Vergleichende Analyse von Sachtexten (Aufgabenart II B) Aufgabenstellung

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Vergleichende Analyse von Sachtexten (Aufgabenart II B) Aufgabenstellung 1 Analysieren Sie Monika Knopfs Text Kulturvergleich: Babys Welt im Hinblick auf die vorgetragenen Thesen, ihre argumentative Begründung
Vergleichende Analyse von Sachtexten (Aufgabenart II B) Aufgabenstellung 1 Analysieren Sie Monika Knopfs Text Kulturvergleich: Babys Welt im Hinblick auf die vorgetragenen Thesen, ihre argumentative Begründung und die angestrebte Wirkung. Setzen Sie die Thesen in Bezug zu Ihnen bekannten Modellen und Erkenntnissen zum Spracherwerb. Berücksichtigen Sie bei der Analyse auch die Funktion sprachlicher und rhetorischer Mittel. (55 Punkte) 2 Formulieren Sie mit eigenen Worten, welches zentrale Ergebnis im Zeitungsartikel Brabbelnder Roboter lernt Sprechen wie ein Kleinkind dargestellt und wie es argumentativ begründet wird. Stellen Sie die wesentlichen Ähnlichkeiten und Unterschiede der in den beiden Texten dargestellten Positionen dar. (30 Punkte) Monika Knopf: Kulturvergleich: Babys Welt (2011) 2014 Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin. Alle Rechte vorbehalten In welcher Weise das kulturelle Umfeld die Kinderentwicklung beeinflusst und wo es möglicherweise keine Rolle spielt, haben Psychologen bislang selten systematisch untersucht. So mangelt es an Belegen für die verbreitete Annahme, dass sich Kinder in allen Kulturen ähnlich entwickeln: Wann sie selbstständig den ersten Schritt machen oder das erste Wort sprechen, folge demnach einem universellen Muster. [ ]. Meine Kollegen Heidi Keller, Arnold Lohaus, Gudrun Schwarzer und ich untersuchten rund 300 Babys jeweils im Alter von drei, sechs und neun Monaten. Die deutschen Kinder wuchsen mehrheitlich in Mittelschichtsfamilien auf, die Eltern der afrikanischen Babys zählten zum Volksstamm der Nso und waren überwiegend Farmer. [ ]. Uns ging es nicht nur darum, umweltbedingte Unterschiede aufzuspüren, sondern auch die frühe Entwicklung von Lernen und Gedächtnis zu dokumentieren. Zu diesem Zweck benutzten wir unter anderem eine Imitationsaufgabe. [ ] Zunächst duften die Säuglinge nur zuschauen, wie eine Frau (die jeweils derselben Kultur entstammte wie das betreffende Baby) auf zwei verschiedene Weisen mit einer Puppe hantierte. Diese wies entweder die Gesichtzüge einer jungen Frau aus Afrika oder aus Mitteleuropa auf. Drückte die Erwachsene nun auf ein Amulett an der Halskette, erklang ein leiser Ton; nahm sie dem Puppenkopf einen Haarknoten ab und schüttelte ihn, so raschelte es. [ ] Wie erwartet imitierten sowohl die deutschen als auch die afrikanischen Babys das Verhalten der Erwachsenen: Sie spielten nahezu doppelt so oft in der fraglichen Weise mit den Puppen. Offenbar hatten sie das beobachtete Verhalten zumindest kurzzeitig im Gedächtnis gespeichert. Das zeigt, dass Imitation ein grundlegender Lernmechanismus ist, auf den Babys aus unterschiedlichen Kulturen schon früh zurückgreifen. Verblüffend war dies vor allem deshalb, weil die Kinder der Nso nahezu ohne Spielzeuge aufwachsen und das betreffende Verhalten trotzdem spontan sogar geringfügig häufiger zeigten als die gleichaltrigen deutschen Kinder. [ ] Deutliche Unterschiede zwischen den beiden Kulturkreisen fanden wir noch in zwei anderen Bereichen der frühkindlichen Entwicklung: Motorik und Sprache. [ ] Am stärksten unterschieden sich die Säuglinge in der Grobmotorik: Die drei Monate alten Nso-Babys waren auf diesem Gebiet viel weiter fortgeschritten als ihre deutschen Altersgenossen. Unter anderem konnten nur 7 % der Deutschen, aber rund 95 % der afrikanischen Säuglinge angelehnt sitzen. [ ] Die grobmotorische Überlegenheit der kleinen Nso hatten wir erartet, denn ihre Kultur fördert diese Fertigkeiten nach Kräften. Die Eltern tragen ihre Babys oft bei sich, wiegen sie hin und her, stimulieren