Seitenstark die Geschichte einer bunten Landschaft

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Seitenstark die Geschichte einer bunten Landschaft Ein Vortrag von Kristine Kretschmer, Vorstandsvorsitzende Seitenstark e.v. Gehalten am 10. September 2010 in Genshagen bei Berlin im Rahmen der Tagung
Seitenstark die Geschichte einer bunten Landschaft Ein Vortrag von Kristine Kretschmer, Vorstandsvorsitzende Seitenstark e.v. Gehalten am 10. September 2010 in Genshagen bei Berlin im Rahmen der Tagung Miteinander weiterkommen von der Bundesinitiative Ein Netz für Kinder Es ist das Mittelalter des Internets, kurz vor der Jahrtausendwende. Der Begriff Internet schwirrt seit einigen Jahren ab und an durch die Medien, aber kaum jemand weiß genau, wofür die Abkürzung steht und die wenigsten Computer können überhaupt ins Internet. Einzelne draufgängerische Lehrer starten bereits an den Schulen Freundschaften mit ausländischen Klassen, wobei die Kinder ihre Texte in Word schreiben, und die tapferen Lehrer sie zuhause nach viel Cut and Paste von ihrem privaten Account verschicken. Kaum eine Schule hatte damals einen Plan, wie das Internet im Unterricht Verwendung finden sollte - und warum überhaupt. Hinter diesem WWW soll sich ein riesiges Surfparadies auftun, hört man, das allerdings höchst gefährlich ist, weil man zwischen den Websites verloren gehen kann und nicht so genau weiß worauf man sich überhaupt einlässt. Dennoch gab es schon in den düsteren Jahren Ende der 90er Jahre deutsche Internetseiten für Kinder: Es gab das SWR-Kindernetz, Lilipuz des WDR, es gab die Kinderseite von was ist was, kindersache vom Deutschen Kinderhilfswerk, toggo und verschiedene Firmenseiten. Und es gab die Blinde Kuh, kidsville und sowieso als private Initiativen, die mit viel Kompetenz, aber ohne Finanzierung begonnen hatten, ihre Vorstellungen von guten Kinderseiten zu realisieren. Journalisten, die erkannt hatten, dass sich Beiträge über dieses neue Medium angesichts der großen Verunsicherung der meisten Eltern gut verkaufen ließen, veröffentlichten Ratgeber oder kommentierte Link-Listen. Keiner von ihnen nahm allerdings die Vielfalt der Angebote der Kinderseitenlandschaft zur Kenntnis, geschweige denn würdigte er die Bedingungen, unter denen die Seiten entstanden. Von den freien Seiten schaffte es meist nur die Blinde Kuh in solche Empfehlungslisten; die anderen wurden obwohl mit Preisen ausgezeichnet weitestgehend ignoriert. Die peppigen Flash- Angebote, die - beispielsweise von Privatsendern als Marketinginstrument online gestellt wurden, schnitten grundsätzlich besser ab als die schlichter gestalteten Seiten freier Anbieter. Bei denen fühlten sich allerdings die Kinder gut aufgehoben und standen mit der Redaktion in regem Kontakt. Für die freien Angebote galt: Je mehr Kinder sie besuchten, desto mehr unbezahlte Arbeit fiel an. Erfolg führte direkt in den Ruin. Hier bestand eindeutig Handlungsbedarf. Ein zweiter Grund, der zum Entstehen von Seitenstark beitrug, war die Sorge um die erwähnte Kinderseitenlandschaft. Um sie vielfältig, abwechslungsreich, qualitativ hochwertig und sicher zu erhalten, mussten alle vorhandenen Angebote überleben und neue dazu kommen. Viele Seitenmacher hatten nach einigen Jahren freiwilligen unbezahlten Engagements bereits aufgegeben. Es bestand die Gefahr, dass in nicht allzu ferner Zukunft das Angebot für Kinder im Netz