Pharma-Industrie: Kommt der Mittelstand unter die Räder?

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Pharma-Industrie: Kommt der Mittelstand unter die Räder? 1. Einleitung: Was kommt auf die deutsche Pharma-Industrie zu? 2. Die Konzentration geht weiter 3. Strategische Position und Perspektiven des Pharma-Mittelstandes
Pharma-Industrie: Kommt der Mittelstand unter die Räder? 1. Einleitung: Was kommt auf die deutsche Pharma-Industrie zu? 2. Die Konzentration geht weiter 3. Strategische Position und Perspektiven des Pharma-Mittelstandes Prof. Dr. Werner Hoffmann ist Professor an der FH Ludwigshafen, insbesondere für Corporate Finance und Strategisches Management, sowie Senior Advisor der Corfina AG. Dr. Peter Roventa ist Partner und Vorstand des Investmentbanking- und M&A-Beratungsunternehmens Corfina AG in Frankfurt. Dietrich Weichsel ist ehemaliger Geschäftsführer verschiedener internationaler Pharmaunternehmen. 1. Einleitung: Was kommt auf die deutsche Pharma-Industrie zu? Die 10 größten global aufgestellten Pharma-Unternehmen haben in den letzten 20 Jahren ihren Marktanteil am Weltpharma-Markt mehr als verdoppelt. Ihr aggregierter Marktanteil stieg von rd. 24 % auf 51 %. Mit einem Weltumsatz von deutlich mehr als 40 Mrd. US$ kontrolliert der Weltmarktführer Pfizer mehr als 11 % der globalen Pharma-Umsätze. Mit Pfizer, GlaxoSmithKline, Novartis und Merck & Co. scheint überdies das Quartett festzustehen, das in den kommenden Jahren das Gesicht der Pharma- und, in wichtigen Teilen, wohl auch der Biotechnologie-Branche prägen wird. Die dominierende Position dieser Branchenschwergewichte verdeutlicht auch der Blick auf ihre Marktkapitalisierung. Der Börsenwert von Pfizer beläuft sich auf rd. 265 Mrd. US$, was alleine schon dem Bruttoinlandsprodukt von Ländern wie Argentinien, Belgien oder der Schweiz entspricht. Durch organisches Wachstum und vor allem aber Übernahmen konnte Pfizer seinen Marktwert seit 1993 um mehr als 240 Mrd. US$ steigern und damit mehr als verzehnfachen. Die in der Hierarchie nächstplatzierten GlaxoSmithKline und Novartis oder Merck & Co. sind demgegenüber mit deutlich geringeren Marktkapitalisierungen von 140 Mrd. US$ und 110 Mrd. US$ lediglich Follower. Trotzdem haben aber damit die 3 weltgrößten Pharmaunternehmen einen Börsenwert von zusammen knapp 500 Mrd. US$ und damit in etwa soviel wie Norwegen, Dänemark und Finnland an Bruttoinlandsprodukt zusammen. Im Vergleich hierzu ist das Gewicht der deutschen Pharma-Industrie im globalen Pharma-Markt gering. Trotz anhaltender globaler Konsolidierung in der Pharma- Industrie und ausgeprägten Übernahmeaktivitäten ist der Pharma-Markt weltweit und insbesondere in Deutschland noch stark fragmentiert: Der Umsatz der sechs größten deutschen Anbieter Altana, Bayer, Boehringer Ingelheim, Merck Darmstadt, Schering, Schwarz Pharma erreichte im Jahr 2002 zusammen nicht einmal den Umsatz von Pfizer allein. Im Konzert der großen Anbieter ist das größte deutsche Pharma-Unternehmen, Boehringer Ingelheim, mit einem Umsatz von 7,3 Mrd. nur mittelgroß. Der heutige Größennachteil der deutschen Pharma- Industrie ist auf mangelndes wertsteigerndes Unternehmenswachstum in der Vergangenheit und damit zusammenhängend - ihre im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Ertragskraft zurückzuführen. Nach einer Untersuchung der Rating-Agentur Standard & Poor`s erzielt von den 6 größten deutschen