Raufußhühner in Thüringen

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Raufußhühner in Thüringen zu unseren Artenschutzprojekten 1 Inhalt Seite Vorwort 5 Neuigkeiten aus den Projekten [Auerhuhn] 6 Lebensraumverbesserung 6 Raubwildbejagung in den EG-Vogelschutzgebieten
Raufußhühner in Thüringen zu unseren Artenschutzprojekten 1 Inhalt Seite Vorwort 5 Neuigkeiten aus den Projekten [Auerhuhn] 6 Lebensraumverbesserung 6 Raubwildbejagung in den EG-Vogelschutzgebieten mit Auerhuhnvorkommen 10 Bestandesstützung [Entwicklung ] 11 Die Auerhuhnaufzuchtstation 12 Entwicklung des Tierbestandes im Jahr 13 Tiergesundheit und tierärztliche Betreuung im Herbst und Winter 13 Kosten der Aufzuchtstation 14 Auswilderung 14 Bestandesmonitoring 15 Überlebenswahrscheinlichkeiten 16 Das Haselhuhn 17 Bestandesstützung und Monitoring, Lebensraumoptimierung 17 Übersicht Nachweisgebiete [Haselhuhn] 18 Lebensoptimierung [Ausdehnung des Projektgebietes] 19 EU-LIFE Projektantrag 19 Öffentlichkeitsarbeit 20 Ausblick 21 IMPRESSUM Herausgeber: ThüringenForst Anstalt öffentlichen Rechts Hallesche Straße 16 I Erfurt Tel.: Pressestimmen 22 Quellen 25 Gestaltung: ThüringenForst Stabsbereich Unternehmenskommunikation und -entwicklung Fotonachweis: ThüringenForst, A. Pöcking (Foto B. Keller), T. Kallenbach fotolia.com: Xaver Klaussner (S. 22) Druck: Landesamt für Vermessung und Geoinformation, Erfurt 1. Auflage: 200 Stück September 2017 Die Wälder von ThüringenForst sind nachhaltig naturnah bewirtschaftet und PEFC-zertifiziert. Vorwort Liebe Leserinnen und Leser, die Artenvielfalt zu fördern, ist ein wichtiges Ziel unserer Forstpolitik. Thüringen- Forst schützt das Auerhuhn seit mehreren Jahren auf einer Fläche von über Hektar und entwickelt geeignete Lebensräume, um es in seiner einstigen Heimat wieder anzusiedeln. Bis in die 1970er Jahre war das Auerhuhn ein typischer Bewohner unserer Wälder. Für viele Thüringerinnen und Thüringer ist der Vogel ein Symbol für ein intaktes Ökosystem. Das Auerhuhn bevorzugt alte, lichte Wälder. Der Lebensraum, in dem es sich ansiedelt, ist auch für andere Tiere attraktiv. Heute ist das Auerhuhn in Thüringen leider fast ausgestorben. Durch Immissionen und eine Forstwirtschaft, die bis in die 1990er Jahre hinein an Reinbeständen festhielt, gingen die Lebensräume verloren. Diese Fehler wurden erkannt. Durch naturnahe Forstwirtschaft gelingt es, für das Auer- und das Haselhuhn lichte Waldstrukturen zu schaffen sowie Waldbestände, die reich an Weichlaubhölzern wie Birke, Weide oder Espe sind. Solche Wälder bieten auch Lebensräume für viele weitere schützenswerte Arten, wie Schwarzstorch, Waldeidechse, Kreuzotter, Tagfalterarten, Waldameisen, verschiedene Specht- und Eulenarten sowie den seltenen Ziegenmelker. Die Landesregierung setzt den Waldumbau zu ökologisch wertvollen Mischwäldern konsequent fort. Durch aufwendige Maßnahmen werden stabile Waldbestände geschaffen, in denen die Bäume in Alter und Art gemischt sind. So wird der Wald auch gegen den Klimawandel gewappnet, denn extreme Wetterereignisse nehmen auch in Thüringen zu. Beide Raufußhuhnarten, Auer- wie Haselhuhn, unterliegen heute einem strengen Schutz. Sie zu erhalten ist ein Ziel der Thüringer Forstpolitik. Das ist trotz intensiver Bemühungen eine Herausforderung. Die Dichte ihrer natürlichen Feinde wie Waschbär und Fuchs nimmt zu, auch werden einige bedeutsame Biotope verstärkt touristisch genutzt. Das umfassende Schutzkonzept für diese bedrohten Vogelarten wird stetig weiterentwickelt. