Portale trügen ein hohes Risiko von Persönlichkeitsrechtsverletzungen in sich, zumal Bewertungen anonym oder pseudonym abgegeben werden könnten. Der betroffene Arzt könne sich also kaum wehren und müsse insofern auf gehobene Sorgfalt des Portalbetreibers vertrauen dürfen. Andersherum führt kein Weg an der Diagnose vorbei, dass Arztbewertungsportale immer mehr zum Standardwerkzeug bei der Suche nach dem richtigen Heilkundler werden. Bereits ein Drittel der Patienten gibt in einschlägigen Umfragen an, schon einmal darauf zurückgegriffen zu haben. Durch schlichtes Ignorieren würden sich also selbst skeptische Ärzte kaum einen Gefallen tun. Warum also das Ganze nicht bei aller Fragwürdigkeit positiv nutzen? Arztportale können wunderbare Instrumente zur Sicherung und Verbesserung der Qualität sein, wenn auf die richtigen Kriterien geachtet wird. Kommt es beispielsweise im Netz häufiger zu Kritik an langen Wartezeiten, mangelnder Freundlichkeit des Personals oder wenig verständlicher Ausdrucksweise des Arztes, spricht einiges dafür, dass es in diesen Bereichen tatsächlich Luft nach oben gibt. Martin Geist, Journalist 1/ Nordlicht aktuell 5 Titelthema Arztbewertungsportale Auf Dauer zählt nur gute ärztliche Leistung Dr. jur. Albrecht Wienke ist Fachanwalt für Medizinrecht in Köln. Er beschreibt im Nordlicht-Interview den rechtlichen Rahmen, in dem sich Arztbewertungsportale bewegen. Außerdem gibt er Ärzten Hinweise, wie Sie sich am besten verhalten, wenn es Probleme mit Bewertungen im Internet gibt. Nordlicht: Seit gut zwölf Jahren gibt es Arztbewertungsportale und genauso lange haben Ärzte Ärger mit anonym abgegebenen Bewertungen und Schmähkritiken von Patienten. Wie sieht die aktuelle Rechtslage aus? Dr. Albrecht Wienke: Bei Bewertungsportalen ob Ärzte, Hotels oder Gaststätten kollidieren regelmäßig verschiedene Grundrechtspositionen. Dazu hat der Bundesgerichtshof festgestellt, dass das Recht des Betreibers eines Internet- Bewertungsportals auf Kommunikations- und Meinungsfreiheit gegenüber dem Recht des Arztes auf informationelle Selbstbestimmung überwiegt. Dieser hat daher die Online-Benennung seines Namens mitsamt fachbezogenen Informationen sowie die Bewertung seiner Leistungen in öffentlich zugänglichen Bewertungsportalen zu dulden. Dahinter steht der Grundsatz der freien Arztwahl. Die Duldungspflicht endet selbstverständlich dort, wo die Portale missbräuchlich zum Nachteil des Arztes genutzt werden. Nordlicht: Wie können sich Ärzte am besten wehren, wenn sie eine anonyme Schmähkritik über sich in einem Bewertungsportal entdecken? Wienke: Die Ärzte sollten zunächst davon absehen, vorschnell ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen und keine Wut- s verschicken. Wenn es sich aber tatsächlich um schmähkritische Aussagen handelt, genießen diese nicht mehr den Schutz der Meinungsäußerungsfreiheit. Bei einer solchen gezielten missachtenden Äußerung ist regelmäßig bereits der Straftatbestand der Beleidigung verwirklicht. Die Veröffentlichung derartiger Kommentare ist unzulässig und sollte daher zur Anzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft gebracht werden. Nordlicht: Ärzte, die sich ungerechtfertigt an den Online- Pranger gestellt sehen, könnten sich doch auch gleich direkt an den Portalbetreiber wenden und die komplette Löschung eines Eintrags verlangen. Wie sehen die Erfolgsaussichten aus? Wienke: Bei schmähkritischen Kommentaren ist es sinnvoll und erfolgsversprechend, sich direkt an den Betreiber des Portals zu wenden, da die Veröffentlichung ja unzulässig ist. Handelt es sich hingegen um Bewertungen, mit denen der Arzt (nur) nicht einverstanden ist, etwa weil er die Schilderungen keinem Wienke Vorgang in seiner Praxis zuordnen kann, sind die Erfolgsaussichten sehr einzelfallabhängig. Fest steht (höchstrichterlich), dass der Arzt von dem Betreiber des Portals keine Auskunft über die Identität des Bewertenden verlangen kann. Auf eine Beschwerde des Arztes hin hat das Bewertungsportal allerdings den Vorgang gründlich zu prüfen. Der Betreiber muss Kontakt zu dem bewertenden Nutzer aufnehmen und ihn auffordern, eine möglichst genaue Beschreibung der fraglichen Behandlung abzugeben. Zudem muss der Nutzer Belege etwa anhand von Rezepten dafür vorbringen, dass er tatsächlich von dem beanstandeten Arzt behandelt worden ist. Diese können dann in anonymisierter Form an den Arzt weitergeleitet werden. Folglich besteht also eine Beweispflicht für denjenigen, der die kritische Bewertung abgegeben hat, zumindest dahingehend, dass er auch von dem beanstandeten Arzt behandelt wurde. Insbesondere hinsichtlich Tatsachenbehauptungen sind die Erfolgschancen einer Löschung größer, da dem Bewertenden die Beweisbarkeit regelmäßig schwer fallen wird. Nordlicht: Wagen Sie eine Prognose: In welche Richtung wird sich die Rechtsprechung in Sachen Bewertungsportale