Pharma-Unternehmen lediglich Altana mit 25 % Rendite vor Zinsen und Steuern auf das eingesetzte Kapital eine mit den Top Ten der Weltpharmabranche vergleichbare Kapitalverzinsung. In Deutschland besteht trotz einiger Übernahmen in der Vergangenheit immer noch ein namhafter Pharma-Mittelstand, der angesichts einer verschärften Marktund Wettbewerbsdynamik sowie anhaltender Einsparungsmaßnahmen im Gesundheitswesen vor großen Herausforderungen steht. Bevorstehende umfangreiche Patentausläufe sowie die wachsende Bedeutung der Biotechnologie als Innovationsmotor treiben die Veränderungen in der Pharmaindustrie. Hinzu kommen der wachsende Einfluss der Patienten bzw. Konsumenten, des Internets aber vor allem die erheblichen Finanzierungsprobleme im deutschen Gesundheitssystem und in den übrigen reifen Märkten. Diese reduzieren die zukünftigen Wachstumsund Ertragsaussichten insbesondere der mittelständischen Pharma-Unternehmen 2 mit inländischem Tätigkeitsschwerpunkt je nach Produktsegment teilweise dramatisch. Aufgrund der ausgeprägten Wachstumsschwäche der deutschen Volkswirtschaft und der größeren politischen Widerstände im Bereich der Selbstverwaltung und Krankenhäuser zielen die Maßnahmen zur Sanierung des Gesundheitssystems ganz wesentlich auch auf die Eindämmung des Anstiegs der Arzneimittelausgaben. Nach einer Prognose von IMS könnten sich hierdurch (unter Berücksichtigung des 16%igen Herstellerrabattes und weiterer Auswirkungen des GMG) die Herstellerumsätze für Arzneimittel im GKV-Markt in 2004 um bis zu knapp 20 % verringern. Marktposition, Wirtschaftskraft und Unternehmenswert mittelständischer Hersteller mit überwiegend bisher erstatteten nichtverschreibungspflichtigen Produkten sind hierbei besonders gefährdet. Diese Diagnose wird durch die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Gemeinschafts-Studie des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie und der Steinbeis University bestätigt. Hiernach erwarten die befragten mittelständischen Pharma-Unternehmen ganz überwiegend ein Sterben des Pharma - Mittelstandes, 46 % sehen die eigene Existenz gefährdet. Zwei Drittel der Unternehmen erwarten Umsatzrückgänge von bis zu 25 %, zwölf Prozent der mittelständischen Pharma-Unternehmen rechnen gar mit noch größeren Erlösrückgängen. Mehr als drei Viertel der Unternehmen rechnen mit einer Verminderung des Unternehmenswertes. Nicht nur der (Markt-) Wert des Sachkapitals wird hiernach sinken, vielmehr planen 61 % der befragten mittelständischen Pharma-Unternehmen kräftige Streichungen bei den Forschungsausgaben und einen breitangelegten Stellenabbau - mit der Folge eines Verlustes der fähigsten Mitarbeiter und damit des Humankapitals der Unternehmen. In dieselbe Richtung einer zunehmenden Erosion der wirtschaftlichen Grundlagen des Pharmageschäftes in Deutschland weisen die Ergebnisse der Branchenprognose 2004 des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Hiernach rechnen rd. drei Viertel der befragten Unternehmen mit einer Stagnation oder gar einem Rückgang der Erlöse. 