Arme und Beine und versuchen früh, sie zum Sitzen oder Stehen zu bewegen. Deutsche Eltern fürchten hingegen häufig, es könne dem Rücken oder den Beinen ihres Nachwuchses schaden, wenn dieser zu früh sitzen oder laufen lernt. Daher forcieren sie die motorische Entwicklung in der Regel nicht. In Sachen Kommunikation verhält es sich umgekehrt: Während Nso-Familien wenig mit ihren Säuglingen sprechen, reden Eltern in unserem Kulturkreis von Geburt an viel mit ihrem Kind. Sie bemühen sich darum, mit dem Nachwuchs zu interagieren, halten häufig Blickkontakt, sprechen das Baby an und registrieren aufmerksam dessen Reaktionen. Dabei beschäftigen sie sich meist exklusiv mit ihrem Kind, während Nso-Mütter dem Nachwuchs häufig nur sporadisch Aufmerksamkeit schenken und ansonsten ihren Alltagsgeschäften nachgehen. Das spiegelt sich auch in unserem Testergebnissen: Wie erwartet hatten Babys aus unserem Kulturkreis mit drei und sechs Monaten einen höheren sprachlichen Entwicklungsstand erreicht als gleichaltrige Säuglinge in Kamerun. Mehr als jedes dritte deutsche Baby vermochte mit drei Monaten schon zwei Vokale zu artikulieren, jedes sechste auch zwei Konsonanten. Beides gelang nur rund drei Prozent der gleichaltrigen Nso. Erst drei Monate später, also mit einem halben Jahr, hatten die afrikanischen Babys denselben Entwicklungsstand erreicht wie die deutschen. [ ] Der größte Unterschied im Kommunikationsverhalten lag allerdings in einer weiteren Kompetenz : Knapp zwei von drei deutschen Babys vermochten sich verbal Aufmerksamkeit zu verschaffen aber nur vier Prozent der gleichaltrigen Kameruner. [ ] Was lernen wir aus alldem? Unsere Studie wies zum einen nach, dass Imitation einen universellen Lernmechanismus darstellt. Zum anderen belegten wir, dass die jeweilige Kultur die sprachliche und motorische Entwicklung stark beeinflusst obwohl beide bislang eher als biologisch determiniert galten. Offenbar fördern Eltern verschiedener Kulturkreise ihren Nachwuchs vor allem beim Erwerb jener Fähigkeiten, die in der betreffenden Gesellschaft besonders beachtet und geschätzt werden. [ ] (Aus: Gehirn und Geist 7 8/2011, S. 30 ff.) Jan Dönges: Brabbelnder Roboter lernt Sprechen wie ein Kleinkind (2012) 2014 Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin. Alle Rechte vorbehalten Was ein Wort ist und was nicht, erkennen Kinder, wenn sie mit Erwachsenen interagieren. Wissenschaftler zeigen nun, das auch Roboter ähnlich zu plappern anfangen können. Wie schaffen es Kleinkinder, Wörter zu lernen, ohne überhaupt zu wissen, was ein Wort ist? Dieser Frage gehen jetzt Forscher um Caroline Lyon mit der Hilfe eines humanoiden Roboters nach. Dazu instruierten sie Versuchsteilnehmer, so mit ihrem Roboter DeeChee zu reden, wie sie sich mit einem plappernden Kleinkind unterhalten würden. Dabei zeigte sich, dass der Roboter durchaus innerhalb weniger Minuten auffällige Einsilbenwörter aufschnappen und wiedergeben kann. Nach der Bedeutung dieser Wörter zu suchen, war allerdings nicht Teil seiner Programmierung. Bei der Entwicklung der Robotersoftware versuchten die Wissenschaftler der University of Hertfordshire, so wenige Vorannahmen wie möglich zu machen. Lediglich die aufgezeichneten Äußerungen der Versuchspersonen wurden von einem Spracherkennungsprogramm in Lauteinheiten (Phoneme) zerlegt und dem Computer als Abfolge solcher Einheiten vorgelegt. Diese segmentierte DeeChee in alle theoretisch möglichen Silbenkombinationen genau wie ein Kind, das nicht weiß, wo ein Wort aufhört und das andere anfängt. Gleichzeitig erfasste der Computer die Häufigkeitsverteilung dieser Silben. Nach jedem Durchgang plapperte DeeChee Auszüge aus seiner Silbenliste vor, wobei er sich an deren Häufigkeiten orientierte. Dadurch, dass ihm besonders informationsreiche Wörter wie blue , red , green oder box , circle häufiger unterkamen, eine geringe Varianzbreite in der Aussprache aufwiesen und