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre, aus Erfolgen wie Misserfolgen, konnte vieles gelernt werden. Für ihren Einsatz bei der praktischen Umsetzung danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Thüringen- Forst. Gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus der Naturschutzverwaltung, dem Landesjagdverband, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und privaten und kommunalen Waldbesitzern trägt die Landesforstanstalt dazu bei, die biologische Vielfalt unserer Heimat zu erhalten. Dieser Bericht informiert über die Thüringer Projekte zum Schutz des Auerhuhns und des Haselhuhns und dokumentiert die Fortsetzung des im Jahr 2012 begonnenen Vorgehens. Ich wünsche den Projekten gutes Gelingen und Ihnen viel Freude beim Lesen. Birgit Keller Thüringer Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft Verwaltungsratsvorsitzende ThüringenForst-AöR 5 Neuigkeiten aus den Projekten [Auerhuhn] Trotz langjähriger Bemühungen zum Schutz des Auerhuhns war die Thüringer Population bis 2013 stark rückläufig. Auch aktuell ist das Auerhuhn in Thüringen noch stark gefährdet und wird in den Roten Listen Thüringens als vom Aussterben bedroht geführt. Obwohl sich derzeit eine positive Entwicklung abzeichnet, stufen Experten die Bestandessituation keineswegs als stabil ein. Warum ist das Auerhuhn so stark gefährdet? Die Rückgangsursachen sind vielfältig. Zu den Hauptursachen zählen der Lebensraumverlust infolge der Bauvorhaben Pumpspeicherwerk Goldisthal und Trinkwassertalsperre Leibis/Lichte und früherer immissionsbedingter standörtlicher Veränderungen sowie die Zunahme der Schalenwildpopulation und der von Beutegreifern (BUTTIG 1996, KLAUS ET AL. 1985, 1989, 1991, KLAUS ET AL. 1997). Dazu wurden in Thüringen grundlegende Untersuchungen durchgeführt, die in internationalen Fachjournalen publiziert sind (SEILER ET AL. 2000, SIANO ET AL. 2013, KLAUS 1984, KLAUS 1990). Die Gründe des Rückgangs sind weitgehend geklärt. Sie wurden bereits in vorhergehenden en eingehend erläutert. Angesichts dieser Bestandessituation läuft seit 2012 ein Schutzprojekt. Die Zielstellung dieses Projektes ist auf mittelfristige Sicht die Umsetzung von Lebensraum verbessernden Maßnahmen in jedem Revier mit Auerhuhnlebensräumen. Der Schwerpunkt liegt auf den EU-Vogelschutzgebieten mit Zielart Auerhuhn. Die erforderlichen Maßnahmen werden flächenscharf durch die Ergebnisse der laufenden Habitatkartierung festgelegt (nähere Erläuterung im 2015). Außerdem wird eine Erhöhung des aktuellen Auerhuhnbestandes durch die jährliche Aussetzung von Vögeln aus naturnaher Aufzucht und Wildfängen realisiert. Unterstützt wird dies durch ein abgestimmtes Prädatoren- und Schalenwildmanagement (Fuchsbejagung, Regelung der Schwarzwildbejagung in Vogelschutzgebieten, Kirrungsverbote) Begleitet wird dies von einem jährlichen Auerhuhnmonitoring und einer Bewertung der Bestandesstützungsmaßnahmen. Auerhahn im Winter im Bereich Quittelsberg, Foto: S. Klauss Auf langfristige Sicht (10 Jahre) soll mit den eingesetzten Ressourcen eine Stabilisierung und ein Erhalt der Auerhuhnpopulation in Thüringen erreicht werden. Wichtigste Ziele sind eine natürliche Reproduktion und eine Etablierung von traditionellen Balzplätzen. Eine weitere Verkleinerung