Theodor-Kocher-Preis

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FESTSCHRIFT 100 JAHRE THEODOR-KOCHER-PREIS Theodor-Kocher-Preis Jahre kontinuierliche Würdigung des hervor - ragenden Nachwuchses an der Universität Bern Ein Preis der Universität im Sinne
FESTSCHRIFT 100 JAHRE THEODOR-KOCHER-PREIS Theodor-Kocher-Preis Jahre kontinuierliche Würdigung des hervor - ragenden Nachwuchses an der Universität Bern Ein Preis der Universität im Sinne seines Stifters Seit 100 Jahren erhalten junge Forschende für innovative wissenschaftliche Glanzleistungen den Theodor-Kocher-Preis. Es ist die bedeutendste Auszeichnung, die die Universität Bern vergibt, um unabhängig von der Disziplin den Nachwuchs zu fördern. Einen solchen Preis hätte auch der Initiant Theodor Kocher verdient gehabt. Als 17-Jähriger hatte er sich an der Universität Bern als Medizinstudent immatrikuliert, als 31-Jähriger wurde er zum ordentlichen Professor der Chirurgie berufen. Innert kürzester Zeit stieg er dann zu einem der grössten Chirurgen weltweit auf. Er erhielt die höchsten internationalen Auszeichnungen, die ein Chirurg erwerben konnte. Die Krönung war 1909 der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Ein Preis zur Förderung des akademischen Nachwuchses ist ganz im Sinne Theodor Kochers. «Junge Ärzte zu bilden und zu erziehen, schien ihm das Schönste in seinem Beruf», schrieb der Historiker Edgar Bonjour in seinem Buch über Theodor Kocher. Die jungen Mediziner lagen Kocher am Herzen, und ebenso die zukunftsgerichtete Forschung. So schrieb er als 70-Jähriger zur Schenkungsurkunde: «Ich schlage die Wohltat, welche eine durch wissenschaftliche Forschung erreichte Erfindung oder Entdeckung für die Menschen im Gefolge haben kann, so ausserordentlich hoch an, dass ich überzeugt bin, dass dem ( ) Hauptzweck der Berner Hochschule am besten entsprochen ist, wenn aus der Stiftung eine dauernde Förderung wissenschaftlicher Forschungen hervorgeht.» In der engen Zusammenarbeit mit verschiedenen Zweigen der Naturwissenschaften sah Theodor Kocher für die Medizin und damit für die Menschheit einen unschätzbaren Nutzen. Beispiele waren für ihn die Fortschritte der Narkose und die antiseptische Wundbehandlung. «Diese paar Funde wissenschaftlicher Forschung», durch «mühevolle Versuche im Laboratorium festgestellt», «haben eine so gewaltige Veränderung in unseren Anschauungen und unserem Verhalten gegenüber den Krankheiten des menschlichen Geschlechts zur Folge gehabt, wie sie nie zuvor erlebt wurde.» Ganz im Geiste Theodor Kochers forscht auch der diesjährige Preisträger, Prof. Dr. Moritz Tannast, aus der orthopädischen Chirurgie am Inselspital Bern. Tannast erforscht die Hüftarthrose insbesondere bei jungen Menschen und zwar disziplin- und universitätsübergreifend. Er verwendet auch heute noch eine von Theodor Kocher entwickelte Schnittführung bei Hüftoperationen. Wir gratulieren dem Preisträger herzlich und freuen uns darüber, dass die Verleihung des diesjährigen Theodor- Kocher-Preises eine hochwissenschaftliche und dennoch patientenorientierte Forschung unterstützt. Der Name Theodor Kocher steht für Exzellenz in Forschung, Lehre, Nachwuchsförderung und für internationale Ausstrahlung der Universität Bern. Und er steht für eine Volluniversität, welche auf unterschiedlichen wissenschaftlichen Gebieten zusammenarbeitet und grundlegende neue Erkenntnisse