noch dazu tendenziell deutlicher ausgesprochen wurden, wiederholte er bevorzugt diese Wörter. Nun kam ein weiterer Mechanismus zum Tragen: Die Versuchsteilnehmer wurden angewiesen, den Roboter zu loben, sobald sie eins der einsilbigen Wörter wiedererkannten. Das wiederum verstärkte die Abspeicherung der betreffenden Silbe in Dee-Chees internem Wörterbuch. In den knapp fünfminütigen Sitzungen lernte er auf diese Weise ein bis zwei Wörter. Forscher gehen davon aus, dass das Erkennen solcher statistischen Regelmäßigkeiten ein wesentlicher Faktor im Spracherwerb ist. Allerdings dürften Kinder noch deutlich mehr Anhaltspunkte nutzen, um den Lautstrom eines Erwachsenen in sinnvolle Einheiten zu zerlegen der sogenannte Baby Talk, also die eigenartige, an Kinder gerichtete Sprechweise, ist mit seinen übertriebenen Intonationskurven und vielen Wiederholungen geradezu dafür gemacht, dem Kleinkind subtile Hinweise auf wichtige Satzteile zu geben. Das Experiment mit DeeChee simuliert immerhin die oft sehr chaotische Interaktion zwischen Kind und Erwachsenem realistischer als die meisten seiner Vorgänger. Wie Lyon und Kollegen berichten, hätten fast alle Versuchsteilnehmer das Gefühl gehabt, tatsächlich mit dem Roboter zu kommunizieren. (Aus: Spektrum.de, Inhaltliche Leistung Aufgabe 1 Anforderungen Die Schülerin/der Schüler 1 verfasst eine aufgabenbezogene Einleitung: Autor, Titel, Textsorte, Entstehungsjahr, Thema. 2 skizziert kurz den Problemkontext, z. B.: Darstellung einer kulturvergleichenden Studie, die den Einfluss des kulturellen Umfeldes auf die Kinderentwicklung untersucht. Damit werden Rückschlüsse auf den Spracherwerb und die Sprachentwicklung des Kindes möglich. Somit ist die Studie ein Beitrag zur aktuellen Diskussion über den Spracherwerb des Kindes. 3 strukturiert den Text sinnvoll und gibt einen inhaltlichen Überblick: Einleitend: Forschungssituation und Anlass der vergleichenden Studie (Nso-Kinder, mitteleuropäische Kinder) (Z. 13 ff.). Darstellung dreier zentraler Ergebnisse der Studie: Vergleich des Imitationsverhaltens (Z. 20 ff.), der Motorik (Z. 45 ff.) und der Sprache (Z. 45 ff.) Schlussfolgerungen und Fazit (Z. 89 ff.) 4 erschließt die vorgetragenen Thesen und ihre argumentative Begründung: Imitation stellt einen universellen Lernmechanismus dar. Faktenargument: Im Experiment zeigen afrikanische und deutsche Kinder keine bedeutsamen Unterschiede bezüglich des Imitationsverhaltens Kulturelle Einflüsse zeigen sich in den Bereichen, die in den Gesellschaften eine unterschiedliche Bedeutung haben: Afrikanische Kinder zeigen Vorteile bezüglich der Motorik, deutsche Kinder bezüglich des Kommunikationsverhaltens, und zwar sowohl in der Artikulation als auch in der Fähigkeit, sich verbal Aufmerksamkeit zu verschaffen. Als Grund dafür nennt der Text eine unterschiedliche Förderung der jeweiligen Fähigkeit durch Erwachsene: In Kamerun werde die Motorik, in Deutschland die Kommunikation besonders gefördert. Das Erlernen der Sprache und der Motorik ist nicht unbedingt biologisch determiniert, sondern kulturell aktiviert. 5 erschließt die angestrebte Wirkung: Die Autorin tritt offenbar dafür ein, einen bislang bestehenden Konsens in der Forschung zu korrigieren: Sprachliche und motorische Entwicklung sind demnach nicht biologisch determiniert, sondern hängen von unterschiedlich starker Förderung ab, die wiederum kulturbedingt ist. Entwicklungsunterschiede zwischen den Kindern erscheinen als natürlich und als kulturspezifisch sinnvoll. Deutlich erkennbar ist, dass keinerlei Wertung zwischen den unterschiedlichen Kompetenzvorteilen erfolgt. Gerade die Symmetrie der Argumentation ist auffällig. maximal erreichbare (AFB) 9 (II) 9 (II) 3 (II) 6 (II) erreichte 384 ERWARTUNGSHORIZONT 6 setzt die Position in Beziehung zu bekannten Sprachursprungstheorien, etwa: Knopf grenzt sich damit letztlich ab von radikal nativistischen Positionen, die nicht nur angeborene Sprachstrukturen annehmen, sondern diesen auch einen hohen Einfluss auf die Sprachentwicklung zumessen. Knopf knüpft mit der Position an interaktionistische Spracherwerbsmodelle an, die gerade den Erwachsenen einen hohen Einfluss auf die Sprachentwicklung zuschreiben (etwa Bruner). Eine konstruktivistische Fortführung dieser interaktionistischen Erklärungsmuster findet sich bei Knopf nicht. 