der von Auerhühnern genutzten Flächen soll gestoppt und besiedelte Gebiete über Habitatbrücken im Sinne einer Metapopulation miteinander vernetzt werden. sein wird andere Defizite gut ausgleichen können. In der derzeitigen Phase des Projektes legt Thüringen- Forst daher einen klaren Fokus auf die Aufwertung vorhandener Waldbestände als Auerhuhnlebensraum, auf die Schaffung von Verbindungsflächen (Trittsteinbiotopen) und damit langfristig auf die Entstehung eines größeren Biotopverbundes. Viele dieser Maßnahmen lassen sich problemlos und kostengünstig in die reguläre forstliche Bewirtschaftung integrieren (BOOCK ET AL. 1995, SCHERZINGER 2002). Zusätzlich werden angepasste Schalenwilddichten über die Umsetzung neuer jagdlicher Konzepte angestrebt, hierbei liegt besonderer Fokus auf dem Schwarzwild. Durch naturnahen Waldbau entstehen vielfältige und strukturierte Bestände, die viel Potenzial bieten. Schaffen von Lücken in homogenen Fichtenbeständen durch eine Reduktion des Kronenschlußgrades auf % Die EG-Vogelschutzgebiete Thüringens mit der Zielart Auerhuhn sind aufgrund ihrer Größe für die notwendigen Schutzbemühungen nicht ausreichend. Sie bilden eine gute Grundlage, aber der Lebensraum muss hinsichtlich seiner Qualität und Quantität dem Überleben einer Population genügen, so ist es auch als entscheidendes Kriterium für jedes Auswilderungsprojekt von der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) in Richtlinien formuliert worden. Folglich ist ein wesentlich großräumigeres Vorgehen erforderlich und die Schaffung lichter und alter Waldstrukturen, in denen das Auerhuhn als Lückenbewohner (FINNE ET AL. 2000) beheimatet ist, muss vordergründig sein. Die auf diese Weise oftmals geschaffenen lichten Waldstrukturen begünstigen ebenfalls andere seltene bzw. geschützte Arten wie beispielsweise Waldeidechsen, Kreuzottern, Ziegenmelker, Sperlingskauz, Waldameisen und viele Waldschmetterlingsarten (HOFFMANN 2006). Was wir im Detail in den Gebieten bewirken wollen, wurde umfassend im 2015 dargelegt und soll an dieser Stelle nicht erneut vertieft werden. Lebensraumverbesserung Obwohl auch vor Errichtung der neuen Aufzuchtstation im Jahr 2012 viel Aufwand in die Auswilderung investiert wurde (dokumentiert vor allem bei SCHWIMMER ET AL. 2000), fehlen in einem Teil des Verbreitungsgebietes großräumig geeignete Lebensräume. Biotope gingen aufgrund von großen Kahlschlägen, Bauvorhaben (Pumpspeicherwerk Goldisthal und Trinkwassertalsperre Leibis/Lichte), Windwürfen und verstärkten Immissionen in der Vergangenheit verloren und dieser Verlust kann nicht allein durch die Auswilderung Fruchtragende Heidelbeere als Schlüsselelement des Auerhuhnlebensraumes im Sommer zusätzlicher Tiere kompensiert werden. Experten sehen in der zunehmenden Konkurrenz um geeignete Lebensräume und im zunehmenden Nutzungsdruck auf geeignete Flächen die Hauptursache für den dramatischen Rückgang vieler Raufußhuhnarten (STEINER ET AL. 2004, siehe auch 2015 ThüringenForst). Für ThüringenForst ist damit bewiesen, dass ein alleiniger Fokus auf die Bestandesstützung keinen nachhaltigen Erfolg um die Erhaltung dieser Art bringen kann, dies zeigt auch die Auswertung aller Auswilderungsprojekte der BRD von SIANO ET AL. (2013). Wir stehen vor der Aufgabe, dass wir uns um die Herstellung großräumiger Lebensräume (WEGGE ET AL. 1990) kümmern müssen, ihr Vorhanden- Optimal geeignete