hervorbringt. Die Universität Bern blickt gespannt auf die nächsten 100 Jahre herausragender Forschung und wird durch die gezielte Unterstützung ihres akademischen Nachwuchses ihren Teil dazu beitragen. Prof. Dr. Martin Täuber Rektor Universität Bern Theodor Kocher als Student Nachlass Theodor Kocher (Burgerbibliothek) 2 Theodor-Kocher-Preis I2/2015 Theodor-Kocher-Preis I2/2015 3 Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1909 Selbstverständlich war es keineswegs, dass am 10. Dezember 1909 an der Königlichen Musikakademie in Stockholm der Nobelpreis für Medizin oder Physiologie an den Berner Chirurgen Theodor Kocher ging. Der Preisverlei - hung war eine lebhafte Diskussion im Nobelpreiskomitee vorausgegangen. Aus den Dokumenten im Nobelarchiv geht hervor, dass der noch junge Nobelpreis bereits damals heiss begehrt war musste das Preiskomitee unter vielen Nominierungen auswählen. Der schärfste Konkurrent Theodor Kochers war der amerikanische Wissenschaftler Theobald Smith. Der Spezialist für die Übertragung von Infektionskrankheiten gilt als der erste international anerkannte amerikanische Wissenschaftler. Für den Nobelpreis wurde er insbesondere wegen seiner Arbeiten zum Texas-Fieber vorgeschlagen. Theodor Kocher wurde von Professor Vinzenz Czerny aus Heidelberg nominiert. Jules Åkermann, Professor für Chirurgie am Karolinska Institut in Stockholm, war der Referent im fünfköpfigen Nobelkomitee. Er war für die Evaluation von Theodor Kocher zuständig. Åkermann setzte sich sehr für Theodor Kocher ein. Ohne seine genauen Recherchen wäre der Nobelpreis 1909 wahrscheinlich an Theobald Smith gegangen. Åkermann betonte Kochers grosse Bedeutung für die Physiologie, Pathologie und Behandlung der Schilddrüse. Kocher hatte bei Struma-Behandlungen die Mortalitätsrate der chirurgischen Eingriffe von 41 auf 0,1 Prozent gesenkt. Åkermann meinte zudem: «Kochers übrige, grossartige und vielseitige Autorenschaft und chirurgische Tätig - keit ist ausserordentlich bedeutsam. Er ist meiner Meinung nach einer der weltweit führenden Chirurgen, wenn nicht sogar der bekannteste und angesehenste Repräsentant der chirurgischen Forschung.» Diskutiert wurde zudem die Eigenständigkeit und Bedeutung der Arbeiten von Kocher im Vergleich zu denjenigen des in Genf tätigen Chirurgen und Wissenschaftlers Jacques-Louis Reverdin. Reverdin war ebenfalls auf dem Gebiet der Schilddrüse klinisch und wissenschaftlich tätig. Dazu bemerkte Åkermann, dass «beide etwa gleichzeitig die Folgen bemerkt haben», dass aber «die genaue Beschreibung des Krankheitsbildes, die sachliche Darlegung und die unzweideutige Darstellung der Totalexstirpation als Ursache des Krankheitsbildes zeigen, dass Kocher die Ehre gebührt, da er als Erster ausführlich und überzeugend die Totalexstirpation als nicht angebrachte Therapiemethode (der Struma) beschrieben hat.» Richtungsweisend in der Schlussdiskussion des Nobelpreiskomitees war am 18. September 1909 der Diskussionsbeitrag des Pathologie-Professors Carl Sundberg: «Ohne Smiths Bedeutung zu mindern, finde ich, dass Kochers Arbeiten bezüglich der Physiologie, Pathologie und Therapie der Struma keineswegs einfachere oder weniger bedeutsame wissenschaftliche und praktische Fortschritte hervorgebracht haben» «Kochers Arbeiten haben die Forschung bezüglich der inneren Sekretion im Allgemeinen unterstützt» «Ich finde es auch wünschenswert, einen