lediglich aus Seiten von Fernsehsendern bestehen könnte und von Seiten, bei denen die Vermarktung ihrer Produkte im Vordergrund steht. Zum dritten wurden, je mehr das Internet in den Haushalten und Klassenzimmern Einzug hielt, Verunsicherung und Angst geschürt. Wer seine Kinder im Internet surfen lasse, lautete die Botschaft, setze sie Pornografie, Gewalt und rechter Propaganda aus. Um Kinder zu schützen, sei eine Softwarelösung unumgänglich. Verschiedene Filtersysteme wurden im Lauf der Jahre angeboten. Sie alle hatten jedoch Defizite und Sicherheitslücken. Hinzu kam der gravierende Mangel, dass auch die anerkannt guten Kinderseiten von diesen Systemen nicht angezeigt wurden (Stichwort Overblocking ). Jugendschutz.net konnte damals eindrucksvoll nachweisen, dass die vorhandenen Konzepte von Filtersoftware dazu führten, dass kein Kind jemals im Internet etwas über Sexualität oder das Dritte Reich hätte erfahren können. Denn Begriffe wie Penis oder Busen standen genauso auf der Blacklist der verbotenen Begriffe wie Adolf Hitler. Aufklärungsseiten oder Seiten mit geschichtlichen Erklärungen wären für Kinder geblockt worden. So war die Gründung eines Netzwerks eine Notwendigkeit, einerseits um sich gegenseitig zu unterstützen, andererseits ein aktiver Schritt an die Öffentlichkeit. Er sollte zeigen, dass es eine Reihe empfehlenswerter Seiten gibt, die es auch ohne den Einsatz von Filtern möglich machten, dass Kinder in einem sicheren Rahmen Wissen und Unterhaltung, Spaß und Informationen finden konnten und dass es sinnvoll ist, diese Seiten zu erhalten. Im Dezember 2002 trafen sich also einige engagierte Seitenmacher, um ihre Kräfte zu bündeln: die Blinde Kuh, sowieso, kidsville und milkmoon besiegelten die Mission Netzwerk und gaben diesem nach langen Überlegungen den Namen Seitenstark. 2 Seitenstark wird öffentlich Ende Mai 2003 trat Seitenstark erstmals öffentlich auf. Auf Einladung der Netzwerk-Eltern fanden sich Interessierte ein. Stefan Müller von der Blinden Kuh hielt den zentralen Vortrag über Vernetzung, dessen Thesen heute immer noch aktuell sind und als Prämissen von Seitenstark angesehen werden können: Kinder sollen im Internet alles finden, was sie suchen, und zwar in einem sicheren, nicht gewinnorientierten Umfeld. Kinder sollen die kommunikativen und interaktiven Möglichkeiten des Netzes nutzen können und Medienkompetenz erwerben. Kinder sollen im Netz Ansprechpartner finden und wenn nötig Rat bekommen. Dazu braucht es lebendige Redaktionen hinter den Seiten. Die Vielfältigkeit der Kinderseitenlandschaft muss Kindern verdeutlicht werden. Dazu müssen sich die Seiten gegenseitig vernetzen. Diese Thesen waren in der damaligen Zeit revolutionär. Werfen wir noch einmal einen Blick ins Mittelalter des WWW: Obwohl das world wide web nichts anderes ist als ein gigantisches Netzwerk, war dieser Gedanke bei den wenigsten Anbietern angekommen, vor allem nicht bei den kommerziellen. Kommerzielle Anbieter sahen das Netz als neue Werbeplattform, und hofften, mit möglichst vielen Besuchern und guten Klickraten Werbeeinnahmen zu erzielen. Agenturen konnten mit ihrer Marketing-Rhetorik Geldgeber davon überzeugen, Unsummen von Venture Capital in die Entstehung von Kidsportalen zu investieren, während engagierte Seiten mit pädagogischen Absichten leer ausgingen. Seiten von kommerziellen Anbietern hatten und haben leider noch immer - in den