entwickeln und worauf sollten sich Ärzte künftig einstellen? Wienke: Nach dem ersten Aufschrei zu den Anfängen der Online-Bewertungsportale ist die aktuelle Entwicklung in der 6 Nordlicht aktuell 1/2 2018 Titelthema Rechtsprechung durchaus zu begrüßen. Der Arzt kann zunehmend erfolgreich aus seiner Sicht ungerechtfertigte Bewertungen bei den Portalbetreibern beanstanden. Dennoch bleibt die Anonymität der Nutzer aus Ärztesicht nach wie vor die entscheidende Hürde, um im zügigen Zweiparteienverfahren eine Unterlassungs- oder Löschungserklärung zu erwirken. In der Praxis sind Beanstandungsverfahren daher meist langwierig und frustrierend. Bleiben die ungenügenden Bewertungen Einzelfälle und die positiven Kommentaren deutlich im Plus, sollte eine schlechte Benotung nicht kriegsentscheidend sein. Für die Zukunft behaupte ich, dass der digitale Fortschritt den Ärzten mehr Nutzen als Nachteil bringen wird. Bereits jetzt kann über die Portale eine überregionale Bewerbung der eigenen Praxis stattfinden und in verschiedenen Formen (bspw. Silber-, Goldoder Platinpakete) erfolgen. Dennoch wird es auch in Zukunft immer wieder zu grundsätzlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Selbstbestimmungsrecht der Ärzte und dem Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit der Patienten und Online-Dienstleister kommen. Letztlich wird es aber dabei bleiben, dass auf Dauer nur gute ärztliche Leistung zählt, die sich bei den Patienten herumspricht und zu positiven Bewertungen und Anerkennung der Patienten führt. Das Interview führte Jakob Wilder, KVSH Kein geeignetes Mittel zur Qualitätsbewertung Fehlende Objektivität bleibt ein Problem Online-Bewertungsportale werden aus Sicht von Verbraucherschützern gern als Instrumente angepriesen, die Transparenz in das Dienstleistungsgewerbe bringen sollen. Ob das Handeln von Ärzten und Psychotherapeuten als zu bewertende Dienstleistung anzusehen ist, kann hier nicht weiter diskutiert werden. Tatsache ist aber, dass in der Regel Negativbewertungen gepostet werden, wenn der subjektiv empfundene Anspruch auf Bedürfnisbefriedigung nicht schnell und ausreichend erfüllt wird (... habe zu lange gewartet, Zeitschriften waren nicht aktuell, Parkplätze waren voll... ). Eine echte Bewertung der Qualität der ärztlichen und psychotherapeutischen Arbeit kann gar nicht erfolgen, weil der Patient dazu in der Regel nicht in der Lage ist. Wenn die Therapieempfehlung nicht in die Wunschvorstellung passt, wird halt eine negative Bewertung abgegeben oder es wird gleich als Drohmittel benutzt (... da werde ich sie aber ganz schlecht im Internet bewerten... ). Auch in grauer Vorzeit (bevor es das Internet gab) wurden die Ärzte von den Patienten bewertet und zwar durch Abstimmung mit den Füßen. Jetzt müssen sie sich anonym mit verbalem Dreck bewerfen lassen. Dr. Bernhard Bambas, Facharzt für Augenheilkunde, Bad Segeberg Die Bewertung einer ärztlichen Leistung ist äußerst schwierig zu objektivieren. Das ist einer der Gründe, warum es bisher niemandem gelungen ist, z. B. die ärztliche Leistung nach deren Qualität zu vergüten, oder auch für eine bessere Leistung eine bessere Bezahlung zu bekommen. Dieses Problem kann auch eine Bewertung von Ärzten durch Arztbewertungsportale nicht beseitigen. Eine Patientenbewertung ist in der Regel subjektiv und spiegelt wider, wie es dem Patienten gefallen hat. Es wird außerdem nicht eine zufällige und damit statistisch saubere und repräsentative Umfrage angestrebt, sondern die Meinungen selektieren sich von selbst. Das ist legitim wie etwa eine erweiterte Mundzu-Mund Propaganda. Damit kann dann aber eindeutig nicht die bestmögliche medizinische Leistung gemeint sein. Mit dem Blick auf die Arztbewertung könnte es passieren, dass ein Arzt mehr Wert auf zufriedene Patienten als auf gesunde Patienten legt. Das kann man wollen (auch als Patient, Krankenkasse oder Gesetzgeber), aber so verstehe ich meine Aufgabe als niedergelassener Arzt bisher nicht. Das dürfte allerdings nicht jedem Nutzer der Arztbewertungsportale klar sein. Dr. Dennis Wolter, Facharzt für Orthopädie, Ahrensburg istock.com/matjaz SLANIC 1/ Nordlicht aktuell 7 Titelthema Arztbewertungsportale Setzen Sie auf Kommunikation Stephan F. Kock ist Geschäftsführer von Kock + Voeste Existenzsicherung für die Heilberufe GmbH und berät bundesweit akademische Heilberufler. Er beschreibt im Nordlicht-Interview, wie sich der richtige Umgang mit Arztbewertungsportalen und gutes Praxismarketing miteinander verbinden lassen. Nordlicht: Einige Ärzte scheinen immer noch wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren, wenn es um das Thema Arztbewertungsportale geht. Andere nutzen dieses Mittel bereits sehr offensiv, um gezielt Werbung für ihre Praxis zu machen. Wie sieht die richtige Strategie aus? Stephan F. Kock: Ein
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