Preis im praktischen Bereich der Medizin zu vergeben» «Ich stimme für Kocher.» Nachdem der Vorsitzende des Nobelkomitees, der Chemiker und Nobelpreisurkunde, The Nobel Foundation. Nachlass Theodor Kocher (Burgerbibliothek) Pharmazeut Karl Mörner, sich ebenfalls eindeutig für Kocher ausgesprochen hatte, erhielt Theodor Kocher am Ende vier und Theobald Smith eine Stimme. So bekam Theodor Kocher 1909 als erster und bis heute einziger Wissenschaftler der Universität Bern einen Nobelpreis. Prof. Dr. med. Thomas Dierks Präsident der Kommission des Theodor-Kocher-Preises 4 Theodor-Kocher-Preis I2/2015 Theodor-Kocher-Preis I2/2015 5 A Nobel Prize with Amplification Effect Theodor Kochers Bedeutung für Bern Today we know and appreciate in considerable detail the immense importance of the thyroid gland. Yet in the mid-late 1800s its functions were largely mysterious. Despite some progress made by experimental work in animal models and by linking pathological changes in the thyroid gland to particular disease conditions, Professor Theodor Kocher s work constituted a tipping point for this field. Kocher was a highly skilled surgeon and the first of his kind to be awarded the Nobel Prize. His innovative work, comprising combinations of antisepsis, general anesthesia and hemostasis, Theodor Kocher transformed surgery on the thyroid gland from one of the most dangerous surgical procedures into treatments which the majority of patients survived and regained their health. A key finding was the insight that complete resection of the thyroid gland led to severe problems for the patients, including mental and physical deterioration, whereas after a partial thyroidectomy, they fared much better. In addition to being a surgical maestro, Theodor Kocher played further important roles for science. In 1912, he endowed a substantial donation to the University of Bern with the condition that it regularly honor its best young researchers by awarding them the «Theodor Kocher Prize.» We may speculate that a substantial part of the Nobel Prize Award funds were used by Theodor Kocher to facilitate the careers of excellent junior scientists thus amplifying the Nobel Prize effect and benefitting science for 100 years. Prof. Dr. Urban Lendahl Secretary-General Nobel Assembly for Physiology or Medicine Am Samstag, dem 22. Juni 1912, findet in der Aula der Berner Universität eine aussergewöhnliche Veranstaltung statt: Man feiert Theodor Kochers 40. Jahr als Professor der Chirurgie. An und für sich ist es nicht ungewöhnlich, einem berühmten Professor eine Jubiläumsfeier zu bieten. Die Art aber, wie dies geschieht, ist für Bern einmalig so etwas hat es weder vorher noch nachher gegeben. Es ist zwar kaum überraschend, dass der Dekan der Medizinischen und der Rektor das Wort ergreifen. Dass die Assistenten und die Medizinische Gesellschaft von Stadt und Kanton Bern ihren Dank aussprechen möchten, ist auch nachzuvollziehen. Aber die Liste der Redner will nicht aufhören. Es sprechen die Präsidenten von Inselkorporation, Klinikerverband, ärztlichem Zentralverein und Naturforschender Gesellschaft, die Rektoren der Universitäten Basel, Genf, Lausanne und Zürich, die Vertreter von Burgergemeinde, Gemeinderat, Regierungsrat, Bundesrat und weitere mehr. Nicht weniger als 21 Ansprachen werden gehal - ten, bis Kocher endlich selbst zu Wort kommt. Kocher ist eine internationale