Traumatherapie zwischen Heilung und Rechtsanspruch

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Traumatherapie zwischen Heilung und Rechtsanspruch Veränderung der Aussage von Opferzeugen durch Psychotherapie ein juristisches und psychotherapeutisches Problem Referentin: Dr. med. Brigitte Bosse Mainz,
Traumatherapie zwischen Heilung und Rechtsanspruch Veränderung der Aussage von Opferzeugen durch Psychotherapie ein juristisches und psychotherapeutisches Problem Referentin: Dr. med. Brigitte Bosse Mainz, 7. März 2018 2 Gliederung I. Selektive Wahrnehmung II. Was ist ein Trauma III. Gedächtnis-Speicher IV. Dissoziative Symptomatik V. Strukturelle Dissoziation nach Nijenhuis VI. Was wird hier eigentlich gespielt VII. Was verändert Therapie VIII.Gedächtnis und Erinnerung IX. Wahrheitsfindung X. Literatur 3 I. Selektive Wahrnehmung Man sieht nur, was man weiß Film 4 I. Selektive Wahrnehmung Das Denken ist durch das bestimmt, was im Fokus der Aufmerksamkeit ist Es ist normal, dass durch eine Fokusverschiebung andere Inhalte sichtbar werden II. Was ist ein Trauma Wenn weder kämpfen noch flüchten, dann freeze or fragment Ein Trauma übersteigt die normalen Verarbeitungskapazitäten: Was nicht sein darf, kann nicht gespeichert werden Was nicht auszuhalten ist, wird wegdissoziiert: Wenn der Tiger mich frisst, muß ich es nicht merken Je stärker die Dissoziation während der Traumatisierung, desto ausgeprägter die Folgen 6 III. Gedächtnis-Speicher Es gibt ein implizites = diffuses =vorsprachliches Und ein explizites =semantisches= sprachliches Gedächtnis Gedächtnisinhalte werden amygdal oder hippocampal prozessiert. 7 VI. Dissoziative Symptomatik Im DSM V ist die dissoziative Symptomatik als Symptom der PTSD aufgeführt Die dissoziative Symptomatik reicht von Depersonalisations- und Derealisationsphänomenen bis hin zu Dissoziativen Identitätsstörungen Verzögerte Erinnerung an Missbrauch korreliert mit der Schwere des Missbrauchs und dem Ausmaß der Dissoziation (van der Kolk et al., 2000: ) Hirnphysiologisch lässt sich der Unterschied zwischen einer echten und einer gespielten Diss erkennen (Schlumpf, 2013) Personen mit einer Diss sind nicht phantasiebegabter/suggestibler als andere (Nijenhuis, 2016; Schlumpf, 2013) 8 V. Strukturelle Dissoziation nach Nijenhuis Primäre Strukturelle Dissoziation Eine Anscheinend normale Außenperson (ANP) ein Emotionaler Anteil (EP, emotional part) Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD, Posttraumatic Stress Disease) 9 V. Strukturelle Dissoziation nach Nijenhuis Sekundäre Strukturelle Dissoziation Eine Anscheinend normale Außenperson (ANP) Mehrere Emotionale Anteile (EP) Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung 10 V. Strukturelle Dissoziation nach Nijenhuis Tertiäre Strukturelle Dissoziation Mehrere Anscheinend normale Außenpersonen (ANP) Mehrere Emotionale Anteile (EPP) Dissoziative Identitätsstörung 11 VI. Was wird hier eigentlich gespielt Der Gorilla ist unterschiedlich unsichtbar Akuttrauma Dauernd ploppt ein bedrohlicher Affe auf Komplextrauma Etwas ploppt auf a) Patient/in sieht den Affen nicht b) Gegenüber sieht den Affen nicht c) beide sehen den Affen nicht In mehr als 90% der Fällen gibt es den Affen (Gysi, 2018: 17) 12 VII. Was verändert Therapie Akute Traumatisierung Typ I Trauma Die Bedrohung durch den Affen wird bestätigt Der Affe wird beschreibbar Das Erlebnis mit dem Affen wird in das eigene Selbst- und Weltbild eingeordnet Methoden und Techniken der Therapie Psychoedukation Traumadistanzierende Übungen Traumakonfrontation und integration Traumabewältigung und Neuorientierung 13 VII. Was verändert Therapie Komplexe Traumatisierung Typ II Trauma Gibt es einen Affen? Oder sogar mehrere? Da, wo die Therapie ist, ist der Affe nicht lebensbedrohlich Erst