Auerhuhnbiotope in den höheren Lagen des Thüringer Schiefergebirges Weitere Hinweise zu geeigneten Maßnahmen und der Waldbewirtschaftung in Auerhuhngebieten finden sich im Faltblatt Auerhuhnlebensräume durch Waldwirtschaft gestalten, der sich auf der Thüringen- Forst Website als pdf-dokument herunterladen lässt. Die Erfassung und Kartierung der potentiellen Lebensräume für das Auerhuhn bildet die Grundlage für die Planung von Habitatgestaltungsmaßnahmen. Die Projektkoordination stimmt die einzelnen Flächen mit den entsprechenden Revierförstern vor Ort ab und es erfolgt eine revierweise Planung für jedes Forstwirtschaftsjahr. Die seit 2012 laufenden Geländeaufnahmen werden in einem Werkvertrag durch das Büro für Naturschutz und Forstplanung (DR. RALF SIANO, DRESDEN) umgesetzt. Diese mehrjährige Kartierung bedeutet erheblichen Aufwand und Kosten. Das gesamte Untersuchungsgebiet beträgt Hektar. Genauere Angaben zum Kartierungsverfahren wurden im 2015 dargelegt. 6 7 Mit Ende wurden Hektar (97 %) in vier Kartierungsgebieten abgearbeitet. Dabei war die kartierte Fläche Hektar groß. Für eine vollständige Aufnahme des Projektgebietes fehlen in 2017 lediglich die Flächen des Gebietes Langer Berg im Forstamtsbereich Gehren. Wie in 2015 beschrieben, gehen aus der Erfassung die Qualität der Lebensräume und deren räumliche Verteilung hervor. In Bereichen, in denen gehäuft optimale Strukturen auftreten, werden Potenzialgebiete ausgewiesen. In diesen Potenzialgebieten richtet sich die forstliche Bewirtschaftung weitestgehend an den Lebensraumansprüchen des Auerhuhns aus. Derzeit sind 15 Potenzialgebiete mit einer Fläche von Hektar ausgewiesen. Zwischen diesen Potenzialgebieten werden Trittsteinflächen entwickelt, so dass ein Verbund aus Einzelflächen entsteht, der durch Auerhühner genutzt werden kann. Innerhalb des Jahres 2017 wird die restliche Fläche kartiert und ein Gesamtbericht über die Situation der Habitate im Thüringer Schiefergebirge erstellt. Nach Fertigstellung dieser umfangreichen Kartierarbeiten stehen belastbare Aussagen zur prozentualen Verteilung geeigneter Auerhuhnlebensräume, zur Flächenausdehnung, Lage der Potenzialgebiete, sowie ein übergreifender Maßnahmenplan zur Verfügung. Seit dem Jahr 2013 zeigt sich mit der Zunahme der kartierten Fläche ein Anstieg in den aufgewerteten Flächen. Eine genaue Entwicklung kann aus folgender grafischer Darstellung entnommen werden: Grafik: Entwicklung der jährlich abgearbeiteten Flächen zur Auerhuhn Habitatpflege Insgesamt umfassten die flächigen Arbeiten in Summe knapp 207 Hektar in Demgegenüber wurden die in die Biotopmaßnahmen (Zurückdrängen Fichten-Naturverjüngung) investierten Personalressourcen und der Flächenumtrieb noch erheblich gesteigert. Damit erhöhte sich die Abarbeitung auf 695 Hektar. Insbesondere die Erhöhung des Flächenanteils bei der Zurückdrängung von Fichten-Naturverjüngung bedingt eine erhebliche Steigerung der investierten Forstwirtstunden. Jedoch sind diese Maßnahmen zur Herstellung geeigneter Sommerlebensräume unverzichtbar. Jahr Forstwirt Arbeitsst. Fläche Entfichtung Durchforstung Hordengatter Pflanzung [Weißtanne, Weichlaubholz] h 100,0 ha 34,9 ha lfm Stk h 55,3 ha 256,1 ha lfm Stk h 97,1 ha 109,8 ha 695 lfm 800 Stk h 169,12 ha 525,71 ha lfm Stk. Gesamt h 421,57 ha 926,44 ha lfm Stk. Lichter Kiefernbestand im Naturschutzgebiet Meuraer Heide Eine weitere Schutzmaßnahme