79 % der Unternehmen planen, die Belegschaften zu verringern und 63 % wollen ihre F & E-Aufwendungen spürbar zurückfahren. Auch in der Rangliste der attraktivsten Pharma-Forschungsstandorte verdient Deutschland nach Auffassung der VFA-Mitgliedsunternehmen nur noch die Note 4. Die vorderen Plätze in der Attraktivitätsrangordnung nehmen die USA mit einer Beurteilung von 1,3, gefolgt von der Schweiz mit 2,2 sowie Japan und Großbritannien mit 2,7 ein. Auch Frankreich liegt mit der Note 3,3 noch vor Deutschland. Und als größtes Krisensymptom: Von 130 Pharma- Forschungsstätten weltweit sind gerade mal 10 in Deutschland. Ursächlich für das schlechte Abschneiden Deutschlands im Standortvergleich sind hiernach insbesondere die Vorschriften des seit Jahresbeginn geltenden GKV- Modernisierungsgesetzes mit dem 16 %-igen Zwangsrabatt sowie die Festbetragsregelung für patentgeschützte Innovationen. Leider trifft der dadurch ausgelöste Anpassungs- und Handlungsbedarf oftmals auf rapide verschlechterte Handlungsspielräume. Häufig fehlen die wettbewerbskritische Unternehmensgröße im bearbeiteten Marktsegment, um die notwendigen Investitionen im F&E-Bereich zur Füllung der Projektpipeline, zum Aufbau bzw. Unterhalt einer starken Vertriebsorganisation und zur erfolgversprechenden Bearbeitung von attraktiven Auslandsmärkten zu finanzieren. Daher mangelt es oftmals auch an den finanziellen und personellen Ressourcen, um durch Schaf- 3 fung einer starken Produktmarke erfolgreich Produktdifferenzierung zu betreiben, damit das Erlösniveau zu sichern und im konsumentennahen Geschäft, etwa der Selbstmedikation und bei Lebensmittelergänzungs-Produkten, für die erfolgversprechende Werbeunterstützung zu sorgen. Dies trägt nicht unerheblich zur Verschlechterung der Wachstums- und Ertragsaussichten bei. Mit der Ertragskraft mittelständischer Pharma-Unternehmen wird sich aber auch ihre in der Vergangenheit meist noch gute Bonität verschlechtern: Innen- und Außenfinanzierung von Investitionen werden erschwert; die zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit erforderlichen Finanzmittel sind nicht oder nur zu verschlechterten Konditionen erhältlich. Auch dies löst spiralförmig weiteren Druck auf die strategische Position und die zukünftige Ertragskraft der betroffenen Unternehmen aus. Vor dem Hintergrund der künftigen Eigenkapitalregelungen der Banken (Stichwort Basel II ) erhält dies weitere Brisanz. Der Zugang zu Kapital wird zukünftig über das Rating der Kreditwürdigkeit der Kapitalnehmer sehr viel differenzierter als bisher gesteuert. Folge für mittelständische Pharma- Unternehmen wird sein, dass Finanzierungsspielräume eingeschränkt werden o- der Fremdkapital nur zu höheren Zinssätzen und zusätzlicher Besicherung von den Banken und dem Kapitalmarkt bereitgestellt wird. Dies ist eine Erfahrung, die Pharmaunternehmen bisher im Unterschied zu vielen anderen Branchen weitestgehend erspart geblieben ist. Die in der Vergangenheit übliche Quersubventionierung riskanterer Kapitalnehmergruppen durch risikoärmere im Zuge einer Durchschnittskalkulation von Kreditkonditionen werden einer risikoangepassten Individualkalkulation Platz machen. Das bewirkt eine verstärkte Konditionenspreizung zulasten des Mittelstandes. Ausmaß, Tempo und Konsequenzen der Veränderungen lassen ein weiteres Abwarten für mittelständische Pharmaunternehmer nicht ratsam erscheinen. Denn als wesentliche Folge der oben skizzierten Entwicklung steigt in vielen Fällen das Geschäfts-, Investitions- und Finanzierungsrisiko. Wettbewerbsfähigkeit, Ertragskraft und damit der Unternehmenswert, der bei vielen Unternehmerfamilien vielfach den wesentlichen Teil des gesamten Vermögens ausmacht, stehen auf dem Spiel. Dieses Szenario, das für die überwiegende Mehrzahl der mittelständischen