dann kann der Affe sichtbar und gezähmt werden Du bist nicht alleine mit dem Affen! Methoden und Techniken der Therapie Psychoedukation Ressourcenstärkung Finden einer (gemeinsamen) Sprache Aufhebung der dissoziativen Spaltung = Integration Nur, was im expliziten Gedächtnis gespeichert ist, kann formuliert werden 14 VII. Was verändert Therapie Therapie verändert den Speicherort für Erinnerungen (Pagani et al., 2015) Implizite Erinnerungen werden bewusst (gemacht), versprachlicht und im expliziten Gedächtnis neu verortet mit allen zugehörigen Gefühlen, Bewertungen, Gedanken und Körperwahrnehmungen (BASK-Modell) Therapie verändert das Maß der subjektiven Belastung Damit entsteht und verändert sich das Narrativ 15 VII. Was verändert Therapie EMDR als Methode der Traumaverarbeitung befördert detailliertere Gedächtnisinhalte Erinnerungen werden oft präziser und detailreicher, das Risiko von Falschinformationen wird reduziert (Liebermann, 2014: 272) 16 VIII. Gedächtnis und Erinnerung Erinnern stellt nicht die reine Wiedergabe einer gespeicherten Information dar, sondern ist ein aktiver Prozess, bei dem Informationen neu zusammengesetzt werden. (Liebermann, 2014: 171) Erinnerung wird konstruiert Erinnerung ist kontextabhängig Jeder Bericht überschreibt die Erinnerung Traumatherapie ist die empathische und parteiliche Begleitung dieses Prozesses. Therapeut/innen behandeln Angst vor Affen, von deren Vorhandensein Jurist/innen erst überzeugt werden müssen. 17 VIII. Gedächtnis und Erinnerung Erinnerungen, die semantisch nicht integriert werden können, werden auf einer anderen, tendenziell primitiveren Ebene der Informationsverarbeitung organisiert. Später aufgetauchte Erinnerungen: Wenn es um die Verlässlichkeit der Erinnerung geht, macht es keinen Unterschied, ob Erinnerungen an Kindheitsbelastungen durchgängig verfügbar oder verzögert aufgetaucht sind (Nijenhuis, 2016: 470). Das Auftauchen verzögerter Erinnerungen hängt eher mit der Fähigkeit der Betroffenen zusammen, schmerzhafte Erinnerungen zu unterdrücken, als mit aktiver Suggestion (a.a.o.) 18 IX. Wahrheitsfindung Strafrecht: in dubio pro reo! Sozialrecht: in dubio pro??? Aussagepsychologische Untersuchung Fehlerquote bis zu 30% (Meißner, 2013) Aber: in über 90% der Fälle existiert der Affe wirklich 19 X. Literatur Gysi, Jan; Rüegger, Peter (2018): Handbuch sexualisierte Gewalt. Therapie, Prävention und strafverfolgung. 1.Auflage. Bern: Hogefe AG. Liebermann, Peter (2014): EMDR und Erinnerung. Erinnern als aktiver Prozeß. In: Arne Hofmann (Hg.): EMDR. Praxishandbuch zur Behandlung traumatisierter Menschen. 5. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, S Meißner, Malte (2013): Der Konflikt der Aussagepsychologie mit dem Stand der Wissenschaft, Nijenhuis, Ellert (2016): Die Trauma-Trinität: Ignoranz-Fragilität Kontrolle. Vandenhook & Ruprecht, Göttingen Pagani, Marco, Giorgio Di Lorenzo2,3,4, Leonardo Monaco2,3, Andrea Daverio2,3,4 (2015): Frontiers _ Neurobiological response to EMDR therapy in clients with different psychological traumas _ Psychology for Clinical Settings. Neurobiological response to EMDR therapy in clients with different psychological traumas, Van der Kolk, Bessel, McFarlane, Alexander C., Weisaeth, Lars (2000): Traumatic Stress. Grundlagen und Behandlungsansätze. Jungfermann, Paderborn Schlumpf, Yolanda (2013): Dissociative part-dependent biopsychosocial reactions to backward masked angry and neutral faces: An fmri study of dissociative identity disorder. In: NeuroImage: Clinical (3), S Schlumpf, Yolanda (2013): The brain in dissociative identity disorder : reactions to subliminal facial stimuli and a task-free condition. Dissertation, UZH, Zürich. 20 Danke für die Aufmerksamkeit Fragen?
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