Augen der Geldgeber nur ihre Berechtigung, wenn sie Kinder an sich banden und nicht an andere Seiten verloren. Die Devise der Stunde hieß: Webringe einrichten und sich und seinen Partnern möglichst viele Besucher zutreiben. Deshalb war der Gedanke der Vernetzung so wichtig, und seine Vorteile mussten zunächst einmal öffentlich erklärt werden. Was verstehen wir unter Vernetzung? Vernetzung bedeutet, die Angebote, Fähigkeiten und Ressourcen anderer Seiten und ihrer Macher sinnvoll zu nutzen und mit den eigenen in Beziehung zu setzen, so dass für drei Parteien ein Mehrwert entsteht: Für Seitenanbieter 1, für Seitenanbieter 2 und für die Kinder. So überlassen zum Beispiel profilierte Kinderseiten den Partnern Teile ihres Content (z.b. Nachrichten aus sowieso.de bei kidsville.de). 3 Der Suchschlitz der Blinden Kuh ist als Tool in vielen Kinderseiten eingebunden. Sofern eine Seite das Gewünschte nicht bietet, werden die Kinder über den Suchschlitz gleich auf andere geeignete Seiten geschickt. Sie müssen keinen Sprung zu Google unternehmen und bleiben in einem von Menschen geprüften sicheren Umfeld. Die meisten Kinder haben wenige Lieblingsseiten und halten sich dort regelmäßig auf. Hier liegt die Chance, ihnen über eine sinnvolle Vernetzung zu zeigen, was es noch zu entdecken gibt. Die Befürchtung, damit Besucher an andere Seiten zu verlieren, muss ein Mitglied des Netzwerks dabei nicht haben. Denn kein Kind ist eindimensional: Kinder, die regelmäßig Nachrichten lesen, haben trotzdem das Bedürfnis zu spielen; Kinder, die ihre eigenen Seiten ins Netz stellen, interessieren sich für Tiere; Kinder, die naturwissenschaftliche Informationen suchen, basteln gerne. Über vernetzte Angebote finden sie, was sie suchen. Und Vernetzung ist keine Einbahnstraße, sondern funktioniert immer in beide Richtungen. Die Vernetzung vermeidet also eine sinnlose Doppelung von Angeboten, bietet Mehrwert, Orientierung und Hilfe untereinander und spart so Energie und Arbeitskraft. Vernetzung bedeutet auch, dass die in Seitenstark zusammengeschlossenen Kinderangebote gemeinsam agieren können. Ein besonders gelungenes Beispiel für Vernetzung ist der Seitenstark-Chat. An viele Seitenmacher war von Kindern der Wunsch nach einem Chat herangetragen worden. Da für alle die Sicherheit an erster Stelle stand, konnte ein Chat für Kinder nur ein moderierter Chat sein. Keine Seite war einzeln jedoch in der Lage, eine solche Moderation personell und finanziell zu gewährleisten. Bewegung kam in die Diskussion, als Professor Hartmut Warkus vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig sich in Kooperation mit Seitenstark des Projekts annahm. In einjähriger Vorbereitung wurden in Leipzig bestehende Chats geprüft und Ideen entwickelt, während Seitenstark-Mitglieder den Chat programmierten, Konzeption und Chatikette entwickelten und die Moderatoren schulten. Im Juni 2004 startete der Chat. Er ist doppelt moderiert und gilt als der sicherste Kinderchat überhaupt. Alle Seitenstark-Mitglieder können den Chat auf ihrer Seite einbinden. So entsteht für die Mitglieder ein konkreter Mehrwert, und für die Kinder im Chat ergeben sich überraschende Momente, wenn sie feststellen, dass ihr Chat-Partner über eine ganz andere Seite in den Chatroom gelangt ist. Die Arbeit der Studentinnen und Studenten als Moderatoren in den vergangenen sechs Jahren kann nicht hoch genug bewertet