ist die Beseitigung von Gefahrenquellen in Auerhuhnlebensräumen. In geschlossenen Waldgebieten stellen insbesondere Draht-Kulturzäune eine schwer erkennbare Gefahrenquelle für die Vögel dar (BAINES ET AL. 1997, CATT ET AL. 1994). In Schottland stellten Baines & Andrew (2003) insgesamt 437 Kollisionen von Raufußhühnern an Wildschutzzäunen fest. Wo man aufgrund hoher Schalenwilddichten auf Kulturzäune nicht verzichten kann, sollten Hordengatter aus Holz errichtet oder die Drahtzäune sichtbar durch farbige Plastikbänder verblendet werden (MÜLLER 2002). Wie auch in 2015, wurde auf den Bau neuer Hordengatter weitestgehend verzichtet. Die in der Tabelle angegebenen Laufmeter beziehen sich vorrangig auf die Wartung, Kontrolle und Reparatur vorhandener Hordengatter. Im Kommunalwald der Gemeinde Meura wurden in optimalen Auerhuhnlebensräumen zwei Hordengatter errichtet. Der Gesamtaufwand für die Realisierung der Auerhuhnschutzmaßnahmen belief sich auf insgesamt Forstwirtstunden zuzüglich Maschineneinsatz des Maschinenstützpunktes Gehren. Im Vergleich dazu waren es in Forstwirtstunden zuzüglich Maschineneinsatz. Auch ist die Betreuung gesonderter Auswilderungsvolieren Born to be free im Forstamt Neuhaus, Revier Reichmannsdorf durch eigene Forstwirte realisiert worden und bei den angegebenen Forstwirtstunden eingeschlossen (siehe Bestandesstützung). Die Summe der Maßnahmeflächen liegt für das kommende Jahr 2017 bei knapp 679 Hektar (Forstamt Neuhaus: 534 Hektar, Forstamt Gehren: 136 Hektar, Forstamt Schönbrunn: 9 Hektar). Ein Großteil der Maßnahmeflächen wurde im Rahmen der Kartierung als gut geeigneter Lebensraum bewertet und Maßnahmen zu deren Erhaltung und Entwicklung besitzen eine hohe Priorität. Sie werden zeitnah durch die Forstämter abgearbeitet. Ziel ist es, durch die Gestaltung der Potenzialgebiete einen Lebensraumverbund auf größerer Fläche wieder herzustellen. 8 9 Raubwildbejagung in den EG-Vogelschutzgebieten mit Auerhuhnvorkommen Aus Gründen des Biodiversitätsschutzes ist eine intensivierte Raubwildbejagung in bestimmten Schutzgebieten unumgänglich. Insbesondere der Fuchs als Prädator hat seine heutige Populationsgröße hauptsächlich dem Wirken des Menschen in der Kulturlandschaft zu verdanken. Spezielle Untersuchungen zu den Verlustursachen bei Raufußhühnern zeigen, dass Raubsäuger die häufigsten Prädatoren sind. Hierbei werden vorrangig Fuchs und auch Der Fuchs als Prädator Foto: A. Knoll Marder Foto: R. Sikorski Marder als die häufigsten Verursacher angeführt (SEMENOV-TJAN-SANSKIJ 1960, KAUHALA & HELLE 2002, KLAUS ET AL. 1989, WEGGE ET AL. 1990, STORCH 1993). Auch in Vergleichsstudien zu den Todesursachen von Wildfängen und gezüchteten Vögeln zeigt sich eine hohe Übereinstimmung (UNGER 2009). Vor diesem Hintergrund werden in vielen Raufußhuhnschutzprojekten erhebliche Anstrengungen zur Reduktion der Prädatorendichte unternommen. Studien aus diesen Projekten in Schottland, Skandinavien und Spanien zeigen (BAINES ET AL. 2004; KURKI ET AL. 1997; MORENO-OPO ET AL. 2015), dass eine Kontrolle der Prädatoren durchaus positive Aspekte auf die Überlebenswahrscheinlichkeiten einer lokalen Auerhuhn-Population besitzen kann. Daher misst ThüringenForst dem Prädatorenmanagement im Rahmen des Projekts eine sehr hohe Priorität bei. Wie bereits in vorhergehenden Berichten erläutert, wird seit 2013 im Rahmen des Projektes ein Berufsjäger