7 erschließt die Funktion sprachlicher und rhetorischer Mittel, etwa: Neutrale, sachliche Darstellung, die vor allem alle Wertungen der unterschiedlichen Kulturleistungen vermeidet Für ein breites Publikum verständliche Darstellung: Populärwissenschaftlicher Text, der für jedermann verständlich sein soll. Textstrukturierungsmittel wie Doppelpunktstil (Z. 45 ff.), Fragen (Z. 89) erleichtern die Verständlichkeit. Vorsichtige Darstellung der Deutungen: Offenbar (Z. 95) 8 bündelt Ergebnisse in einer reflektieren Zusammenschau (Fazit), etwa: Text präsentiert eine Studie, die interaktionistisch-konstruktivistische Spracherwerbsmodelle stärken kann Zentrales Argumentation: Gefördertes wird von Babys stärker erlernt. 10 (II) (5) (5) 6 (III) 3 (III) 9 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (Max. 5 Punkte) 55 Aufgabe 2 Anforderungen Die Schülerin/der Schüler 1 verfasst eine aufgabenbezogene Überleitung, in der der zweite Text vorgestellt wird. 2 formuliert mit eigenen Worten, welches zentrale Ergebnis im Zeitungsartikel dargestellt und wie es argumentativ begründet ist, etwa: Ähnlich wie ein Kleinkind kann auch ein Computer Sprache erwerben. Argumentativ begründet wird dies durch ein Experiment, in dem Erwachsene mit dem Computer ähnlich sprachen wie mit einem Kleinkind. Der Computer erlernte offenbar dabei auf ähnliche Weise Wörter wie ein Kind. 3 vergleicht die Texte und benennt Ähnlichkeiten, etwa: Experimentelles Vorgehen zur Untersuchung von Spracherwerbsprozessen Tendenziell Stärkung der These, wonach Spracherwerb eher ein Lernprozess ist als ein Prozess, der auf angeborenen Strukturen beruht 4 vergleicht die Texte und benennt Unterschiede, etwa: Im zweiten Text wird eine eher konstruktivistische Position vertreten: Das Kind entwickelt selbst aufgrund des Sprachinputs eine Vorstellung von der Sprache und prüft dies durch Aussprechen. Im ersten Text dagegen stärkere Betonung des interaktionistischen Moments, also der Förderung durch den Erwachsenen. Im zweiten Text Einbau eines behavioristischen Moments, nämlich eines Lobs für wiederholte Silben. Im ersten Text keinerlei Hinweis auf diese Tradition. Im zweiten Text durch die Sprache sehr starke Betonung der Parallelen zwischen Computer und Kind: plappern, brabbelte Im ersten Text dagegen bewusst wertfreie und neutrale Formulierung der Ergebnisse. 5 zieht eine reflektierte Schlussfolgerung, z. B.: Zwei bewusst antinativistische Positionen, aber mit anderer Ausrichtung (konstruktivistisch, interaktionistisch) Beide richten sich an breites Publikum, zweiter Text aber eher feuilletonistisch unterhaltsam, erster Text in neutralem Duktus der Wissenschaft. 6 erfüllt ein weiteres aufgabenbezogenes Kriterium. (Max. 5 Punkte) maximal erreichbare (AFB) 6 (II) 5 (II) 10 (II) 3 (III) 30 erreichte 386 ERWARTUNGSHORIZONT Darstellungsleistung Anforderungen Die Schülerin/der Schüler maximal erreichbare 1 strukturiert den Klausurtext schlüssig, sinnvoll verknüpft und gedanklich klar. 6 2 schreibt fachsprachlich korrekt, differenziert zwischen beschreibenden, deutenden und wertenden Aussagen, beachtet Tempora und Modalität. 3 formuliert unter Beachtung der Textsorte begrifflich präzise und differenziert, sprachlich-stilistisch angemessen, abwechslungsreich und sicher. 4 belegt Aussagen funktional durch korrekte Zitate. 3 5 schreibt sprachlich-formal korrekt erreichte Eine Zuordnung der Notenstufen zu den Punktezahlen findet sich auf S. 47 in diesem Handbuch.
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