werden. Inzwischen hat der Chat an sechs Tagen in der Woche geöffnet und bietet zusätzlich zweimal im Monat Themenchats an. In Leipzig 4 wurden die Erfahrungen aus dem Seitenstark-Chat in Abschlussarbeiten wissenschaftlich aufgearbeitet. So ist nebenbei aus einer kleinen Seitenstark-Idee auch ein wissenschaftlicher Forschungsbereich geworden. Im Lauf der Jahre sind weitere vernetzte Projekte realisiert worden: Zur Fußball-WM 2006 in Deutschland gab es eine erste gemeinsame Fußballseite von Seitenstark, die von vielen Mitgliedern und von externen Seiten mit Inhalten beliefert wurde; wieder andere steuerten Programmierung und Grafik bei. Diese Seite wurde komplett ehrenamtlich gestaltet. In mehreren Jahren gab es Adventskalender. Dort war jede Mitgliedsseite für ein Türchen zuständig und konnte den Kindern dort etwas Besonderes präsentieren wurde nach der Idee von Micha Labbé von zzzebra.de die Anti-Mobbing-Seite gestartet. Sie bietet Informationen zum Thema, vor allem aber Foren, in denen Kinder ihre Erfahrungen berichten und die Erfahrungen anderer kommentieren können. Ursprünglich sollte diese Seite ein knappes Jahr begleitend zu einer wissenschaftlichen Befragung im Netz bleiben und über Mobbing informieren. Doch die Seite wurde vom Erfolg überrollt: Bis heute ist die Nachfrage so hoch, dass es unmöglich ist, die Seite aufzugeben, auch wenn sie zur Zeit keine Finanzierung hat. Seit 2009 gibt es dort einmal wöchentlich einen Expertenchat zum Thema, der zur Zeit allerdings mangels Geld ruht. Jüngstes Kind der Seitenstark-Familie ist der Sportspatz, die erste unabhängige Sportseite für Kinder. Hervorgegangen ist dieses Angebot aus der von Ein Netz für Kinder geförderten Website zur Fußball-EM Die Entwicklung von Seitenstark Nach dem beschriebenen Gründungstreffen wuchs die Zahl der Mitglieder stetig. Aus vier waren Ende 2004 schon 17 Mitglieder geworden, aktuell sind es 41. Ein gewähltes Gremium entscheidet über Neuaufnahmen. Die im Netzwerk vertretenen Seiten hatten und haben unterschiedliche Herausgeber und Hintergründe: Verlage, Krankenkassen, öffentliche Einrichtungen, Unternehmen (vom Konzern bis zur Kleinstfirma), freie Träger und Einzelpersonen. Diese Vielfalt ist ein Alleinstellungsmerkmal von Seitenstark, macht die Arbeit miteinander aber nicht immer einfach, da die Seiten unterschiedlichste Rücksichten nehmen müssen. Die Herkunft bzw. die finanzielle Ausstattung ist also kein Kriterium für die Aufnahme bei Seitenstark. Entscheidend ist allein die Frage, ob die Qualitätskriterien eingehalten werden und ob die Bereitschaft zur Vernetzung und zur Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft besteht. 5 Auf der einen Seite wächst das Netzwerk ständig, auf der anderen Seite müssen wir uns von Mitgliedern trennen oder sie sich von uns. Fast immer hat das kommerzielle Gründe: Unternehmen geraten in eine Krise und nehmen als erstes ihre Kinderseite vom Netz (Beispiel Volkswagen), Verlage setzen auf Werbeeinnahmen und überschwemmen ihre Kinderseite so mit aggressiver Werbung, dass sie den Seitenstark-Kriterien nicht mehr entspricht... Bis Anfang kommenden Jahres müssen sich übrigens alle Seitenstark-Mitglieder nach dem im Januar 2010 verabschiedeten überarbeiteten Kriterienkatalog neu einschätzen. Es könnte sein, dass sich daraufhin die Mitgliederzahl zunächst verringert. Der Verein gibt der Idee eine Form Auch wenn eine AG, ein