Koryphäe: Grusstelegramme aus aller Welt treffen bei ihm zu Hause ein. Ein paar internationale chirurgische Gesellschaften melden sich auch an der Jubiläumsfeier zu Wort. Diese ist aber vor allem ein Schweizer und noch mehr ein Berner Ereignis. Das wird am nächsten Tag für alle sichtbar: «Der Bund» setzt die Schlagzeile «Professor Kochers Jubiläum» übergross auf die Titelseite, berichtet ausführlich darüber und druckt auf vier vollen, eng bedruckten Seiten nicht weniger als 14 Reden ab. The Nobel Foundation. Fotograf: Lovisa Engblom Glückwunschtelegramm aus den USA Nachlass Theodor Kocher (Burgerbibliothek) 6 Theodor-Kocher-Preis I2/2015 Theodor-Kocher-Preis I2/2015 7 Titelseite «Der Bund» 23. Juni 1912 Es ist klar: Bern feiert mit Kocher auch sich selbst. Heute würde die Schlagzeile wohl lauten: «Wir sind Kocher.» Warum die Berner Kocher hochleben lassen und sich so stark mit ihm und seinen Leistungen identifizieren, machen die Reden und redaktionellen Texte sichtbar. Im Vordergrund steht ein immer wieder betontes Faktum: Kocher, der berühmte Professor, der «Meister der modernen Chirurgie» (wie er im «Bund» genannt wird), hat prestigeträchtige Rufe nach Prag, Berlin oder Wien abgelehnt und ist seiner Heimatstadt Bern treu geblieben. Davon profitiert Bern ausserordentlich und auf verschiedenen Ebenen. Vor allem hat die medizinische ihren hervorragenden internationalen Ruf «zu einem guten Theil» ihm zu verdanken, wie der «Bund» schreibt. Dieser Einschätzung werden auch die Historiker der Zukunft beipflichten. Als Pionier der Organtransplantation und einer biologisch-physiologisch ausgerichteten Chirurgie macht Kocher Bern zu einem internationalen Treff- und Orientierungspunkt seines Fachs. Zur Zeit des 40-Jahr-Jubiläums kommen jährlich über 100 Chirurgen aus allen Ländern, insbesondere aus den USA, ans Inselspital, um Einblick in die hiesige Arbeitsweise zu gewinnen. Die engen Kontakte zu angelsächsischen Kollegen sind zu dieser Zeit nicht selbstverständlich und bewirken, dass Kocher prägenden Einfluss auf die Entwicklung der aufstrebenden amerikanischen Chirurgie hat. Seine Vernetzung wird eine wichtige Grundlage dafür sein, dass Bern auch unter seinem Nachfolger Fritz de Quervain eine wichtige Schaltstelle der internationalen Chirurgie bleiben wird. Nebst Kochers zentraler Leistung, Bern in der internationalen Chirurgie etabliert zu haben, weist der «Bund» 1929 vor allem auf zwei Dinge hin: Kochers Einsatz für das Inselspital und seine grosszügige Geldspende. Der desolate Zustand des alten Inselspitals (am Platz des heutigen Bundeshauses Ost) war bereits in den 1870er-Jahren allgemein bekannt. Inselspital um 1919 Sammlung Hans-Ulrich-Suter 599 Es war insbesondere Kocher, der durch seine aufrüttelnde Rektoratsrede von 1878 und eine Spendensammlung die Voraussetzung geschaffen hatte, dass sich das Projekt eines modernen Neubaus am heutigen Standort 1884 realisieren liess. Erst auf dieser Grundlage haben sich die Berner Spitzenchirurgie und die anderen medizinischen Fächer überhaupt entwickeln können. Kocher verkündet die Geldspende an der Jubiläumsfeier von 1912: Er stiftet Franken zur «Erforschung der Lebensvorgänge im weitesten Sinne des Wortes» Aus diesem Kapital wird 1950 das Theodor-Kocher- Institut hervorgehen und noch hundert Jahre später der Theodor-Kocher-Preis vergeben. Es ist wohl nicht zuletzt diese für