beschäftigt. Darüber hinaus besteht in den Landesjagdbezirken eine ganzjährige Abschussfreigabe für Raubwild unter Beachtung der Thüringer Jagdzeitenverordnung. Zusätzlich wird Raubwild auf allen Bewegungsjagden der Forstämter Gehren, Neuhaus und Sonneberg freigegeben. In allen Vogelschutzgebieten mit Auerhuhnvorkommen, Auswilderung und lebensraumverbessernden Maßnahmen werden für jedes erlegte Stück Raubwild (Fuchs, Dachs, Steinmarder, Waschbär und Marderhund) 25 Euro Entschädigung gezahlt. Die pauschale Aufwandsentschädigung wird auch außerhalb der festgelegten Auerhuhnkernlebensräume und insbesondere in den, durch die Habitatkartierung, festgelegten Potenzialgebieten ausgezahlt. Dies betrifft auch Gebiete im Privat- und Kommunalwald außerhalb der Landesjagdbezirke. Vordergründig handelt es sich um folgende Forstämter und Reviere: Forstamt Gehren Rev. Hohe Tanne, Gehren, Meura, Saalfelder Höhe, Unterweißbach und Kienberg Forstamt Neuhaus Reviere Lauscha, Steinheid, Siegmundsburg, Scheibe, Wildschopfe, Schmiedefeld, Katzhütte und Reichmannsdorf Forstamt Schönbrunn Revier Sachsenbrunn Neben der Auszahlung der Entschädigung an Bedienstete von ThüringenForst, wird diese auch an Dritte gezahlt, mit denen die betroffenen Forstämter eine Vereinbarung zur Raubwildbejagung geschlossen haben. Eine Überwachung und Kontrolle dieser Einbindung Dritter wird vor Ort durch den eingesetzten Revierjäger und die zuständigen Revierleiter erfolgen. Im Rahmen des Prädatorenmanagements waren bis zu 75 Fallensysteme im Einsatz. Die Zahl der aktivierten Fallen schwankt im Jahresverlauf. Aufgrund intensiver öffentlicher Diskussion um die Fallenjagd genügen diese Fallen höchsten Ansprüchen des Tierschutzes und der modernen Fallenjagd. Zusätzlich konnten 10 Systeme neu im Revier Unterweißbach (Forstamt Gehren) eingebaut werden. Bei den Fallensystemen handelt es sich nahezu ausschließlich um Lebendfangfallen. Sie werden außerdem im Vorfeld der Scharfstellung durch Fotokameras überwacht, um Fehlfänge von besonders geschützten Tierarten (Bsp. Wildkatze) oder gefährdeten Arten (z. B. Baummarder) auszuschließen. Alle Fallensysteme sind mit Fangmeldern ausgestattet. Der Einsatz dieser technischen Hilfen macht tägliche Kontrollen an den Fallen überflüssig, somit wird keine menschliche Witterung hinterlassen und die Effektivität der Fallen erhöht. Sieben Fallensysteme wurden an private Jäger übergeben. Damit wird durch das Prädatorenmanagement aktuell eine Fläche von Hektar abgedeckt. Die Fangzahlen aus dem Jahr können folgender Tabelle entnommen werden. Raubwildstrecke im Auerhuhnprojektgebiet vom bis Forstamt Fuchs Steinmarder Waschbär Dachs Auch der Baujagd kommt im Rahmen des Prädatorenmanagements eine Bedeutung zu, denn bei der Kontrolle der Fressfeinde des Auerhuhnes gilt das Hauptaugenmerk dem Fuchs. Die seit 2012 beschafften und eingebauten Kunstbaue können tierschutzgerecht und effektiv bejagt werden. In diesem Zusammenhang wäre eine noch intensivere Einbindung privater Jäger und Begehungsscheininhaber bei Interesse durchaus wünschenswert. In den Forstämtern Gehren und Neuhaus wurden Kunstbaue bejagt. Wie bereits im Bericht 2015 erläutert, kann mit der Umsetzung des Prädatorenmanagements eine lokale Absenkung des Raubwildbestandes erreicht werden. Dies zeigen auch Untersuchungen von MORENO-OPO ET AL in Spani
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