Netzwerk, am besten die Idee des Internets widerspiegelt, hat sich herausgestellt, dass dies im echten Leben als Organisationsform nicht ausreicht. Um die vernetzten Projekte zu finanzieren, um tatsächlich ein Sprachrohr zu werden, brauchte es einen juristischen Rahmen: der Verein Seitenstark e.v. wurde Ende 2007 gegründet und steht allen offen, die im Bereich Internet und Kinder tätig sind. Sein Ziel ist es, medienpädagogisch aktiv zu werden und die Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten zu unterstützen. Der Verein arbeitet vollständig ehrenamtlich; es gibt keinen bezahlten Geschäftsführer und kein offizielles Büro. Was hat Seitenstark seit der Gründung erreicht? Es gibt immer noch eine Kinderseitenlandschaft. Die Seiten, die 2003 bei der Gründung dabei waren, existieren noch. Was vor allem für die Seitenmacher selbst durchaus erstaunlich ist. Dank des Durchhaltevermögens einiger Aufrechter und ihres jahrelangen unbezahlten Einsatzes (ein Synonym für Selbstausbeutung) haben sich die Probleme der Kinderseitenlandschaft bis in die Politik herumgesprochen, und es gibt seit 2007 das Förderprogramm Ein Netz für Kinder. An dieser Stelle noch einmal ein besonderer Dank an Herrn Hanten für sein Engagement und seine Beharrlichkeit. Und Dank an alle, die Ein Netz für Kinder im Alltag realisieren allen voran Frau Franz. Seitenstark ist zu einer Marke geworden. Von Broschüren von Ministerien bis zu Veröffentlichungen in der Springer-Presse, wird Seitenstark als Anlaufstelle genannt, wenn Kinder und Eltern sichere Seiten im Netz suchen. Damit wird der Blick geschärft für die Problematik eines sicheren Surfraums für Kinder. Seitenstark hat wichtige Kooperationspartner, mit denen die Zusammenarbeit in vielen Bereichen sehr gut funktioniert, allen voran Klicktipps und jugendschutz.net. 6 Seitenstark verleiht keine Preise und keine Gütesiegel. Dennoch wird das Logo auf der eigenen Seite inzwischen als Gütesiegel wahrgenommen. Seitenstark war und ist ein Sammelbecken für Kompetenz, Ideen, Kreativität. Da diese vielfältigen Fähigkeiten in Gestalt unterschiedlichster Menschen daherkommen, trägt die aktive Mitarbeit bei Seitenstark dazu bei, Managementkompetenzen und therapeutische Fähigkeiten zu erwerben, ganz ohne teure Ausbildungen. Manchmal ist die Zusammenarbeit mit so vielen verschiedenen Menschen und Organisationen auch aufreibend, aber Reibung erzeugt bekanntlich Wärme ;-) Seitenstark war und ist vor allem Qualität. Die Qualitätsmerkmale, denen wir uns stellen, sind im Kriterienkatalog zusammengefasst. (Den wird Ihnen Stefanie Krauel später vorstellen.) Wie hat sich die Kinderseitenlandschaft verändert? Von großer Bedeutung für die Entwicklung der Kinderseitenlandschaft war die Gründung von Ein Netz für Kinder. Die Idee der White List, die hinter FragFinn steckt, macht deutlich, dass der Gedanke, Kinder durch Filter vom Internet fernzuhalten, dem vernünftigen Versuch gewichen ist, Kinder in einem bestimmten frei gegebenen Rahmen surfen zu lassen und auf Vernetzung als Sicherheitskriterium zu setzen. Dank der vergebenen Projektförderungen konnten lange bestehende Seiten gerettet werden. Sie bekamen die Möglichkeit, neue interaktive Module zu realisieren, womit Kinder immer mehr beteiligt werden, immer häufiger selbst zu Wort kommen. Durch die Förderung sind außerdem viele neue Kinderseiten entstanden, denen wir alles Gute wünschen