Berner Verhältnisse einmalige Spende, die den Gemeinderat zu einer ebenso einmaligen Aktion anregt. Er lässt die Inselgasse in Theodor-Kocher-Gasse umbenennen, eine Ehre, wie sie noch keinem lebenden Berner zuteilgeworden ist. Der Entscheid ist aber wohl auch einem anderen Grund geschuldet: «Kocher ist volkstümlicher, als er es vielleicht glaubt.» So sagt es der Berner Regierungsrat in seiner Ansprache zur Jubiläumsfeier. Dies wird sich erneut beim Tod Kochers 1917 zeigen, wenn eine grosse Menschenmenge dem Trauerzug von der Kirche zum Friedhof folgen wird. Die Berner Bevölkerung ist sich wohl bewusst, dass Kocher wichtige Impulse geliefert hat, indem er die Berner Chirurgie international positioniert, ein modernes Spital etabliert und die biomedizinische Grundlagenforschung gefördert hat Impulse, die weit über seinen eigenen Tod hinaus wirken werden. Prof. Dr. med. Dr. phil. Hubert Steinke Institut für Medizingeschichte Universität Bern 8 Theodor-Kocher-Preis I2/2015 Theodor-Kocher-Preis I2/2015 9 Wertschätzung auf dem Weg zum Universitas Den Theodor-Kocher-Preis erhielt ich 1996 (als erste Frau der Medizinischen ) für «bemerkenswerte und bahnbrechende Neuerungen sowie methodologische Entwicklungen in der molekularen Diagnostik von Erbkrankheiten». Die Preisverleiher attestierten, dass ich als Naturwissenschaftlerin mit meinem «interdisziplinären Denken und Wirken der Medizin wesentliche Impulse» gegeben habe. Diese Auszeichnung war für mich aus verschiedensten Gründen die bedeutendste in meiner wissenschaftlichen Karriere: Erstens, weil sie völlig unerwartet eintraf. Als Naturwissenschaftlerin und Frau an der Medizinischen glaubte ich zu jener Zeit, keine Chancen zu haben, auch nur in eine engere Wahl zu kommen umso grösser war dann die Überraschung und Freude! Medizinischen, mit zweijähriger Erfahrung in der Rechtsmedizin und intensiver Zusammenarbeit mit Justiz und Polizei sowie als Humangenetikerin am Inselspital mit Aktivitäten in den verschiedenen medizinischen Fachgebieten und Kontakten zu Ethikern und Theologen. Ich war immer bestrebt, wissenschaftliche Erkenntnisse und klinische Erfahrungen in einen Gesamtkontext (im Sinne des lateinischen Wortes «universitas») zu stellen. Der Theodor-Kocher-Preis hat mich darin bestärkt, diesen Weg weiterzugehen. Ich erhielt den Preis zu einem Zeitpunkt, als ich als Erstgesuchstellerin die ersten zwei Nationalfondsprojekte bearbeitete, deren Fokus einerseits auf genetischen Grundlagen der chronischen Stoffwechselerkrankung Cystische Fibrose und andererseits auf der Suche nach dem verantwortlichen Gen für die seltene Muskelerkrankung Myotubuläre Myopathie lag. Der Preis ermöglichte mir, flexibler und unabhängiger zu forschen:ich konnte nicht budgetierte Laboreinrichtungen spontan anschaffen, Kongress- und Publikationsspesen von Mitarbeitenden übernehmen oder genetische Fachzeitschriften abonnieren. Die Verleihung des Theodor-Kocher- Preises war ein Meilenstein in meinem Curriculum. Sie eröffnete mir insbesondere auch, weil es sich um eine universitäre und nicht nur fachspezifische Ehrung handelt neue Perspektiven in meinem als Frau und Mutter nicht immer ganz unkomplizierten Werdegang. Prof. Dr. Sabina Gallati Universitätsklinik für Kinderheilkunde Abteilung für Humangenetik Inselspital Bern Zweitens, weil ich diese Auszeichnung als echte Wertschätzung meines Engagements und meiner