Pharma-Unternehmen heute schon Realität ist, ist eingebettet in einen globalen Trend fortgesetzter Konzentration. Auch wenn der bislang erreichte Marktanteil der 10 größten Anbieter von mehr als 50 % am Weltpharma-Markt hoch erscheint, so dürfte der Konsolidierungsprozess in der Branche bei weitem noch nicht zu Ende sein. Gerade in den eher stagnierenden Pharma-Märkten wird sich das Konsolidierungstempo verschärfen. Die Frage ist daher, wie sich der mittelständische Pharma-Unternehmer am besten in diesem Prozess verhalten sollte, um den häufig in vielen Jahrzehnten und/oder Generationen geschaffenen Unternehmenswert abzusichern. Und hier gilt wie in der Vergangenheit in vielen anderen Branchen insbesondere auch der historische Satz von Michail Gorbatschow Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!. Im Zuge dieses Beitrags werden daher zunächst die wesentlichen Aussagen einiger jüngerer Studien und der wissenschaftlichen Forschung zu Stand und voraussichtlicher Entwicklung von Globalisierung und Industriekonsolidierung vorgestellt. Dadurch entsteht für die folgenden Überlegungen eine empirische und theoretische Faktenbasis. In einem weiteren Schritt werden die hieraus resultierenden Gefährdungen, aber auch Chancen, für mittelständische Pharma- 4 Unternehmer herausgearbeitet. Abschließend loten wir Handlungsspielräume und Perspektiven für den Pharma-Mittelstand aus. Wir zeigen für die Unternehmer Aktionspunkte und weisen Wege zur erfolgversprechenden Neuorientierung. 2. Die Konzentration geht weiter Im fortschreitenden Prozess der Globalisierung befinden sich viele nationale Märkte, Wirtschaftsräume und Branchen in unterschiedlichen Phasen des Übergangs von lokal geprägten zu globalen Wirtschaftsstrukturen 1. Ungeachtet der derzeit insgesamt eher abnehmenden Anzahl von Akquisitionen und Fusionen im Zuge des weltweiten Börsencrashs seit dem Jahr 2000 ist der langfristige Trendverlauf zur zunehmenden Konzentration eindeutig 2. Eine aktuelle und langfristig empirisch angelegte Untersuchung von A. T. Kearney zeigt im Verlauf von Industriekonsolidierungen feste Muster, welche fast den Charakter von Gesetzmäßigkeiten aufweisen 3. Ergebnis der A.T.Kearney-Studie ist, dass dieser Konsolidierungsprozess nahezu gesetzmäßig von der Fragmentierung - und einer großen Zahl von Unternehmen - zur oligopolistischen Kooperation in der Endphase mit wenigen Marktführern durchläuft. Betrachten wir den historischen Verlauf der Zusammensetzung von Aktienindizes 4, so scheint sich auch dort die A.T.Kearney Studie zu bestätigen: Von der ursprünglichen Liste von 100 Unternehmen der Forbes 100 aus dem Jahre 1917 waren 70 Jahre später noch 18 Unternehmen und damit nicht einmal 20% unter den Top 100. Von den 1957 bei Auflegung des Standard & Poor`s 500-Aktienindex enthaltenen 500 Unternehmen waren 1997 also 40 Jahre später - nur noch 74 oder gerade mal 15% noch im Index vertreten. Ungefähr 200 Unternehmen - oder 40% - des Standard & Poor`s 500- Aktienindex von 1985 waren Ende 2002 also nur 17 Jahre später - noch im Index enthalten. Rund 60 % dieser Aktien blieben dabei unter der Index-Rendite als Vergleichsmaßstab. 