und die wir gerne bei Seitenstark begrüßen würden. Die Aufnahmeformalitäten sind einfach: Kriterienkatalog durchlesen, wenn die eigene Seite den Kriterien entspricht, eine Bewerbung abschicken und abwarten, bis die Aufnahmegruppe grünes Licht gibt. Wir freuen uns wirklich über jede neue Seite, die die Kinderseitenlandschaft vergrößert. Dennoch möchte ich an dieser Stelle einige kritische Anmerkungen machen, die ich im Sinne der Landschaftspflege verstanden wissen möchte. So fällt auf, dass kommerzielle Anbieter häufig Kinderseiten ins Netz stellen, die sich durch sehr gute Flash-Animationen auszeichnen und den Anspruch haben, Kindern spielerisch Wissen zu vermitteln. Den Kindern macht der Besuch auf diesen Seiten sicherlich Spaß doch der soziale Lerneffekt ist gering. Aufwändige Flash-Welten, die in sich abgeschlossen sind, entsprechen eher dem Medium CD-ROM und DVD. 7 Besonders wichtig in Zeiten von Web 2.0 sind jedoch Angebote, die Kinder sicher kommunizieren und interagieren lassen. Danach suchen Kinder im Internet. Finden sie sie nicht bei uns, weichen sie auf ungeeignete Communities für Jugendliche oder Erwachsene aus. Der Trend geht außerdem zu Komplettangeboten, also zu Seiten, die nicht mehr Special Interest Themen verfolgen, sondern Kinder umfassend über alle möglichen Themen informieren wollen. Solche Seiten haben eine Vernetzung nicht nötig, weil auf ihnen nichts fehlt. Es ist zu befürchten, dass der Begriff Vernetzung in erster Linie verwendet wird, weil er modern ist und einen Antrag auf Fördermittel würzen kann, ebenso wie Medienkompetenz und E-Learning. Auch lange bestehende inhaltlich gute Angebote nehmen seit einiger Zeit eine fatale Entwicklung. So legen sich auf einigen Kinderseiten inzwischen riesige Werbebanner oder Werbefilme über die Seite, so dass junge Surfer die Inhalte ohne einen Klick auf überlagernde Banner kaum noch erreichen oder sie nicht unterscheiden können. Besorgniserregend ist auch die Tendenz, Inhalte nicht mehr allen Kindern öffentlich anzubieten, sondern sie nur für ausgewählte Gruppen wie Club-Mitglieder sichtbar zu machen. Die Kinderseitenlandschaft ist chronisch unterfinanziert All das geschieht natürlich aus finanziellen Gründen. Es ist und bleibt das größte Problem der Kinderseitenlandschaft, dass sie chronisch unterfinanziert ist. Selbst Firmenseiten haben kaum personelle Kapazitäten und setzen auf das unbezahlte Engagement der Mitarbeiter. Was auch daran liegt, dass Kinderseiten, die Bildung bieten, die Kinder im Sinne der Partizipation in Kommunikationsprozesse einbinden und sich in der täglichen Kleinarbeit in der Auseinandersetzung mit den Kindern verlieren, kein Geschäftsmodell haben. Wer Kinder seriös ansprechen will, hat keine Möglichkeit, Geld einzufahren. Projektförderungen wie die durch Ein Netz für Kinder helfen für eine Weile. Aber können sie das Problem dauerhaft wirklich lösen? Dank der Förderung geschaffene zusätzliche Kinder-Angebote werden in der Folgezeit noch mehr Aufwand und Engagement erfordern. In dieser Beziehung sind wir im Grunde nicht weiter als 2003: Der Erfolg treibt uns in den Ruin. Insofern freuen wir uns, dass morgen das Thema Finanzierungsmodelle für Kinderseiten auf dem Programm steht wir hoffen alle auf Erleuchtung. 8 Lassen Sie mich mit einem optimistischen Blick in die Zukunft enden: Wo steht Seitensta
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