Arbeit empfand, ohne Einfluss von Beziehungen. Und drittens, weil damals bei der Preisverleihung zusätzlich zur wissenschaftlichen Leistung die Interdisziplinarität ausschlaggebend war, die für mich immer zentral war als Biologin mit humanistischem gymnasialem Abschluss (Latein und Griechisch), tätig an der Nachlass Theodor Kocher (Burgerbibliothek) 10 Theodor-Kocher-Preis I2/2015 Theodor-Kocher-Preis I2/ Schub für das Selbstvertrauen Prof. Dr. Mark van Kleunen Abteilung Ökologie Departement Biologie Universität Konstanz Als ich 1997 als junger Niederländer für meine Doktorarbeit in die Schweiz zog, hatte ich noch keine Ahnung, wohin mich der Weg führen würde. Der Weg stellte sich als sehr erlebnisreich heraus und führte mich nach Zwischenstationen als Postdoc in Kanada, Südafrika und Deutschland wieder für mehrere Jahre in die Schweiz, an die Universität Bern. An diesem schönen Ort erhielt ich die Möglichkeit, mein an den vorhergehenden Stationen entwickeltes Profil als Pflanzenökologe mit Schwerpunkten in Life-History-Evolution und Invasionsbiologie vollends auszuprägen. Dies zeigte sich an meiner Habilitationsschrift und war der Grund für meine Berufung an die Universität Konstanz im Jahr Im gleichen Jahr wurde mir auch der Theodor-Kocher-Preis verliehen. Ich empfand das als enorme Würdigung für meinen Einsatz in einer Zeit, die mich sowohl persönlich als auch wissenschaftlich geprägt hat. Der Theodor-Kocher- Preis würdigte mein neues Konzept, die Unterschiede zwischen invasiven und nichtinvasiven Arten grossräumig zu erforschen, als wegweisend. Dies bestätigte mich enorm und gab meinem Selbstvertrauen grossen Schub. Erst nachdem ich die Preisnachricht erhalten hatte, stellte ich fest, dass das Preisgeld nicht für die Forschung gedacht ist, sondern für den Preisträger selbst. Wie viele andere junge Wissenschaftler war ich jahrelang mithilfe von mehr oder weniger grossen Stipendien über die Runden gekommen. Diese Stipendien sind hilfreich, tragen aber natürlich nicht zur Altersvorsorge oder sozialen Absicherung bei. So war beispielsweise die Hälfte eines Stipendiums für die halbjährige Postdoc-Stelle in Südafrika nur schon für die Flüge dorthin aufgebraucht; die andere Hälfte blieb mir für den Lebensunterhalt. Das Preisgeld des Theodor-Kocher-Preises habe ich deshalb auch als nachträgliche Würdigung des mit gewissen Entbehrungen verbundenen Jungforscherlebens empfunden. Durch die Reaktion meiner Kollegen ausserhalb Berns, etwa in Konstanz, realisierte ich erst später in vollem Umfang, welches Renommee dieser Preis geniesst. Dies hat mich erst recht dankbar und stolz gemacht, Theodor-Kocher- Preisträger zu sein. Nachlass Theodor Kocher (Burgerbibliothek) 12 Theodor-Kocher-Preis I2/2015 Theodor-Kocher-Preis I2/ Entscheidende Wegmarke Prof. Dr. Arne Stollberg Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft Fachgebiet Musikwissenschaft Es war für mich in vielerlei Hinsicht eine wegweisende Lebensspanne: Über elf Jahre lang, von April 2001 bis Juli 2012, war ich in verschiedenen Funktionen am Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern tätig: erst als Assistent, dann als Oberassistent, zuletzt als Lehrbeauftragter. Promotion und Habilitation fanden in diesem Zeitraum statt, von unzähligen anderen, durchweg prägenden Ereignissen im beruflichen wie im privaten
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