1 Vergleiche zum folgenden Bryan, Lowell/Fraser, Jane/Oppenheim, Jeremy/Rall, Wilhelm: Die neue Weltliga. Wie Unternehmen von grenzenlosen Märkten profitieren, Frankfurt/New York 2000, insbesondere S ; Deans, Graeme K./Kröger, Fritz/Zeisel, Stefan: Merger Endgames Strategien für die Konsolidierungswelle, Wiesbaden 2002, S Kritisch zur These von der Unausweichlichkeit und wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit von globalen Großfusionen äußern sich Ghemawat, Pankaj/Ghadar, Fariborz: The dubious logic of global megamergers. In: Harvard Business Review, Vol. 78 (July-August 2000), S Im Gegensatz zu Deans/Kröger/Zeisel kommen Ghemawat/Fariborz zu dem Ergebnis, dass der am Herfindahl-Index gemessene Konzentrationsgrad in globalisierten Industrien in den letzten 50 Jahren gesunken ist. Gesunkene Konzentrationsgrade sind hiernach in Commodity-Industrien (Mineralöl, Bergbau), der Automobilindustrie und im Hoch- Technologiebereich festzustellen. 2 Vgl. auch Brühl, Volker: Strategische Trends im M&A-Geschäft. In: Die Bank, Nr. 4 (2003), S mit weiteren Argumenten für eine fortgesetzte Beschleunigung des Strukturwandels. 3 Vgl. zum folgenden Deans, Graeme K./Kröger, Fritz/Zeisel, Stefan: Merger Endgames, a. a. O., S und S Vgl. zum folgenden Foster, Richard/Kaplan, Sarah: Creative Destruction, a. a. O., S Auch bei den Pharma-Unternehmen hat die Konzentration zugenommen: IMS zufolge stieg der Marktanteil der 10 umsatzstärksten Pharma-Unternehmen in den letzten 20 Jahren um 27 %-Punkte auf rd. 51 %. Der Marktanteil der nächstgrößeren 10 Pharma-Gesellschaften erhöhte sich in diesem Zeitraum lediglich auf rd. 16 % (+ 2%-Punkte). Damit kontrollieren aber die 20 größten Unternehmen mehr als 2/3 des globalen Pharma-Marktes. Einige besonders spektakuläre Mega-Mergers der letzten Jahre waren sicher das Zusammengehen von Pharmacia & Upjohn mit Monsanto und die anschließende Übernahme durch Pfizer (die zwischenzeitlich schon Warner-Lambert integriert hatten) sowie die Zusammenschlüsse von Glaxo Wellcome und SmithKlineBeecham zu GlaxoSmithKline, von Astra und Zeneca sowie Sanofi und Synthélabo. Hoechst und Rhône-Poulenc Rorer verschmolzen zu Aventis, Ciba-Geigy und Sandoz fusionierten zu Novartis. Und derzeit wird gerade wieder über Gespräche zwischen Sanofi- Sythélabo und Aventis über eine mögliche Fusion zum weltweit zweitgrößten Pharmaunternehmen spekuliert nur eines von vielen Gerüchten hinsichtlich weiterer Konzentrationsbewegungen in der globalen Pharma-Industrie. Mit Pfizer, GlaxoSmithKline, Novartis und Merck & Co. scheinen die Gestalter mit der nötigen Größe und Marktkapitalisierung festzustehen, die in den folgenden Jahren die globale Pharma-Branche weiter konsolidieren werden. Mit Blick auf Handlungsoptionen von Pharma-Unternehmen, weiteres wertschaffendes Wachstums zu generieren, sind in diesem Zusammenhang einige Tatbestände bedeutsam. Die Grenzen des Wachstums für die Pharma-Industrie liegen in der begrenzten Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft sowohl der Gesundheitssysteme als auch der Versicherten. Anstehende umfangreiche Patentabläufe führen im Einzelfall zu deutlichen Umsatz- und Ertragsausfällen. (In Deutschland sind sogar Festbeträge für patentierte me too - Innovationen vorgesehen). Im Zeitraum 2002 bis 2007 werden allein in den Vereinigten Staaten 35 Patente auf vornehmlich Blockbuster - Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehr als 75 Mrd. U$ auslaufen 5. Ersatz hierfür ist nur teilweise in Sicht. Die großen Pharma Unternehmen reagieren auf diese Entwicklung bereits mit erheblichen Sparprogrammen. So hat jüngst Aventis das 3 Blockbuster besitzt - angekündigt, in den nächsten Jahren mindestens 500 Mio. im Jahr einzusparen 6, Pfizer, Glaxo SmithKline und Merck & Co. wollen ihre Kostenstrukturen entlasten und flexibler gestalten 7. Der Wettbewerb durch preisgünstigere Generika führt vielfach zu einem teilweise dramatischen Umsatzrückgang nicht mehr patentgeschützter Arzneimittel von bis zu 90 % in den ersten sechs Monaten nach dem Verlust des Patentschutzes, besonders in den unbranded Generika-Märkten. Bietet die Produktpipeline des Pharma-Herstellers nicht gleichwertigen Ersatz, dann ist der erreichte Marktwert der betroffenen Unternehmen wegen Nichterfüllung der Investorenerwartungen gefährdet. 5 Vgl. hierzu Datamonitor: Global Generics Guide, August 2002, S. 5 (zitiert nach IBM Global Serives: Pharma 2010, a. a. O.). 6 Vgl. Aventis stellt seine gesamte Organisation auf den Prüfstand, FAZ v , S Vgl. Analysten sehen Pharmakonzern Glaxo SmithKline skeptisch, Handelsblatt v , S. 37 und v , S. 12 6 Nachlassende Forschungs- und Entwicklungsproduktivität der Pharma-Industrie bewirkt weniger Neuzulassungen von Medikamenten und drosselt die Wachstums- und Ertragsaussichten der Pharma-Industrie weiter 8. Trotz einer Verdoppelung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben der marktführenden Pharma-Unternehmen zwischen 1997 und 2001 auf 35 Mrd. US$, hat die US Food and Drug Administration (FDA) mit 24 Medikamenten eine deutlich geringere Zahl zugelassen als in den Vorjahren bis Glaxo SmithKline wird derzeit von der Börse abgestraft, weil für 2004 kein neues Blockbuster Medikament zu erwarten ist 9. Längere Zulassungszeiten sind hierfür nur zum Teil verantwortlich. Der überwiegende Grund liegt in der rückläufigen Ausbeute des Forschungs- und Entwicklungsportfolios der Pharma-Unternehmen. Die traditionellen wissenschaftlichen Methoden und Technologien der Arzneimittelforschung und entwicklung stoßen an ihre Grenzen. Auch das Vertriebsumfeld ändert sich laufend. Nunmehr bestimmt zunehmend staatliche Regulierung den Vertriebsansatz. Managed Care Organisationen dominieren den US-amerikanischen Markt für verschreibungspflichtige Medikamente mit einem Anteil von mehr als 70 % 10. Auch in der Europäischen Union, namentlich in Deutschland, wie auch in Japan, führen Maßnahmen der Kostenkontrolle, Rabattgewährung und Effizienzüberwachung von Arzneimitteln zu denselben Auswirkungen. Ein weiteres Phänomen ist die zunehmende Bedeutung des Direct to Consumer (DTC-) Geschäfts und damit die wachsende Bedeutung der direkten Ansprache des Verbrauchers. Pharmaunternehmen und deren Produkte gleichen immer mehr den typischen Markenartiklern, die wir aus vielen anderen Branchen kennen. Ein Vergleich von ethischen Medikamenten mit Waschmittel oder Lebensmittel mag zwar für viele befremdend wirken, trifft aber den Kern und Trend in Teilsegmenten recht gut. Je nach strategischem Manövrierspielraum verfolgen die Unternehmen als Antwort auf diese Entwicklungen überwiegend drei grundsätzliche Strategien zur Schließung der Erwartungslücke hinsichtlich weiteren profitablen Wachstums: Strategische Allianzen und Einlizenzierungen von Produkten (bis hin zur Biotechnologiestrategie). Verbesserte Ausschöpfung des Umsatzpotentials der bisherigen Produkte durch stärkere Marktpenetration (z.b. auch im Generikabereich), Globalisierung des Absatzes, Verlängerung des Produktlebenszyklus und Preissteiger
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